CSI: Tod im Eis von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2003
unter dem Titel Crime Scene Investigation - Cold Burn,
deutsche Ausgabe erstmals 2003
.
303 Seiten.
ISBN-10: 3802532376, ISBN-13: 978-3802532375.
Übersetzt von Frauke Meier.
'CSI: Tod im Eis' ist erschienen als
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In Kürze:
Gleich zwei Fälle bedürfen dieses Mal der Klärung durch das räumlich getrennte Team der CSI-Spürnasen. Im heimatlichen Las Vegas wird die sorgfältig tiefgefrorene Leiche einer Frau gefunden. Auf einer Konferenz im US-Staat New York taucht im Schnee die noch brennende Leiche eines Mannes auf. Zwei Morde, denen eines gemeinsam ist: Es gibt kaum Spuren – scheinbar, denn die Männer und Frauen vom CSI laufen mit Köpfchen und dem Modernsten, was Wissenschaft und Technik zu bieten haben, zur Höchstform auf, um die Täter doch noch zu erwischen …Was selbstverständlich gelingt, wie jeder Zuschauer der TV-Serie »CSI: Las Vegas” weiß. Der Weg dorthin ist das stets das Faszinierende. Vielschreiber Collins entwirft nicht nur zwei hoch komplexe Fälle, die sich auch im Fernsehen gut machen würden, sondern trifft den Ton der beliebten CSI-Figuren. Das Ergebnis: solides, sogar spannendes Lesefutter für Fans, aber auch «normale” Krimifreunde werden nicht mit dem üblichen Abfallprodukt "Roman zum Film” abgespeist.
»Never change a winning team” – eine alte Binsenweisheit, die sich dieses Mal jedoch nicht verwirklichen lässt. Die bewährte Mannschaft der Nachtschicht der ”Crime Scene Investigation” (CSI) des ”Las Vegas Criminalistics Bureau” muss dieses Mal getrennt arbeiten, d. h. Tatorte sichern und meist quasi unsichtbare oder sogar unmögliche Spuren untersuchen. Gil Grissom, der Chef, und seine Kollegin Sara Sidle nehmen an einer Konferenz im fernen und winterlichen Bundesstaat New York teil.
Zurück bleiben Grissoms Stellvertreterin Catherine Willows und ihre Mitarbeiter Warrick Brown und Nick Stokes. Diese werden mit einem seltsamen Leichenfund konfrontiert: Weit außerhalb von Las Vegas wurde in der Wüste eine tote Frau gefunden. Ihr Mörder hat sich viel Mühe gegeben, die Spuren seiner Untat zu vertuschen – sorgfältig hat er die Leiche gefroren und sich nun erst ihrer entledigt.
Wer ist die Unbekannte? Wie lange ist sie tot? Warum wurde sie buchstäblich auf Eis gelegt? Die gewitzten CSI-Ermittler plus Detective Jim Brass klären die ersten Fragen rasch, scheitern jedoch zunächst an der dritten. Der Ehemann der Verblichenen scheint glaubhaft verzweifelt, die besten Freunde sind entsetzt, Feinde gibt es angeblich nicht. Eine verfahrene Situation, die Willows & Co. indes nur zusätzlich anspornt.
Derweil entwickelt sich der Forensiker-Kongress zum Fiasko. Er findet in einem einsamen Hotel in den Bergen statt, das durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten wird. Während eines Spaziergangs stoßen Grissom und Sidle auf eine noch brennende Leiche. Der Täter muss unter den Gästen des Hotels zu finden sein. Jede/r ist verdächtig – und das CSI-Duo steht ohne seine Hightech-Instrumente in der Wildnis. Grissom muss improvisieren, ein Wettlauf gegen die Zeit setzt ein, denn die wenigen Spuren drohen unter einer tiefen Schneedecke zu verschwinden.
Ob in der Wüste oder im Eis: Die Männer und Frauen vom CSI Las Vegas zeigen, wieso sie als beste Ermittler ihrer Branche gelten. Hindernisse, Vorgesetzten-Schikanen oder Medienterror wissen sie elegant und durch harte Arbeit zu überwinden. Kein Mörder darf sich über das perfekte Verbrechen freuen, denn jede Untat hinterlässt winzige Spuren – und das CSI wird sie finden …
Natürlich arbeiten sie nach einer Masche: Die Untat ist bizarr, rätselhaft, nicht aufzulösen. Eigentlich sind es sogar zwei, denn um des Fernsehzuschauers Aufmerksamkeit zu fesseln, bedarf es vieler faszinierender Bilder. Also treten die Frauen und Männer des CSI-Teams in wechselnder Besetzung gegen das Böse an. Bis sie es aufdecken können, verrennen sie sich in manche Sackgasse, grübeln heftig, beschimpfen einander und muntern sich wieder auf, improvisieren, setzen staunenswerte Geräte in Gang, die Mörder-DNA noch auf dem Hinterbein eines Sumpfmoskitos feststellen können.
Was sich im Fernsehen spektakulär bewährt hat («CSI Las Vegas” fährt sein Jahren Traumquoten ein und hat inzwischen zwei »Ablegerserien” bekommen), wirft auch Max Allan Collins klugerweise nicht über den Haufen. «Tod im Eis” ist ein »Roman zur TV-Serie”, spricht also jenen Teil des Publikums an, der nicht genug von seinen Helden bekommen kann und des Lesens willens bzw. mächtig ist.
Viel Spielraum lässt dies einem Schriftsteller nicht; kein Wunder, dass die meisten Filmromane dürftig in Worte gefassten Drehbüchern gleichen. Collins gibt sich mehr Mühe, er hat sogar Ehrgeiz: «Tod im Eis” ist ein Titel, der beide Handlungsstränge beschreibt, obwohl doch der eine in der Wüste, der andere in einer Winterlandschaft spielt. Die Parallelen sind da, Collins arbeitet sie heraus, spielt mit ihnen.
Ansonsten hält er die Fäden routiniert in der Hand. Immer wieder scheint alles klar zu sein, bevor das Geschehen einen neuerlichen Haken schlägt. Der Täter oder die Täterin ist nach guter alter Sitte stets der oder die garantiert unverdächtigste Person. Wir wissen das, aber Collins schafft es wie seine TV-Kollegen trotzdem uns zu verblüffen. Was wollen wir von einem ausschließlich zur schnellen Unterhaltung geschaffenen Krimi mehr verlangen?
Wir kennen sie aus dem Fernsehen, wo ihnen fähige, wenig bekannte und daher um so überzeugender in ihren Rollen wirkende Schauspieler Gesicht und Gestalt verleihen. Gil Grissom ist der zweifellos geniale, aber in seinem Privatleben fast autistische ‘Anführer’ eines entschlossenen Rudels mit- und manchmal gegeneinander wetteifernder Ermittler.
Der Einsatz, den die Beteiligten zeigen, ist fast überirdisch. Unbezahlte Überstunden werden im Dienst der Gerechtigkeit gern geschoben. Genauso wichtig ist freilich der Ehrgeiz, aus einem Nichts von Spuren einen komplexen Fall zu rekonstruieren. Dieser Arbeit werden alle persönlichen Bedürfnisse weitgehend untergeordnet.
Sicher, Collins erwähnt Warrick Browns stets lauernde Spielsucht, Catherine Willows’ Überforderung als allein erziehende Mutter, Sara Sidles vergebliche Werbung um den spröden Grissom. Das sind jedoch primär auf TV-Niveau zurecht geschneiderte Emotionen, die den Darstellern Persönlichkeit verleihen sollen, ohne dafür allzu viel Zeit von der eigentlichen Handlung opfern zu müssen. Wenn’s nötig ist aus Gründen der Dramatik, wird Brown eben wieder spielen, Willows ihr chaotisches Familienleben beklagen, Sidle frustriert dem (gefühls-)tauben Grissom hinterher rennen.
Dennoch haben wir sie ins Herz geschlossen, die schlauen, aber nicht perfekten CSI-Schnüffler. Glücklicherweise hat sich ein talentierter Autor ihrer angenommen. Romane zu Kinofilmen oder Fernsehserien sind normalerweise billig produzierte Abfallprodukte. Auch »Tod im Eis” ist keine große Literatur, aber Max Allan Collins ist ein guter Fang: ein Profi, der im Krimigenre schon Großes geleistet hat und sich nicht zu schade für einen (gut entlohnten) Buchmarkt-Schnellschuss ist.
Collins weiß, worauf es ankommt: CSI-typisch sind höchst verwickelte Fälle, die unter Einsatz modernster wissenschaftlicher Erkenntnisse und Science Fiction-Technik logisch gelöst werden. Genauso wichtig ist es, den aus dem Fernsehen bekannten «Ton” zu treffen. Grissom & Co. müssen sich so verhalten wie wir sie wöchentlich sehen und hören, sonst platzt die Illusion, wird das Buch nicht gelesen. Collins gelingt dieses gar nicht so einfache Kunststück. "Tod im Eis” könnte die Nacherzählung einer TV-Episode sein; vor dem geistigen Auge kann man die bekannten Gestalten regelrecht schauspielern sehen.
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| josi zu »Max Allan Collins: CSI - Tod im Eis« | 20.05.2005 |
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| CSI zu »Max Allan Collins: CSI - Tod im Eis« | 23.11.2004 |
