Bis ins Mark von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2007
unter dem Titel Bone Machine,
deutsche Ausgabe erstmals 2010
bei Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England / Newcastle, 1990 - 2009.
Folge 2 der Joe-Donovan-Serie.
- London: Pocket, 2007 unter dem Titel Bone Machine. 481 Seiten.
-
München: Knaur, 2010.
Übersetzt von Ulrich Hoffmann.
ISBN:
978-3-426-63612-1. 521 Seiten.
'Bis ins Mark' ist erschienen als
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In Kürze:
In Newcastle wird eine übel zugerichtete Frauenleiche gefunden, deren Augen und Mund zugenäht wurden. Bei seinen Nachforschungen stößt der Ex-Journalist Joe Donovan auf die Spur eines rätselhaften Ritualmörders. Stets legt der »Historiker« seine Opfer an Orten ab, aus denen sich weitere Hinweise erschließen lassen – wenn man weiß, wie sie zu lesen sind …
Das meint Krimi-Couch.de: »Eine äußerst lesenswerte Mogelpackung«
Krimi-Rezension von Lars Schafft überspringen
Newcastle noir – so könnte man Martyn Waites´ Reihe um den ehemaligen Journalisten Joe Donovan getrost betiteln. Bis ins Mark, Teil zwei der Serie, steht dem hart-düsteren Gnadenthron in nichts nach. Leser sollten sich jedenfalls nicht vom bescheuerten Titel (dazu später mehr), der eher an Kathy Reichs erinnert, beirren lassen. Denn mit Pathologie hat Waites´ Thriller weitestgehend so viel zu tun wie mit ausgelassener Lebensfreude.
Newcastle-upon-Tyne, eine Arbeiterstadt im Nordosten Englands. Ein Serienkiller treibt hier sein Unwesen, der nun wirklich nicht zartbesaitet ist. Über Tage quält und vergewaltigt er seine auf einer Bahre gefesselten Opfer, bevor er ihnen den Gnadenstoß versetzt. Damit nicht genug: Er näht ihnen Augen und Mund zu, maximaler Schmerz gepaart mit maximaler Panik.
Machen wir uns aber nichts vor: In Wirklichkeit geht es in erster Linie in Bis ins Mark nicht um den Handlungsstrang, in dem Detective Inspector Diane Nattrass und ihr Team dem »Historiker« genannten Mörder hinterherjagen. Ganz deutlich gesagt hat dieser Plot auch kaum übersehbare Schwächen, denn wirkliches Puzzeln lässt Waites nicht zu; wie der »Historiker« schließlich zur Strecke gebracht wird, leuchtet kaum ein, sein Motiv ist vorsichtig ausgedrückt weit hergeholt.
Fesselnder, verstörender und realistischer ist da schon das, womit sich Joe Donovan und seine Crew (Peta, Schwarzgurtträgerin im Taekwondo, der junge Jamal aus Der Gnadenthron und der dauerbekokste Amar) herumschlagen müssen. Ihr aktueller Auftrag führt sie nämlich zutiefst ins Milieu, in die Welt von Nutten, Sadomasochismus der härtesten Gangart, Drogen und Menschenhandel. Alles fest im Griff des serbischen Mafiabosses Kovacs, der an Kaltblütigkeit nicht zu übertreffen scheint.
Hier zeigen sich Waites´ wahre Stärken: Schnelle Schnitte, kühle Sprache, kurze Sätze, hardboiled durch und durch und vor allem: hervorragend recherchiert. In Joe Donovan hat er sich dazu den Prototypen eines Schnüfflers zusammengebastelt. Hart im Nehmen, weicher Kern. Gerade wenn es darum geht, seinen verschwundenen Sohn aufzufinden. Dass die anderen Figuren wie durchgeknallte Paradiesvögel wirken und wenig Tiefgang aufweisen, verschmerzt man gerne angesichts des rasenden Erzähltempos mit wirklich guten Twists und Überraschungen.
Kommen wir noch kurz auf den Titel zurück, über dessen Plakativität nicht gesprochen werden muss. Interessanter, wenngleich nicht weniger irreführend, ist der Originaltitel, The Bone Machine (Die Knochenmaschine). Man muss schon sehr genau hinschauen, um die entsprechende Textstelle im Buch nicht zu überlesen: Als »Knochenmaschinen« bezeichnet unser lieber Killer nämlich allgemein seine Mitmenschen. Tja, irgendwie will aber auch diese Metapher nicht richtig zünden. Das kranke Gedankengut des »Historikers« steht dazu nun auch wirklich nicht ausreichend im Vordergrund.
Unterm Strich ist es gut, dass der Knaur-Verlag den Briten nicht hat hängen lassen, was bei dem derzeitigen Krimiaustoß und Waites´ fehlender Massenkompatibilität wirklich aller Ehren wert ist. Waites´ Stil ist uramerikanisch, hardboiled. Ein wahrer Pageturner, eine noch recht frische Stimme aus England, von der wir gerne mehr hören möchten.
Lars Schafft, Juni 2010
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| koepper zu »Martyn Waites: Bis ins Mark« | 06.01.2011 |
|---|---|
| Bio-Fan zu »Martyn Waites: Bis ins Mark« | 24.06.2010 |
