Schwarzes Blut von Max Wilde

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Vile blood, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Heyne.

  • --: Tin town, 2012 unter dem Titel Vile blood. 320 Seiten.
  • München: Heyne, 2013. Übersetzt von Kristof Kurz. ISBN: 978-3-453-67643-5. 320 Seiten.

'Schwarzes Blut' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Sie hat gerade die Ruinen des alten Road-house erreicht, als sie das dunkle Grummeln eines Motors hinter sich hört. Scheinwerfer beleuchten den Sand zu ihren Füßen. Sie geht schneller, während der Fahrer gerade so viel Gas gibt, um mit ihr mitzuhalten. Sie spielen mit ihr. Sie lassen sie rennen, halten sich immer dicht hinter ihr. Der Wagen beschleunigt erst, als sie die Straße verlässt, um hinaus in die Wüste zu fliehen. Da weiß sie, dass es kein Entkommen gibt. Das Unvermeidbare wird geschehen. Ihre Verfolger werden sterben.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der wilde Max macht keine Gefangenen« 70°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Kann man einen Roman empfehlen, in dem aufgeschlitzte Bäuche und andere zerfetzte Körperteile in der Landschaft herumliegen, Gedärme in den Ästen der Bäume hängen, Kannibalen sich an Herz und Leber ahnungsloser Mitmenschen delektieren? Wem sollte man es auch empfehlen?

Schwarzes Blut, in der Heyne Hardcore-Reihe erschienen, ist ein Horror-Thriller, der wohl nur Freunde des Genres ansprechen wird. Selbst für aufgeschlossene Krimi-Fans, zu denen sich der Rezensent zählt, ist der Ekelfaktor meist zu hoch. Vor dem Kauf empfiehlt es sich, die Leseprobe, die die Krimi-Couch anbietet, wahrzunehmen. Horror-Fans sollten die Einschätzung des Rezensenten mit Vorsicht betrachten. Mit dem aktuellen State of the Art des Genres ist der Rezensent nicht vertraut, kennt nur die Altmeister wie Peter Straub, Dean R. Koontz oder Stephen King.

So ist die Rezension auch mehr an die Krimi-Leserschaft gerichtet, denen der Name Roger Smith von seinen Südafrika-Thrillern bekannt sein dürfte.

Roger Smith debütierte in 2009 mit Mixed Blood (Kap der Finsternis) und konnte damit gleich einen internationalen Erfolg verbuchen. Wie seine südafrikanischen Kollegen profitierte auch er von dem gesteigerten öffentlichen Interesse, das ihr Land als Ausrichter der Fußball-WM 2010 erfuhr. Drei Folgeromane untermauerten Smith` Status als Autor kompromissloser Thriller mit realem Hintergrund. Die Romane spielen in der Unterwelt seiner Heimatstadt Kapstadt und erzählen von den tiefsten Abgründen der menschlichen Existenz. Seine Figuren sind derart böse, dass man sie nicht allein als Produkt ihrer verderbten Umwelt ansehen kann, sondern beginnt, an das Böse im Menschen glauben. Smith` Schritt, Romane über das Ur-Böse, das so alt ist wie der Ursprung der Menschheit, zu schreiben, war ihm wohl eine Herausforderung.

Um sich namentlich von seinen Südafrika-Thrillern abzusetzen, schreibt Roger Smith hier unter dem Pseudonym Max Wilde. Auch den Schauplatz der Handlung hat er in die USA verlegt und im äußersten Zipfel von Texas angesiedelt.

Das Grenzgebiet von Texas zu Mexiko, unweit der Doppelstadt El Paso/Cuidad Juarez, ist eine Wüstenei – trocken, felsig, menschenfeindlich. Die wenigen kleinen Städte sind durch Landflucht und Wirtschaftskrisen fast verwaist. Mehr verrammelte Geschäfte als offene, hier und da mal ein Diner oder eine Tankstelle am Rande des Existenzminimums. In dieser Ödnis versieht Chief Deputy Gene Martindale wacker und einigermaßen rechtschaffen seinen Dienst. Der Kollege aus dem Nachbar-County, mit dem Gene des öfteren im Clinch liegt, hat sich längst mit den grenzüberschreitenden Drogendealern arrangiert, ein Meth-Kocher ist sein bester Kumpel. Gene hält sich möglichst aus Allem heraus. Seit der Ermordung seiner Frau und seines ungeborenen Kindes gilt seine ganze Sorge dem Wohle seines erstgeborenen Sohnes Timmy und seiner Stiefschwester Skye. Skye war als Säugling (Findelkind) von den Martindales adoptiert worden und ist zu einem liebreizenden Teenie herangereift. Doch der äußere Schein, ihre Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft trügen. In ihrem Innern haust eine unbezähmbare Macht. Schon einmal, als sie gerade mal zwei war, ist dieses innere Wesen aus ihr herausgebrochen und hat ein Blutbad angerichtet. Der ältere Bruder konnte alles vertuschen. Nun ist es wieder passiert. Eines Abends auf dem Nachhauseweg von der Arbeit im Diner wird Skye von vier Männern brutal bedrängt. Das Wesen in ihr richtet ein Massaker an. Am nächsten Morgen muss Gene retten, was zu retten ist. Doch diesmal macht eine verlorengegangene Brille ihn erpressbar.

Schwarzes Blut ist ein Horror-Thriller, der mehr Grusel und Ekel erzeugt, der den Leser eher schockt, als dass er ihn spannend unterhält. Betrachtet man den Roman oberflächlich, so zeigt er wenig Raffinesse im Handlungsablauf. Auch das Bühnenbild – sieht man von den üppigen Beschreibungen der Abscheulichkeiten einmal ab – ist minimalistisch. Der Fokus ist ganz auf die handelnden Personen ausgerichtet, die einerseits idealtypisch gezeichnet sind wie zum Beispiel der korrupte Bulle, der todsündige Prediger oder die in jeder Beziehung offenherzige Kellnerin. Auf der anderen Seite haben wir Zwei, die, obwohl sie am besten gezeichnet sind, unberechenbar bleiben. Das sind die Heldin Skye Martindale und ihr sadistischer Kontrahent Junior Cotton, der in der Außenwelt Skyes inneren Dämon widerspiegelt.

Da nicht nur das Ende, sondern auch viele Fragen offen bleiben, ist mit einer oder mehreren Fortsetzungen zu rechnen. Ob man bei Schwarzes Blut einsteigen sollte, kann der Rezensent nicht abschließend beurteilen, da ihm die Intentionen des Autors verborgen geblieben sind. Geht es Max Wilde bloß um die Zurschaustellung blutrünstiger Details oder hat er den Anspruch, die inneren Konflikte seiner Heldin zu vertiefen. Das deutsche Cover lässt eher eine Teenie-Horror-Show vermuten, was aber dem seriösen Eindruck widerspräche, den Roger Smith z. B: auch beim Krimi-Couch-Interview hinterlassen hat.

Jürgen Priester, August 2013

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Alexi1000 zu »Max Wilde: Schwarzes Blut« 09.05.2016
Roger Smith schreibt hier unter Pseudonym wahrlich einen Reisser, der gut ins Heyne - Hardcore Programm passt.

Sicher sind seine Thriller aus dem Kapstadt Milieu realistischer, besser herausgearbeitete Charaktere etc.

Wer aber "einfach" einen mit übernatürlichem Touch angehauchten, absolut "over the top" gehaltenem Splatter sucht, der dürfte ziemlich überrascht sein.

Verwundern darf es allerdings nicht, auch die "normalen" Thriller von Smith haben schon eine heftige Gangart, hier ist aber selbst mir als "altem" Horror - Fan und gerne auch deftiger Kost lesender, öfter mal die sprichwörtliche Kinnlade runtergefallen...;-)

Also, nichts erwarten, die Charaktere auf minimum schrauben, aber gepflegt auf dem Beifahrersitz platznehmen...

Herr Wilde (Smith) wird das Steuer übernehmen und das Gaspedal durchtreten...versprochen.

Zartbesaitete Naturen: Anschnallen, es könnte Euch aus der Kurve werfen...

...mir hat' s trotz allen Kritikpunkten noch gut gefallen...85°
Reinhart Hönsch zu »Max Wilde: Schwarzes Blut« 10.08.2013
Gut, dass Rogger Smith unter einem Alias geschrieben hat, so versaut er sich nicht seinen guten Namen - der "Horror-Thriller" ist ein Alptraum in seiner Ekelhaftigkeit, ist grotten-langweilig - nicht, aber überhaupt nicht empfehlenswert!
Dieses Machwerk kommt nicht im Enferntesten an die realitätsnahen Thriller von R. Smith aus Kapstadt heran, die zwar auch nichts für zarte Gemüter sind, aber eben spannend und gut geschrieben, die Personen und Landschaften werden hier hervorragend und überzeugend dargestellt.Ich warte auf seinen 4. Roman aus Kapstadt. Hoffentlich gibt es von Max Wilde keine Fortsetzungen!
Reinhart Hönsch, August 2013
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