Die Puppenmacherin von Max Bentow

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Page & Turner.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.
Folge 2 der Nils-Trojan-Serie.

  • München: Page & Turner, 2012. ISBN: 978-3-442-20404-5. 350 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2012. Gesprochen von Axel Milberg. ISBN: 3867178798. 8 CDs.

'Die Puppenmacherin' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Als der Berliner Kommissar Nils Trojan an den Schauplatz eines neuen Mordfalles gerufen wird, ist er zutiefst erschüttert von dem Anblick, der sich ihm bietet: Der Täter hatte eine junge Frau in den Keller gelockt und sie dort auf ungeahnte Weise ermordet – ihr Körper ist erstarrt in einem monströsen Sarkophag aus getrocknetem Schaum. Bei seiner Recherche stößt Trojan auf einen älteren Fall, der verblüffende Parallelen aufweist: Damals konnte die Puppenmacherin Josephin Maurer in letzter Sekunde aus einem Keller befreit werden, der Angreifer hatte bereits Spuren seiner makabren Handschrift auf ihrem Körper hinterlassen. Doch der als Täter identifizierte Karl Junker gilt inzwischen als tot – kann es sein, dass jemand ihn kopiert? Oder ist er doch noch am Leben, besessen davon, sein grausames Werk fortzusetzen? Trojan bittet die Psychologin Jana Michels um Hilfe, denn er ahnt, dass der Mörder in einen Wahn verstrickt ist, der sich seiner Vorstellungskraft entzieht – und dass das Töten noch lange kein Ende hat.

Das meint Krimi-Couch.de: »Montageschaumschlägerei« 65°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

 Wie erwartet, von manchen auch erhofft, gibt es jetzt ein Wiedersehen mit Kommissar Nils Trojan von der Berliner Mordkommission. Nach dem respektablen Erfolg von Der Federmann, der es zumindest für kurze Zeit in die Top 10 der von der Media Control erhobenen Büchercharts geschafft hat, legt Autor Max Bentow mit Die Puppenmacherin die zweite Folge der Reihe vor. »Ein Serienmörder-Thriller wie aus dem Lehrbuch« so konnte man Bentows Debüt charakterisieren – das heißt: mit allen Stärken, dazu darf der Rezensent sich mal selbst zitieren: »gradlinig, unkompliziert, spannend in Szene gesetzt und mit ausreichendem Ekelfaktor versehen«, aber auch mit allen Schwächen, die insbesondere die Motive des/der Täter(s) betreffen. Das trifft jetzt auch auf Die Puppenmacherin zu, denn der Nachfolger ist bei genauerer Betrachtung im Wesentlichen eine Kopie des Erstlings. Besonders im Aufbau beider Thriller lässt sich eine identische Abfolge der einzelnen Bausteine feststellen. Da der Autor aber nur dem in diesem Subgenre üblichen Schema folgt, fällt das wohl nicht weiter auf. Schließlich ist es nicht die Form, sondern der Inhalt, auf den es ankommt, oder? Der Inhalt geht wie folgt:

Josephin (ohne e) »Josie« Maurer ist die titelgebende Puppenmacherin. In ihrem kleinen Geschäftslokal produziert und verkauft sie Puppen, die dem japanischen Amigurumi-Häkelstil nachempfunden sind. Davon kann sich eher schlecht als recht ernähren. Doch gerade hat sie ein Erfolgserlebnis der besonderen Art. Auf einem Animations-Kurzfilmfestival sind ihre Puppen mit einem Preis bedacht worden. In mühseliger Kleinarbeit hatte sie zusammen mit ihrem Lebensgefährten Milan ihre Puppen in einem Trickfilm animiert. Ein bisschen Anerkennung und Freude tun der vom Schicksal arg gebeutelten Josie auch gut, war sie doch vor knapp einem Jahr in allerletzter Sekunde aus den Fängen eines Psychopathen gerettet worden. Unter diesem Trauma leidet sie noch heute. Ihre Freude über den gewonnenen Preis währt nicht lange. Schon am Abend nach der Preisverleihung, über die in den lokalen Medien ausführlich berichtet wurde, meldet sich die ihr schrecklich vertraute Stimme des Psychopathen von damals am Telefon und wiederholt genau die Worte, mit der er sie während ihrer Gefangenschaft gequält hat. Josie ist außer sich vor Panik. Es kann einfach nicht sein. Karl Junker, ihr Peiniger, ist vor einem Jahr nach einem Autounfall verstorben.

Die Schlinge um Josies Hals zieht sich zu, als in kurzen Abständen mehrere Personen aus ihrem engen Umfeld ermordet oder fast ermordet werden. Kommissar Trojan, der für alle Fälle zuständig ist, bekommt viel zu tun. Dabei ist er gedanklich und emotional mit Privatem voll ausgelastet, muss er doch seine wegen gebrochener Versprechen verstimmte Tochter besänftigen, seine allzeit bereite Nachbarin Doro trösten, die Missstimmung zwischen ihm und seiner Therapeutin Jana Michels beseitigen und endlich mal das seit seiner Jugendzeit gestörte Verhältnis zu seinem Vater klären. Das sind zum Teil ziemlich heikle Angelegenheiten. Gut, dass seine berufliche Aufgabe, einen möglicherweise gestörten Mörder dingfest zu machen, nicht soviel seiner Zeit beansprucht. Montageschaum, an allen Tatorten in Spuren oder großen Mengen vorhanden, weist ihm den Weg in die Vergangenheit, in den Keller von Karl Junker, wo der tödliche Schaum zum ersten Mal zum Einsatz kam.

Es gibt etwas mit dem schrecklichen Namen: Second-Novel-Syndrome. Das hört sich fast an wie eine Krankheit, kann für den Betroffenen auch krankheitsähnliche Auswirkungen haben. War seinem Debütroman ein gewisser Erfolg beschieden, gerät ein Autor unter Druck, in absehbarer Zeit einen Nachfolger zu präsentieren. Die Frage, die sich ihm stellt, ist, wage ich mit meinem »Zweiten« etwas gänzlich Neues oder greife ich auf das bewährte Muster zurück. Max Bentow hat sich für Letzteres entschieden und kopiert sich selbst. Der Wunsch des Rezensenten in seiner Besprechung zu »Der Federmann«, der Autor möge doch bei seinem nächsten Roman das Thema wechseln, um einer Eintönigkeit vorzubeugen, ist leider auf keine Gegenliebe gestoßen. Aber warum sollte der Autor auch auf den Rezensenten hören? Die Puppenmacherin wird sich genauso gut verkaufen wie »Der Federmann«, obwohl der Unterschied zwischen einem sich mit fremden Federn schmückenden Psychopathen und einem, der mit Bauschaum operiert, nur ästhetisch ist.

Das große Manko des Thrillers – besonders, wenn er das Serienmörder-Thema bedient – ist, dass er sich zu sehr mit dem »Wie« beschäftigt. Allein auf immer bizarrer werdende Modi operandi zu setzen, bietet weder in der Substanz noch auf Dauer wirkliche Abwechslung. Gerade Schreiber von Krimi- oder Thrillerreihen, denen es doch am Aufbau oder an der Pflege einer Stammleserschaft gelegen ist, sollten das berücksichtigen. Anstatt die ganze Fantasie auf die Aus»schmückung« von Tatorten und Opferqualen auszurichten, wäre es an der Zeit, sich wieder um die Motive des Täters zu kümmern. Am Ende der Story einen verstörten »Niemand« aus dem Hut zu zaubern, ist zwar beliebt, dennoch ein billiger Trick und ein Ärgernis für den Leser. Hier ist mehr Sorgfalt angesagt, aber vor allem mehr Glaubwürdigkeit.

Eine ganz andere, dennoch wichtige Frage ist, wie kommt Hauptkommissar Nils Trojan als Serienheld an. Eigentlich schlägt er sich doch recht respektabel. Man könnte für ihn den neuen Typus des »softboiled detective« kreieren. Die harten Jungs von einst gaben sich nach Dienstschluss gerne mal die Kante, um die Schrecken der Straße und der Tatorte zu vergessen. Der moderne Cop von heute meidet den Psychologen nicht wie die Pest, sondern trägt ihm oder ihr ganz brav seine Probleme vor. In Trojans Fall ist die Therapeutin besonders attraktiv, was wieder zu Problemen ganz anderer Art führt. Wenigstens folgt er ihrem Rat, ein klärendes Gespräch mit seinem Vater zu führen, schließlich geht es dabei um einen schwerwiegenden Verdacht, der Trojan seit Jahren die Nachtruhe raubt. Komisch ist dann schon, dass er sich mit einer ziemlich lapidaren Antwort seines Vaters zufrieden gibt. Mal wieder viel Lärm um nichts. Und das nächste Unheil wird schon angekündigt, denn »da gab es etwas Dunkles, etwas Grauenhaftes in seiner Kindheit. Es lauerte ihm auf, immer wieder.« (Demnächst in diesem Theater)

Die Puppenmacherin ist ein Thriller, den der Verlag mal wieder mit dem Zusatz Psycho- versehen hat, als wäre dieses Suffix nicht nur Merkmal, sondern auch ein Ausdruck von Qualität. Beides trifft eh nicht zu, denn Max Bentows Roman ist viel zu oberflächlich um das Etikett »Psychothriller« zu tragen. Die Köpfe der Kontrahenten (Ermittler/Täter) bleiben dem Leser weitestgehend verschlossen. Trojans Kopf ist außerdem, wie wir zur Genüge erfahren, mit privaten Dingen voll beschäftigt. Die Gedanken des Täters bleiben unauffällig, bis es dann am Ende der Story ganz dicke kommt, indem der Autor den psychischen Schaden des Täters preisgibt: ein an den Haaren herbeigezogener Missbrauch, den das Opfer immer wieder freiwillig auf sich nimmt, und eine unglaubwürdige obsessive »Liebe«.

Als Resümee lässt sich festhalten: Die Puppenmacherin ist ein anspruchsloser, aber unterhaltsamer Thriller mit einigen spannenden Szenen, der sich substanziell kaum von seinem Vorgänger unterscheidet. Mit einem Helden, der trotz (oder wegen) seiner zur Schau gestellten Menschlichkeit die Herzen der Leser nicht erreichen kann.

Jürgen Priester, August 2012

Ihre Meinung zu »Max Bentow: Die Puppenmacherin«

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tatort zu »Max Bentow: Die Puppenmacherin« 01.11.2015
Das Buch erinnert zu stark an "den Federmann". Kann leider nur bestätigen, das der Autor sich selbst kopiert. Hinzu kommt, das diesmal einige Unglaubwürdigkeiten wie beispielsweise das Finale im Park dabei sind. Ausserdem nervt die "Beziehung/Nichtbeziehung zwischen dem Kommissar und seiner Therapeutin. Schade, für mich nur ein warmer Aufguss und deshalb nur 60 Grad.
Leonie zu »Max Bentow: Die Puppenmacherin« 20.08.2015
Das Buch ist eine Enttäuschung.Platte Charaktere,lahme Story,die vermeindliche Finte die zuerst auf den Freund des Opfers deutet viel zu offensichtlich.Wie schon oben erwähnt hätte man sich auch nicht immer wieder an den Bauschaum-Quälereien aufhalten müssen.Auch der Kommissar ist nicht so besonders sympathisch.Max Bentow werde ich nicht wieder lesen.
angelika haring zu »Max Bentow: Die Puppenmacherin« 25.11.2014
Ich bin sehr enttäuscht von diesem Buch - wurde es och als Bestseller bezeichnet!Ich finde viele Stellen pervers und geschmacklos, nicht einmal als spannend kann man dieses Machwerk bezeichnen. Ich habe mich brav durch die Seiten geackert - kann dieses Buch allerdings niemandem empfehlen: die Story ist hanebüchern, die Figuren blutleer. Oftmals musste ich daran denken, dass dieser Autor ebenfalls massiv perverse Energie haben muss und auch, dass der Gedanke mit dem Bauschaum ev. "Nachahmungstäter" inspirieren könnte. Von meiner Seite absolut unempfehlenswert!
Grit Bendlin zu »Max Bentow: Die Puppenmacherin« 20.09.2014
Nun, Max Bentow habe ich zum ersten Mal gelesen. Ich finde "Die Puppenmacherin" beinahe schon körperlich verletzend, fast widerlich, was die genüssliche Beschreibung der Szenen betrifft, wo den Opfern der Bauschaum in/auf die unmöglichsten Körperteile aufgebracht wird. Ich frage mich, was in so einem Menschen vorgeht, der Derartiges schreibt. Aber es kann auch gut sein, dass ich nicht das richtige Publikum für Herrn Bentow bin. Sicher sogar.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nina zu »Max Bentow: Die Puppenmacherin« 18.01.2014
Ist das erste Buch,diesen Autors und ich bin begeistert auch wenn ich Teil 1 nicht gelesen habe sondern gleich mit "Der Puppenmacherin" angefangen habe. Finde den Stil sehr angenehm. Ich liebe Psychothriller und dieser fesselt mich seit der ersten Seite...zwischendrin nicht unbedingt etwas für zarte Gemüter,aber wer dieses Genere mag sollte es unbedingt lesen.
Amelié zu »Max Bentow: Die Puppenmacherin« 19.11.2013
Ich habe nach dem Federmann etwas mehr erwartet. Spannend ist es sicherlich trotzdem, aber nicht sehr originell. Für mich wird bei Bentow immer deutlicher, dass er viel mehr drum herum redet und eine bis zwei storys neben der Hauptstory aufbaut, die wie ich finde, nicht in einen guten Thriller gehören. Wers nicht so blutig, krankhaft und nervenzereißend mag, kann dieses Buch sicherlich nur gut finden!
Ulli zu »Max Bentow: Die Puppenmacherin« 18.10.2013
Trotz starke Parallelen zu Fall 1, hat mich das Buch gefesselt. Auch wenn derartige Handlungen zu "X-Fach" auf dem Markt zu finden sind... das ist doch letzten Endes wie auf dem Filmmarkt. Gewisse gleiche Abläufe kommen im Krimi / Thriller Genre immer wieder vor.Ich konnte mich ganz gut in die Personen reinversetzen. Einzige Frage die für mich offen blieb, das Vater-Sohn Problem am Ende... vielleicht folgt ja die Aufklärung in Fall 3Fazit: Der Autor war für mich ein guter Tipp und ich freue mich auf Fall 3
rolandreis zu »Max Bentow: Die Puppenmacherin« 21.08.2013
Mir fehlte zum Teil etwas die Spannung, und gerade die Geschichte um Trojan's Vater bleibt mir ungeklärt. Das Buch ist sicherlich nicht schlecht, teilweise sogar spannend. Max Bentow lockt einem gekonnt auf eine falsche Fährte, doch dann kommt letztendlich "Kommissar Zufall" zu Hilfe und er auf die richtige Spur. Die Spur, die er findet, empfinde ich als konstruiert. Und dann geht alles Schlag auf Schlag. Er kennt genau alle nächsten Schritte, fährt gezielt zum richtigen Ort, findet was er sucht (natürlich ohne Unterstützung anzufordern) und es kommt zum Showdown. Für Einsteiger im Thrillergenre dürfte das Buch einige Überraschungen präsentieren, aber wenn man schon sehr viele Bücher in diesem Bereich gelesen hat, offenbart sich ein Ende wie man es bei fast jedem zweiten Buch vorfindet.
MamaSiebhirn zu »Max Bentow: Die Puppenmacherin« 07.01.2013
Ich habs zu Weihnachten bekommen, allerdings erst zeit am Samstag gehabt mir das Buch vorzunehmen. Was soll ich sagen?? Jetzt 2 Tage später hab ichs durch und bin begeistert! Irre! Und ich hoffe das es noch weitere Bücher mit der Figur Nils Trojan von Bentow geben wird.
Ein Buch das ich schon meiner besten Freundin weiterempfohlen habe. Wer Psychothriller gerne liest macht mit diesem Buch alles richtig
authorhans zu »Max Bentow: Die Puppenmacherin« 02.09.2012
Wieder mal ein deutscher Krimiautor, den die Welt nicht braucht. Die Story von DIE PUPPENMACHERIN ist die x-te, die von einem Serienmörder handelt, Kommissar Trojan der x-te, der geschieden ist und um sein Kind bangt und der Mörder die x-te Witzfigur, mit der man fast Mitleid haben sollte. Max Bentow hat nichts wirklich Besonderes geschaffen, und doch kann man es mal lesen - denn es gibt bei Weitem Schlechteres. Allerdings frage ich mich schon, ob die Verlage wirklich JEDES Krimi-Manuskript veröffentlichen müssen - durchblicken und aussortieren kann der gewöhnliche Leser, der "mal einen guten Krimi lesen" möchte, da ohnehin nicht mehr.
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