Montecristo von Martin Suter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Diogenes.

  • Zürich: Diogenes, 2015. ISBN: 978-3-257-06920-4. 320 Seiten.
  • [Hörbuch] Zürich: Diogenes, 2015. Gesprochen von Wanja Mues. ISBN: 3-257-80362-1. 6 CDs.

'Montecristo' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Ein Personenschaden in einem Intercity und zwei zufällig entdeckte Hundertfrankenscheine mit identischer Seriennummer: Auf den ersten Blick haben sie nichts miteinander zu tun. Auf den zweiten Blick schon. Videojournalist Jonas Brand ahnt bald, dass es sich nur um die Spitze eines Eisbergs handelt. Ein aktueller, hochspannender Thriller aus der Welt der Banker, Börsenhändler, Journalisten und Politiker – das abgründige Szenario eines folgenreichen Finanzskandals.

Das meint Krimi-Couch.de: »Für Freunde von Verschwörungstheorien ein Pflichtroman« 80°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Jonas Brand arbeitet als Videojournalist für die Boulevardpresse und hofft seit einigen Jahren auf den großen Durchbruch als Filmregisseur. Ein Exposé seines vermeintlichen Meisterwerkes Montecristo, eine moderne Fassung des bekannten Historienfilms, wurde jedoch vor etlichen Jahren einhellig abgelehnt. Ein wenig frustriert geht er seinem Beruf nach, in dem er sich unterfordert sieht, bis er eines Tages über die größte Story seines Lebens stolpert.

Zunächst sitzt er in einem Zug nach Zürich als dieser wegen eines Personenschadens plötzlich in einem Tunnel zum Stehen kommt. Instinktiv filmt er ein paar Fahrgäste und fängt einige Stimmen ein. Drei Monate später, inzwischen ist er schwer verliebt in die Eventmanagerin Marina Ruiz, passiert ihm ein nahezu unmöglicher Zufall. Beim Auslegen des Geldes für seine Haushälterin entdeckt er zwei Hundert-Franken-Scheine mit der gleichen Seriennummer. Er fragt bei seiner Bank nach und recherchiert bei der Firma Coromag, die die Geldnoten für die gesamte Schweiz herstellen, und erhält die Bestätigung, dass beide Noten echt sind. Kurz darauf wird seine Wohnung durchsucht und er selber überfallen. Er wendet sich an einen alten Kollegen, Max Gantmann, der einst als Wirtschaftsexperte im Fernsehen ein Star war. Beide beginnen sich für die seltsamen Geldscheine zu interessieren und Jonas beschäftigt sich nochmals mit dem Personenschaden im Intercity.

»Glauben Sie, das hat miteinander zu tun?«
»Wie kommen Sie darauf?«
»Könnte ja sein.«
»Dass es miteinander zu tun hat?«
»Nein. Das Sie das glauben.«
»Ich glaube es nicht.«
Aber während der ganzen Protokollaufnahme ging ihm die Frage nicht aus dem Sinn.

Denn der vermeintliche Selbstmörder war ein Top-Trader bei der größten Schweizer Bank, so dass die beiden Ereignisse in einem Zusammenhang stehen könnten. Und plötzlich sind hinter Jonas und seinem Freund Max scheinbar übermächtige Gegner her …

Die Heuschrecken kämpfen mit allen Mitteln

Martin Suter hat mit Montecristo einen spannenden Finanz-Thriller geschrieben, der in die aktuelle weltweite Finanzkrise bestens passt. Es gilt eine Katastrophe zu verhindern, die die Finanzmärkte in ihren Grundfesten erschüttern würden. Doch wie skrupellos sind die Drahtzieher der Bankimperien, wie korrumpierbar sind Politiker und lassen sich sogar die Medien kaufen? Für Freunde von Verschwörungstheorien ist Montecristo eine Offenbarung und für Krimifreunde eine willkommene Abwechslung vom genreüblichen Mord und Totschlag, wenngleich auch hier mehrere Menschen zu Tode kommen.

Die Handlung erscheint an manchen Stellen ein wenig vorhersehbar, nur Jonas erkennt mitunter einige Zusammenhänge nicht, was daran liegen mag, dass zum einen die Ausmaße der Ereignisse selbst die damalige Pleite von Lehman Brothers wie ein Kinderspiel erscheinen lassen, zum anderen mag es auch an der attraktiven Marina Ruiz liegen. Dabei fiebert man mit einem sympathischen Protagonisten mit, der immer tiefer in einen kaum durchschaubaren Abgrund gezogen wird, wobei immer unklarer wird, wer Freund und Feind ist. Je mehr sich Montecristo seinem unvermeidlichen Ende nähert desto mehr scheint Martin Suter zu überziehen. Doch wie weit würden in einem viele Milliarden schweren Business die Verantwortlichen tatsächlich gehen; am Ende gar über Leichen?

»Weißt du, dass bei der letzten Finanzkrise ein wesentlicher Teil der risikogewichteten Aktiven gewisser internationaler Großbanken aus sogenannten Subprime-Papieren bestand? Dass diese teilweise sogar die harten Eigenmittel überstiegen? Subprime-Papiere! Eine Art Wertpapier aus einem Cocktail aus Hypotheken einiger solventer Schuldner und vieler anderer, die ihre Zinsen kaum aufbringen. Und diese Papiere wurden von den internen Risikomodellen gleich hoch eingestuft wie zum Beispiel so sichere Werte wie Staatsanleihen der USA! So haben sie sich und uns an den Rand des Ruins manövriert.«

Ein packender Plot, eine Prise Erotik, gutes Essen und das alles garniert mit einem pointierten Humor machen Montecristo zu einem ebenso empfehlenswerten wie anspruchsvollen Wirtschaftskrimi. Hinzu kommt die feine Sprache des Autors, die sich schon aus dem Titel erahnen lässt. Bereits eine beinahe unauffällige Abänderung des Klassikers »Monte Christo« (ähnlich gefangen kommt sich der Protagonist im Machtgefüge der Finanzwelt vor) in Montecristo (der beliebten kubanischen Zigarre, die auch sinnbildlich für Macht und Einfluss steht, womit wir wieder bei den Kapital- und Finanzmärkten wären) ist ein erster Fingerzeig, wie gekonnt der Autor zu formulieren versteht.

Jörg Kijanski, Juli 2015

Ihre Meinung zu »Martin Suter: Montecristo«

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Catharina Ebner zu »Martin Suter: Montecristo« 28.02.2017
Die Story ist nicht schlecht allerdings sind mir die Charaktere zu platt und die ständigen Beschreibungen wer was anhat oder isst usw. nerven mich mittlerweile. Sie dienen nur noch als Füllmaterial. Man hat den Eindruck dass Sutter die Story im vorhinein plant, dann die Charaktere lieblos skizziert und im Anschluss alles mit langweiligen Details ausschmückt und in Windeseile herunter schreibt. Liest sich so wie Kantinenessen schmeckt.
Reno Zimmerli zu »Martin Suter: Montecristo« 12.12.2016
Die Spannung ist gut. Trotzdem werde ich mit der humorlosen Art und Weise von Jonas Brand nicht ganz warm. Es reihen sich viele mehr als fragwürdige "Zufälle" aneinander. Auch die Erklärungen von fiktiven Derivaten und fiktiven Gewinnen lassen zu Wünschen übrig und sind plump. Kurzum, nette Unterhaltung aber für einen illiberalen Romantiker, wie ich mir Jonas Brand vorstelle, leichte Kost.
Daniel Gasche zu »Martin Suter: Montecristo« 29.09.2016
Schade - dieser Schluss macht alles kaputt!
Zu Beginn liest sich das Buch gut; der Komplott ist für mich stimmig, die Spannung steigt. Was dann aber als Konklusion serviert wird ist mehr als dürftig! Üble Verschwörungstheorie? Werden wir tatsächlich nur noch von überall her angelogen? Ich will es nicht glauben!
Und dann noch die Seite mit den Danksagungen - zum Kotzen! Die rührigen Leutchen (z.B. alt Bundesrat Leuenberger) sollten sich schämen, zu so einem Verschwörungsplott auch noch ihren Senf abgegeben und ihn damit quasi autorisiert zu haben. Schwach!
Martin zu »Martin Suter: Montecristo« 24.06.2016
ich mochte suter bisher sehr gerne. dieses werk aber ist eine holprig konstruierte "verschwörungsg'schicht", in die der autor in manchen teilen zwanghaft passagen einflickt, bloß um vermeintlich stimmige übergänge zu schaffen. ich hatte auch großteils den eindruck, dass dieses buch bereits als drehbuch einer bereits sicher in aussicht genommenen verfilmung konzipiert ist. bleibt nur zu hoffen, dass sich ein sehr fähiger regisseur findet, der den stoff rettet - wie auch immer dies gelngen mag. da mich dieses buch in jeder hinsicht enttäuscht hat, möchte ich gar nicht mehr sagen, als dass ich froh bin, dass dieses nicht das erste buch suters war, mit dem ich in berührung gekommen bin. "die zeit, die zeit", die vergehen wird, möge suter zu alter kraft zurückführen.
Martin zu »Martin Suter: Montecristo« 24.06.2016
ich mochte suter bisher sehr gerne. dieses werk aber ist eine holprig konstruierte "verschwörungsg'schicht", in die der autor in manchen teilen zwanghaft passagen einflickt, bloß um vermeintlich stimmige übergänge zu schaffen. ich hatte auch großteils den eindruck, dass dieses buch bereits als drehbuch einer bereits sicher in aussicht genommenen verfilmung konzipiert ist. bleibt nur zu hoffen, dass sich ein sehr fähiger regisseur findet, der den stoff rettet - wie auch immer dies gelngen mag. da mich dieses buch in jeder hinsicht enttäuscht hat, möchte ich gar nicht mehr sagen, als dass ich froh bin, dass dieses nicht das erste buch suters war, mit dem ich in berührung gekommen bin. "die zeit, die zeit", die vergehen wird, möge suter zu alter kraft zurückführen.
Peter von Licht zu »Martin Suter: Montecristo« 23.01.2016
Montecristo, super kurz:
Der Held der Geschichte Jonas Brand bekämpft erst eine Verschwörung (den Lilienclub, der das Finanzsystem bewahrt) wird dann Teil von ihr.

Wer den klassischen Schluss eines Krimi erwartet, wird beim Ende von Martin Suters 'Montecristo' enttäuscht und
stark mit seiner romantisch-konservativen Erwartungshaltung konfrontiert.
Jonas Brand lässt sich kaufen, damit er seinen Traum vom eigenen Filmprojekt verwirklichen kann.
Auf der Strecke bleiben 2 ungesühnte Morde und ein weiter frei herumlaufender rothaariger Killer.
Dafür bleibt das Finanzsystem erhalten und geht nicht so den Bach runter wie die Lehmann Brothers.
Ja, die Bösen kriegen nicht ihre gerechte Strafe, dafür bleibt aber auch das alles erhalten, was uns - zumindest in der westlichen Welt - ermöglicht, ein gutes Leben zu führen.
In einem Interview (WDR Tischgespräch) sagte Suter neulich über seinen früheren Deutsche-Bank-Werbeslogan
('Lassen Sie Ihr Geld für sich arbeiten, Sie arbeiten schließlich auch für Ihr Geld'), dass er einen solchen Spruch heute nicht mehr machen würden.
Da hatte ich den Eindruck, Suter ist zu moralischen Bedenken fähig und sieht Auswüchse des Kapitalismus kritisch.
Jetzt, nach der Lektüre von Montecristo, habe ich diesen Eindruck nicht mehr.
kritikaster zu »Martin Suter: Montecristo« 03.10.2015
das ist ein ganz ausgezeichneter kriminalroman. martin suter ist ein meister! ohne ausschweifennde schilderungen brutalster und widerwärtigster szenen, wie es heute leider bei den meisten kriminalschriftsteller mode ist, hält er ganz mühelos den spannungsbogen und den leser an der leine, ach was - am fädchen! ich warte gespannt auf seinen nächsten roman.
ein bisschen mehr genussschilderungen, wie in seinen almen-romanen könnten nicht schaden...
KlausChrist zu »Martin Suter: Montecristo« 04.09.2015
Natürlich habe ich die bisherigen Lesermeinungen und Herrn Kijanski's Rezension überflogen, bevor ich jetzt loslege:
Mit Herrn K. einverstanden, im Großen und Ganzen auch einverstanden mit den positiven Meinungen. Ein spezieller Schweizer Schreibstil hat mich NICHT genervt - und als "betulich" würde ich den Stil keinesfalls bezeichnen, ganz im Gegenteil: m.E. ist diese Story sehr elegant geschrieben - wie übrigens alle mir bekannten Suters. Inhaltlich leider nicht so ganz nach meinem Geschmack. Zu wenig Action, kaum Humor, kein Sarkasmus. Man kann eben nicht alles haben. Denn die (finanz-)politischen Abgründe, in die uns Herr Suter blicken lässt, übertreffen meine schlimmsten bisherigen Vermutungen. Der Schluss ist -na ja - unschön, aber eben LEIDER wohl realistisch. Mich zumindest hat die persönliche Entwicklung der Hauptperson sehr nachdenklich gemacht (hoffentlich habe ich jetzt nicht zu viel verraten).
Montecristo ist auf jeden Fall spannend und lesenswert - nicht nur für Verschwörungstheorien-Liebhaber.
pele zu »Martin Suter: Montecristo« 23.06.2015
"Manchmal richtet die Lüge weniger Schaden an als die Wahrheit!" Treffender kann ein Autor die Undurchsichtigkeit unserer Finanzwelt nicht beschreiben. Das Buch hat mir besser gefallen, als die eher "seichteren" Romane Martin Suters aus der jüngsten Vergangenheit. Vielleicht deshalb, weil es sich um einen höchst brisanten politischen Roman handelt und sehr, sehr zeitgemäss ist. Ich würde es all jenen zur Lektüre empfehlen, die sich zur Zeit mit der Griechenland-Krise herumschlagen müssen, wo manch einer wohl auch ein anderes Ende erwartet.
Gregor S. zu »Martin Suter: Montecristo« 04.06.2015
Mir hat Montecristo sehr gut gefallen. Der Unterhaltungswert ist sehr hoch, teilweise humorvolle Dialoge runden die Geschichte ab. Ich konnte keinerlei idiomatische deutschweizerische Besonderheiten in der Erzählung erkennen, so wie Peter Schoenau behauptet hat. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass das österreichische Deutsch, dem schweizerishcen Deutsch ähnlich ist? Oder vielleicht hab ich einfach einen größeren Wortschatz?

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