Schwarze Diamanten von Martin Walker

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Black diamond, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich, 1990 - 2009.
Folge 3 der Bruno,-Chef-de-Police-Serie.

  • London: Quercus, 2010 unter dem Titel Black diamond. 320 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2011. Übersetzt von Michael Windgassen. ISBN: 978-3-257-06782-8. 352 Seiten.

'Schwarze Diamanten' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Das organisierte Verbrechen hält Einzug in St. Denis und Bruno bekommt es nicht nur mit Mord, Prostitution Minderjähriger und illegalen Einwanderern zu tun, nein, der Schatz der französischen Küche, die Trüffel aus dem Perigord, wird von billigen chinesischen Trüffeln verdrängt. Da kann nur die Chinesische Mafia hinter stecken.

Das meint Krimi-Couch.de: »Friedliches Périgord, wären da nur nicht die Fujian-Drachen, die Binh Xuyen und der Algerienkrieg« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Das Leben in dem kleinen Städtchen Saint-Denis ist sehr beschaulich, allein die Schließung des örtlichen Sägewerkes und der damit einhergehende Verlust von Arbeitsplätzen sorgen für Unmut. Im benachbarten Saint Alvère scheint es da schon ein wenig krimineller zuzugehen, denn Bruno, Chef de police von Saint-Denis, erfährt von seinem Freund und Trüffelexperten Hercule Vendrot von Unregelmäßigkeiten auf dem dortigen Trüffelmarkt. Offenbar werden die wertvollen einheimischen Trüffel mit chinesischen Importen verschnitten. Bruno beschließt der Sache nachzugehen, doch dann wird in Saint-Denis der vietnamesische Lebensmittelhändler Vinh mitten auf dem Dorfmarkt von drei jungen Chinesen überfallen. Auch hier gilt es zu ermitteln, aber zunächst steht eine gemeinsame Jagd mit Hercule und dem Baron an. Als Bruno und der Baron an dem verabredeten Hochsitz eintreffen, finden sie dort ihren Freund Hercule ermordet vor; auf gehangen und mit aufgeschlitzter Kehle.

Überraschend erfährt Bruno, dass er seinen betagten Freund offenbar nicht so gut kannte wie angenommen, denn Hercule war unter anderem als Agent im Algerienkrieg sowie in Indochina aktiv und gilt im Geheimdienst als Legende. Sollte Hercule zu sehr in die immer stärker werdenden Konflikte zwischen chinesischen und vietnamesischen Gruppen hineingeraten sein? Hat seine Hinrichtung gar mit seiner Vergangenheit zu tun oder dreht sich letztlich doch nur alles um den heißbegehrten Trüffel? Bruno droht der Fall über den Kopf zu wachsen, da steigen der Chefermittler der Police Nationale wie auch der ranghohe Brigadier des Innenministeriums in die Ermittlungen ein …

Im dritten Fall für Bruno, Chef de police, geht es drunter und drüber. Zunächst aber läuft alles ganz beschaulich, denn lediglich die Schließung des örtlichen Sägewerks führt zu Verstimmungen. Danach werden erst einmal Trüffel gesucht und verkauft, wobei auf dem Markt kleinere Ungereimtheiten auffallen. Ein erstes Anzeichen von Kriminalität, gefolgt von dem Überfall auf einen Wochenmarktstand und da sind wir bereits auf Seite 76. Das erste Kapitalverbrechen, die Ermordung von Hercule, folgt auf Seite 97. Der schottische Autor Martin Walker hat an dem schönen Périgord und seinen Bewohnern offenbar einen Narren gefressen und möchte dies in seinen Büchern zurückgeben. Hier ist die Welt noch in Ordnung, der Chef de police eine Ein-Mann-Polizei und statt auf Verbrecherjagd zu gehen, isst und kocht man lieber (über zahlreiche Seiten) die leckersten Gerichte oder trägt das Rugbyspiel des Jahres (über rund zehn Seiten) aus.

Hier ist ein großer Erzähler am Werk, der nach einer mehr als ruhigen Einführung plötzlich den Schalter umlegt und dann einen furiosen Thriller präsentiert. Auf einmal leben die Ereignisse des Algerienkrieges wieder auf, treiben chinesische und vietnamesische Banden wie die Fujian-Drachen und die Binh Xuyen ihr Unwesen und als wäre dies nicht schon verwirrend genug, mischt sich noch (wenngleich nur ansatzweise) Frankreichs älteste kriminelle Vereinigung, die Union Corse, die korsische Mafia ein. Zudem tobt der Vorwahlkampf in Saint-Denis, wo die Grünen auf dem Vormarsch sind und Bürgermeister Mangin um seinen Job zittern muss. Es wird mit harten Bandagen gekämpft. Bliebe noch zu erwähnen, dass es zu einigen Turbulenzen in Brunos Privatleben kommt und dann wäre da ja noch die Sache mit den Trüffeln – und einiges mehr.

Martin Walker hat einen lesenswerten Roman geschrieben, der jedoch inhaltlich überfrachtet und an einigen Stellen arg ausschweifend ist. Da auf mehreren Ebenen ermittelt wird, ergeben sich zudem mitunter Auflösungen, deren Entstehen der Leser nicht immer nachvollziehen kann. Wem es nur auf einen reinen Krimiplot ankommt findet mehrere Gründe für Punktabzüge, sollte aber ohnehin die Finger von diesem Buch lassen. Für Frankreich-Fans ist die »Bruno-Reihe« dagegen Pflicht wie für Leser/Innen mit Vorliebe für leckeres Essen. Über den Trüffel erfährt man einiges, wenngleich zurzeit der Handlung der tuber melanosporum noch nicht auf dem Markt war.

Jörg Kijanski, Juni 2011

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Ingrid Herzog-Müller zu »Martin Walker: Schwarze Diamanten« 10.11.2014
Entweder ist die deutsche Übersetzung schlecht oder der Schreibstil des Autors ist es. Die Geschichte ist auch voll von Plattitüden. Es störtenmich die UUngereimtheiten, als Bruno in der Früh ejn komplettes Menü vor Arbeitsantritt kocht; wann und wie er seine Tiere und den Gemüsegarten versorgt. Ich werde keinen Bruno Fall mehr lesen.
Nadgang Da zu »Martin Walker: Schwarze Diamanten« 31.08.2014
Schade, eigentlich ein nettes Buch. Allerdings nervt die Übersteigerung von Bruno. Eine Mischung aus James Bond und Mickey Maus. Kann Alles, und das auch noch besser als alle anderen.
Und vieles ist unlogisch. Mal bleibt Bruno locker über Nacht weg, Hund, Hühner und Enten bleiben alleine. Dann füttert er nach einem Alarmanruf noch schnell die Tiere, bevor er losfährt. Und andere Ungereimtheiten.
Sorry, war mein erstes und letztes Bruno - Buch.
reinowa zu »Martin Walker: Schwarze Diamanten« 07.07.2013
mich nervt der beständig stockkonservative ton der erzählungen auch wenn die beschriebenen szenen unterhalten können. Hätte der autor weniger herz fürs großkapital und rückständigkeit und mehr herz anstelle von mildem spott für ökologie und gerechtere ressourcenverteilung wäre mein lesegenuss deutlich gesteigert. Guter stil und lebensart lässt sich auch mit fortschritt verbinden. Darüber könnten visionäre kriminalromane handeln. Walkers geschichten haben keine vision sondern beweinen letztlich eine idealisierte vergangenheit.
Thorsten zu »Martin Walker: Schwarze Diamanten« 05.12.2012
"Schwarze Diamanten" war mein dritter Roman den ich von Martin Walker gelesen habe und der Roman der mich am meisten enttäuscht hat. Wenn man gerade vorher eine Kommisar Maigret Roman (wenn auch zum wiederholten male) gelesen hat und dann mit "Schwarze Diamanten" weiter in Frankreich bleibt ist man geneigt das Buch aus der Hand zu legen.am meisten nervt mich die Beschreibung der Glanztaten von Bruno. Wow, was der so alles kann und macht und wen der so alles kennt. Auf den meisten Seiten des Buches kann "Bruno" getrost mit "Supermann" ersetzen. Der ganze Roman erinnert mich mehr an ein Jugendbuch, wenn da nicht der grausame Mord wäre, diesen zu klären unserem Bruno aber nicht zu schwer fällt. Und wie gut das man den ein oder anderen Chef vom franz.Geheimdienst kennt. Und die Marines, pardon, die franz. Marine mischt auch mit wenn geschossen wird.schader das die interessante Idee für diesen Roman so mit den Abentuern von Jungsiegfied, pardon, Bruno, gepanscht wird. Nicht alles ist misslungen an diesem Roman, sehr interessant fand ich die historischen Passagen über Algerien und Indochina Krieg. Alles in allem war ich froh als ich mit dem Buch zu Ende war und bin mir nicht sicher ob ich einen weiteren Roman von Walker lesen werde oder nicht doch lieber zum x-ten mal einen Maigret-Roman.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Brengel zu »Martin Walker: Schwarze Diamanten« 29.02.2012
"Schwarze Diamanten" war mein erster Roman von Walker, und er hat mir gut gefallen: Charmant und elegant erzählt, mit warmherzigen Schilderungen des Périgord und seiner Bewohner. Allein: Beim Plot wäre weniger deutlich mehr gewesen. Kolonialvergangenheit und Lokalpolitik, chinesische Mafia und Trüffelskandal - jedes Thema für sich bietet Stoff für eine gute Kriminalgeschichte, zusammengerührt wirkt aber keines überzeugend dargestellt.
Insgesamt aber ein lesenswertes Buch, insbesondere mit einem FRankreich-Urlaub vor der Nase!
mylo zu »Martin Walker: Schwarze Diamanten« 17.07.2011
Also für mich sind sie immer lesenswert, die toll und unterhaltsam geschrieben Kriminalgeschichten aus dem Perigord, die neben den immer interessanten und ausgefallenen Kriminalplots alles Erzählen was ich selbst an Frankreich so liebe, das gute Essen, der Wein und eben die Mentalität der Menschen. Hab schon viele kulinarische Tipps mitgenommen, mich aber vor allem köstlich unterhalten. Dieses Mal während meines Urlaubes mit dem Wohnmobil bei Käse und Rotwein in der Auvergne. Geht es besser...

90 Punkte.
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