CSI Las Vegas - Killing Game von Max Allan Collins

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 unter dem Titel Killing game, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei VGS.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Las Vegas, 1990 - 2009.

  • New York: Pocket Star Books, 2005 unter dem Titel Killing game. ISBN: 0743496647. 258 Seiten.
  • Köln: VGS, 2005. Übersetzt von Frauke Meier. ISBN: 3802534859. 276 Seiten.

'CSI Las Vegas - Killing Game' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Zwei neue Fälle für das CSI-Team Las Vegas beanspruchen nicht nur die ermittlerischen Fähigkeiten der Beteiligten, sondern stehen außerdem unter dem Unstern büropolitischer Intrigen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Morde und Intrigen: ein Erfolgsteam unter Druck« 70°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Zwei Morde an zwei Orten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: In Las Calinas, einer Siedlung für betuchte Rentner etwas außerhalb der Wüstenmetropole Las Vegas, wurde die 80-jährige Grace Salfer ermordet im eigenen Haus gefunden. Die Alarmanlage hat nicht angeschlagen, der Täter versucht, sein offensichtlich müheloses Eindringen als »normalen« Einbruch zu tarnen.

Ganz anders dagegen sieht es in der Wohnung von Angela Dearborn aus, die in North Las Vegas in einem Elendsviertel liegt. Man hat die junge Frau buchstäblich totgeprügelt, ihre Möbel und andere Einrichtungsgegenstände in blinder Wut aber systematisch in Stücke geschlagen und gerissen.

Mögliche Spuren sichert an beiden Orten ein Team des »Crime Scene Investigation« (CSI). Fall Nr. 2 geht an die Nachtschicht, die seit einiger Zeit von Catherine Willows geleitet wird. Ihr ehemaliger Chef Gil Grissom, nun zuständig für die Tagschicht, leitet in Las Calinas die Ermittlungen, wobei ihm nicht nur die bewährten Sarah Sidle, sondern auch die Neulinge Greg Sanders und Sofia Curtis zur Seite stehen.

Im Mordfall Dearborn finden Willows Kollegen Nick Stokes und Warrick Brown rasch Hinweise auf einen Hauptverdächtigen: Todd, Ex-Gatte der Toten, inzwischen drogenfrei und trockener Alkoholiker, versuchte sich mit Angela zu versöhnen, wurde jedoch von ihr, die ihre prügelreichen Ehejahre keineswegs vergessen hatte, noch am Abend vor ihrem Tod rüde abgewiesen.

In Las Calinas gestaltet sich die Ermittlungen schwieriger. Die Sicherheitsmaßnahmen vor Ort organisiert ausgerechnet Todd Templeton, ein Ex-Kollege Grissoms, den dieser vor Jahren der Beweisverfälschung überführte, worauf Templeton seinen Job verlor. Der verbitterte Mann lässt sich zur Zusammenarbeit nur zwingen, zumal er auch als Chef des Sicherheitsdienstes von Las Calinas nicht gerade gute Arbeit leistet. Geschickt nutzt er die Rivalität zwischen Grissom und dessen Vorgesetzten Conrad Ecklie, um über ihn Druck auf den verhassten Grissom auszuüben. Ecklie lässt sich gern instrumentalisieren, weil es seinem eigenen Intrigenspiel nutzt.

Doch die beiden Teams tragen weiterhin verbissen Indiz um Indiz zusammen. Das kriminalistische Puzzle will dieses Mal einfach nicht aufgehen. Zu allem Überfluss ergeben sich plötzlich Verbindungen zwischen den beiden Verbrechen, welche die Ermittlungen in eine völlig unerwartete Richtung lenken …

Ein etwas zäher Start in neue Abenteuer

Auch Erfolgsserien haben ihre Durchhänger; je länger sie laufen, desto größer wird die Tendenz, sich mit Routine und Wiederholungen zu begnügen. Es ist halt nicht einfach, sich ständig nicht nur neue, sondern möglichst originelle Plots einfallen zu lassen. Auch CSI Las Vegas, die älteste und weiterhin beste der nunmehr drei CSI-Serien, bleibt von diesem Schicksal nicht verschont. Das lässt sich verschmerzen, weil immer noch die Episoden in der Überzahl sind, die einen vor dem Bildschirm förmlich bannen.

Normalerweise müsste man sich solche Gedanken bezüglich der Bücher zur Serie nicht machen. Diese werden in der Regel von drittklassigen Schreiberlingen produziert und als gedruckte Verbrauchsware auf den Buchmarkt geworfen. Auch hier bildet CSI eine Ausnahme. Man hat sich der Mitarbeit eines zwar rasent schreibenden aber fähigen Verfassers versichert, der mit seinen »normalen« Büchern bereits große Anerkennung sowohl seitens der Kritiker als auch der Leser erfahren hat.

Doch auch ein Max Allan Collins kann nicht stets auf der Höhe seiner Fähigkeiten sein. Für Killing Game ist ihm trotz des martialischen Titels eine Geschichte eingefallen, die sehr langsam in Schwung kommt. Was er uns – in gewohnt lesenswerten Worten, die das CSI-süchtige Hirn sogleich in Bilder umsetzen kann – bis zur »Halbzeit« erzählt, würde optisch besser zur Geltung kommen als auf dem Papier.

Sieg der beharrlichen Logik

Dann allerdings wird es doch spannend. Die beiden Fälle sind eigentlich nur einer, das bewährte CSI-Team kommt wieder zusammen, seine Mitglieder spielen sich die Bälle zu und entwirren einen scheinbar unlösbaren Fall. Das ist CSI, wie wir es kennen und lieben, mit dem Erzähltempo steigt die Spannung, bis der Doppelfall zufriedenstellend gelöst wird – logisch im kriminalistischen Sinn, überzeugend für die Leser, die Collins letztlich doch überraschen konnte, ohne dafür faule Tricks anwenden zu müssen.

Killing Game spielt in der für unsere CSI-Helden schwierigen Phase, als der schmierige, vor allem von Gil Grissom ständig ignorierte und düpierte Abteilungsleiter Conrad Ecklie das bewährte Team auseinander riss und auf die Tag- und Nachtschicht verteilte. In der vierten TV-Staffel zog dies einen eigenen, Episoden übergreifenden Handlungsbogen nach sich, der die Folgen für die Beteiligten thematisierte – eine jener Drehbuchvolten, die aus CSI Las Vegas mehr als »nur« eine bemerkenswerte Krimiserie werden lässt.

Ein Team fühlt sich unvollständig

Im Fernsehen meisterten die Autoren glänzend die selbst gestellte Herausforderung, das CSI-Team, welches die Zuschauer am liebsten gemeinsam agieren sehen, zu trennen und doch immer wieder zusammenzuführen. Die fulminante Bildsprache verdeckt manche allzu freie Interpretation der Logik. Das lässt sich im Roman schwieriger erreichen. Collins geht intensiv auf die veränderte Situation ein, die Reaktionen förmlich erzwingt, aber im Fernsehen eher dezent zur Sprache kommt. Catherine Willows bezahlt ihren Aufstieg mit dem Misstrauen ihrer Kollegen und Freunde – hat sie den von allen verehrten Grissom für ihre Karriere verraten? -, während Ecklie sie nach seiner Pfeife tanzen lässt. Gil Grissom muss sich eingestehen, dass sein Desinteresse an der Büropolitik ihm genau dort geschadet hat, wo es ihn am meisten schmerzt: in seinem CSI-Alltag, der sein Leben ist. Jetzt hat man ihm »sein« Team genommen, und das belastet ihn; Collins vermag sehr schön deutlich zu machen, dass der scheinbar chronisch ausdruckslose Grissom sehr wohl über menschliche Gefühle verfügt.

Schlimmer noch: Seine Unfähigkeit, sich zu verbiegen bzw. sein Fähnchen wenigstens manchmal nach dem gerade aktuellen politischen Wind wehen zu lassen, beeinträchtigt dieses Mal auch Grissoms Arbeit als Kriminalist. Er trifft einen unversöhnlichen Feind wieder, dem sein unerbittliches Primat des korrekten Beweises einst den Job kostete. Todd Templeton weiß, wie man das »Spiel« spielt, d. h. Intrigen spinnt. Collins steht wie seine Leser und die Zuschauer auf Grissoms Seite. So inszeniert er das enthüllende Finale nicht nur als Sieg der Gerechtigkeit, sondern auch als Triumph der Grissomschen Ideale. Das mag recht realitätsfern sein, stellt aber sehr zufrieden.

Relativ neu im Team sind Greg Sanders und Sofia Curtis. Im Hintergrund sah man sie als Laborfreak und ehrgeizige Ermittlerin schon in früheren CSI-Folgen. Nun gibt ihnen die personelle Umstrukturierung die Chance an der »Front« mitzumischen. Auch das geht nicht ohne Spannungen ab, die Collins anschaulich herausarbeitet, denn die »alten« CSIler wie Sara Sidle werden mit ihnen nur schwer warm oder scheinen sie gar für den Verlust ihres Mentors Grissom mitverantwortlich zu machen.

Die Konzentration auf das kriminalistisch Zwischenmenschliche erweist sich unterm Strich als eindeutiges Plus dieses Romans. Definitiv gewahrt bleibt der Vorsprung, den die CSI-Romane des Max Allan Collins in Sachen Unterhaltungswert und Stil vor den allzu oft traurigen Machwerken der meisten Filmroman-Schreiberlinge halten. Auch die Übersetzung liest sich flüssig und glänzt durch die Abwesenheit jener Schreib- und Grammatikfehler, die der höchstmögliche Verzicht auf redaktionelle Betreuung gerade im Bereich der Verbrauchsliteratur heute fast schon zur traurigen Selbstverständlichkeit werden lässt.

Michael Drewniok, Februar 2007

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