Grand Cru von Martin Walker

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel The Dark Vineyard, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich, 1990 - 2009.
Folge 2 der Bruno,-Chef-de-Police-Serie.

  • London: Quercus, 2009 unter dem Titel The Dark Vineyard. 308 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2010. Übersetzt von Michael Windgassen. ISBN: 978-3-257-06750-7. 380 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2011. Übersetzt von Michael Windgassen. ISBN: 978-3-257-24082-5. 380 Seiten.
  • [Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2010. Gesprochen von Johannes Steck. ISBN: 3-257-80292-7. 8 CDs.

'Grand Cru' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

In vino veritas? Ja, aber manchmal ist die Wahrheit gut versteckt. Kaum jemand weiß es: Das Périgord ist nicht nur ein Gourmet-Paradies, sondern auch ein phantastischer Boden für Spitzenweine. Der kalifornische Weinunternehmer Bondino ahnt es, und er hat große Pläne: Er will das ganze Tal aufkaufen und verspricht, dem Périgord seinen einstigen Rang als Heimat von Grands Crus zurückzugeben – unter gewissen Bedingungen. Saint-Denis hat die Qual der Wahl – beschauliche Idylle bleiben oder Sitz einer modernen Weinindustrie werden, mit vielen neuen Arbeitsplätzen. Der Streit darüber ist erbittert, und sogar die alte Freundschaft von Bruno, Chef de police, und dem Bürgermeister droht darüber zu zerbrechen. Als eine Leiche in einem Weinfass gefunden wird, überschlagen sich die Ereignisse.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mit dem Willen zur Harmonie« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Georg Patzer

Es ist eine hübsche, ruhige Welt, dieses Périgord. Eine Welt, die in Ordnung ist: das ländliche Frankreich. Die Winzer süffeln ihren Wein am liebsten selbst, die Bauern geben ihren nicht EU-zertifizierten Käse dazu, der Bäcker bäckt seine Croissants und Baguettes – es ist eine Welt wie aus einem Comic von Sempé.

Eine Idylle, wie man sie sich gerne erträumt. Aber dann brennt eine Wiese ab in der Nähe des Dorfes Saint Denis, und ein Schuppen, der darauf steht auch. Das komische ist, dass dort gar kein Schuppen stehen darf, und auch die Wasserleitung dorthin dürfte es nicht geben. Die Spur führt zu einem Versuchsgut, und es kommt heraus, dass auf der Wiese genmanipuliertes Getreide angebaut wurde, auch das unerlaubt und heimlich, aber mit dem Segen von den Ministerien im fernen Paris. Und dann kommt auch noch ein reicher Amerikaner in die weinselige Idylle, will investieren, will aber auch aufkaufen und hat seine eigenen Pläne, wie man wirtschaftlich mit Wein und Menschen umgeht. Und dann passieren noch ein paar Todesfälle.

Grand Cru ist der zweite Roman in einer Reihe um Bruno, den Polizeichef, der sich so richtig wohl im ländlichen Frankreich fühlt, und der deswegen eine Beziehung zu einer attraktiven und ehrgeizigen Polizistin abbrechen lässt. In Saint Denis fühlt er sich zu Hause, hier versucht er die Konflikte auf seine Art zu lösen, und das heißt ruhig, mit viel Überlegung, mit dem Willen zur Harmonie. Meist gelingt ihm das auch. Und manchmal ist die auswärtige Kriminalpolizei sogar froh, dass er dabei ist, weil er die Menschen kennt, und mit dieser Menschenkenntnis die Fälle auch lösen kann.

Martin Walker ist ein schottischer Autor, der uns diese Traumwelt vorführt, und er muss schon sehr aufpassen, dass er nicht in die Falle des Kitsches fällt, die er sich mit seiner Idylle selbst gegraben hat. Manchmal geraten seine Charaktere und seine Handlung auch wirklich etwas zu holzschnittartig, und viele hartgesottene Leser werden seine Bücher zu langweilig finden. Doch Vorsicht: Indem Walker hier eine Gegenwelt schildert, in der sich die Nachbarn noch helfen, sich auch kontrollieren, sich auf jeden Fall gut kennen, kritisiert er auch unsere schnelllebige, anonyme Großstadtwelt, in der ich nicht einmal mehr weiß, wie es meinem unmittelbaren Nachbarn geht, ob er vielleicht schon tot in der Wohnung nebenan liegt. Und Brunos Konflikte sind die der großen Welt: der brutale Räuberkapitalismus, der sich nicht um Menschlichkeit schert; die Globalisierung, die gerade in Frankreich einige Widerstandshelden hervorgebracht hat. Und so ist auch seine so sanftmütige Krimireihe eine Studie über den Kapitalismus und eine Anleitung zum bürgerlichen Ungehorsam. Man muss ihn nur so zu lesen wissen.

Georg Patzer, Mai 2010

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Darix zu »Martin Walker: Grand Cru« 11.05.2014
Grand Cru lebt nicht von der Spannung oder von faszinierenden, charakterstarken Darstellern, einer fesselnden Hanlung. Walkers Ortspolizist Bruno lebt von Trüffel, edlem Wein, dem harmonischen Gemeinwohl.
Seine Landschaftsbeschreibungen aus dem Perigord sind gelungen. Das freut eher den Liebhaber des französischen "savoir vivre" und den Freunden eines eher oberflächlichen Plots. Ein oberflächlicher, durchschnittlicher Roman.
Markus zu »Martin Walker: Grand Cru« 06.02.2014
Brechreizerregend.

Soviel heile Welt pack ich nicht. Bruno ist nervig in seiner perfekten art. Auch diese ständige Lobhudelei auf die so schöne Heimat. "Das Rugby Stadion war das schönste in Frankreich und die Gegnerische Fans vergaßen das anfeuern ihrer Mannschaft und waren geblendet von der Schönheit der Mannschaft" Sinngemäß. Gehts noch?
Tom zu »Martin Walker: Grand Cru« 19.11.2013
Den ersten Band habe ich ganz gelesen.
Dass wider Erwarten trotz der vielen Empfehlungen keine rechte Freude aufkam, hatte ich noch meiner damaligen seelischen Verfassung zugeschrieben. Darum habe ich mit "Grand Cru" angefangen und ich werde ihn nicht beenden. Ich weiss jetzt warum:
Es fehlt Krimihandlung. und Spannung. Eigentlich ist das gar kein Krimi. Leider auch nichts anderes. Der Comichaft verklärte Superman Bruno langweilt zu Tode. Mit so einem Typen kann man sich weder identifizieren, noch kann man ihn mögen. Nicht mal ärgern kann man sich über ihn. Denn so richtig tut er ja eigentlich gar nichts um seine Fälle zu lösen. Das restliche Beiwerk ist Frankotümelei für Anfänger. Bereits der etwas Fortgeschrittene regt sich über die krampfhaft bemühte Anhäufung von Gemeinplätzen auf.
1,5 Brunos sind für mich genug.

Thomas Müller
sahlmann zu »Martin Walker: Grand Cru« 25.07.2013
Die heile Welt des Martin Walker!

Der zweite Teil der Bruno-Reihe!
Hat mir besser gefallen, als der erste Teil. Das liegt aber wahrscheinlich daran, dass mir die in diesem Band angesprochenen Themen mehr zusagen. Wein, Globalisierung und genveränderte Lebensmittel.
Der Krimiteil des Buches hat nur einen überschaubaren Anteil Der Schwerpunkt liegt auf Wein, Essen und den alten Bekannten aus dem ersten Teil!
Natürlich mit happy End!
Nette Lektüre für entspannte Stunden!
Wolfgang Latza zu »Martin Walker: Grand Cru« 08.04.2013
Moin,

über die Geschichte, den so genannten Plot, die evtl. nicht vorhandene Spannung, bediente Klischees usw usw mag man streiten. Ich mag dieses Buch wie auch das erste. Ich tauche in das Périgord ein, das ich während eines Urlaubs vor einigen Jahren erlebt habe.

Was mich aber ärgert, sind die vielen in kursiv gesetzten französischen Begriffe. Als jemand, der der französischen Sprache einigermaßen mächtig ist, weiß ich selbstverständlich, was eine "mairie" ist, und auch mit den meisten anderen Begriffen, wenn auch nicht mit allen, kann ich etwas anfangen. Aber es soll Menschen geben, die eben kein Französisch sprechen. Und für diese Menschen sollte man bitte die Begriffe erklären (das geht in anderen Büchern auch) oder statt "mairie" einfach "Bürgermeisteramt" oder "Rathaus" schreiben...
Sunniva1 zu »Martin Walker: Grand Cru« 03.07.2012
Nach dem 1. Buch war ich gespannt auf dieses Buch. Es gefällt mir besser als der Vorgänger. Die Handlung zeigt globale Strukturen inmitten der französischen Provinz. Bruno, ein Polizist wie aus alten französischen Schwarz-Weiß-Filmen, wird mir immer sympathischer. Er handelt nicht nur nach Recht und Gesetz, sondern auch nach Gefühl. Die Liebesgeschichte des Buches stört mich nicht. Sie wirkt nicht aufgesetzt. Die Handlung ist in sich schlüssig, obwohl der Täter für mich schon lange vorhersehbar war. Das störte mich keinesfalls, waren die Verwicklungen doch interessant und oft amüsant nachvollziehbar.
Da ich des Französischen nicht mächtig bin, wäre ein Anhang mit Erklärungen zu den Gerichten und den Weinsorten ein zusätzliches Plus des Buches. Eine köstliche Urlaubslektüre!
Angelo zu »Martin Walker: Grand Cru« 11.04.2012
Das Buch gehört definitiv nicht auf die krimi-couch sonder auf die kitsch-couch. Ich neige nicht zu kategorischem Urteil. Die Geschmäcker sind verschieden und das respektiere ich. Nach dem ersten Walker-Brüüno-Band wollte ich das Positive (das Beschauliche, Ruhige, Idyllissche) sehen, gab ich dem Autor noch eine Chance.

Aber ist einfach ZUVIEL des Guten! Da müssten wohl auch die echten Einwohner des Périgord lachen. Zu beschaulich, oberflächlich, schwärmerisch, schwiegermuttertraumhaft kommt der Roman daher, zu schlecht geschrieben und komponiert ist diese Story. Und auch der Krimiplot ist so unbedarft wie das Tagebuch eines Schülers. Da kann auch der holtertipolter konstruierte, (wörtlich) an den Haaren herbeigezogene Schluss nichts mehr retten, im Gegenteil. Das kann auch als Ferienlektüre nicht dienen. Mon dieu! - Meine Empfehlung: Nehmen Sie einen Band von Georges Simenon vom Gestell Maigret oder Non-Maigret spielt keine Rolle. Jeder Band ist besser als das Buch hier.
vifu zu »Martin Walker: Grand Cru« 01.04.2012
Nach dem letzten "Krimi-Gemetzel" brauchte ich dringend was gemütliches!
Der 2te Bruno-Band hielt mit "Grand Cru" was er versprach: ruhige, wirklichkeitsferne Werbung für die französiche Provinz. Wer einmal dort Urlaub machte, weiß wovon ich schreibe! Die Krimihandlung ist ziemlich unwesentlich. Es dreht sich diesmal vor allem ums gemütliche, sonnige Sommerleben mit nettem Essen und Trinken mit einer Prise Globalisierungskritik.
Als Einstimmung für den bevorstehenden Frankreichurlaub unbedingt zu empfehlen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Gianni zu »Martin Walker: Grand Cru« 31.03.2012
Die Geschmäcker sind verschieden. Die Erwartungen werden nicht immer erfüllt. Dieser Krimi ist anders, eingebettet in einer ländlichen Umgebung im schönen Frankreich. Die Geschichte ist wiederum leicht erzählt. Amüsant, spannend, die Protagonisten sind liebenswert in einer Welt, wie sie sein könnte, aber nicht ist.
davidgrass zu »Martin Walker: Grand Cru« 11.02.2012
Die extrem idealistische Umwelt in der Bruno arbeitet macht den zweiten Band langweilig. Im ersten Band konnte man die Idylle noch akzeptieren, im zweiten ist es einfach eine plumpe Wiederholung des Konzepts und die Beschreibung durch eine "Optimisten-Brille" finde ich persönlich langweilig und unrealistisch. Es scheint als gäbe es in St Denis ausschließlich glückliche Persönlichkeiten die ihren eigenen Lebenstraum verwirklicht haben und ausleben, niemand der gescheitert oder verzweifelt ist. Das Buch handelt mehr über tolles Essen und Weine als über den eigentlichen Fall. Wer positive Geschichten über alles tolle in der Welt mag, findet sicher Gefallen an diesem Buch, ich hätte etwas mehr Krimi und einen anspruchsvolleren Fall erwartet. Die gewählten Themen mit Dürreproblemen und genmanipulierten Pflanzen sind interessant und vielversprechend, ihr Potential wird in diesem Buch leider verschwendet. Langweilige Weinlesen und Trüffelomelettes werden der eigentlichen Thematik des Falls vorgezogen.

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