Bruno Chef de Police von Martin Walker

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel Bruno, Chief of Police, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich, 1990 - 2009.
Folge 1 der Bruno,-Chef-de-Police-Serie.

  • London: Quercus, 2008 unter dem Titel Bruno, Chief of Police. 338 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2009. Übersetzt von Michael Windgassen. ISBN: 978-3-257-06699-9. 338 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2010. Übersetzt von Michael Windgassen. ISBN: 978-3-257-24046-7. 338 Seiten.
  • [Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2009. Gesprochen von Johannes Steck. ISBN: 3-257-80260-9. 8 CDs.

'Bruno Chef de Police' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Bruno Courrèges – einziger Polizist, Gourmet, Hobbykoch, Rugbytrainer und begehrtester Junggeselle von Saint-Denis – wird an den Tatort eines Mordes gerufen. Ein Immigrant, Kriegsveteran aus dem Algerienkrieg, dessen Kinder in der Ortschaft wohnen, ist tot aufgefunden worden. Da das Verbrechen offenbar rassistische Hintergründe hat, werden auch nationale Polizeibehörden eingeschaltet, die Bruno von den Ermittlungen ausschließen wollen. Doch der nutzt seine Ortskenntnisse und Beziehungen, ermittelt auf eigene Faust und deckt die in der Résistance-Zeit wurzelnden Ursachen des Verbrechens auf.

Das meint Krimi-Couch.de: »Macht frankophil« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Wenn ein gebürtiger Schotte seinen Erstlingswerk Bruno, Chef de police ausgerechnet im französischen Périgord ansiedelt, darf man natürlich nicht nur wegen der Tatsache, dass der Diogenes Verlag 339 Seiten einem Neuling unter den Autoren widmet, gespannt auf den Roman sein, auch die von Michael Windgassen aus dem Englischen übersetzte Erzählung mit französischem Background bietet eine gewagte Kombination, die ihren Reiz hat.

Bruno ist ein richtiger Dorfpolizist, der eine vielversprechende Karriere zugunsten der ländlichen Beschaulichkeit geopfert hat. Ihm ist wichtiger, dass er nach privaten Problemen hier in seinem abgeschiedenen Heim, wo er Wein keltert und mit regionalen Produkten seine Kochideen auslebt, eine geruhsames Leben führt, wo der gelegentliche Streit mit dem Nachbarn und der Diebstahl eines gut gereiften Käses für beschränkte Aufregung sorgen.

Bis eines Tages ein alter Mann, Hamid Mustafa al-Bakr, ermordet in seiner Hütte aufgefunden wird und in seiner Brust ist das Hakenkreuz eingeritzt. Der Tote war ein Harki, einer jener Algerier, die im im Krieg Seite an Seite mit den Franzosen gekämpft hatten und Hamid war Träger des croix de guerres. Aber das scheint die Anhänger der rechtsradikalen Front Nationale nicht gekümmert zu haben, die als erbitterte Feinde der Immigranten gelten. Doch in Saint-Denis gab es noch nie Probleme mit den Rechtsextremisten und Bruno ist sich sicher, dass die Tötung eine andere Ursache hat.

Aber möglicherweise politisch angehauchte Morde, wie dieser, rufen übergeordnete Stellen auf den Plan, die nicht immer nur polizeiliches Denken mitbringen, sondern in erster Linie die Auswirkungen auf Parteipolitik und Minister zu verhindern suchen. Kleine Dorfpolizisten, wie Bruno einer ist, haben in diesem Metier nichts zu suchen.

Doch Bruno macht nicht schlapp und ermittelt seinerseits. Seine nette und umgängliche Art und seine saubere Männlichkeit machen es ihm leicht, weibliche Hilfe zu rekrutieren, sowohl bei den ortsansässigen wohlhabenden Damen aus Großbritannien als auch bei den übergeordneten Polizeibehörden und Bruno kocht die Damen ein, die bald nicht nur Baguette und Trüffeln am Geflügelsalat mit ihm teilen, sondern auch gerne mit ihm die Laken zerwühlen möchten.

Bruno ist schlichtweg sympathisch, ein richtiger Saubermann, Traum jeder Frau und ein hart gesottenes Sensibelchen, das man erst mit der Nase auf die erotischen Annäherungsversuche der Damen stoßen muss. Bruno verstrahlt soviel Lokalkolorit, dass man am sofort seine Koffer packen und den bevorstehenden Sommerurlaub in Saint-Denis verbringen möchte. Es ist einfach unglaublich, wie viel Flair unser schottischer Autor in diese französische Landschaft und seine Menschen einbringt. Auch die schlimmste Missetat wird von dem malerischen Ambiente übertüncht und tritt angesichts der Ruhe und Gelassenheit des Dorfpolizisten Bruno ins zweite Glied zurück.

Bruno, Chef de police ist ein absolut stimmungsvolles Buch, das nicht so sehr von Spannung und Action lebt, die es zwar auch gibt, aber in erster Linie den Reiz aus der Beschreibung des Lebens im Périgord zieht und das könnte ein Franzose nicht besser als es Martin Walker macht. Man spürt aus jeder Zeile, warum er hier seine Wahlheimat gefunden hat und wer nach der Lektüre dieses Buches nicht frankophil wird und Auswanderungspläne heckt, muss in einer noch schöneren Gegend leben.

Wolfgang Weninger, Juni 2009

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Angelo zu »Martin Walker: Bruno Chef de Police« 02.11.2011
Was ist das? Eine Mischung zwischen Donna Leon und Andrea Camilleri? Die Amerikanerin in Venedig und ihr Brunetti, oder der waschechte Italiano mit seinem Montalbano?Ein Schotte im Périgord mit dem Schwiegermüttertraum chef de police - Kann das gut kommen? Ich muss wohl noch den zweiten Roman lesen um mein Urteil zu bilden. Denn: Unangenehm war die Lektüre nicht. Wenn man das Beschauliche liebt, das Kleinstädtische, das Ländliche, wenn das Kleinbürger-Revoluzzertum gegen die EU-Bürokraten einen in seinen unterschwelligen Anarcho-Fantasien gegen die EU bestärkt, wenn man mal nicht hardboild Schocker-Literatur lesen will, dann kanns gefallen.Trotzdem: Mir scheinen die Sprache und die aufgebauten Bilder etwas zu künstlich, der Bruno etwas gar zu unbedarft, die kulinarisch-gastonomisch-erotischen Passagen gar zu abgekupfert (eben da lässt Camilleri, der Meister, grüssen).
Interessant ist die Geschichte, der historische Hintergrund, da habe ich Neues gelernt, aber da wechselt auch der Stil, er wird jounalistisch, faktisch, ein anderer Rhythmus prägt die Sprache.
Insgesamt etwas zu ruhig, zu lieblich, zu sehr mit Weichzeichner durchkomponiert.
felinette zu »Martin Walker: Bruno Chef de Police« 18.09.2011
Erster Eindruck: Meine Güte – geht's noch betulicher? Und dieser Bruno: Zu gut, um wahr zu sein. Doch tapfer weitergelesen und ein paar Seiten später war vom ersten Eindruck nicht mehr viel übrig. Stattdessen erste Überlegungen: Schon lange nicht mehr in Frankreich gewesen, wird mal wieder Zeit! Martin Walker skizziert mit seinem Roman ein irdisches Paradies. Mit Schlange, versteht sich, sonst wär's ja kein Krimi. Und der Plot kann sich durchaus sehen lassen. Bruno wächst einem sowieso ans Herz, an seiner Art mit Menschen und Problemen umzugehen kann man sich ein Beispiel nehmen, sie ist so beispielhaft wie seine Art zu ermitteln. Und dass die schönen Dinge des Lebens eine große Rolle spielen, ist ebenfalls kein Nachteil. Jedenfalls habe ich „Bruno“ nach etwa 20 Seiten Anlaufzeit mit großem Vergnügen gelesen und mit Bedauern aus der Hand gelegt. Wird nicht der letzte Martin-Walker-Krimi gewesen sein…
stevie zu »Martin Walker: Bruno Chef de Police« 30.08.2011
Große Spannung kommt beim Lesen dieser Geschichte nicht auf, aber sie macht Lust auf Frankreich, auf ein ruhiges und beschauliches Leben auf dem Land, ein Leben in dem sich nicht alles um "höher, weiter, schneller" dreht. Nett fand ich auch wie man in dieser Geschichte mit Charme und Cleverness mit so mancher EU Gesetzgebung umgeht. Nieder mit der Gleichmacherei! Es lebe Frankreich!
Zum entspannen und für Francophile durchaus geignet.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nys zu »Martin Walker: Bruno Chef de Police« 01.07.2011
Tja, da sieht man wieder, dass alles Geschmackssache ist. Meiner Ansicht nach enthält der Roman viele philosophische und historische sowie politische Gedanken, die man entweder explizit lesen kann oder zuweilen zwischen den Zeilen. Für mich das Buch absolut lohnenswert und es hebt sich von den typischen Krimis, die zur Zeit den Markt überschwemmen lobenswert ab.
FraPe zu »Martin Walker: Bruno Chef de Police« 21.05.2011
Ich verstehe nicht, warum dieser Krimi bzw. dieser Autor in der Presse - und insbesondere hier auf der Krimi-Couch - so hochgehandelt wird. Ich habe mich selten bei einem Krimi so gelangweilt wie bei diesem. Der Plot liesse sich ohne weiteres auf einem Drittel der Seiten abhandeln, ohne dass man irgendwas vermissen würde.
Richtig ärgerlich fand ich dann aber die gespreizte Sprache und einige windschiefe Metaphern ... wobei natürlich auch der Übersetzer hier mehr Verbrechen begangen haben könnte als der Täter im Krimi.
jwogeiger zu »Martin Walker: Bruno Chef de Police« 08.02.2011
Zugegeben, an ein Buch eines Nicht-Franzosen der seinen Roman in der französischen Provinz spielen lässt gehe ich nicht vorurteilsfrei heran. Leider gibt es genügend Beispiele von Mittel- oder Nordeuropäern oder gar Nordamerikanern die ihre mittelmäßigen Geschichten in den Mittelmeerraum verlegen um sie mit etwas Lokalkolorit und Atmosphäre anzureichern. Was bleibt ist eine Neuauflage der fast endlosen Reihe von italophiler, iberophiler oder eben frankophiler Schwärmerei. Damit wird eine schwache Geschichte zu einem gefühl- und stimmungsvollen Erlebnis stilisiert, und ist doch nichts anderes als Reiseprospektprosa.
Dieses Buch ist anders, denn der Plot ist tatsächlich interessant. Aber leider wird (anders als im Restaurant) nicht der schlechte Fisch mit viel Soße bedeckt, nein, der gute Fisch wird mit so viel schlechter Soße und billiger Garnierung versehen, dass einem der Appetit vergeht. Der Protagonist „Bruno“ ist kein Charakter, noch nicht mal ein Typus, er ist ein Abziehbild. Ehemaliger Soldat, ein Herz aus Gold, heftig von allen Mädchen des Dorfes umworben, seine große Liebe im Krieg verloren, ein Feinschmecker und der Inbegriff des französischen Liebhabers, nicht die platteste Eigenschaft wird ausgelassen. Nicht besser ergeht es allen anderen: der Bürgermeister ist ausgleichend, diplomatisch, ehrlich und mit allen gut, der Staatsanwalt karriereversessen und nur an den politischen Folgen interessiert, die EU-Beamten dumme Tölpel die man problemlos überlistet, die englischen Damen stilvoll aber auch sportlich und intelligent, die Holländer Drogenhändler, die verdächtige junge Frau ist Tochter geschiedener Eltern lebt bei ihrem wohlhabenden Vater und ist selbstverständlich sexuell pervers (was sich, oh heilige Einfalt!, in schwarzen Strümpfen, Strapsen und einer rasierten Scham(!) äußert – und weil sie auch noch FN-Anhängerin ist, bekommt der ans Bett gefesselte Liebhaber ein Hakenkreuz mit Lippenstift auf die Brust gemalt - unglaublich), drogenabhängig und verführt den armen, naiven Sohn des verdienten und angesehenen Arztes usw. usf. Kein Klischee ist zu billig, als dass es nicht auch noch Berücksichtigung fände. Aber es wird auch mit Klischees aufgeräumt: die Engländerinnen können nämlich sehr wohl kochen und das (fast) so gut wie die Franzosen. Der Autor lässt uns aber nicht nur an seinem etwas begrenzten Weltbild teilhaben (und er will internationale Unternehmen beraten?), er lässt es sich auch nicht nehmen uns noch seine vielfältigen Touristenerfahrungen, die er in Frankreich machen durfte, mitzuteilen. Da wird seitenlang aufgezählt, was der liebe Bruno zu seinem Einzug geschenkt bekam und detailliert geschildert was der Autor irgendwo über Essen und Trinken gelesen oder gehört haben mag. Darüber gerät die zu erzählende Geschichte völlig in den Hintergrund und der Leser ist schon beinahe überrascht, wenn sich Bruno ausnahmsweise wieder einmal mit dem Fall befasst. Der wird dann auch en passent gelöst und wegen des Konfliktpotentials auch gleich wieder vergessen.
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vifu zu »Martin Walker: Bruno Chef de Police« 19.12.2010
Durch seine, für die Litcologne 2011 angekündigte, Lesung fiel mir der 1ste Bruno-Krimi in die Finger. Das war mal wieder was eues Nettes! Zunächst dachte ich zwar, ach Peter Mayle lässt grüßen, aber dann entfaltete Walker doch so seinen eigenen Plot und vermittelt nebenbei auch noch etwas Geschichtshintergrund. Sehr schön! Frau ist schon gespannt auf Bruno´s weitere Entwicklung. Sehr empfehlendswert, auch wenn man ständig Apetit bekommt!
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mylo zu »Martin Walker: Bruno Chef de Police« 21.09.2010
Dieses Buch hat richtig Spaß gemacht es zu lesen und neben einem Krimiplot viel Interessantes über eine schöne Ecke Frankreichs, dem Perigord. Kulinarische Anregungen und Menschen die einfach menschlich sind mit allen Höhen und Abgründen. Die Kritiken die heir telweise angebracht wurden mögen vielleicht aus der einen oder anderen Sicht nicht ganz grundlos sein. Aber mal ehrlich, dies ist eine sehr unterhaltsame Krimiikost, die nebebei auch einiges Wissen über die dunkele Zeit der jüngsten franz. Geschichte vermittelt. Die Hauptfigur Bruno ist mir persönlich sehr sympatisch und ich freue mich sehr auf das nächste Abenteuer und den einen oder anderen kulinarischen Tipp.
Das sind 90 Punkte von mir.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frankreichliebhaber zu »Martin Walker: Bruno Chef de Police« 14.08.2010
Bei dem Inhalt des Buches handelt es sich nicht um einen "knallharten" Krimi. Wer das erwartet wird enttäuscht sein.
Das Buch zeigt eher ein Stück französische Lebensart.
Man kennt sich im Dorf, man hilft sich. Man wehrt sich gegen Eingriffe von außen mit Bauernschläue.

Essen und Trinken sind genauso wichtig wie die Freundschaft.
Alles ist vielleicht wie ein bisschen heile Welt, aber es macht Spaß davon zu träumen und sich einen Polizisten / Freund wie Bruno, chef de police zu wünschen.
Peter Hillenbrand zu »Martin Walker: Bruno Chef de Police« 05.08.2010
Als liebhaber französischer lebensart und "connaisseur" der weine habe ich das buch mit grosser freude und spannung gelesen; auch wenn monsieur
Walker Schotte ist und das wagnis eingeht, sich über weine auszulassen, sollten wenigstens die korrekturleser ihn darauf hinweisen, dass der "PETRUS" es nie nötig hatte, sich "CHATEAU PETRUS" zu nennen. Und
monsieur Moueix, der Eigentümer der domaine, würde bei einer nennung eines "Chateau Petrus" not amused undindigniert zusammenzucken.

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