Small World von Martin Suter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: Schweiz, 1990 - 2009.

  • Zürich: Diogenes, 1997. ISBN: 3-257-06146-3. 323 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 1999. ISBN: 3-257-23088-5. 323 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2003. Gesprochen von Dietmar Mues. gekürzt. ISBN: 3899031105. 5 CDs.
  • [Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2008. Gesprochen von Dietmar Mues. gekürzt. ISBN: 3-257-80220-X. 5 CDs.

'Small World' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Erst sind es Kleinigkeiten: Konrad Lang, Mitte Sechzig, stellt aus Versehen seine Brieftasche in den Kühlschrank. Bald vergißt er den Namen der Frau, die er heiraten will. Je mehr Neugedachtnis ihm die Krankheit – Alzheimer – raubt, desto starker kommen früheste Erinnerungen auf. Und das beunruhigt eine millionenschwere alte Dame, mit der Konrad seit seiner Kindheit auf die ungewöhnlichste Art verbunden ist.

Das meint Krimi-Couch.de: »eine faszinierende Geschichte, wenn auch reichlich konstruiert« 76°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel


»Als Konrad Lang zurückkam, stand alles in Flammen, außer dem Holz im Kamin.«

Ein solcher Satz als erster Satz eines Buches weckt Neugier, macht aufmerksam und fordert sofort die Gedanken des Lesers. Auch, wenn man vorher den Klappentext gelesen hat und schon in etwa ahnt, worauf dieser Satz abzielt.

Da die einzelnen Personen und ihre recht komplizierten Beziehungen zueinander in diesem Roman eine dominante Rolle spielen, versuche ich die übliche Inhaltsangabe in diesem Falle ausnahmsweise durch eine Personenbeschreibung mit ergänzenden Bemerkungen zu ersetzen.

Konrad Lang ist ein etwa 60-jähriger älterer Herr, dem Alkohol sehr zugetan und vom Koch-Clan mit kleinen Aufgaben irgendwie durchs Leben geschleppt oder – besser gesagt – zeit seines Lebens ausgenutzt. Zu der Schweizer Industriellenfamilie verschlug es ihn schon als 4-jährigen, als seine Mutter Anna, die bei den Kochs als Dientmädchen arbeitete, mit einem Mann ins Ausland durchbrannte und den kleinen Koni einfach bei einem Bauern zurückließ. Elvira Senn, die zweite Frau des Firmengründers Wilhelm Koch, und nach dessen Tod Chefin des Betriebes, nahm den kleinen Koni als Gefährten für den etwa gleichaltrigen Stiefsohn Thomas, genannt Tomi, in die Familie auf.

Koni musste die gleichen Schulen wie Tomi besuchen. Wenn Tomi Tenniskurse nahm, musste Koni auch Tenniskurse nehmen. Wenn Tomi Klavierunterricht bekam, bekam auch Koni Klavierunterricht. Und wenn Tomi keine Lust mehr hatte auf Klavier, dann war auch für Koni Schluss mit Klavier.Tomi spannte auch Koni dessen Freundin Elisabeth aus und machte sie zu seiner ersten Frau. Aus dieser Ehe ging Urs Koch hervor, der die Koch-Werke von der mittlerweile etwa 80-jährigen Elvira übernehmen soll. Dazu gehört natürlich auch ein geregeltes Familienleben und so muß Urs Simone heiraten, mit der er gerade zufällig zusammen ist. Doch wie bei Urs’ Lebenswandel zu erwarten ist, kriselt es durch Urs’ Seitensprünge in dieser Ehe von Anfang an.

Konrad lernt in einem Lokal die verwitwete Rosemarie Haug kennen und lieben. Da Rosemarie recht wohlhabend ist, gelingt es ihr, Konrad nicht nur vom Alkohol, sondern auch vom Koch-Clan zu lösen, was nicht nur bei Thomas Lang verletzten Stolz hervorruft, sondern merkwürdigerweise auch Elvira nicht so recht ist, obwohl doch Konrad für sie nur Kosten verursachte und keine rechte Hilfe war.

Soweit hätte das Ganze eine nette Familiengeschichte mit gutem Ausgang sein können, doch dann begannen Konrads Probleme mit seinem Gedächtnis. Alltägliche Sachen konnte er sich nicht mehr merken und längst vergessene Begebenheiten aus seiner Kindheit drängten in den Vordergrund. Und das macht Elvira große Sorgen. Was hat sie zu verbergen?

Martin Suter hat mit »Small World« einen Roman geschaffen, in den er sehr viele Dinge mit hineingepackt hat, ohne daß er jedoch dadurch überfrachtet wirkt. So lässt sich das Buch auch nicht eindeutig klassifizieren. Eine Rätsel aus der Vergangenheit, gar nicht mal soviel Krimi, ein Familiendrama, fast schon Familien-Saga über drei Generationen und das Ganze mit Gesellschaftskritik verpackt in eine faszinierende medizinische Fallstudie.

Von der Schreibweise her absolut gelungen vermag der Autor den Leser von Anfang an zu fesseln. Man fiebert und leidet mit dem Protagonisten Konrad Lang mit, liest die detaillierte Beschreibung vom Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit einerseits mit Angst und Schrecken, andererseits aber auch mit Faszination und Neugier. Es gibt keinerlei langweilige Passagen. Spätestens nach einem Drittel des Romans schafft man es nicht mehr, das Buch aus der Hand zulegen. Denn man verfolgt nicht nur gebannt Konis Schicksal, sondern wartet auch gespannt auf die Auflösung des Rätsels aus der Vergangenheit, denn auf ein solches muß es ja wohl hinauslaufen. Häppchenweise steigert Suter die Spannung, indem er den Leser immer weiter in die Vergangenheit führt. Und das alles würzt der Autor trotz des sehr ernsten Themas mit feinsinnigem Humor.

Suter hat sehr lebensechte und vielschichtige, allerdings teilweise auch etwas klischeebehaftete Charaktere geschaffen, die er ganz hervorragend beschreibt. Für die medizinische Beschreibung, die Symptome der Krankheit und ihre Behandlungsmöglichkeiten hat er sehr gut recherchiert und den Verlauf der schrecklichen Krankheit, über die so viele Witze gemacht werden, sehr einfühlsam, doch ohne auf die Tränendrüsen zu drücken, beschrieben.

Des Rätsels Lösung schließlich ist halb erwartet, halb überraschend und kann nicht so ganz überzeugen, da sie doch reichlich konstruiert und nicht so recht realistisch ist. Für den Krimianteil des Buches kann ich deshalb nur ein »befriedigend« vergeben. Dies bleibt allerdings der einzige Minuspunkt von »Small World«, das als gesellschaftskritischer Roman eine absolute Leseempfehlung ist.

Auch wenn das Ende nicht zu überzeugen vermag, bietet es dennoch Stoff zum Grübeln und Sinnieren. Denn man muß schon genau über die Beziehungen der einzelnen Personen zueinander nachdenken, um das Geschehen nachvollziehen zu können. Und eine kleine Pointe hat sich Martin Suter für den Schluß auch noch aufgehoben.

Ihre Meinung zu »Martin Suter: Small World«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Leselöwin zu »Martin Suter: Small World« 14.06.2015
Martin Suters erstes und meiner Meinung nach auch bestes Buch! Selten wurden die Schrecken der Alzheimer-Krankheit so einfühlsam beschrieben wie hier.
Der Krimi-Plot dieser Geschichte war sehr beliebt im 19. Jahrhundert, zum Beispiel bei Bulver-Lytton, Dickens, Balzac und anderen, das waren dann die Kriminalromane dieser Zeit.
Für den Rezensenten ist ein Krimi anscheinend nur dann als solcher zu bezeichnen, wenn möglichst viele Leichen darin vorkommen. Anders kann ich mir die schlechte Bewertung dieses sprachlich und auch sonst herausragenden Buches nicht erklären.
Hans (oder so ähnlich) zu »Martin Suter: Small World« 15.06.2014
@ alle die an Tobias geschrieben haben.

Lasst ihn doch. Ich finde das Buch auch nicht besonders, kann aber auch daran liegen dass ich Romane generll nicht in mein Herz schließen kann. Außerdem ist es wirklich nervig wenn man ein bestimmtes Buch im Deutschunterricht aufgezwungen bekommt. Was soll man machen wenn man nun einen anderen Geschmack hat. Da wird immer von "Lesefreiheit" (also: "Es gibt für jeden ein gutes Buch" usw.) gesprochen, und dann kommt man in solche Situationen. Ich kann ihn wirklich versthen denn ich befinde mich in der slben Lage.
Anderseits ist es schon fesselnd, wenn man über das Thema Alzsheimer schreibt:) LOL

Das LOL ist noch für jene Kritiker, die behaupten Lesetherapie würde gegen meine bitterböse, dumme Jugendsprache helfen☺.
Gianni zu »Martin Suter: Small World« 31.03.2012
@Tobias

Schade, dass Du das Buch langweilig fandest. Das ist es gar nicht. Ich würde Dir auch empfehlen mehr zu lesen.


Das Buch ist wunderbar. Die Geschichte hat mich bewegt und zum Denken angeregt. Die Krankheit Alzheimer kann jeden treffen. Die Krankheit kommt schleichend daher. Die Geschichte ist spannend, dramatisch, manchmal komisch und traurig erzählt. Ich mag den Schreibstil von Martin Suter. Das Buch ist lesenswert!
vifu zu »Martin Suter: Small World« 01.03.2012
Ich hatte eine Empfehlung zu Suter gelesen und dann, mit Hintergrund von Assauers Erkrankung, dieses Buch gefunden. Auch ich konnte es nicht mehr vorm Auslesen so recht aus der Hand legen! Die Spannung baute sich sehr schön über den Krankheitsverlauf und die Verdichtung der Personen auf. Sehr empfehlendswert, jedoch nicht für düstere Wintertage!
gudi zu »Martin Suter: Small World« 05.09.2010
Kann mich der Rezension von Peter Kümmel nur anschließen!
Die Handlung ist nachvollziehbar, manchmal etwas konstruiert (aber nicht nachteilig!) und absolut spannungshebend aufgebaut!
Spätestens ab dem letzten Drittel kann man dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen!
Fazit: Absolut lesenwert und empfehlenwert! Für mich 85° ...
Bettina zu »Martin Suter: Small World« 14.07.2010
@ Tobias
ich glaube, dir würde es gar nicht schaden mal ein Buch zu lesen, das wäre vielleicht eine Möglichkeit, deine Rechtschreibung und dein "Literaturwissen" aufzubessern. Ich musste das Buch auch im Deutschunterricht lesen, bin aber selber nicht im Sportverein und mir gehts immer noch gut (Anmerkung: ich habe Hobbys!).
Das Buch ist sehr spannend, besonders der Perspektivenwechsel zwischen den Hauptfiguren baut die Spannung auf. Außerdem lässt es einen sehr gut nachfühlen wie sich der Protagonist mit seiner Krankheit fühlen muss, es wird sehr einfühlsam geschildert. Dies führt mitunter auch zu unterhaltsamen Momenten. Nur wer Probleme mit der "Schweizer Sprache" hat sollte vielleicht aufpassen, es werden öfters Elemente daraus verwendet. Am Ende erfordert das Lesen etwas Konzentration, da wirds etwas verwirrend, aber mit ein wenig Intelligenz meistert man auch diesen Part. :)***
Allgemein: Spannend, sensibel, am Ende etwas verwirrend, aber seeehr lesenswert
Noemi zu »Martin Suter: Small World« 15.06.2010
@ Tobias.

Man merkt, dass du in deiner Freizeit eher selten ein Buch liest. Ich finde es peinlich, wie du 1) ein solches Werk abgründig bewertest, 2) mit deiner Aussage, dass es sich nur für Erwachsene ohne Hobby eignet einerseits die begeisterten Leser dieses Buches beleidigst und andererseits über Sport und die JugenDlichen (ich nehme an du bist einer dieser JugenDlichen, seit du das Buch im Deutschunterricht lesen musstest), schreibst. Du scheinst nicht einmal zu wissen, dass man Jugendliche mit D schreibt. Meine Empfehlung an dich: Lies lieber von Zeit zu Zeit ein Buch. Denn man kann Sport und Lesen sehr gut miteinander kombinieren und vielleicht wirst du dich danach etwas sachlicher und mit weniger Rechtschreibefehlern äussern können.

Zum Buch: Sehr interessant, lehrreich und fesselnd.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Tobias zu »Martin Suter: Small World« 08.04.2010
bravo! eines der langweiligsten bücher das ich gelesen habe. ich musste es im deutschuntericht lesen und war weit aus nicht der einzige der dieses buch überflüssig findet! für erwachsene die kein hobby haben kann man das buch empfehlen aber ich würde mir eher etwas anderes überlegen um mich zu beschäftigen. für jugentliche auf keinen fall, es ist viel zu langweilig. für jugentliche ohne hobby ist es auch nicht zu empfehlen, denn die sollten besser sport machen. wenn man dieses buch liest wird man einiges an gewicht zunehmen, denn es ist so langweilig, dass man sehr lange hat um es zu lesen und man trozdem keine zeit für sport hat!!!
Reinhard zu »Martin Suter: Small World« 18.03.2010
Bravo! Eines der besten Bücher, die ich seit Langem gelesen habe.

Sprachlich auf hohem Niveau, die Handlung geschickt aufgebaut und erzählt. Und gerade der erste Teil, wo das Fortschreiten der Alzheimerschen Krankheit bei Konrad Lang beschrieben wird, geht wirklich unter die Haut. Manchmal war ich so erschüttert, dass ich das Buch beiseite legen musste und erst nach einiger Zeit weiter lesen konnte.

Und besonders gut gelungen ist es dem Autor, die tragische Alzheimer-Geschichte ganz langsam, ganz allmählich und völlig zwanglos in einen Krimi zu überführen.

Was ist schlimmer, Alzheimer oder Krebs? Für den Betroffenen selber zwiefelsohne Krebs, weil der Alzheimer-Patient selber von der Krankheit ja immer weniger bemerkt. Für die Angehörigen hingegen und für das Pflegepersonal ist vermutlich Alzheimer die schlimmere Erkrankung.

Von mir gibt es die Höchstpunktzahl!
Sabine Fazis zu »Martin Suter: Small World« 17.12.2009
Martin Suter ist zurzeit mein Lieblingsautor. Die Romane "Der letzte Weynfeldt", "Der Teufel von Mailand" und auch "Small World" verbinden Milieu- und Menschenstudie mit kriminalistischen Elementen - und genau daraus ziehen die Bücher ihre Anziehungskraft. Es stimmt, was die Kritik sagt, Suter hat einen klaren, langsam aber zielsicher voranschreitenden Schreibstil, der sich inhaltlich und formal mit nichts Überflüssigem beschäftigt. Bei "Small World" stehen der labile Konrad Lang und die reiche Industrielle Elvira Senn im Mittelpunkt der Geschichte. Elvira Senn hat Konrad Lang als Kind mit aufgezogen. Um es kurz zu machen - als Konrad Lang an Alzheimer erkrankt, erinnert er sich an eben diese Kindheitstage und droht damit einem Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen. Elvira Senn will das verhindern, denn sie hat etwas zu verheimlichen.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 71.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Small World

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: