Echo Park von Michael Connelly

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Echo Park, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien / Los Angeles, 1990 - 2009.
Folge 12 der Harry-Bosch-Serie.

  • New York: Little, Brown, 2006 unter dem Titel Echo Park. 405 Seiten.
  • München: Heyne, 2009. Übersetzt von Sepp Leeb. 464 Seiten.
  • München: Heyne, 2010. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 978-3-453-40602-5. 464 Seiten.
  • [Hörbuch] München: audio media, 2009. Gesprochen von Frank Engelhardt. 6 CDs.

'Echo Park' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Eine junge Frau verschwindet spurlos. Ihre Leiche wird nie gefunden. Dreizehn Jahre später gesteht ein Serienkiller, die Frau getötet zu haben. Detective Harry Bosch, schon damals mit den Ermittlungen betraut, wird erneut auf den Fall angesetzt. Er glaubt nicht an das Geständnis des Killers und stößt schon bald auf eine Spur, die mehr als nur einen Mordfall aufdecken wird.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Cop im Strudel von Korruption und Killertücke« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Seine Tätigkeit in der Abteilung »Offen – Ungelöst« des Los Angeles Police Department bietet Detective Hieronymus »Harry« Bosch die Möglichkeit, sich mit dem Verschwinden der jungen Marie Gesto zu beschäftigen – ein Fall von 1993, den er nie hatte lösen können. Dreizehn Jahre später hat sich Bosch wieder einmal in die alte Akte vertieft, als diese von der Bezirksstaatsanwaltschaft angefordert wird: Der Doppelmörder Raynard Waits, den man mit den zerstückelten Leichen zweier Frauen ertappte, hat dem Ankläger Rick O’Shea einen Deal angeboten. Wandelt man die Todesstrafe, die ihn erwartet, in lebenslängliche Haft um, will er sich zu neun weiteren Morden bekennen; unter den Opfern ist auch Marie Gesto.

Für O’Shea, der für das bald vakante Amt des Bezirksstaatsanwaltes kandidiert, wäre die Überführung eines Serienkillers im Wahlkampf überaus hilfreich, weshalb er einwilligt. Bosch lässt sich nicht ausbooten und wird mit an Bord der Ermittlungskommission genommen. Bei einer Durchsicht der Fallakten wird festgestellt, dass Waits offenbar 1993 Kontakt zum damals ermittelnden Bosch und seinem Partner aufgenommen hatte, die dem Hinweis aber nie nachgegangen waren. Sein schlechtes Gewissen lässt Bosch nun umso aktiver werden.

Als Waits die Polizei zu Maries Grab führt, kommt kann der Killer einem der Wächter seine Pistole entreißen. Er richtet ein Blutbad an und entkommt. Während sich die beteiligten Behörden noch gegenseitig die Schuld zuschieben, kommt Bosch einer Verschwörung auf die Spur: Waits hat Marie Gesto nicht umgebracht, sondern den Mord auf sich genommen. O’Shea wurde offensichtlich geschmiert, und Bosch meint den Anstifter zu kennen: Sein Hauptverdächtiger im Mordfall Gesto war seit jeher Anthony Garland, der nichtsnutzige Sohn des Ölmagnaten »T. Rex« Garland, der O’Sheas Wahlkampf finanziell unterstützt.

Dass man sich mit dem skrupelfreien Senior lieber nicht anlegt, bekommt Bosch rasch zu spüren. Garland lässt seine politischen Verbindungen spielen, um den lästigen Polizisten auszumanövrieren. Freilich ist Harry Bosch ein Mann, den Druck eher motiviert. Er nimmt den ungleichen Kampf auf – und zahlt seinen Preis dafür …

Das Dutzend ist voll!

Zum zwölften Mal ermittelt Harry Bosch, und man folgt seiner erst vergeblichen, dann zielstrebigen aber immer fesselnden Suche nach einem wahnsinnigen aber schlauen Serienkiller, hinter dem plötzlich noch monströsere Kapitalverbrecher zum Vorschein kommen, weiterhin mit einer Aufmerksamkeit, die keineswegs selbstverständlich für eine schon so viele Jahre laufende Reihe ist. Dabei bietet Echo Park von der Plot-Konstellation keineswegs Neues: Harry Bosch ermittelt, gerät in Sackgassen oder irrt sich, gräbt unermüdlich weiter und legt sich nicht nur mit dem LAPD, sondern auch mit anderen Behörden an, stößt privilegierte Politiker und Wirtschaftsbosse vor den Kopf, wird getäuscht und betrogen, zeigt den Medien den Stinkefinger und hat trotzdem genug Zeit, sich zu vielen alten noch neue Feinde zu machen. Das wird erneut spannend und temporeich geschildert, wobei Connelly seine intime Kenntnis moderner »police procedurals« ebenso geschickt einfließen lässt wie sein Wissen um die für Los Angeles spezifischen, von Klüngel und Korruption gezeichneten politischen Verhältnisse.

Echo Park ist vordergründig der Name einer ausgedehnten Parkanlage im Nordwesten der Cluster-Großstadt Los Angeles. Hier verbirgt sich der Killer Raynard Waits, der sich nach der Fabelgestalt Reineke Fuchs benannt und seine eigene Fluchtburg Malepartus eingerichtet hat. Der Titel und damit der Roman Echo Park besitzt eine zweite Bedeutungsebene: Die Ereignisse der Gegenwart stellen Echos der Vergangenheit dar. Das betrifft nicht nur Waits, sondern auch Harry Bosch. Beide sind Waisen, die von den Jugendbehörden nicht betreut, sondern verwaltet und vernachlässigt wurden. Die erlittenen Leiden lassen sie nicht los, doch die Reaktionen sind unterschiedlich. Waits bzw. Connelly findet dafür ein Bild: Zwei Hunde stehen vor der Entscheidung, die Hand, die sie füttert, zu beißen oder zu verschonen. Raynard entschied sich für Mord, Bosch für den Kampf gegen das Verbrechen, den er mit manchmal selbstzerstörerischer Kompromisslosigkeit führt.

Im Tunnel mit den Ratten

Harry Bosch hat seine Schwierigkeiten mit den Polizeidienst. Die benötigt er aber offensichtlich, um sich richtig lebendig zu fühlen. Seit er ins Los Angeles Police Department zurückgekehrt ist, lesen sich seine Abenteuer jedenfalls so spannend wie vor dem Intermezzo, das ihn als eher unzufriedenen Privatdetektiv zeigte. Bosch gibt inzwischen selbst zu, dass er den LAPD-Apparat, mit dem ihn eine innige Hassliebe verbindet, benötigt, um mit dem Gesetz im Rücken seine Mission zu erfüllen: die Jagd nach den richtig dicken Fischen im Teich der Kapitalverbrecher.

Sein Kampf mit den Windmühlen vor allem der politischen Realität stellt eine Konstante der Harry-Bosch-Romane dar. Autor Connelly, der auch ein versierter Kriminalreporter ist, kennt sich in der Materie ausgezeichnet aus. Machtkämpfe und Intrigen weiß er so spannend wie die Jagd auf den Verbrechen zu präsentieren. Was eigentlich deprimieren müsste, wird durch den Einfallsreichtum erträglich, mit dem sich Bosch seiner Peiniger erwehrt.

Dieses Mal kehrt Harry wieder einmal und gleich zweifach in seine problematische Vergangenheit zurück. Er ist ein Heimkind, das keine erfreulichen Erinnerungen an seine Jugend hegt, um es beschönigend auszudrücken. Außerdem ist er eine »Tunnelratte«, ein ehemaliges Mitglied jener Spezialeinheit, die im Vietnamkrieg in die verzweigten, mit Todesfallen gespickten Tunnelkomplexe des Vietkong eindrang, um den Gegner in tiefer Finsternis zu stellen. Die dabei erworbene Mischung aus Kaltblütigkeit und Todesverachtung veranlasst Bosch, Waits in dessen unterirdische Burg zu folgen. Zwar widerspricht dies sowohl der Dienstvorschrift als auch dem gesunden Menschenverstand, doch das kann Bosch nicht aufhalten. Später entfährt ihm dazu der nur vorgeblich scherzhaft gemeinte und verräterische Satz: »Schmerz ist Schwäche, die den Körper verlässt.« (S. 390)

Einfache Lösungen gibt es nicht

Connelly schafft es, der ausgelaugten Figur des Serienkillers neues Leben einzuhauchen. Raynard Waits ist gleichzeitig erbarmungsloser Täter und bedauernswertes Opfer. Darüber hinaus ist er ein Katalysator: Der monströse Mörder dient als Bauer in einem ungleich größeren Schachspiel. Hinter Waits stehen Machtmenschen, die sich selbst die Finger nicht schmutzig machen und sich über das Gesetz erhaben fühlen. Die daraus resultierende Hilflosigkeit von Justiz und Gerechtigkeit treiben Bosch endgültig über die dünne rote Linie. Hat er sich im Kampf mit Waits bereits in vorsätzlich selbst geschürte Lebensgefahr gebracht, nimmt er nunmehr das Recht in die eigene Hand, wird zum Richter und indirekt zum Henker, auch wenn er selbst die Todesschüsse auf den Drahtzieher nicht abgibt. Damit verrät er manische Züge, die ihn durchaus in die Nähe von Raynard Waits rücken.

Die seelischen Konflikte des Harry Bosch sind fixes Element der Serie. Dass sie nicht wie viel zu oft im modernen Thriller üblich in seifenoperhaftem Geplänkel versanden, verdanken sie dem Talent eines Autors, der vordergründige Handlung und hintergründige Charakterzeichnung sorgfältig auszutarieren vermag. Auch nach seiner zwölften Auftritt wissen wir längst nicht alles über Harry Bosch, der sich langsam aber stetig weiterentwickelt. Wenn Echo Park ausklingt, hat Bosch seinen Job, seine Partnerin und seine Geliebte verloren. Die Karten sind neu gemischt. Das macht neugierig auf die Fortsetzung.

Michael Drewniok, April 2009

Ihre Meinung zu »Michael Connelly: Echo Park«

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Tommi aus Randbrand zu »Michael Connelly: Echo Park« 01.02.2017
Nach der Lektüre von "Der Widersacher" und Blackbox", welche ich zeimlich gut fand, war ich sehr enttäuscht von diesem Harry Bosch-Roman. Die Geschichte ist durchweg unglaubwürdig, dafür aber bis auf eine Wendung am Schluss durchweg vorhersehbar. Die Figuren wirken wie Pappkameraden, einigen Szenen merkt man an, dass man sie streckte um auf die wohl vereinbarte Seitenzahl zu kommen. Einige Situationen, wie z.B. die Flucht oder das dämliche Geständnis am Ende wirken einfach nur albern.
vifu zu »Michael Connelly: Echo Park« 08.07.2015
Wieder mal ein sehr spannender Harry Bosch. Hab ihn mit Bedauern ausgelesen.
Wenn man sicheinmal drauf eingelassen hat ist er schwer aus der Hand zu legen.
Klar ist das Schwarzweissmalerei, aber das stört mich im Western auch nicht! Ich bin auch gegen die Todesstrafe.
Also freu ich mich schon auf den nächsten Band und hoffe auf den Auftritt des alten Feinds Irving, der diesmal zu kurz kam.
Gute Urlaubsbegleitung für spannende Stunden!
kianan zu »Michael Connelly: Echo Park« 01.10.2013
Ich bin ein absoluter Fan der Serie um Harry Bosch. Und ich bin total begeistert, denn der Autor hat mich auch noch in der zwölften Folge der Serie vollkommen gefesselt. Spannung pur und das im 12. Buch! Toll! Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Das ist wirklich eine grandiose Leistung. Die Serie ist aus meiner Sicht nur zu empfehlen, und insbesonders dieses Buch der Serie!
Krimitante zu »Michael Connelly: Echo Park« 10.06.2012
total durchgefallen! schon allein deshalb, weil der protagonist harry bosch absoluter anhänger der todesstrafe ist und das auch immer wieder betont wird. sorry, daran kann ich nichts sypathisches finden, zumal er auch noch an totaler selbstüberschätzung leidet. das ganze buch schwappt nur so über vor schwarz-weiss- malerei. hier die guten, da die bösen.und diese haben es verdient entweder sofort durch die hand eines ermittlers zu sterben (die sich hinterher auch noch dazu beglückwünschen jemanden erschossen zu haben!) oder wenn nicht das, unbedingt zur todesstrafe verurteilt werden müssen. das ist regelrechte kleine-jungen-phantasie, mal so richtig aufzuräumen. an diesem wälzer ist nichts was ich daraus mitgenommen hätte, ausser genervtsein. deshalb landet es bei oxfam und kein weiteres buch von connelly auf meiner leseliste.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kianan zu »Michael Connelly: Echo Park« 26.03.2012
Harry Bosch 12. Fall und er gehört zu einer meiner Lieblingsfällen. Sehr spannend bis zuletzt. Teilweise denkt man, man sei den Lösungen schon sehr nah, um dann nur in kleinen Teilen recht zu haben und mit dem Rest glaubwürdig anderweitig überrascht zu werden. Ich mag die Serie um Harry Bosch sehr, die bis auf wenige Ausnahmen die Spannung und Qualität aufrecht erhält.
axelp zu »Michael Connelly: Echo Park« 02.06.2011
Ich möchte nicht noch ein weiteres Mal auf den Inhalt eingehen - das ist bis jetzt mein 14. Connelly und mein 12 Bosch. Was gibt es noch zu sagen, als daß Connelly noch einen draufsetzt, wo andere Serienschriftsteller langsam abflachen.
Es ist das beste und spannendste Buch, was ich bisher von ihm gelesen habe - 97 %
Moschi zu »Michael Connelly: Echo Park« 24.10.2010
"Echo Park" war mein erster Connelly und hat meine Erwartungen nach den vielen sehr guten Rezensionen hier bei der Krimi-Couch nicht ganz erfüllt.
Harry Bosch ist zweifellos ein sympathischer Ermittler, die Story hat spannende Momente, liest sich flüssig und die Wende am Ende kommt einigermaßen überraschend.
Dennoch: Richtig gefesselt hat mich "Echo Park" nicht.
Alles in allem solide Krimikost und von mir 85 °.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Vielleser99 zu »Michael Connelly: Echo Park« 27.09.2010
Ein gelungenes, einmal etwas anderes Buch.
Bereits zu Beginn der Geschichte, als die Wissenschaftler ihre Zeitreise in die Vergangenheit unternehmen, wird alles sehr realistisch beschrieben und an viele Details gedacht, an die nur ein Schriftsteller denkt, der gut recherchiert hat. Es bleibt durchgängig spannend und unterhaltsam zu lesen und bis zum Schluss hofft man mit den Helden, dass alles gut ausgeht.
koepper zu »Michael Connelly: Echo Park« 27.08.2010
Wie immer enttäuscht Connelly nicht. Mit Echo Park ist ihm erneut ein spannendes, sehr gutes Buch gelungen. Die Zutaten ähneln sich. Der Held, Harry Bosch, kämpft wieder gegen Gott und die Welt, in diesem Fall gegen zwielichtige Politiker und korrupte Cops. Dennoch wird die Serie nie langweilig. Es gelingt Connelly immer wieder aufs Neue interessante und ungewöhnliche Geschichten zu erzählen, die fesseln.
Hoffentlich arbeitet Connelly weiter an der Harry Bosch Serie und läßt noch viele dieser sehr guten Krimis folgen. Unbedingte Empfehlung.
andreas zu »Michael Connelly: Echo Park« 14.01.2010
Wieder einmal ein Buch von Connelly, das ich kaum aus der Hand legen konnte. Vom Anfang an ein spannender Thriller, bei dem man immer wieder überrascht wird. Wer kurz vor Ende des Buches meint zu wissen, wer nun was getan hat, wird sich wundern. Mich jedenfalls hat Harry wieder voll überzeugt. Freue mich schon auf das nächste Buch.

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