Wenn wir uns wiedersehen von Mary Higgins Clark

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel Well meet again, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Heyne. 364 Seiten. ISBN-10: 3-453-17791-6, ISBN-13: 978-3-453-17791-8.

'Wenn wir uns wiedersehen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der Arzt Gary Lash wird mit zertrümmertem Schädel in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Die einzige Verdächtige: seine schöne Frau Molly. Molly selbst hat keinerlei Erinnerung an die Mordnacht, aber sie ist sicher, ihren Mann nicht umgebracht zu haben. Trotzdem wird sie verurteilt. Als sie nach sechs Jahren aus der Haft entlassen wird, ist sie fest entschlossen, ihre Unschuld zu beweisen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Spannung trotz Schema F« 68°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Ich habe vor einigen Jahren schon einige der Romane von Mary Higgins Clark gelesen und mich sehr daran gestört, dass alle ihre Bücher nach dem gleichen Schema geschrieben sind. Ein gut gemachter Spannungsaufbau führt auf ein furioses unglaubhaftes Finale zu, bei dem plötzlich verschiedene Leute aus völlig verschiedenen Richtungen mit einem Mal zur Lösung des Falles kommen. Deshalb bin ich an das vorliegende Buch »Wenn wir uns wiedersehen«, eines der neueren Werke der Autorin, mit einer gehörigen Portion Skepsis herangegangen.

Die 26 Jahre alte Molly Carpenter Lasch wird des Mordes an ihrem Ehemann, dem Arzt Gary Lasch, Leiter der Lasch-Kinik, angeklagt. Alle Indizien sprechen gegen sie. Gary Lasch wurde mit zertrümmertem Schädel in seinem Arbeitszimmer vorgefunden. Die Haushälterin Edna Barry fand Molly von oben bis unten mit dem Blut ihres Mannes besudelt schlafend in ihrem Bett vor und auf der Mordwaffe, einer Bronzeskulptur, fanden sich Mollys Fingerabdrücke. Und das Ganze geschah, kurz nachdem Molly vom Verhältnis ihres Mannes zu Annamarie Scalli, einer der Krankenschwestern der Lasch-Klinik, erfahren hatte. Doch Molly kann sich an nichts erinnern, was an dem Abend geschah, nachdem sie ihr Haus betreten hatte. Unter der Last der Beweise bleibt ihrem Anwalt Philip Matthews nichts anderes übrig, seiner Mandantin zu raten, sich des Totschlags schuldig zu bekennen, um einer lebenslänglichen Haftstrafe zu entgehen. So kam sie mit zehn Jahren davon, von denen sie fünfeinhalb absitzen musste, bevor sie auf Bewährung entlassen wurde.

Nun will sie mit Hilfe einer Schulfreundin, Fran Simmons, alles daransetzten, aufzuklären, was wirklich damals geschah, denn sie ist überzeugt davon, dass sie ihren Mann nicht umgebracht hat. Fran ist Reporterin des Nachrichtensenders NAF und verantwortlich für die Sendreihe »Wahre Verbrechen«. ´Sie hatte die Stadt damals nach dem Selbstmord ihres Vaters, der 400.000 Dollar unterschlagen hatte, verlassen und ist erst kürzlich wieder zurückgekehrt. Fest entschlossen, Mollys Fall zu einem Thema ihrer Sendung zu machen, beginnt sie, den Fall noch einmal aufzurollen und in der Lasch-Klink sowie in Mollys Freundeskreis Ermittlungen anzustellen.

Dabei fällt ihr besonderer Augenmerk auf Peter Black und Calvin Whitehall, die Geschäftspartner von Gary Lasch, die jetzt gemeinsam die Klinik leiten und Angst um ein kurz bevorstehendes Geschäft haben, wenn der Fall von damals wieder an die Öffentlichkeit gerät. Doch auch die Haushälterin Edna Barry scheint etwas zu verbergen zu haben.

Doch auch Molly selbst ist nicht untätig und macht derweil Annamarie Scalli, Garys damalige Geliebte, ausfindig und vereinbart ein Treffen mit ihr in einem abgelegenen Lokal. Bei diesem Treffen erfährt sie einige neue Aspekte, doch als sie nach Hause zurückkommt, erfährt sie, dass Annamarie auf dem Parkplatz vor dem Lokal erstochen aufgefunden wurde. Die Fakten scheinen eindeutig, und Molly steht eine erneute Mordanklage kurz bevor.

Auch in »Wenn wir uns wiedersehen« ist ganz eindeutig die Handschrift von Mary Higgins Clark zu erkennen. In 94 kleinen Kapitelchen auf 374 Seiten serviert sie dem Leser wieder einen kurzweiligen Kriminalfall. Durch viele Szenenwechsel versteht sie es geschickt, die Spannung auf konstant hohem Niveau zu halten, obwohl der Leser doch vieles vorhersehen kann. Trotz der vielen Vedächtigen, die sie dem Leser bietet, verrät sie aber doch schon sehr vieles im Voraus, so daß das Mitraten sehr beschränkt bleibt. Wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört, ist größtenteils doch schon ziemlich schnell zu erkennen, doch eine Überraschung hat die Autorin am Ende noch in petto. Dies ist jedoch nicht unbedingt als Kritikpunkt zu sehen. Der Leser ist den Protagonisten zwar immer einen Schritt voraus, die wirklichen Zusammenhängen bleiben jedoch auch für ihn weitgehend verborgen.

Obgleich nicht auf hohem schriftstellerischem Niveau geschrieben, leben die Romane der Autorin von diesem ihrem üblichen Schreibstil, durch den der Leser immer wieder animiert wird, noch ein weiteres dieser kleinen Kapitel zu lesen, um wieder zur Handlung der vorigen Szene zurück zu kommen. Der Clark-übliche furiose Showdown, den ich bereits in meiner Einleitung beschrieben habe, ist wie immer viel zu dick aufgetragen, doch in Punkto Spannung überaus wirksam. Sehr viel direkte Rede, kurze Sätze und das Fehlen von ausschweifenden Beschreibungen machen das Buch überaus leicht lesbar

Die Charaktere von Mary Higgins Clark wirken wieder sehr farblos. Man versucht zwar, selber nach einem Ausweg für Molly Ausschau zu halten, doch so richtig mitleiden mit ihr vermag man nicht. Den realistischsten Eindruck vermittelt die Autorin im Charakter der Reporterin Fran Simmons. Ehrgeizig geht sie zu Werke, mit einer optimistischen Grundeinstellung, doch dabei bedrückt durch die immer wieder auftauchende Vergangenheit mit dem Selbstmord ihres Vaters. Die »Bösewichter« dagegen sind in typisch amerikanischer Krimimanier doch sehr stereotyp als Fieslinge geschildertund bleiben fast ohne positive Züge. Der Anwalt Philip Matthews hätte eine tragendere Rolle verdient gehabt, doch wurde er zu Beginn des Buches zu sehr vernachlässigt und kommt erst auf den letzten Seiten so richtig zum Zuge.

Nun darf man, wenn man ihre früheren Romane kennt, von der Autorin nicht unbedingt eine sehr realistische, aber eine zumindest noch glaubhafte Handlung erwarten. Der erfahrene Leser erkennt recht schnell, dass jede Nebenhandlung, die scheinbar unabhängig ist, irgendwann noch ins Spiel gebracht werden wird und kann sich von daher schon so einiges zusammenreimen.

Auch »Wenn wir uns wiedersehen« ist ein Clark-typischer Schema-F-Krimi, doch ist er zweifelsohne einer ihrer besten. Obwohl der Roman einige grundlegende Schwächen hat, ist er mir aufgrund seines guten Unterhaltungswerts noch 68 Grad wert.

Ihre Meinung zu »Mary Higgins Clark: Wenn wir uns wiedersehen«

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Silvia zu »Mary Higgins Clark: Wenn wir uns wiedersehen« 17.11.2008
Ich bin eher überrascht über die Beurteilungen dieses Buches. Ich fand es eher zum einschlafen. Die Personen wirken farblos. Vielleicht liegt es am Milieu der oberen 10. Die Geschichte mit den 2 Gedächtnisverlusten scheint mir sehr konstruiert. Ich war eher froh, dass mir das Buch in die Badewanne fiel und nachher nicht mehr lesbar war.
Micki zu »Mary Higgins Clark: Wenn wir uns wiedersehen« 30.06.2008
Mein erstes Buch von Mary Higgins Clark und ich war total begeistert. Super spannend, super geschrieben und ein tolles ende. War auf keinen Fall mein letztes Buch von Mary Higgins Clark.
spotty zu »Mary Higgins Clark: Wenn wir uns wiedersehen« 24.02.2008
Solche Bewertungen sind natürlich immer frei von Objektivität, und das ist vielleicht auch das Interessante daran.
Ich finde, wie die Leselust und Neugier auf die ganze Geschichte permanent auf hohem Niveau gehalten werden, bemerkenswert. Obwohl dem Profikrimileser (und nicht nur dem) schnell klar ist, wie *Gut* und *Böse* verteilt werden, fesselt die flüssige und gut lesbare Schreibweise bis zur letzten Seite.

Eines meiner besten Bücher der letzten Zeit!
simsa zu »Mary Higgins Clark: Wenn wir uns wiedersehen« 02.01.2008
Ein gelungenes Buch von Mary Higgins Clark. Die Geschichte fesselt und man verschlingt das Buch regelrecht.

Für mich war es nicht sonderlich schwer hinter das Geheimnis zu kommen und den/ die Täter zu entlarven.

Aber das soll nicht vom Lesen abhalten, denn der Spaß ist geblieben.
CharlyDD zu »Mary Higgins Clark: Wenn wir uns wiedersehen« 03.10.2007
Das war wieder ein sehr schöner Krimi von Frau Clark, wobei ich diesmal das Gefühl hatte, das die Geschichte vorgefertigt war...

Das Ende hat mich nicht im geringsten überrascht, weil alles andere unglaubwürdig bzw zu einfach gewesen wäre.

Trotzdem super geschrieben und es ist ja auch mal schön gleich zu wissen wer hinter allem steckt:-)
latinaa zu »Mary Higgins Clark: Wenn wir uns wiedersehen« 24.04.2007
Habe das Buch heute zu Ende gelesen. War wiedereinmal ein super spannendes Buch von M.H.C. Bis zur letzten Seite war die Spannung zum greifen nah. Hätte nicht gedacht, dass mit dem Schluss des Buches ein solches Ende kommen vermag. Wollte unbedingt wissen, wer hinter diesem schrecklichen Geheimnis steckt.. Erschreckend, was Geld mit Menschen alles anzustellen vermag. Meiner Meinung nach ein wirklich gelungenes Buch. Auf alle Fälle definitiv lesenswert.
Chiara-Renee zu »Mary Higgins Clark: Wenn wir uns wiedersehen« 17.01.2007
Buch Nr. 18
Und wie immer Klasse!
Ich finde es auch diesmal wieder eigentlich erschreckend, das Menschen wirklich in der Lage sind, sich solche Handlungen auszudenken. Alle Achtung liebe MCH! Das Thema Gedächtnisverlust ist natürlich sehr hilfreich für Krimis dieser Art, so wird sicher gestellt, das das Buch nicht kurzweilig wird.
Wieder ein sehr empfehlenswertes Exemplar.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
dino zu »Mary Higgins Clark: Wenn wir uns wiedersehen« 07.02.2006
Wieder ein tolles Buch von M.H.C. Sehr fesselnde Geschichte. Man möchte unbedingt wissen, wer Molly nun unschuldig ins Gefängnis geschickt hat. Aber die Wendung war dann doch etwas überraschend. Erst zum Schluß kam man langsam dahinter. Aber das ist ja eh gut so.
Für M.H.C.-Fans und solche, die es werden wollen auf jeden Fall ein Muß.
Nadja zu »Mary Higgins Clark: Wenn wir uns wiedersehen« 06.11.2005
WUNDERBAR! Kann es gar nicht anders beschreiben! Hatte das Buch in einer Nacht durch...Fing abends an...hatte vor lauter lesen das Abendessen, eine Verabredung und die Zeit total vergessen. War einfach nur herrlich. Ich liebe MHC's Bücher. Lese momentan (auf Arbeit....) MEIN IST DIE STUNDE DER NACHT...bin noch nicht überzeugt....Aber der Knackpunkt (von da an kann ich nicht mehr von dem Buch lassen) kommt bestimmt bald...
lily zu »Mary Higgins Clark: Wenn wir uns wiedersehen« 15.09.2005
mich hat das schicksal von molly derart aufgewühlt, dass ich innerlich noch immer schrecklich aufgewühlt bin. es erinnert mich so sehr an die eigene situation, wie schrecklich man sich fühlt, wenn alles (über jahre!!) gegen einem ist, wenn niemand einem glaubt, wenn alle denken man sei verrückt. und dann dieses erfundene "verrücktsein" auch noch dauernd für alles andere was dazukommt, gegen einem zu missbrauchen, um einem noch tiefer in die mühle des psychoterrors zu stürzen. bis man schlussendlich wirklich fast durchdreht und langsam immer mehr anfängt selber zu glauben, man sei eben doch nicht normal.
und ebenfalls zeigt mir die geschichte von molly, wie man sich noch lange fühlt, auch nachdem endlich die wahrheit ans licht gekommen ist. wenn dies endlich geschieht, mag für die mitmenschen (und in diesem falle für die leser) alles wieder ok (friedefreudeeierkuchen) sein, nicht aber für den, der über jahre falsch eingeschätzt wurde, selbst von den engsten angehörigen. d i e s e s trauma wird man ein leben lang nie mehr ganz los.
lily

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