Bruderland von Matti Rönkä

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Hyvä veli, paha veli, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Finnland / Helsinki, 1990 - 2009.
Folge 2 der Viktor-Kärppä-Serie.

  • Helsinki: Gummerus, 2003 unter dem Titel Hyvä veli, paha veli. 222 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2008. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 978-3-89425-656-2. 222 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2010. Übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara. ISBN: 978-3-89425-563-3. 222 Seiten.

'Bruderland' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Viktor Kärppä führt sein kleines Detektivbüro nur noch nebenbei. Doch er hat sein Auskommen: Er arbeitet als Subunternehmer für verschiedene Helsinkier Baufirmen, verkauft auf dem grauen Markt in Russland Haushaltsgeräte und betreibt einen Kiosk auf einem Autobahnrastplatz.
Mit dem ruhigen Leben ist es vorbei, als in Helsinki ein Jugendlicher an verunreinigtem Heroin stirbt und weitere Tote folgen. Sowohl die finnische Polizei als auch frühere Auftraggeber setzen Kärppä unter Druck, seine Kontakte nach Russland spielen zu lassen. Wer ist der Kopf hinter der Bande, die das Superheroin nach Helsinki bringt?
Dass zeitgleich mit der tödlichen Droge Kärppäs Bruder Aleksei aus St. Petersburg anreist, um sich in Helsinki niederzulassen, macht die Sache für Kärppä nicht einfacher, denn einige Leute glauben, dass Aleksei seine Finger im Spiel hat. Ehe er sich versieht, wandelt Viktor Kärppä einmal mehr zwischen den Welten von Gut und Böse und muss sich fragen: Auf welcher Seite steht sein Bruder?

Das meint Krimi-Couch.de: »Kriminalität aus dem Osten« 84°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Kleinkriminalität, Schmuggeleien, Hehlerei, Schwarzarbeit, aber auch illegaler Vertrieb von Medikamenten und Drogenhandel. In Finnland sind Teile der organisierten Kriminalität fest in Händen einer russischen Mafia, aber auch von Russen begangene Gelegenheitsverbrechen werden von den Finnen als »Kriminalität aus dem Osten« bezeichnet. Hier findet der finnische Nachrichtensprecher und Autor Matti Rönkä die Inspiration für seine Romane um den »Grenzgänger« Viktor Kärppä.

Der erste Roman der Serie, der unter eben diesem Titel Der Grenzgänger in Deutschland erschien, konnte überzeugen, wurde von Teilen der Kritik sogar geradezu gefeiert (KrimiWelt-Jahresbestenliste 2008 Platz 2) und mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet.

Gelegenheit macht …ja was denn?

Im Vergleich zum Debüt erleben wir Viktor Kärppä in einer etwas veränderten Lebenslage. Von wegen Detektivbüro, von wegen Suche nach Vermissten. Kärppä schafft aufm Bau. Mit seiner kleinen Baufirma nimmt er Aufträge auf großen und kleinen Baustellen an, beschäftigt für ein Taschengeld ein paar Russen, die bei ihm immer noch mehr verdienen als daheim, und lanciert dabei stets geschickt an der Bauaufsicht vorbei. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, macht er auch noch alles mögliche andere, aber von Detektivarbeit ist keine Spur mehr. Und das ist gut so, denn Kärppä wirkt nun eine ganze Portion authentischer.

Eine dieser Gelegenheiten war die Arbeit für den finnischen Skiverband: Schmuggel von Hormonpräparaten. Kärppä wird nun von der Zentralkripo unter Druck gesetzt und muss fortan mit seinen Machenschaften und Kontakten vorsichtig sein. Gleichzeitig will Kommissar Korhonen von Kärppäs Kontakten profitieren, weil er auf der Suche nach den Drahtziehern eines neuen Drogenhändlerringes ist. Aber auch Karpow, der für die russische Mafia die Geschäfte in Finnland durchzieht, und seine Hintermänner wollen wissen, woher die ungebetene Konkurrenz kommt. Zu allem Überfluss muss sich Kärppä auch noch um seinen Bruder kümmern, der gerade erst von Russland nach Finnland ausgewandert ist und sich im Alltag zurechtfinden muss.

Gratwanderung

Es ist Matti Rönkä absolut überzeugend gelungen, mit »Bruderland« den Beweis anzutreten, dass ein guter Kriminalroman hervorragende Unterhaltung auch ohne einen Mord bieten kann. Kärppä ist ein Jongleur und Verhandlungskünstler, der sich mit viel Verhandlungsgeschick und der richtigen Portion Chuzpe durchs Leben schlängelt. In jedem einzelnen Kapitel ergeben sich neue Konstellationen, in denen sich der Gelegenheitsfinne beweisen kann.

Bruderland ist kein Action-Reißer, sondern eine Geschichte aus dem finnisch-russischen Alltag mit viel Bodenständigkeit und kleinen, unsauberen Geschäften. Dennoch gelingt es dem Autor, einen überraschenden Showdown an das Ende zu zaubern, der sich nicht zu verstecken braucht. Bruderland kann noch mehr überzeugen als sein Vorgänger, denn die Figur Kärppä ist gewachsen in eine Rolle, die sich mit dem Berufsethos eines Privatdetektivs nicht mehr verbinden ließe. Applaus!

Thomas Kürten, Juni 2008

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