Newton, Michael & Buval, Jacques: Die große Enzyklopädie der Serienmörder von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2000
unter dem Titel The Encyclopedia of Serial Killers,
deutsche Ausgabe erstmals 2002
.
447 Seiten.
ISBN-10: 3853651895, ISBN-13: 978-3853651896.
Übersetzt von Robert Zingerle, Fatima Awwad, Sabine Geiger.
'Newton, Michael & Buval, Jacques: Die große Enzyklopädie der Serienmörder' ist erschienen als
![]()
![]()
Das meint Krimi-Couch.de:
Sie morden möglichst viele Menschen auf möglichst widerwärtige Weise und steigen dadurch zu Medienstars auf; im Gefängnis malen wie womöglich schlechte Bilder, die sie für gutes Geld an geschmacksirrende »Sammler« verhökern: Serienmörder liegen im Trend, seit Anthony Hopkins dem großen Hannibal Lector sein Gesicht lieh. Grausam, aber mysteriös und reizvoll erscheinen sie ihren »Fans« (die freilich anders denken würde, stünde eines der Objekte ihrer Verehrung mit seinem Handwerkszeug vor ihnen).
Auf 450 Seiten stellt sie uns Michael Newton in alfabetischer Reihenfolge vor. Nach einem biografischen Rückblick auf Herkunft, Kindheit und Jugend konzentriert sich die Darstellung verständlicherweise auf die »Karriere« des jeweiligen Serienmörders und beschreibt (manchmal etwas zu detailliert bzw. liebevoll) dessen (oder deren) Wüten. Newton reiht nicht nur Fall an Fall, sondern macht Übereinstimmungen in Motiv und Vorgehensweise deutlich. Serienmörder klettern nicht im tiefen Wald durch eine Falltür aus der Hölle, sondern durchlaufen gewisse »Entwicklungsphasen«, bevor sie endlich »reif« sind für ihre Gräueltaten. Oft sind sie selbst Opfer familiärer oder anderer Gewalt, was ihr tun nicht entschuldigt, aber immerhin erklärt.
Neben die Fallbeispiele der einzelnen Serienmörder stellt Newton kurze, aber ebenfalls prägnante Abhandlungen über Themen wie Fahndungsmethoden, »Profiling« oder Strafgesetzgebung (in USA mehr ein Schacher zwischen Justiz, Politik und Medien). Er führt seine Leser in die Klassifizierung von Serienmördern ein, beschreibt die Bemühungen, sie biologisch oder soziologisch zu verstehen, damit man sie womöglich schon fangen kann, bevor sie loslegen, versucht sich sogar an einer Geschichte der Serienmorde, die zwar rudimentär bleiben muss, aber immerhin deutlich macht, dass diese Variante des Gewaltverbrechens die Menschheit schon seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden dezimiert.
»Die große Enzyklopädie der Serienmörder« ist eine zwiespältige Dokumentation. Das Phänomen als solches ist präsenter denn je, Serienmord nicht nur schick, sondern eine »Wachstumsbranche«, wie es der Verfasser nennt. (Wer’s nicht glauben mag, werfe einen Blick auf einschlägige »Fan-Sites« wie http://www.serienkiller.de, die auch in diesem unseren Lande existieren – und wie!) Das Interesse daran muss deshalb nicht schamhaft »wissenschaftlich« verbrämt werden. Der Einblick in ihre Psyche schützt nicht vor Killern, aber vielleicht relativiert das (zugegebenmaßen oberflächliche) Wissen, welches ein Werk wie die »Enzyklopädie« vermittelt, das übliche »Rübe ‘runter/Adolf her!«-Geschrei, das Volkes Stimme gern erhebt, wenn wieder einmal – und auch immer öfter hierzulande – ein Serienmörder gefasst wurde.
Ebenfalls positiv anzumerken: Anders als die oft schlampig recherchierten und zusammengeschluderten, mit vielen scheußlichen Fotos auf Schock und Sensation getrimmten »True Crime«-Trasher widmet der Verfasser seinen »Schützlingen« viel Raum. Nicht Vollständigkeit – die ohnehin nicht zu erreichen ist -, sondern Repräsentanz in Sachen Motive, Nationalitäten und Verbrechensarten strebt er an.
Nebenbei gelingt Newton die gründliche Entmystifizierung der Serienmörder. Es sind keine wilden Übermenschen, die stolz die Fesseln der Zivilisation abstreifen und die Bestie leben, die angeblich in uns allen steckt. Die Realität sieht ganz anders aus. Serienmörder sind zusammengefasst Verlierer, Spinner oder Sadisten; nicht selten sogar alles zusammen. Deshalb müssen wir kein schlechtes Gewissen haben, wenn wir uns im Thriller angenehm vor ihnen gruseln, aber es heißt ganz sicher nicht, dass wir sie in der Realität bewundern müssen oder uns nicht massiv vor ihnen schützen dürfen.
Abgesehen davon hinterlässt ein Buch wie die »Enzyklopädie« einen schalen Nachgeschmack. Das liegt nicht am anrüchigen Thema, sondern an der Art, wie der Verfasser es abhandelt. Michael Newton leistet bessere Arbeit als viele seiner »True Crime«-Kollegen. Er kann seine Faszination an blutigen Details aber auch nicht verhehlen. Gern schwelgt er sogar darin. Oft gibt es keinen echten Grund, groteske Metzelorgien bis ins Detail zu schildern; dass wir es hier mit kranken, bösen. gemeingefährlichen Zeitgenossen zu tun haben, glauben wir ihm auch so. Natürlich muss sich die »Enzyklopädie« verkaufen, und womöglich verläuft für Ihren Rezensenten die Grenze zwischen bloßer Spekulation und Aufklärung anders als für die übrigen Leser.
Newton bleibt immerhin sachlich. Jacques Buval, der dieser »Enzyklopädie« eine europäische Dimension gibt, übt sich dagegen in jenem pseudo-dramatischen »Ich bin dabei gewesen«-Tonfall, der die deutschsprachige »True Crime«-Literatur traditionell unleserlich werden lässt. Gleichzeitig scheint Buval einem nicht ausgelebten Drang zum Roman Ausdruck verleihen zu wollen und verwandelt tragische Ereignisse in schauerlichen Kitsch.
Michael Newton & Jacques Buval
Gar nicht so selten geschieht es, dass ein Schriftsteller bei näherer Betrachtung mindestens ebenso interessant wie seine Werke wirkt. Michael Newton gehört ganz bestimmt in diese Sparte, das verrät bereits ein kurzer Blick auf seine Website (http://www.michaelnewton.homestead.com).
Da sticht zunächst Newtons Autorenfoto ins Auge, das problemlos der Galerie seiner Serienmörder eingegliedert werden könnte. Was hat er sich d a b e i bloß gedacht? Glücklicherweise macht der Blick auf die Liste seiner Werke deutlich: Dieser Mann hätte gar nicht die Zeit sich als Serienmörder zu betätigen. Seit 1977 veröffentlichte Newton mehr als 180 (!) Romane und Sachbücher. Er hat sogar einen eigenen Counter auf besagter Website eingerichtet, der emsig die Neuveröffentlichungen anzeigt.
Geboren und aufgewachsen ist Newton in Kalifornien, heute lebt er in Nashville, Indiana (nicht das in Tennessee). Seine schriftstellerische Karriere begann er als »Ghostwriter« für Autor Don Pendleton, der ab 1969 Mark Bolan, den »Executioner«, auf die Welt und die Mafia losließ. Als Pendleton 1980 keine Lust mehr hatte, setzte Newton die Serie fort, die er inzwischen um fast 90 (!) Fortsetzungen bereicherte.
Ansonsten schreibt Newton auch Psycho-Thriller, Western, Horror, und ein besonderer Erfolg ist sein Handbuch »Armed and Dangerous: A Writer’s Guide to Weapons«, das unbedarften Kollegen erläutert, wie schriftstellerisch eingesetzte Waffen richtig funktionieren und wie man die von ihnen verursachten Körperschäden korrekt beschreibt.
Jacquel Buval, der »inoffizielle Co-Autor« der »Enzyklopädie«, ist nicht so präsent wie sein amerikanischer Kollege, aber offenbar in derselben Branche, d. h. auch er schreibt über »Wahre Verbrechen« und ist u. a. mit einem Werk über den berüchtigten »Rucksack- Mörder« aus Australien an die lesende Öffentlichkeit getreten.
Ihre Meinung zu »Michael Newton & Jacques Buval: Die große Enzyklopädie der Serienmörder«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!
| Shiva zu »Michael Newton & Jacques Buval: Die große Enzyklopädie der Serienmörder« | 17.01.2008 |
|---|---|
| Tobias zu »Michael Newton & Jacques Buval: Die große Enzyklopädie der Serienmörder« | 21.10.2007 |
| Jasmine zu »Michael Newton & Jacques Buval: Die große Enzyklopädie der Serienmörder« | 13.10.2007 |
| Schusti zu »Michael Newton & Jacques Buval: Die große Enzyklopädie der Serienmörder« | 12.04.2007 |
| Chrisi zu »Michael Newton & Jacques Buval: Die große Enzyklopädie der Serienmörder« | 05.04.2006 |
| Carlo Beer zu »Michael Newton & Jacques Buval: Die große Enzyklopädie der Serienmörder« | 22.04.2004 |
