Sizilianisches Finale von Michael Dibdin

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel Blood Rain, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Sizilien, 1990 - 2009.
Folge 7 der Aurelio-Zen-Serie.

  • London: Faber, 1999 unter dem Titel Blood Rain. 284 Seiten.
  • München: Goldmann, 2001. Übersetzt von Ellen Schlootz. ISBN: 3-442-45088-8. 310 Seiten.

'Leseprobe' ist erschienen als Taschenbuch

ISBN 3-442-45088-8, 320 Seiten. Copyright © 2001 Verlagsgruppe Random House

Leseprobe

Aus dem Amerikanischen von Ellen Schlootz

Worauf am Anfang, als die Sache angeblich so klar war wie das Meer bei Sonnenaufgang, alles hinauszulaufen schien, war die Frage, wo, wie und wann genau der Zug »zusammengestellt« worden war. Erst sehr viel später erkannte Aurelio Zen, dass der Zug in einem ganz anderen Sinne zusammengestellt worden war, dass er nämlich eigentlich gar nicht existiert hatte.

Die Sache selbst schien jedoch zunächst so handfest zu sein wie dieser Zug, der zurzeit mit seinen vierzehn Güterwaggons auf einem Abstellgleis in dem Gewirr von Gleisen um die Lokomotivschuppen auf der Piazza delle Americhe nahe der Nordküste von Catania sozusagen unter Quarantäne stand. Der Ort, an dem die Leiche gefunden worden war, gehörte zur provincia di Catania und fiel deshalb in den Zuständigkeitsbereich der Behörden dieser Stadt. So weit, so gut. Der aus bürokratischer Sicht entscheidende Faktor war jedoch, wo und wann das Verbrechen – wenn es sich denn um ein Verbrechen handelte – stattgefunden hatte. Wie die Betroffenen allerdings sehr bald erfahren sollten, gab es auf keine dieser Fragen eine rasche oder einfache Antwort.

Selbst wenn man davon ausging, dass die Aufzeichnungen, die die Staatliche Eisenbahngesellschaft zur Verfügung gestellt hatte, vollständig und glaubwürdig waren – und niemand, der bei einigermaßen klarem Verstand war, würde so etwas annehmen -, ergaben sich nur wenige unstrittige Tatsachen. Eine davon war, dass der Zug am dreiundzwanzigsten Juli um vierzehn Uhr siebenundvierzig Palermo verlassen hatte. Zu diesem Zeitpunkt bestand er aus sieben Waggons, von denen drei leer waren und die lange Rückreise zu ihrem Depot in Catania antraten. Die Übrigen waren mit den unterschiedlichsten Gütern beladen, von leeren Weinflaschen bis zu Säcken mit Kunstdünger. Es war unklar, ob die »Todeszelle«, wie der Waggon später von den Medien getauft wurde, einer von diesen sieben gewesen war.

Nachdem der Zug bis zur Anschlussstelle Aci Castello die Nordküste entlanggezockelt war, bog er dort ab und fuhr durch ein Flusstal ins entlegene und weitgehend unbewohnte Innere der Insel. Von da an hatte ihn die Aufsichtsbehörde – immer unter der Voraussetzung, dass man den spärlichen Aufzeichnungen der Ferrovie dello Stato trauen konnte – fast eine ganze Woche aus den Augen verloren.

Als er am neunundzwanzigsten Juli wieder auftauchte, und zwar an der Anschlussstelle Caltanissetta – Xirbi, bestand der Konvoi aus insgesamt zwölf Waggons, darunter einige – oder möglicherweise alle – von den sieben Waggons, mit denen er ursprünglich die Hauptstadt der Insel verlassen hatte. Während der langen, langsamen Fahrt über die eingleisige Strecke durch das trostlose Innere Siziliens hatte man anscheinend häufig angehalten, viel rangiert und ab- und angekoppelt. Niemand hatte es eilig, irgendwo hinzukommen, und das zuständige Personal neigte ohnehin dazu, spontane und rein pragmatische Entscheidungen über Zusammensetzung und Fahrtzeiten solcher Güterzüge zu treffen, ohne die Vorgesetzten mit allen Einzelheiten zu behelligen. Wenn ein leerer Waggon irgendwann abgekoppelt wurde, um das Gewicht zu verringern, damit die uralte Diesellokomotive die enormen Steigungen im Landesinnern schaffte, betrachtete man das nicht als eine Angelegenheit, die man den Beamten in Palermo mitteilen musste. Diese wären auch nicht besonders erfreut über solche pedantischen Details gewesen. Wie allgemein bekannt war, hatten sie wichtigere Dinge zu erledigen als ihre Arbeit.

Jedenfalls war der so entstandene Zug – wie auch immer seine genaue Zusammensetzung ausgesehen haben mag – über Caltanissetta und Canicattì zur Südküste gefahren und dann nach Osten abgebogen. Dabei hatte er drei (oder möglicherweise vier) weitere Waggons aufgenommen und einen (oder vielleicht zwei) verloren, bis sich die Waggonfolge ergab, in der er nun auf diesem entlegenen Abstellgleis in Catania ruhte, das von Anfang an sein Ziel gewesen war.

Der späteren Aussage des Lokführers und seines Gehilfen zufolge war der Zug allerdings in der Nähe des stillgelegten Bahnhofs von Passo Martino, etwas südlich von Catania, von einem Mann mit einer Flagge angehalten und für mehrere Stunden auf ein Rangiergleis umgeleitet worden. Der Grund dafür, so hatte man ihnen angeblich erklärt, seien dringliche Reparaturarbeiten an einer Brücke Richtung Norden. Schließlich hatte der Flaggenmann ihnen das Zeichen zur Weiterfahrt gegeben, und der Güterzug hatte seine Reise ohne weitere Zwischenfälle beendet. Am ersten August kam er gegen acht Uhr abends in Catania an.

Zwei Tage später erhielt die Staatliche Eisenbahngesellschaft in Catania einen Anruf. Der Anrufer klang höflich und gebildet, sprach jedoch mit einem Akzent, der dem Dienst habenden Beamten nicht bekannt war. Offenbar wollte er einen Güterwaggon mit faulender Ladung, der auf einem Rangiergleis in Rosso Martino abgestellt war, als öffentliches Ärgernis melden. Der Gestank, so behauptete er, sei fürchterlich, und bei dieser Hitze und dem üblichen Gestank von dem umliegenden Sumpfland würde das die Leute ganz wahnsinnig machen. Irgendetwas müsse geschehen, und zwar bald.

Der Bahnbeamte gab die Meldung vorschriftsmäßig an seine Vorgesetzte weiter. Normalerweise hätte Maria Riesi den Anruf als dummen Streich von irgendeinem Verrückten abgetan, doch wie es sich ergab, war sie nur zu froh über den Vorwand, ihr stickiges Büro verlassen zu können und – mit heruntergekurbelten Fenstern, während aus den Lautsprechern das neue Album von Carmen Consuela dröhnte – über die autostrada nach Piano d’Arci zu fahren und dann weiter die Landstraße entlang, die im Zickzack über den Fluss und die Bahngleise verlief bis zu dem Weg, der zu dem entlegenen Bahnhof führte. Sie glaubte keine Sekunde daran, dass dort etwas sein würde, aber das spielte keine Rolle. Der Anruf war ordnungsgemäß eingetragen, und wenn sie nun hinausfuhr, um nachzusehen, tat sie lediglich ihre Pflicht.

Zu ihrer großen Verblüffung stand dort tatsächlich ein Waggon auf einem verrosteten Gleis, das fast völlig von stark riechendem wildem Thymian überwuchert wurde, aus dem hier und da struppige Kakteen aufragten. Es waren auch andere, weniger angenehme Gerüche in der Luft. Außerdem schwirrten massenhaft Fliegen herum. Die Sonne brannte unbarmherzig vom Himmel, und die sengende Hitze wurde selbst vom kleinsten Stein gnadenlos reflektiert. Maria Riesi ging über den bröckeligen Bahnsteig auf den großen rostroten Güterwagen zu.

Rein routinemäßig sah sie sich als Erstes den Frachtbrief an, der neben der Tür in einem Halter steckte. Diesem Dokument zufolge kam der Waggon aus Palermo und sollte nach Catania. Die Schrift war ein ziemliches Gekrakel, doch der Inhalt des Waggons war irgendwie als »Zitronen« zu entziffern, und auf dem Frachtbrief prangte ein roter Stempel mit der Aufschrift verderbliche Ware. Nach dem Schwarm von Fliegen und dem ekelhaften Gestank zu urteilen, war das, was auch immer der Waggon enthielt, nicht bloß verderblich, sondern längst verdorben. Das überraschte Maria nicht, die nur zu gut wusste, dass verderbliche Ware normalerweise nicht in dieser Art Waggon transportiert wurde. Nun musste sie nur noch herausfinden, um was es sich handelte und – wenn möglich – wo das Zeug herkam, dann einen harmlosen Bericht schreiben und die ganze Angelegenheit der Zentrale in Palermo übergeben. Sollten die doch entscheiden, wessen Kopf hierfür rollen sollte.

Selbst auf Zehenspitzen konnte Maria Riesi den Griff nicht erreichen, mit dem man den Waggon öffnete. Doch sie mochte zwar klein sein, aber sie war einfallsreich und stark. Obwohl der Bahnhof seit Jahren außer Betrieb war, stand in einer von Unkraut überwucherten Ecke des Bahnsteigs immer noch einer dieser Gepäckwagen mit großen Rädern, die Deichsel gegen die Wand eines Schuppens gelehnt. Maria ging zu dem Gepäckwagen, setzte ihn vor Anstrengung ächzend in Bewegung und zog ihn zu dem abgestellten Waggon. Dann stieg sie auf den Lattenboden des Wagens – ihre Seidenbluse war bereits voller Schweißflecke -, und indem sie sich mit ihrem ganzen Gewicht gegen den Hebel stemmte, der die Schiebetür verriegelte, gelang es ihr schließlich, diese zu öffnen.

Alle waren sich hinterher einig, dass sie mehr getan hatte, als man unter den gegebenen Umständen von ihr erwarten konnte, und dass man ihr keinen Vorwurf machen konnte, weil sie den Gepäckwagen und sich selbst voll gebrochen hatte. Die Autopsie wurde noch am gleichen Abend durchgeführt, und zwar in einem Armeezelt, das man eilig an einem Ende des Bahnsteigs aufgestellt hatte, in gehörigem Abstand von der versammelten Gruppe aus Polizisten, Richtern und Reportern. Die sterblichen Überreste waren zuvor von Krankenhausangestellten, die in Plastikoveralls gekleidet und mit Sauerstoffgeräten ausgestattet waren, aus dem Waggon geholt worden. Wenn das Ergebnis der Obduktion nicht sehr informativ war, so lag das mehr am Zustand der Leiche als an dem durchaus verständlichen Wunsch des Pathologen, die Prozedur so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Auf Grund einer vorläufigen Untersuchung der mit dem bloßen Auge erkennbaren Fliegenlarven konnte er nur feststellen, dass das Opfer seit mindestens einer Woche tot war.

Obwohl die Leiche in der Provinz Catania gefunden worden war, fielen die anschließenden Ermittlungen rein theoretisch in den Verantwortungsbereich der Polizeikräfte der Provinz, in der der Tod eingetreten war. In dem vorliegenden Fall war das natürlich eine äußerst fragwürdige Sache. Bei seiner Irrfahrt durch Sizilien hatte der Zug die Provinzen Palermo, Caltanissetta, nochmals Palermo, Agrigento, zum zweiten Mal Caltanissetta, Ragusa und Syrakus passiert und war schließlich in Catania stehen geblieben. Also konnten sechs Gerichtsbarkeiten Anspruch darauf erheben, in der »Limina-Gräueltat« zu ermitteln, um eine weitere Bezeichnung zu nennen, mit der Journalisten die Angelegenheit schon bald bedachten. Der Waggon, in dem die Leiche gefunden wurde, konnte nicht mit Sicherheit einem der vielen und nur teilweise dokumentierten Haltepunkte zugeordnet werden, die der Zug eingelegt hatte, und selbst wenn das möglich gewesen wäre, hätte man immer noch nicht gewusst, wann und wo genau er zur »Todeszelle« geworden war.

Das alles hätte natürlich niemanden sonderlich gekümmert, wäre da nicht die vorläufige Identifizierung des Opfers gewesen. Im Gegenteil, jeder wäre nur zu foh gewesen, einen derart unangenehmen Fall mit so wenig Aussicht auf Klärung an die nächstbeste Nachbarprovinz weiterzugeben. Da war irgendein Landstreicher irgendwo auf der Strecke auf einen Güterzug aufgesprungen. Er könnte ein ganz bestimmtes Ziel gehabt oder einfach nur weitergewollt haben. Eine andere Möglichkeit war, dass er vor jemandem oder vor etwas auf der Flucht gewesen war und deshalb im Verborgenen reisen musste.
Leider hatte er das Pech, dass die Tür des Waggons, den er sich ausgesucht hatte, irgendwann, nachdem er eingestiegen war, zufiel. Vielleicht hatte er sie sogar selber geschlossen, weil er sich dadurch sicherer fühlte, und ihm war nicht klar gewesen, dass man sie von innen nicht öffnen konnte. Oder vielleicht war sie bei einem heftigen Bremsmanöver zugefallen oder einfach durch die Schwerkraft an einem der starken Gefälle, die der Zug auf seiner Reise durch die Berge bewältigen musste.

Jedenfalls war die Tür zugegangen und hatte den Eindringling eingesperrt. Um diese Jahreszeit erreichten die Tagestemperaturen Werte von über dreißig Grad, selbst an der Küste. In dem fest verschlossenen Waggon aus Metall, der manchmal tagelang in der brütenden Sonne auf einsamen Abstellgleisen stand, hätte ein Thermometer, so vorhanden, sicherlich Temperaturen von weit über vierzig Grad gemessen.

In diesem sich langsam erhitzenden Ofen gefangen, hatte das Opfer keinerlei Hilfsmittel als seine bloßen Hände gehabt. Seine Füße waren ebenfalls nackt gewesen, und beide waren noch nackter, als die Leiche entdeckt wurde – sozusagen nackt bis auf die Knochen. Bei den Versuchen des Mannes, durch Hämmern gegen die Wände des Waggons auf sich aufmerksam zu machen, und, als das nichts nützte, die Tür mit Gewalt aufzuzwingen, hatte er sich die Nägel an Händen und Füßen abgerissen und die Haut so weit abgeschürft, bis alles schließlich nur noch eine blutige Masse gewesen war. Also gab es keine Fingerabdrücke. Vom Gesicht war auch nicht mehr viel übrig, da der Mann es offenbar mehrmals gegen einen metallenen Stützbalken geknallt hatte in dem verzweifelten Bemühen, sich selbst zu töten, um seinen furchtbaren Qualen ein rasches Ende zu bereiten.

Die Taschen des Opfers waren völlig leer und auch seine Kleidung gab keinerlei Aufschluss über seine Person. Da es keine weiteren Anhaltspunkte gab, wäre es fast unmöglich gewesen, ihn zu identifizieren, hätte man nicht schließlich herausgefunden, dass dieses mysteriöse Gekrakel auf dem Frachtbrief, das den Inhalt des Waggons bezeichnete, nicht »limoni« – »Zitronen« – sondern »Limina« hieß. Das führte letztlich dazu, dass den Behörden in Catania die Gerichtsbarkeit für den Fall übertragen wurde, denn die Familie Limina herrschte über einen der wichtigsten Mafiaclans der Stadt, und Tonio, der älteste Sohn und mutmaßliche Erbe, wurde angeblich seit über einer Woche vermisst.

Die Frau stand an einer Ecke der Theke unter einem Schränkchen, in dem diverse goldene und silberne Fußballpokale ausgestellt waren sowie Fotografien vom Schrein der heiligen Agatha und ein Spiegel mit der englischen Aufschrift: »Delicious Coca-Cola in the World the Most Refreshing Drink.« Sie trank einen Cappuccino und biss kleine, mundgerechte Happen von einem mit gesüßtem Ricotta gefüllten Teilchen. Sie war Anfang zwanzig, trug ein hellgrünes Leinenkleid und teure offene Schuhe mit hohen Absätzen. Ihr braunes, von blonden Strähnchen durchsetztes Haar, lag – gehalten von einem weißen Band – glatt am Hinterkopf und fiel dann in einer üppigen Mähne über ihre Schultern.

Nirgendwoanders in Italien hätte irgendwer auch nur eine Sekunde etwas Bemerkenswertes an dieser Szene gefunden, doch hier schien sie Anlass zu einiger Beunruhigung zu sein, wenn nicht sogar regelrecht ein Skandal. Denn obwohl die Bar gut gefüllt war mit Händlern und Käufern von dem Markt, der draußen auf der Piazza stattfand, war diese Frau die einzig anwesende Vertreterin ihres Geschlechts.

Nicht dass irgendwer ihr durch bissige Kommentare, unverschämte Blicke oder schlechten Service zu verstehen gegeben hätte, dass sie fehl am Platz sei. Ganz im Gegenteil, sie wurde mit fast erdrückender Höflichkeit und einem Respekt behandelt, der in krassem Gegensatz zu der ruppigen Art stand, in der man mit den Stammgästen umging. Während diese gleichberechtigt in die abgehackten Rhythmen der Männergespräche einstimmten und untereinander um die Gelegenheit kämpften, ein Solo zu übernehmen, wurde die Frau in einer Weise behandelt, die nach außen hin respektvoll war, sie aber in Wahrheit von allem ausschloss. Der Bitte, ihren lauwarmen Kaffee noch einmal heiß zu machen, wurde mit einem eilfertigen »Subito, signorina!« begegnet. Als sie sich eine Zigarette in den Mund steckte, tauchte vor ihr ein brennendes Feuerzeug auf, noch bevor sie die Chance hatte, ihr eigenes zu finden – wie die Parodie einer Verführungsszene aus einem alten Film.

Doch obwohl das Verhalten ihr gegenüber fast erdrückend ehrerbietig war, hätte man es keineswegs als herzlich bezeichnen können. Die anderen Gäste drängten sich samt und sonders am anderen Ende der Bar oder wichen Richtung Fenster und Tür aus und schufen somit einen regelrechten Bannkreis um dieses einsame weibliche Wesen. Auch sprachen sie ungewöhnlich leise und ihre Münder wurden häufig von einer Hand verdeckt, die locker eine Zigarette hielt oder zwanghaft über einen Schnurrbart strich. Aus irgendeinem Grund schien diese Frau, die niemandem etwas tat, als das soziale Äquivalent einer tickenden Bombe betrachtet zu werden.

Als der Mann auftauchte, ließ die offensichtliche, aber undefinierbare Spannung ein wenig nach. Es war, als ob eines der Probleme, das die Anwesenheit der Frau darstellte, entschärft worden wäre, während andere immer noch fortbestanden. So war der Neuankömmling ganz gewiss kein Einheimischer, auch wenn seine markante, hakenförmige Nase eines dieser Relikte aus dem griechischen Genpool hätte sein können, die hier immer mal wieder auftraten, so wie die Lava aus dem schneebedeckten Vulkan floss, der über der Stadt aufragte. Doch sein Akzent, der blasse Teint, die steife Haltung und vor allem seine Größe – er überragte alle anderen im Raum um gut einen Kopf – schlossen eindeutig aus, dass er Sizilianer war.

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