Scharfschuss von Michael Connelly

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel The Burning Room, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Droemer.
Folge 19 der Harry-Bosch-Serie.

  • New York: Little, Brown and Company, 2014 unter dem Titel The Burning Room. 464 Seiten.
  • München: Droemer, 2016. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 978-3-426-28143-7. 464 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: RandomHouse Audio, 2016. Gesprochen von Herbert Schäfer. gekürzte Ausgabe. ISBN: 3956391381. 6 CDs.

'Scharfschuss' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Orlando Mercer, ein mexikanischer Musiker, ist vor zehn Jahren bei einem Open-Air-Auftritt angeschossen worden; angeblich versehentlich. Jetzt ist Mercer tot von der Kugel in seinem Körper über die Jahre schleichend zu Tode gebracht. Harry Bosch und seine neue Partnerin Lucia Soto vom LAPD glauben nicht, dass es nur ein dummer Zufall war. Da sich alles auf einem großen Platz direkt vor einem Hotel abspielte, gibt es genügend Aufnahmen von Überwachungskameras. Eine Auswertung zeigt, dass die Kugel aus einem Hotel fenster abgefeuert wurde und eigentlich dem Trompetenspieler aus Mercers Mariachi-Band galt. Dieser war in direkter Schusslinie, bewegte sich aber Sekundenbruchteile vorher weg, so dass es Mercer traf. Bosch ist vollkommen klar, dass es ein gezielter Mordversuch war. Aber wer tötet einen einfachen Musiker?

Das meint Krimi-Couch.de: »Eher Fehlschuss als Scharfschuss« 50°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Autor Michael Connelly könnte in diesem Jahr das 25-jährige Jubiläum seiner Harry-Bosch-Reihe feiern, (vielleicht macht er das noch, das Jahr ist ja noch jung). 1992 erschien Schwarzes Echo, der erste Kriminalroman mit dem eigenwilligen Detective des LAPD, wurde gleich mit dem amerikanischen Krimipreis, dem Edgar ausgezeichnet und markierte eindrucksvoll den Beginn einer der erfolgreichsten amerikanischen Krimiserien in Schriftform, die dem Hardboiled-Subgenre zugerechnet werden muss.

Der Rezensent verfolgt die Bosch-Reihe seit zehn Jahren, hat alle Höhen und Tiefen im Leben des Helden miterlebt und auch die Schwankungen in der Qualität der Reihe selbst, wobei erwähnt werden sollte, dass es wirklich schlechte Folgen bisher nicht gab, sondern nur weniger gute. Doch seit der Serienheld sich nicht mehr um das Tagesgeschäft einer Mordkommission kümmert, sondern nur noch alte ungelöste Fälle bearbeitet, hat sich eine unliebsame Routine eingeschlichen. In der hier vorliegenden neunzehnten Folge der Reihe tendiert der Spannungslevel gegen Null. Es scheint, dass dem Autor die Ideen ausgegangen sind oder dass er mittlerweile zu etabliert ist, um sich groß anzustrengen. Mit so einer Einstellung vergrault man sich auch die treusten Leser.

In Scharfschuss werden drei Fälle parallel abgehandelt. Ja, drei! Ein Fall allein hätte wohl nicht gereicht, ein Buch zu füllen. Die Handlung, wenig spektakulär, ist schnell wiedergegeben:

Die Handlung spielt im Jahr 2014. Ein mexikanischer Musiker stirbt an einem Steckschuss, der zehn Jahre zuvor auf ihn abgegeben wurde. Damals konnte der Fall nicht aufgeklärt werden, weil der Schütze unerkannt geblieben war, keine Indizien oder Motive entdeckt werden konnten. Erst jetzt, als bei der Obduktion die verhängnisvolle Kugel entfernt werden kann, führt diese zu einer bestimmten Waffe. Über die Waffe stoßen Bosch und seine neue Partnerin Lucia Soto auf einen Kreis verdächtiger Kommunalpolitiker.

In den zweiten alten Fall, den die beiden parallel untersuchen, ist Lucia Soto persönlich involviert. Vor 21 Jahren setzen Unbekannte einen Müllcontainer im Keller eines großen Wohnkomplexes in Brand. Die massive Rauchentwicklung führte in einer Kindertagesstätte zu vielen Todesopfern. Nur wenige konnten lebend entkommen, unter ihnen auch Lucia Soto. Eine scheinbar sinnlose Tat. Die Täter konnten nicht ermittelt werden.

Bosch und Soto stellen bei ihren Ermittlungen eine Verbindung zu einem weiteren Verbrechen her. Nur wenige Minuten nach dem Brandanschlag wurde ganz in der Nähe eine Scheckeinreichungsstelle überfallen. Es sieht so aus, dass der Brandanschlag ein Ablenkungsmanöver für den Banküberfall war, auch gibt es personelle Überschneidungen.

Wer auf detaillierte Polizeiarbeit steht, wird in Scharfschuss reichlich bedient. Michael Connelly ist ja bekannt für seine fundierten Beschreibungen. Aber es ist ein Plot ohne Höhepunkte, ohne Überraschungen oder Wendungen, ohne Konfrontationen welcher Art auch immer. Die Atmosphäre ist so irritierend friedlich und spiegelt wohl kaum die Realität oder wenigstens die Realität eines Hardboiled-Krimis. Bosch und Soto, aber auch Kollegen und Vorgesetzte in Nah und Fern verhalten sich alle super korrekt. Es gibt bis auf das konstruiert wirkende Ende keine Meinungsverschiedenheiten oder Konflikte. Man könnte meinen, Connelly bewerbe sich für den Job als Pressesprecher der Polizei.

Mit diesem Band kann man 25 Jahre Harry Bosch nicht feiern. Für alle Fans der Reihe ist Scharfschuss eine bittere Enttäuschung. Serienhelden sind solange unsterblich, bis die treuen Leser das Interesse gänzlich verloren haben. Wenn Connelly so weitermacht, wird genau das eintreten.

Jürgen Priester, Januar 2017

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Tom Procop zu »Michael Connelly: Scharfschuss« 15.01.2017
Wirkt wie eine mühsam in die Überlänge gezogene Kurzgeschichte.
Bosch wurde offenbar gegen einen Doppelgänger ausgetauscht, keine Spur mehr von hard boiled.
Die Story kommt seltsam emotionslos daher, irgendwie wartet man die ganze Zeit auf eine überraschende Wendung, die aber niemals kommt.
Leider der schwächste Connelly, den ich je gelesen habe...
Rolf Wesbonk zu »Michael Connelly: Scharfschuss« 28.12.2016
Wer es schätzt, wenn der Ermittler geduldig den unzähligen Spuren nachgeht, klug, das Mögliche vom Unmöglichen trennt und sich Schritt für Schritt der Lösung nähert, kommt hier voll auf die Rechnung. Es ist also kein Krimi, in dem der Detektiv mit der Kanone in der Hand sich seinen Weg bahnt. Vor diesem Hintergrund ist "Scharfschuss" der beste Bosch seit einigen Jahren.
dillmann
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