Eskapaden von Martin Walker

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel The Dying Season, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Diogenes.
Folge 8 der Bruno,-Chef-de-Police-Serie.

  • London: Quercus, 2015 unter dem Titel The Dying Season. 400 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2016. Übersetzt von Michael Windgassen. ISBN: 978-3-257-06968-6. 400 Seiten.
  • [Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2016. Gesprochen von Johannes Steck. ISBN: 3-257-80371-0. 400 CDs.

'Eskapaden' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Das Périgord ist das gastronomische Herzland Frankreichs neuerdings auch wegen seiner aus historischen Rebsorten gekelterten Weine. Doch die Cuvée Éléonore, mit der die weitverzweigte Familie des Kriegshelden Desaix an ihre ruhmreiche Vergangenheit anknüpfen will, ist für Bruno, Chef de police, eindeutig zu blutig im Abgang.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Krimireihe für Frankreich-Liebhaber« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Marco Desaix, gefeierter Kriegsheld und Pilot, kämpfte im Zweiten Weltkrieg für Frankreich an der Seite der Russen und später in Israel. Nach und nach lernte er in diesen drei Ländern die große Liebe seines Lebens kennen und hat daher drei Kinder von verschiedenen Frauen. Zur großen Feier anlässlich seines 90. Geburtstages sind sie alle auf seinem Schoss versammelt, dazu zahlreiche prominente Gäste und ehemalige Weggefährten wie Colonel Gilbert Clamartin. Clamartin fällt jedoch unangenehm auf, da er lautstark und offenbar stark betrunken auf Chantal, Desaix’ Enkelin, einredet. Kurzerhand wird er aus dem Festsaal in einen Nebenraum geführt, wo er seinen Rausch ausschlafen soll.

Zu den Festgästen zählte für ihn selbst überraschend auch Bruno, Chef de police von Saint-Denis, für den Desaix ein Idol seit seiner Kindheit ist. Noch überraschender kommt für Bruno sein erneutes Erscheinen auf dem Schloss von Desaix bereits am nächsten Morgen, denn Clamartin ist tot. Erstmals rief ihn der Bürgermeister persönlich zu einem Unglückstatort. Dabei erscheint der Fall recht unspektakulär, denn offenbar erstickte Clamartin an seinem eigenen Erbrochenen. Wenig später erfährt Bruno jedoch von einigen Personen, dass Clamartin kurze Zeit vor dem Zwischenfall mit Chantal noch völlig nüchtern gewesen sei. Brunos Neugierde ist geweckt und führt in politische wie familiäre Geheimnisse, die teilweise seit Jahrzehnten ruhen …

Der achte Fall kommt mit sehr geringem Tempo aus

Benoit Courrèges, von allen nur »Bruno« genannt, ermittelt in seinem bereits achten Fall, in dem ihn der zeitliche Ablauf beim Tod von Gilbert Clamartin fast verzweifeln lässt. Rund eine Viertelstunde bevor dieser aus der Feier hinauskomplimentiert wurde, war er nach Aussagen von Pamela und Jack Crimson noch völlig nüchtern. Wie konnte er dann aber innerhalb nur weniger Minuten besoffen gewesen sein? Neben dieser verzwickten Frage beschäftigt sich Bruno gedanklich mehr und mehr mit Pamela, mit der er seit einem Jahr liiert ist. Die Beziehung neigt dem Ende entgegen, zumal sich Pamela immer öfter mit Brunos Freund Jack Crimson zeigt. Hat dies wirklich nur berufliche Gründe, da sich Pamela hier verändern möchte? Leichte Eifersucht ergreift von Bruno Besitz.

»Als ich den Posten übernahm, hat mich mein Vorgänger gewarnt und gesagt, es gebe zwei Arten von Präfekten und der derzeitige Amtsträger gehöre zu dem Typus, von dem man Order ausschließlich in schriftlicher Form entgegennehmen sollte.«

Wer die Reihe um Bruno, Chef de police, kennt, weiß was ihn erwartet. In seiner Danksagung sagt Martin Walker mit folgendem Satz nahezu alles:

»Meine Bücher versuchen ihrem bewundernswerten Savoir-vivre Ausdruck zu geben, einem Lebensstil, der geprägt ist von den herrlichen Gerichten und Weinen der Region, von Rugby und von der Jagd, von Markttagen und Festlichkeiten.«

Gemeint sind die Menschen im Périgord und so wird seitenlang gekocht und entkorkt, dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Neben ungezählten Weinen aus der Region genießt Bruno immer wieder einen Balvenie, seinen Lieblingswhisky.

»Regel Nummer eins zum Überleben in der politischen Bürokratie: Man sollte nie zu früh recht haben. Regel Nummer zwei: Irren ist nicht weiter tragisch, wenn alle anderen ebenfalls irren.«

Und was macht der Krimi-Plot? Er entwickelt sich gemächlich, was auch an einer längeren Side-Story liegt, die mit dem eigentlichen Fall kaum zusammen hängt. Zunächst gilt es die Familie des »Patriarchen« Marco Desaix vorzustellen sowie Einblicke in das aktuelle Privatleben von Bruno zu geben. Nach und nach kommen immer wieder Kleinigkeiten ans Tageslicht, die Bruno darin bestärken, dass bei dem tödlichen Vorfall jemand nachgeholfen haben könnte (was naheliegt, denn sonst würde der Krimi nur wenig Sinn bis gar keinen ergeben). Da mehrere der involvierten Personen eine militärische und geheimdienstliche Vergangenheit haben, führen einige Spuren zurück in die späten 1980er sowie die frühen 1990er Jahre. Vor allem ein Putschversuch gegen den damaligen russischen Staatschef Gorbatschow im Jahr 1991 bietet Zündstoff.

Wer eine Vorliebe für Frankreich hat, lernt hier viel über Land und Leute kennen, muss sich aber beim Krimi-Plot in Geduld üben, da dieser einen längeren Anlauf benötigt, um ordentlich Spannung aufzubauen. Für Fans der Serie ist es jedoch keine Frage: Auch der achte Fall von Bruno ist Pflicht. Rätselhaft bleibt jedoch, wie man »The Dying Season« mit Eskapaden übersetzen kann, wobei der deutsche Titel besser passt.

Jörg Kijanski, September 2016

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T. France zu »Martin Walker: Eskapaden« 22.09.2017
Meine Frau und ich sind als Walker Fans schwer enttäuscht. Das Buch liest sich zäh, sehr zäh. Bislang haben wir alle Brunos ungesehen gekauft und anschließend verschlungen. Den nächsten Bruno (wir nehmen immer die Taschenbücher ein Jahr nach dem Festeinband...) werden wir sicher erst anlesen. Mal schauen, ob er uns überzeugt...
Madame Le commisaire ist mittlerweile viel viel besser. Sehr schade...
Hartwig Schneider zu »Martin Walker: Eskapaden« 01.09.2016
Der bisher schwächste Roman rund um den Polizisten Bruno!
Eine dürftige Kombination aus Kochbuch und
dem Roman "Schatten an der Wand".
Die Geschichte ist Nebensache und musste sogar mit bis ins allerallerkleinste ausgeführten Schritten hin zum Menue aufgehübscht werden.
Fehlten nur noch die Bilder...
Enttäuschend.
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