Der Mann, der kein Mörder war von Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Det fördolda, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 2010 - heute.
Folge 1 der Sebastian-Bergman-Serie.

  • Stockholm: Norstedt, 2010 unter dem Titel Det fördolda. 419 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2011. Übersetzt von Ursel Allenstein. ISBN: 978-3862520190. 576 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2012. Übersetzt von Ursel Allenstein. ISBN: 978-3-499-25670-7. 576 Seiten.

'Der Mann, der kein Mörder war' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Sebastian Bergman, Kriminalpsychologe. Hochintelligent. Unausstehlich. In einem Waldstück bei Västerås entdecken Kinder die Leiche eines Jungen –brutal ermordet, mit herausgerissenem Herzen. Der Tote ist schnell identifiziert: Roger war Schüler eines Elitegymnasiums und seit Tagen vermisst. Die Polizei vor Ort ist überfordert, und so reist der Stockholmer Kommissar Höglund mit seinem Team in die Provinz. Dort trifft er überraschend einen alten Bekannten: Sebastian Bergman, ein brillanter Kriminalpsychologe und berüchtigter Kotzbrocken. Seit Bergman Frau und Tochter bei einem Unglück verlor, hat man kaum noch von ihm gehört. Nun bietet er Höglund seine Hilfe an. Das Team zeigt sich wenig begeistert. Doch schon bald ist der hochintelligente Bergman unverzichtbar. Denn in dem kleinen Städtchen Västerås gibt es mehr als eine zerstörte Seele.

Das meint Krimi-Couch.de: »Hinter den Kulissen« 82°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Det fördolda – auf Deutsch: »Hinter den Kulissen« oder auch »Im Hintergrund« heißt der schwedische Originaltitel des Debütromans von Michael Hjorth und Hans Rosenfeldt. Genau dort müssen nämlich ihre Ermittler suchen, um ihren ersten gemeinsamen Fall zu lösen. Der Rowohlt-Verlag bietet in seiner Polaris-Reihe den Titel Der Mann, der kein Mörder war an. Das sind die ersten Worte des Prologs, und die Geschichte wird zeigen, ob diese Aussage zutreffend ist oder nicht.  Dass dieser Titel genügend Interesse weckt, darf allerdings bezweifelt werden. Auch die Covergestaltung lässt zu wünschen übrig. Wieder mal dieses langweilige »Weiß«, von dem im Moment fast alle Verlage zu glauben scheinen, es wirke verkaufsfördernd. Was wirklich Aufmerksamkeit erregt, findet man innen.

Auch wenn es nur eine schwedische Lokalzeitung ist, die auf dem ersten Vorsatzblatt mit den Worten: "Das wahrscheinlich beste schwedische Krimi-Debüt seit Larsson." zitert wird. Stieg Larsson scheint im Krimi-Genre das Maß aller Dinge geworden zu sein. Was die Verkaufszahlen seiner Bücher betrifft, mag das wohl stimmen. Über die inhaltlichen Qualitäten von Larssons Millenium -Trilogie kann man indes unterschiedlicher Meinung sein. Deshalb sticht die Larsson-Karte nicht bei jedem Leser. Aber was soll´s? Die meisten Krimis brauchen eh keine hinkenden Vergleiche und Der Mann, der kein Mörder war ist einer davon. Man merkt dem schwedischen Autorenduo die Erfahrungen an, die sie in der Film- und Fernsehbranche gewonnen haben. Das gilt zum einem für die Besetzung des Stückes mit kontroversen Persönlichkeiten, deren Interaktionen allein schon Spannung erzeugen, zum anderen für den Handlungsablauf, der trotz aller Finten und Wendungen angenehm gradlinig konzipiert ist.

In Västerås, einer Stadt im ländlichen Speckgürtel der schwedischen Hauptstadt, meldet die Mutter des sechzehnjährigen Roger Eriksson ihren Sohn als vermisst. Da das Wochenende bevorsteht, wird die Meldung von der örtlichen Polizei nur halbherzig verfolgt. Der diensthabende Kommissar Haraldsson, ein Pechvogel sondergleichen, hat nur seine privaten Sorgen im Sinn. Als zu Beginn der neuen Woche die Leiche des Jungen im Teich eines nahegelegenen Waldstücks gefunden wird, ist Polizeichefin Hanser empört über die Fahrlässigkeit in ihrer Behörde. Jetzt mit dieser unfähigen Truppe auf Mörderjagd zu gehen, scheint ihr wenig erfolgversprechend, deshalb fordert sie bei der Reichspolizei in Stockholm Hilfe an. Torkel Höglund, Leiter der Mordkommission, den Hanser von früheren Fällen her kennt, ist gerne bereit, ihrer Bitte nachzukommen. Er stellt ein Team aus erfahrenen Beamten zusammen, und sie machen sich auf nach Västerås.

Parallel zu den beginnenden Ermittlungen lernt der Leser den Polizeipsychologen a.D. Sebastian Bergman kennen. Ein einsamer Mann, der seit dem Unfalltod seiner Frau und seiner Tochter völlig aus der Spur geraten ist. Obwohl der Unfall Jahre zurückliegt, wird Bergman immer noch von schweren nächtlichen Albträumen geplagt. Auch er ist auf dem Weg nach Västerås, der Stadt seiner Kindheit und Jugend, um das Haus seiner kürzlich verstorbenen Mutter zu veräußern. Der Zufall will es, dass er im Nachbarhaus auf Lena, die Mutter des ermordeten Jungen, trifft. So kommt er durch die Hintertür mit dem Fall in Kontakt. Wenig später begegnen sich auch Bergman und Torkel Höglund. Die beiden kennen sich nur zu gut, haben sie doch früher Seite an Seite ermittelt. Bergman bietet seine Mithilfe an, Höglund akzeptiert, wenn auch mit sehr gemischten Gefühlen. Einerseits sind ihm Bergmans hervorragende Fähigkeiten als Psychologe bewusst, andererseits weiß er genau, dass Bergman mit seiner Arroganz die Harmonie seines Teams stören wird.

»Sie werden es lieben, ihn zu hassen« unkt die Außenwerbung auf der Rückseite des Buches und meint damit Sebastian Bergman, der hier als geniales Ekelpaket aufgebaut werden soll. Wenn schon große Gefühle, dann ist es eher Mitleid, was dieser kranke Mann hervorruft. Er kann das erlittene Trauma des Verlusts nicht überwinden. Vergeblich versuchte er, sich mit Alkohol und Pillen zu betäuben, was jedoch ebenso wenig half wie die Therapien, denen er sich unterzog. Jetzt hofft er, in wahllosem Sex Linderung zu finden, obwohl er als Psychologe natürlich weiß, dass dies nur Verdrängung ist.

Nach einer langen Zeit der Untätigkeit ist es die Herausforderung eines neuen Falles, die ihn reizt. Hier ist er nicht nur als Kriminalist gefragt, sondern auch als Sohn, denn der Fall konzentriert sich auf die Schule, die er einmal besucht hat und an der sein Vater zu Lebzeiten Rektor war. Dessen Vermächtnis belastet Bergman immer noch.

Erstaunlich schnell – natürlich nicht ohne Reibereien – findet sich Bergman in Höglunds Team ein. Das ist auch gut so. Denn das Team der Stockholmer Mordkommission ist der heimliche Star des Autorenduos. Der Querulant Bergman ist in der Gemeinschaft der Ermittler allenfalls primus inter pares.

Da die Autoren mit Bergman, Höglund und Co. in Serie gehen wollen – eine Verfilmung  läuft bereits – wundert es nicht, dass sie besonderen Wert auf die Charakterisierung der Personen gelegt haben, die zum Stammpersonal gehören. Individualisten allesamt, aber eben auch Teamplayer, deren perfektes Zusammenspiel den Fall Stück für Stück einer Lösung näher bringt. Sie haben alle Hände voll zu tun. Die Ermordung des jungen Roger birgt nämlich mehr Geheimnisse, als die Ermittler zu Anfang vermuten. Selbst das Opfer war nicht der gut erzogene, unauffällige Schüler, für den ihn fast alle hielten. Hinter den Kulissen der Achtsamkeit tun sich wahre Abgründe auf. In diesem Dickicht zeigen die Männer und Frauen um Bergman und Höglund ihre Qualitäten.

Schnelle Schnitte, häufige Perspektivwechsel und ein einfacher, aber prägnanter Satzbau geben von Anfang an ein hohes Tempo vor, ohne dabei die einzelnen Entwicklungsschritte der Ermittlung negativ zu beeinträchtigen. Wie im klassischen Kriminalroman werden hier die einzelnen Puzzleteile zusammengesetzt, bis sie ein Gesamtbild ergeben. Das ist für den Leser stets nachvollziehbar und hält die Spannung über die gesamte Distanz.

Bergman & Co, gerne wieder!

Jürgen Priester, November 2011

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fizcaraldo zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war« 14.02.2016
Naja an und für sich sehr weiträumig beschriebene Handlungen , damit auch etwas langwierig mit einem überraschendem Ende und Mörder. Bei aller Rücksichtnahme würde ich es mit gutem Durchschnitt bewerten.
Man glaubt als Leser Indizien für den Mörder zu haben dann steigt wie "deos ex macchina" ein neuer Verdächtiger aber nicht der endgültige Mörder aus der Asche auf. Und dies mehrmals.
trafik zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war« 02.02.2016
Am Anfang war ich auch sehr skeptisch.
Normalerweise mag man den Hauptdarsteller. Sebastian Bergman kann man aber nich mögen. Mit der Zeit gewöhnt man sich an ihn.
Das Buch wird auch immer spannender und hat am Schluß einige Überraschungen zu bieten.
Deshalb bekommt es von mir ein Ausgezeichnet!
Hoffe die fälle gehen so spannend weiter.
Uta Brandts zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war« 21.01.2015
Ich liebe diese Serie und warte immer gespannt auf die nächste Folge. Keine Frage, hier hat man wieder eine absolut geniale Thriller Serie hin gelegt.
Der Vergleich zu Stieg Larsson ist gerechtfertigt.
Sebastian Bergmann mit all seinen Stärken und menschlichen Schwächen muss man lieben, hassen, zeiteise bemitleiden.
Das Ermittlerteam mit all den so verschiedenen Charakteren ist grandios.

Gut erzählt und Spannung garantiert. Unbedingte Empfehlung.
Die Hörbücher, gelesen von Douglas Welbat bestechen zusätzlich durch den hervorragenden Leser.
frankphilipp zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war« 21.08.2014
Ich hatte die Hoffnung ja schon aufgegeben, daß nach Mankell und Nesbø, einer die skandinavische Fackel des spannenden Krimi/Thrillers mal wieder aufnimmt. Diese zwei Autoren habens geschafft.
Endlich wieder Spannungsbögen, die den Namen auch verdienen. Vom Protagonisten Bergmann ganz zu schweigen. Ein Unsympath erster Güte, der einem wirklich ans Herz wächst. Man darf einfach nie vergessen, warum er so ist wie er ist. Ein gebrochener, der versucht aufrecht zu stehen... und das gelingt ihm eher schlecht als recht. Alle drei erschienenen Romane (+ eine Kurzgeschichte "Feste feiern, wie sie fallen"), waren für mich wahre Pageturner und ich kann den vierten (erscheint im Oktober 2014) kaum erwarten.
Schneeglöckchen zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war« 08.05.2014
Letztlich hat mir das Buch gefallen. Anfangs war ich skeptisch, ob ich weiterlesen würde, weil es sich zunächst ziemlich zäh hinzieht. Die Ermittlungen werden sehr detailliert dargestellt, besonders die Besprechungen der Ermittler.
Jedoch hat mich die Sichtweise des Mannes, der kein Mörder war, die eingestreut wurde, neugierig gemacht, so daß ich weiterlas. Es hat sich gelohnt!
Dieser "schräge Vogel" Sebastian Bergmann sorgte bei mir meist für Ablehnung, aber auch für Mitleid und manchmal sogar für etwas Sympathie. Gerade wenn letzteres zutraf, sorgte er durch Aussprüche oder Handlungen prompt wieder dafür, ihn nicht zu mögen. Er kommt als purer Egoist rüber, der die anderen nur zu seinen Zwecken mißbraucht.
Traurig machen einen die Motive, die die Figuren für ihre Handlungen haben. Besonders die Jugendlichen Johan und Roger sind Opfer der Umstände, die sie sich nicht selbst geschaffen haben. Viel Verzweiflung und Sehnsucht sind dabei.
Ja und zum Schluß haben die Autoren noch eine kleine Überraschung bezüglich Sebastian Bergmann parat.
Mein Fazit: Es lohnt sich, dieses Buch zu lesen!
Scheubner, Renate zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war« 28.01.2014
Ich denke die Länge eines Buches ist nicht ausschlaggebend. Mir hat das Buch sehr gefallen und habe es in ein paar Tagen gelesen. Es hat mich sehr angesprochen, gerade weil nicht nur die Tat der Inhalt ist. Ich möchte auch nicht gerne mitanderen vergleichen, denn jeder Autor hat seinen Stil. Die Kommentare drumherum sind auch nur relativ zu betrachten. Jeder hat doch einen persönlichen Standpunkt , wenn er sich ein Buch zum Lesen aussucht. Ich lasse mich davon nicht beeinflussen.
frankbuschmann zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war« 25.01.2014
Die meisten schwedischen Krimischreiber betonen gern den Einfluss von Sjöwall/ Wahlöö und dass ohne die beiden vielleicht gar nichts passiert wäre. Eine Lektion aber haben sie leider vergessen: Man kann eine gute Geschichte auch auf 200 Seiten erzählen! Diese beiden hier haben die Lektion ganz besonders vergessen - geschlagene 600 Seiten benötigen sie für ein Familiendrama, das bei Licht besehen auch im Tatort stattfinden könnte. Der Raum wird gefüllt mit seeehr viel Innenschau, die aber selten wirklich spannend ist. Dazu ein unscheinbarer, um nicht zu sagen biederer Stil, der auch nicht gerade dazu einlädt, über diese lange Strecke am Ball zu bleiben. Positiv ist immerhin das gekonnt gestaltete. spannende Finale und die schön sperrige Figur des Sebastian Bergman.
Natalia zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war« 03.01.2014
Verstehe die negativen Kritiken überhaupt nicht. Habe alle drei Krimis verschlungen. Gerade die schnellen Perspektiv-Wechsel geben den Krimis etwas spezielles. Na ja, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Bin eine häufige Krimi-Leserin und war von den Co-Autoren auf jeden Fall sehr angetan.
Wann kommt der vierte Band??
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Kallmo zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war« 18.12.2013
Eine Seifenoper mit Toten.

Mehr ist das nicht. Alles ist total langwierig und miteinander verwickelt. Leider wird dies all zu oft von den ermittelten Hauptpersonen verursacht und nicht vom Täter/Opfer Thema.

Ich mag dieses Auseinanderklamüsern von Hinweisen und Überlegungen, wer denn der Täter sein könnte. Leider gehen die Ermittler eher nach dem Try & Error Prinzip vor.Der Rote Faden selbst ist etwas einfallslos.

Dem zweiten Krimi dieser beiden Autoren gebe ich keine Chance, von mir gibts 30 % für den Erzählstil.
lh zu »Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt: Der Mann, der kein Mörder war« 16.12.2013
Ein tolles Buch. Habe auch die beiden Fortsetzungen gelesen. Frage, wir ein viertes Buch auch noch erscheinen? Hoffentlich, des Ende des dritten Buches war noch zu offen. Bin oft in Stockholm. Beim nächsten Aufenthalt werde ich die Orte erkunden, die in den Büchern beschrieben werden. Wie gesagt, ich brenne auf die Fortsetzung...

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