Michael Innes

Michael Innes wurde am 30. September 1906 als John Innes Mackintosh Stewart geboren. Er studierte Englische Literatur an der Edinburgh Academy und am Oriel College zu Oxford, wo er 1928 graduierte. Die nächsten beiden Jahre gönnte Stewart sich eine Auszeit und reiste durch Deutschland und Österreich. In Wien hörte er Vorlesungen in Psychoanalytik. Als echter »Oxford-Dean« übersetzte er 'nebenbei’ die »Essays« des französischen Moralisten Michel de Montaigne (1533-1592), was das Oriel College mit einem Literaturpreis honorierte und Stewart eine Stelle einbrachte: 1930 ging er als Lektor an die University of Leeds. Fünf Jahre blieb er hier und heiratete 1932 die Medizinerin Margaret Hardwick. 1935 ging das Paar nach Australien. Zehn Jahre blieb Stewart als Englischprofessor an der University of Adelaide und kehrte erst nach dem II. Weltkrieg nach England zurück. Bis zu seiner Pensionierung 1973 lehrte er an verschiedenen Universitäten in Oxford.

Seit 1936 schrieb Stewart Kriminalromane – 'getarnt’ als Michael Innes, denn als Gelehrter musste er auf seinen Ruf achten. Es ging ihm ums Geld, denn als Dozent verdiente er schlecht. Innes erwies sich als fähiger und vor allem schneller Autor. In nur sechs Wochen soll er seinen beachtlichen Erstling »Death at the President’s Lodging« (dt. »Zuviel Licht im Dunkel«) zu Papier gebracht haben. Dies war auch der erste Roman um Inspector John Appleby, einen Gentleman-Ermittler der alten Schule.

Diesen Appleby ließ Innes im Laufe der Jahre altern. Wir treffen ihn am Anfang einer bemerkenswerten Karriere, bei seiner Pensionierung ist er Leiter der Metropolitan Police von London und trägt einen Adelstitel. In »Appleby’s End« trifft der Polizist seine spätere Gattin Judith Raven, die ihm ebenso in mehreren Fällen beisteht wie Sohn Bobby. Im Ruhestand setzt Appleby seine kriminalistische Arbeit fort.

Innes nahm das Krimi-Genre nie bierernst. Wie sein Kollege Edmund Crispin liebte er das Spiel mit den Regeln. Als ausgebildeten Sprachwissenschaftlers durchsetzte sein Werk mit klassischen Zitaten, Poesie, Anspielungen auf literarische Meisterwerke und anderen Hinweisen auf eine höhere Bildung. Der (oft absurde) Plot tritt hinter Innes’ Prosa manchmal zurück. Wer Sätze schätzt, die über die Subjekt-Prädikat-Objekt-Ebene hinausragen, wird viel Freude bei der Lektüre haben.

1974 begann Innes eine neue Serie um Charles Honeybath, ein Kunstmaler und Mitglied der Royal Academy of Arts, das sich mehrfach als Amateurdetektiv betätigen muss. Honeybath lebt im selben 'Universum’ wie John Appleby, so dass Innes folgerichtig seine beiden Helden 1983 ein gemeinsames Abenteuer erleben ließ.

Innes war als Autor äußerst produktiv. In einem halben Jahrhundert verfasste er 45 Romane, von denen einige jetzt unter seinem Geburtsnamen erschienen, denn ein Pseudonym war nicht mehr erforderlich: Innes lebte und schrieb lange und gut genug, um zu einer lebenden Legende zu werden (obwohl viele Kritiker anmerken, dass die Qualität seiner Romane nach 1960 nachzulassen begann – allerdings auf hohem Niveau). Der Schriftsteller verabschiedete sich 1986 stilecht mit einem letzten Appleby-Krimi, gefolgt 1987 von seiner Autobiografie »Myself and Michael Innes«. Am 12. November 1994 ist J. I. M. Stewart im hohen Alter von 88 Jahren verstorben.

Krimis von Michael Innes:

  • (1946) From London Far
  • (1946) What Happened at Hazelwood
  • (1949) The Journeying Boy (US: The Case of the Journeying Boy)
  • (1953) Christmas auf Candleshoe
    Christmas on Candleshoe (US: Candleshoe)
  • (1955) The Man from the Sea
  • (1956) Old Hall, New Hall
  • (1960) Ohne Totenschein
    The New Sonia Wayward
  • (1964) Money from Holme
  • (1966) A Chance to Heir
  • (1980) Going It Alone
  • Autobiographie:
    • (1987) Me and Michael Innes

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