Das zweite Herz von Michael Connelly

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Blood Work, deutsche Ausgabe erstmals 1999 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalifornien / Los Angeles, 1990 - 2009.

  • Boston: Little, Brown, 1997 unter dem Titel Blood Work. 393 Seiten.
  • München: Heyne, 1999. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 3-453-15999-3. 446 Seiten.
  • München: Heyne, 2000. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 3-453-17734-7. 463 Seiten.
  • [Hörbuch] Frechen: Delta Music, 2007. Gesprochen von Engelbert von Nordhausen. ISBN: 3865387705. 6 CDs.
  • [Hörbuch] München: audio media, 2008. Gesprochen von Engelbert von Nordhausen. ISBN: 386804471X. 6 CDs.

'Das zweite Herz' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

Deutscher Krimi Preis 2000, 3. Platz international

In Kürze:

Ex-FBI-Agent Terry McCaleb erholt sich nach einer schweren Herzoperation auf seinem Hausboot. Dort erhält er überraschend Besuch von einer jungen Frau, die ihn um Hilfe bittet: Ihre Schwester wurde ermordet, und vom Täter fehlt jede Spur. McCaleb fühlt sich moralisch verpflichtet zu helfen, als er erfährt, dass sein Spenderherz von der Ermordeten stammt. Bei den Ermittlungen stellt er zu seinem Entsetzen fest, dass irgend jemand da draußen mit ihm Katz und Maus spielt. Jemand, der bereits gemordet hat -- und der bereit ist, es wieder zu tun.

Das meint Krimi-Couch.de: »Connelly ist definitiv einer der besten Autoren seines Genres«

Krimi-Rezension von Michael Matzer

Drei Menschen wurden Opfer eines skrupellosen Mörders – doch die Ermittlungen wurden eingestellt. Wie konnte das geschehen? – Mit Meisterwerken wie Der Poet und Schwarze Engel hat sich Connelly einen Stammplatz bei Thrillerfreunden erobert.

Das Unheil naht sich Terry MacCaleb in Gestalt einer wunderschönen Frau, die auf Stöckelschuhen seine Bootsanlegestelle betritt: Graciela Rivers bittet den ehemaligen Serienkillerjäger des FBI darum, den Mörder ihrer Schwester Gloria Torres zu finden. Das könne sie sich gleich aus dem Kopf schlagen, entgegnet er. Er müsse sein geerbtes Boot auf Vordermann bringen!

Aber sie hat noch einen Trumpf im Ärmel. Er habe vor kurzem ein neues Herz eingepflanzt bekommen, habe sie in der Zeitung gelesen, und natürlich dürfe er sich nicht überanstrengen. Aber dieses Herz stamme von Gloria, und nur dank ihres Todes sei er am Leben. Terry kann weder diesem Argument noch Gracielas wunderschönen Augen widerstehen. Für ihn ist nun alles zu spät: Die Jagd nach Glorias kaltblütigem Mörder führen ihn in die Hölle – aber auch wieder hinaus.

Da Gloria in einem Minimarkt beim Einkaufen erschossen wurde, hielten die Polizisten vom LAPD den Mord für einen Raubüberfall. Auch der Ladenbesitzer wurde offenbar nur wegen des Geldes erschossen. Die Polizisten sind nicht begeistert, dass ihnen ein Privatschnüffler zeigen will, was eine Harke ist. Doch McCaleb bekommt Schützenhilfe von Jaye Winston. Sie arbeitet beim Sherriff des County von Los Angeles und verfügt über die gleichen Unterlagen und Videos wie die abblockenden Polizisten.

Schon bald kommt McCaleb durch trickreiche Methoden, zu denen neben Hypnose auch Videobearbeitung und Datenbankabfrage gehören, darauf, dass Gloria nur ein Opfer in einer ganzen Serie ist: Stets wurden Träger einer ganz bestimmten seltenen Blutgruppe getötet, damit ihre Organe für die Transplantation entnommen würden. Es handelte sich also keineswegs um Raubüberfälle. Und da das erste Opfer ein Observationsobjekt des FBI gewesen war, übernehmen nun bornierte Bundesagenten die Ermittlungsarbeit, für die Winston und McCaleb so viel geopfert hatten.

Doch allmählich wird die Lage für den Schnüffler selbst brenzlig: Denn da er selbst ein Herz mit dieser seltenen Blutgruppe eingepflanzt bekommen hatte, steht er nun plötzlich ganz oben auf der Liste der Verdächtigen: der Schnüffler als Organjäger? Als das FBI sein Boot untersucht und die ihm vom wahren Killer untergeschobenen Besitztümer der drei Opfer findet, beginnt eine Menschenjagd auf ihn. Ihm bleibt nur ein Ausweg: den Killer so schnell wie möglich zu überführen und zu schnappen.

Zu seinem Entsetzen findet er heraus, dass ihm genau dieser Mörder selbst das Leben gerettet hat.

Dieser Thriller ist zweifellos ein Meisterwerk. Hier geht es der Hauptfigur, einem ehemaligen Killerjäger, nicht nur darum, einen Verbrecher zur Strecke zu bringen. Terry McCaleb weiß: dies ist »Blutarbeit«. Und da er sein neues Herz von einem Mordopfer erhalten hat, in dessen Schwester er sich verliebt, hat der Begriff »Blutarbeit« eine weitaus tiefergehende Bedeutung für ihn.

Diese Bedeutung lässt sich in Connellys Roman am besten in religiösen Begriffen umschreiben: McCaleb lebt in der Finsternis der Verzweiflung eines vom Glauben Abgefallenen. Er glaubt nicht mehr daran, dass alle Ereignisse einen guten Grund haben. Es gibt keine Engel mehr für ihn. Er lebt am Rande der Welt, am Meer, auf einem Boot, ein Einsamer, der von geliehener Zeit und von Medikamenten lebt.

Erst Graciela verspricht ihm durch ihre Liebe so etwas wie Erlösung. Diese aber muss er sich durch die Aufklärung des Mordes an ihrer Schwester erst zu einem hohen Preis erkaufen. Er kann froh sein, dass sie ihm überhaupt weiterhin vertraut. Für diese Liebe muss er auch bereit sein, alles zu geben. Die Belohnung ist eine neue Familie, eine neue Zukunft.

Es gibt nicht viele solcher tiefgehender Thriller. Das Schweigen der Lämmer kommt mir in den Sinn – die Erlösung der Clarice Starling von ihren Alpträumen. Michael Connelly ist definitiv einer der besten Autoren seines Genres.

Das hat auch kein Geringerer als Clint Eastwood bemerkt. In einer unscheinbaren Liste der Danksagungen wird der Schauspieler und Regisseur beiläufig aufgeführt. Das kann jedoch durchaus bedeuten, dass Eastwood, der Autoren wie A. Klavan (»True Crime«) und Baldacci (»Absolute Power«) verfilmt hat, auch mal einen Connelly auf die Leinwand bringen möchte. Es wäre zu wünschen.

Das meinen andere:

»Der Stoff aus der Hölle« (Focus)

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Jim Knopf zu »Michael Connelly: Das zweite Herz« 25.04.2011
Naja, nicht schlecht geschrieben und recht vielschichtig für einen Roman zwischendurch - aber sicher kein Highlight dafür ist das Ende zu mau.

Die Geschichte ist interessant und ich hab das Buch recht zügig durchgelesen. Allerdings ist es mir teilweise zu glatt und die Liebesgeschichte passt vielleicht in eine Dokusoap aber nicht in einen solchen Roman zumal vor dem Hintergrund der Ausgangsstory
Volker zu »Michael Connelly: Das zweite Herz« 19.06.2010
Das ist kein Kommentar zum Buch sondern zu der Rezension: Den Film "Bloodwork" von und mit Clint Eastwood als McCaleb gibt es! Graciela mutiert darin von der Krankenschwester zur Kellnerin, und McCalebs Kumpel Buddy ist der Mörder. In "Die Rückkehr des Poeten" beschweren sich beide darüber, was man im Film aus ihnen gemacht hat.
Sollte ein Experte eigentlich wissen.
sabrina13582 zu »Michael Connelly: Das zweite Herz« 18.06.2009
Nachdem ich (fast) alle Harry Bosch Romane von Michael Connelly gelesen hatte, wollt ich unbedingt auch das zweite Herz lesen, da in einem Harry Bosch Roman ja auch Terry Mc Calleb mitspielte. Und ich war absolut begeister - selten hat mich ein Buch so gefesselt. Absolute Spannung und Nervenkitzel von der ersten bis zur letzten Seite. Mit "Das zweite Herz" ist Michael Connelly eines seiner besten Bücher gelungen - es sollte meiner Meinung nach in keinem Bücherregal eine Krimi bzw. Thriller Fans fehlen!
Bartensen zu »Michael Connelly: Das zweite Herz« 01.02.2009
Ex-FBI-Agent Terry McCaleb auf der Jagd nach einem Serienmörder, obwohl ausser Dienst, noch schwer gehandicapt von einer schweren Herzoperation macht er sich auf die Suche nach dem Mörder der Person, der er dadurch sein neues Spenderherz verdankt. Polizei und FBI stellen sich dabei nicht sonderlich als große Hilfe heraus, ganz im Gegenteil wirkt ihr Desinteresse an Kooperation eher behindernd. Erst mit der Hilfe von Jaye Winston aus County-Sherriff-Büro von Los Angeles kommt die Untersuchung in Fahrt, bei der sehr schnell ausgeschlossen werden kann, das es sich bei dem Mord um einen schlichten Raubüberfall handelte.
Das zweite Herz (im englischen Bloodwork) ist eher ein klassischer Profiler-Roman, der sich fast komplett auf Spurensuche und Indizienzusammensetzung konzentriert, dabei aber ein Vielzahl gute charakterisierter Personen in die Handlung mit einfliessen lässt.
Das zweite Herz verzichtet fast vollkommen auf Action, lebt aber von einer äußerst intensiven Atmosphäre die durchgehend spannend inszeniert ist.
Obwohl es um die Jagd auf einen Serienkiller geht, verfällt der Roman nie in die klassischen Elemente eines Whodunnits, die Auflösung ist überraschend und auf dem Weg dorthin wird man mehr als einmal auf eine falsche Spur geführt. Wie bei Michael Connelly üblich hat der Roman zusätzlich reichlich Tiefgang und hat im Vergleich zu Der Poet (ein weiterer einzeln stehender Serienkiller-Roman von Connelly) deutlich die Nase vorn.
K. zu »Michael Connelly: Das zweite Herz« 29.12.2008
Das Buch lag schon länger bei mir zu hause rum, bis ich es eines Tages entdeckte und anfing zu lesen.
WoW! es ist ungewöhnlich gut! &spannend
es fängt spannend an je mehr ich lese desto spannender wird es, ich kann gar nicht mehr aufhören! Gut verfasst!

Es zieht den Leser schnell in den Bann ...

Super!
Es ist sozusagen das beste BUch, was ich je gelesen hatte !
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Carmen Wöhler zu »Michael Connelly: Das zweite Herz« 29.01.2008
Das war mein zweites Buch von Connelly und eins der besten Bücher überhaupt, die ich je gelesen habe.
Die ungewöhnliche Story zieht den Leser schnell in den Bann und die Aktendurchsicht am Anfang ist keineswegs langatmig, da sie im Verlauf Stück für Stück zum Erfolg führt.
Ein tolles Buch von dem ich mir mehr wünsche!
axelp zu »Michael Connelly: Das zweite Herz« 26.01.2007
Das war eines der besten Bücher (von 7), die ich von Connelly gelesen habe.
Am Anfang war die Durchsicht der Unterlagen der 2 Fälle schon etwas langatmig, aber ansonsten war das Buch mit der Ermittlung vom "Schreibtisch" aus einmal etwas anderes und Connelly hat noch nie so spannend geschrieben.
Leider ging es mir so wie meinem Vorgänger. Auch ich hatte den Film gesehen (zwar die Handlung wieder vergessen), aber den Eastwood im Hinterkopf und das Bild von ihm immer vor Augen. Es wurde zwar im Buch von einem 46jährigem geschrieben, aber wenn das Bild einmal da ist, bekommt man es einfach nicht mehr weg. Und das störte schon, was das Verhältnis mit der Schwester + Sohn anging.
Cleaningwoman zu »Michael Connelly: Das zweite Herz« 07.08.2005
Leider habe ich nach dem Film "Bloodwork" immer Mr. Eastwood wenn ich mir versuche, Mr. McCaleb vorzustellen. Bin mir nicht sicher, ob das so dolle ist...
Also: lieber erst das Buch lesen und nur unter Umständen den Film sehen!
william zu »Michael Connelly: Das zweite Herz« 04.03.2005
Zum Buch gibts einen Film "Bloodwork". Clint Eastwood spielt die Hauptrolle und führt Regie. Das Buch habe ich noch nicht gelesen, jedoch in den letzten Tgaen den Film gesehen, welcher Spitze ist, aber natürlich vom Buch erheblich abweicht.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stadel zu »Michael Connelly: Das zweite Herz« 24.03.2004
Mein erstes Buch von Connelly und auch bestimmt nicht das letzte. Sehr packende Story ohne unnötige Längen. Ein sympatischer Protagonist agiert menschlich und ohne Heldentum. Sehr gut!!!

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