Allmen und die Libellen von Martin Suter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Diogenes.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Allmen-Serie.

  • Zürich: Diogenes, 2011. ISBN: 978-3-257-06777-4. 194 Seiten.

'Allmen und die Libellen' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Allmen, eleganter Lebemann und Feingeist, ist über die Jahre finanziell in die Bredouille geraten. Fünf zauberhafte Jugendstil-Schalen bringen ihn und sein Faktotum Carlos auf eine Geschäftsidee: eine Firma für die Wiederbeschaffung von schönen Dingen. Die Geburt eines ungewöhnlichen Ermittlerduos und der Start einer wunderbaren Krimiserie.

Das meint Krimi-Couch.de: »Vom Sein und Schein« 72°

Krimi-Rezension von Lutz Vogelsang

Johann Friedrich von Allmen, kurz Allmen, ist ein Mann mit zwei Gesichtern. Obwohl sein Vater einfachen Verhältnissen entstammt und seinen Sohn eigentlich Hans-Fritz genannt hat, konnte er ihm – durch Immobilienspekulationen zu bemerkenswertem Wohlstand gekommen – doch ein beträchtliches Vermögen hinterlassen. Sein Erbe und seine gute Erziehung ermöglichen es Allmen, elegant auf dem Parkett der Züricher High-Society mitzutanzen. Dumm nur, dass er das feine Gespür für finanziell lukrative Geschäfte nicht von seinem Vater geerbt hat. Arbeit im klassischen Sinn ist ohnehin unter seiner Würde. Und so kommt es, dass vom ehemals blühenden Familienimperium nur noch die Fassade steht. Und selbst die beginnt zu bröckeln.

Allmens größte Aufgabe ist es, den großbürgerlichen Schein zu wahren. Wen kümmert es, dass der guatemaltekische Butler Carlos, den er schon lange nicht mehr bezahlen kann, nur noch Arme-Leute-Essen serviert, wenn man in der Öffentlichkeit auch mal mehrere tausend Franken in einem Restaurant lassen kann? Wen juckt es, dass das Familienanwesen längst verkauft werden musste, wenn man weiterhin das umgebaute Gewächshaus (umsonst!) bewohnen kann? Solange das Klingelschild noch seinen Namen trägt, und die feine Gesellschaft von seinem bescheidenen Quartier keinen Wind bekommt, hat Allmen wichtigere Probleme. Zum Beispiel Schulden. Für Allmen zählt nur das Wahren seines guten Rufes. Daher investiert er auch sein Geld, wenn er zu welchem kommt, vorzugsweise in das Aufpolieren seines Ansehens, sprich: in seine Kreditwürdigkeit. Leider hat seine Taktik zumindest bei dem grobschlächtigem Antiquitätengroßhändler Dörig keinen Erfolg, der Allmen mit seiner Forderung über 12,500 Franken mächtig auf die Pelle rückt.

Mit der Beschreibung seines Protagonisten hat Martin Suter eine ausnehmend charmante Figur geschaffen: einen eleganten Hochstapler, der mit dem bauernschlauen und treu ergebenen Butler Carlos einen interessanten Gegenpart hat. Leider hat man das Gefühl, dass man viele der Personen bereits aus anderen Suter-Romanen kennt. In seinem Universum sind die Menschen selten das, was sie zu sein vorgeben. Sei es der Schriftsteller, der keiner ist in Lila Lila oder der doppelgesichtige Kunstexperte in Der letzte Weynfeldt. Gerade zu letztgenanntem Buch gibt es in Allmen und die Libellen einige Parallelen. Die eleganten Protagonisten beider Romane bewegen sich in der Kunstszene des Schweizer Großbürgertums, verkehren aber gleichzeitig mit halbseidenen Gestalten. Ihr Schicksal ist gleichermaßen an ein Kunstwerk gebunden. War es bei Adrian Weynfeldt noch ein Gemälde, so ist es bei Allmen ein Ensemble von Gallé-Schalen mit Libellenmotiven.

Diese entdeckt Allmen im Anwesen von Familie Hirt, deren durchtriebene Tochter Jojo er nicht nur in die Oper, sondern gleich ins Schlafzimmer begleitet hat. Er nutzt die Gelegenheit und stiehlt eine der Schalen. Nebenbei, nicht das erste mal, dass er zu solchen Maßnahmen greift, um an Stücke zu kommen, die er dem Antiquitätenhändler Tanner verkaufen kann. Dieser zeigt Interesse, auch die restlichen Schalen zu kaufen. Dumm nur, dass er vorher erschossen wird! Die Verwirrung um die Schalen wird komplett, als auch ein ehemaliger Schulkollege Allmens in die Sache verstrickt scheint.

Alles in allem ist Allmen und die Libellen wieder ein typischer Suter. Wer seinen nüchternen und präzisen Stil mag, kann getrost zugreifen. Das Ambiente des Romans stimmt. Leider gerät die Krimihandlung teilweise halbherzig bis platt. Vieles wirkt phasenweise arg konstruiert. Der alte Schulfreund, der plötzlich aus dem Nichts auftaucht …die Fahrzeugkontrolle, in die man natürlich gerade dann gerät, wenn man Diebesgut nur halbherzig auf der Rückbank verstaut hat...das Versteck des Schatzes in genau dem Möbelstück, das später ungewollt abgeholt wird …das hat man alles schon tausendmal in Variationen gelesen und gesehen. Wie viele Film-Schießereien fallen Ihnen auf Anhieb ein, in denen sich der bereits tot Geglaubte aufrappelt und die Kugel aus einer Bibel klaubt, die er in der Innentasche hatte? Oder aus einem Amulett mit dem Bild seiner Verlobten, der Taschenuhr seines verstorbenen Großvaters? Bei Suter lernen sie eine neue Variante kennen.

Am Ende des Buches beschließen Allmen und sein Butler Carlos, eine Agentur zu gründen, die sich auf die Wiederbeschaffung verlorener Kunstgegenstände spezialisiert. Spätestens hier wird deutlich, dass Allmen und die Libellen den Auftakt einer Serie markiert. Eine Serie, auf die man sich durchaus freuen darf, sollte Suter etwas mehr auf die Glaubwürdigkeit seiner Fälle achten.

Lutz Vogelsang, Februar 2011

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Tommy zu »Martin Suter: Allmen und die Libellen« 07.09.2017
Ein typischer Suter halt - in einer Nacht durchgelesen, hin und wieder am Kopf gekratzt, zurückgeblättert, reflektiert, spekuliert, am Ende zufrieden zurückgelehnt.

Stimmt schon, es gibt Parallelen zu anderen Romanfiguren und man fällt - in Kenntnis anderer Werke - auch nicht unvoreingenommen in Suter's geschickt aufgestellte Fallen, sondern rückt mit dem Autor auf der Couch zusammen und darf sich als Teil des Genzen fühlen.

Bin gespannt auf die Fortsetzung(en).
Patrick zu »Martin Suter: Allmen und die Libellen« 12.05.2017
Mir haben die beiden Folgen super gefallen. Habe gerade diese Seite gefunden, da ich am Nachschauen war, ob es bereits weitere Folgen gibt. Sehr witzige Dialoge und klasse Schauspieler und gute Locations. Endlich mal wieder etwas Gelungenes am Samstag Abend.
Ich hoffe es gibt bald weitere Folgen - ich würde mich darüber sehr freuen.
Dr. Eysselein zu »Martin Suter: Allmen und die Libellen« 03.05.2017
Von mir gibt`s nicht viel.
Suter - so scheint es - fällt nicht mehr
so viel ein. Deshalb kommen Versatzstücke
aus früheren Werken zum Einsatz.
Auch die originellen Redewendungen
der ersten Romane sind verbraucht,
jetzt gibt es verstaubte und gekünstelte
Repliken.
Frischzellen-Kur gefällig?
Mit Allmen wird das eher nicht gelingen.
vifu zu »Martin Suter: Allmen und die Libellen« 09.01.2014
Hab soeben die Libellen bis zur letzten Seite genossen! Ja stimmt, viel zu kurz! Herr Suter hat mal wieder Personen kreiert die etwas aus der Zeit gefallen scheinen.
Aber diese Form der geschliffenen Unterhaltung gefällt mir nach reichlich "hau drauf und kill" immer wieder gut. Mehr davon!
Von mir gibt´s 85°
Torsten zu »Martin Suter: Allmen und die Libellen« 08.01.2014
Da dies mein erster Suter war, kann ich natürlich nicht feststellen on er "typisch" ist, oder mich an andere Romane oder Protagonisten erinnert fühlen.
Ja - es ist ein recht kurz geratener Roman und ja - die Krimihandlung ist weder herausragend noch besonders spannend oder originell.
Aber darauf kommt es doch gar nicht so sehr an, denn der Schwerpunkt der Erzählung liegt doch in dem sehr absurden Umgang Allmens mit seiner (finanziellen) Situation und das ist äusserst amüsant zu lesen. Zu dieser absurden Scharade passt die ebenso absurde, in der Rezension angesprochene "Tot-geglaubten-Szene" doch hervorragend.
Und, Herr Vogelsang (und Margareta Schwarz): Die Sache mit dem Bechstein war ein Scherz von Carlos. Die Schalen waren nicht dort versteckt. Klar erkennbar, deswegen verstehe ich nicht warum man das als Rezensent derart negativ anmerken muss.
Das liest sich jedenfall sehr schnell und sehr unterhaltsam an einem Tag weg und erfüllt damit den Anspruch an gute Unterhaltung allemal.
Gespannt bin ich wie die Reihe weitergeht. Die zugrundeliegende Lage Allmens hat sich ja ein wenig geändert und trägt auch nicht alleine einen weiteren Roman - da muss die neu gegründete Agentur schon einen "echten" Fall zu lösen bekommen, der den Krimiaspekt besser bedient. Aber Lust auf eine Fortsetzung hat das Buch gemacht.
OHombre zu »Martin Suter: Allmen und die Libellen« 04.01.2014
ALLMEN UND DIE LIBELLEN ist der Start zu einer neuen Krimi-Reihe aus der Schweiz. Offensichtlich konnte MARTIN SUTER der Verlockung, selbst eine Krimi-Reihe aus der Taufe zu heben nicht widerstehen...

DIE STORY:

Johann Friedrich von Allmen ist Lebemann. So wie es aussieht, hat er in seinem Leben noch nicht einmal richtig gearbeitet. Er lebt von dem Erbe seines Vaters. Der hatte mit Bodenspekulationen Millionen gemacht, die Allmen nach dessen Tod geerbt hat. Doch der absolut ausufernde Lebensstil forderte seinen Tribut: das Erbe ist inzwischen „verbraten“ und ein Gutteil des Tafelsilbers ist zusätzlich bereits versetzt. Dennoch frönt Allmen – so gut es eben geht – weiter seinem aufwändigen Lebensstil. Dazu gehört auch sein Kalfaktor Carlos, der seinem „Herrn“ treu ergeben ist. Seinen Lebensunterhalt finanziert Allmen zunächst mit seiner Kreditwürdigkeit. Wenn es dann um den Rechnungsausgleich geht, „besorgt“ Allmen sich in Antiquitätengeschäften wertvolle Gegenstände, die er in einem unbeobachteten Moment „an sich nimmt“ und veräußert diese später an einen Antiquitätenhändler aus seinem Stammlokal. Allerdings wird Allmen eines Tages schwach, als er bei einer Liaison wunderbare und sehr kostbare Jugendstilschalen entdeckt; er läßt sie „mitgehen“ und kommt dadurch tief in die Bredouille, denn der „Stammbaum“ bzw. die „Herkunft“ der Schalen ist mehr als zweifelhaft. Am Ende machen Allmen und Carlos aus den Erfahrungen mit den Libellenschalen eine Geschäftsidee und eine neue Krimireihe ist geboren.

FAZIT:

Schmalkost in doppelter Hinsicht. Sowohl das Buch (195 Seiten mit recht großem Schriftbild – Taschenbuchausabe) als auch die Story sind eher „dünn“. So dienen die ersten gut 40 Seiten der „Vorstellung“ des neuen „Serienhelden“ und seines Umfeldes. Erst dann geht die eigentliche Krimihandlung los, wobei „Krimihandlung“ bereits eher weit hergeholt ist. Sicherlich kein Leckerbissen für echte Krimifreunde, die einen ausgeklügelten, spannenden und mit mehreren überraschenden Wendungen gespickten Plot suchen. Einzig was bleibt ist das etwas urig-schrullige „Team“, Allmen und Carlos, das mir allerdings so gut gefallen hat, dass ich immerhin noch 3 Sterne gegeben habe. Dennoch werden auch eingefleischte Suter-Fans enttäuscht sein. Zu sehr drängt sich auf, dass der Autor wohl der Versuchung, auch in das profitable „Seriengeschäft“ einzusteigen, nicht widerstehen konnte...

Dennoch viel Spaß beim Nachlesen!
Darix zu »Martin Suter: Allmen und die Libellen« 23.06.2013
Allmen, ein charmanter, stilvoller, stehlender und über seine Verhältnisse lebender Genußmensch, leidet, wie kann es nicht anderst sein, unter Geldmangel und dem Druck seiner Gläubiger. Ob die Handlung Krimiformat hat möchte ich bezweifeln, eher nette Unterhaltung, professionel geschrieben, auch wenn man das Gefühl hat dies alles schon zu kennen.
Leichte Sommerlektüre, Fortsetzungen mit dem Protagonisten Allmen stellt Herr Suter sicher.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimitante zu »Martin Suter: Allmen und die Libellen« 20.05.2012
zuerst: ich finde das ist kein krimi. das ist sehr gute unterhaltungslektüre, wie martin suter sie immer liefert. für einen krimi fehlt es massgeblich an spannung. man ist zwar "gespannt" wie sich das ganze entwickelt, aber von "gespannt sein" bis "spannung" ist es ein grosser schritt. vielleicht sollte man das buch als einführung in eine serie lesen, die erklärt warum almen seine zukünftigen fälle, es gibt ja schon einen nachfolgeband, ermitteln wird. so wird es auch im buch selbst angedeutet. aber wer einen krimi erwartet wird eher entäuscht sein. gut unterhalten wird man trotzdem. vor allen dingen wegen seiner sehr gut und genau gezeichneten charaktere und der, fein verstreuten, prise humor. ich werde jedenfalls den nachfolgeband lesen und dann schauen ob es denn in diesem fall zum krimi "gereicht" hat.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Margareta Schwarz zu »Martin Suter: Allmen und die Libellen« 15.05.2012
Ich bin ein begeisterter Fan aller Bücher von Martin Suter - aber hier hab ich was nicht verstanden: Wie kommt Allmen wieder an die Libellen, die doch sein Faktotum Carlos im Bechstein versteckt hatte und dieser von seinem Gläubiger Dörig abgeholt wurde??
Hab ich da was übersehen oder falsch verstanden. Vielleicht kann mich jemand aufklären?
Margareta Schwarz
Evenstar zu »Martin Suter: Allmen und die Libellen« 12.08.2011
Martin Suter gehört zu meinen erklärten Lieblingsautoren, aber dieses erste Buch der neuen Reihe ist geradezu unverschämt kurz. In einem halben Tag gelesen hat man sich gerade an Allmen und seinen wunderbaren Butler angenähert, da ist alles schon wieder vorbei. Von der Handlung her eher ein bisschen wie slapstick als echte Krimispannung. Trotzdem möchte man unbedingt wissen, wie es den beiden weiter ergeht, allerdings werdebich wegen der Kürze der Bücher wohl auf die kostengünstigere Taschenbuchversion warten.

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