Tatort - Das Phantom von Martin Schüller

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Emons.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Köln, 1990 - 2009.

  • Köln: Emons, 2010. ISBN: 978-3897057470. 153 Seiten.

'Tatort - Das Phantom' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Freddy Schenk wird von der Vergangenheit eingeholt: Vor mehr als fünf Jahren brachte er Ronald Lochte wegen eines Bankraubs hinter Gitter, den dieser stets bestritt. Jetzt stellt sich heraus, dass es damals wohl wirklich den Falschen getroffen hat: Bei einem bewaffneten Raubüberfall zeigen die Überwachungskameras einen Täter, der dem inhaftierten Lochte zum Verwechseln ähnlich sieht. Doch für eine Rehabilitierung Lochtes scheint es zu spät: Er ist aus dem Gefängnis ausgebrochen und hat auf der Flucht einen Vollzugsbeamten erschossen. Schenk und Kollege Max Ballauf nehmen die Verfolgung auf – und Schenk wird selbst zum Gejagten: Lochte versucht, die für sein Schicksal Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Roman nach einem Drehbuch« 60°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Da hat der in Köln ansässige Emons-Verlag ja eine tolle Idee gehabt. Wenn schon die erfolgreiche TV-Serie »Tatort« mitunter in Köln spielt, so kann man daraus doch auch eine Romanserie machen. Daher liest der geneigte Leser auf dem Buchcover verwundert "Ein Roman von Martin Schüller nach einem Drehbuch von Norbert Ehry». Kann das funktionieren?

Bei einem bewaffneten Raubüberfall auf eine Tankstelle wird ein Kunde angeschossen. Als sich Hauptkommissar Freddy Schenk wenig später die Bilder der Überwachungskameras ansieht fällt er fast vom Stuhl. Bevor sich der Täter eine Maske überzieht ist sein Gesicht klar erkennbar. Es ist Roland Lochte, doch dies kann nicht sein, da Lochte eine mehrjährige Gefängnisstrafe absitzt. Vor über fünf Jahren wurde er ebenfalls nach einem bewaffneten Raubüberfall als Täter identifiziert und zu insgesamt neun Jahren verurteilt. Schenk kommen plötzlich große Zweifel, ob damals der wahre Täter verhaftet wurde, denn offensichtlich gibt es einen Doppelgänger.

In der Haftanstalt will Lochte von seiner Unschuld jedoch nichts mehr wissen. Obwohl er von Anfang an die Tat geleugnet hat, hat er nun ein Geständnis abgelegt, nachdem man ihm zuvor in Aussicht stellte, die noch ausstehenden drei Jahre Haft erlassen zu bekommen. Warum sich also weiter unschuldig bekennen, wenn die Freilassung zum Greifen nah ist? Doch die Untersuchungskommission lehnt den Antrag ab, da sie an seiner plötzlichen Reue zweifelt. Wenig später entschließt sich Lochte zur Flucht und schlägt dabei einen der Wärter nieder. So wird aus dem zu Unrecht Verurteilten plötzlich ein gesuchter Mörder und bald gerät Schenk selbst ins Visier des Flüchtigen …

Kommen wir zur Eingangsfrage zurück und damit zum Kernproblem des Romans. Auf nicht einmal 150 Seiten versucht Martin Schüller aus einem Drehbuch einen Roman zu machen. Was für eine «geniale» Idee? Man schaut einen Film und erzählt die Geschichte anschließend einfach nach. So simpel kann eine «Zweitverwertung» sein. Was als Film (Tatort) erfolgreich ist, läuft bestimmt auch als Buch. Ganz falsch ist das nicht, vorausgesetzt man ist ein Fan der TV-Serie. Dumm nur, wenn man die entsprechende Folge schon gesehen hat. Kennt man die Geschichte nicht, kann durchaus zugegriffen werden, wobei man hier «lediglich» eine Verfolgungsjagd geliefert bekommt. Aufgelöst oder ermittelt, wer was getan haben könnte, wird nämlich nahezu gar nichts und wie der geheimnisvolle Doppelgänger «entdeckt» wird, ist eine Beleidigung für jeden Leser.

Der vorliegende Roman kann auf den wenigen Seiten seine Charaktere kaum zu Leben erwecken, allenfalls die beiden Ermittler und Lochte werden als Menschen greifbar. Der Lokalkolorit, den man in einem «Kölner» Tatort erwarten darf, reduziert sich fast ausschließlich auf die Nennung von Straßennamen, was die Sache für einen Nicht-Kölner nicht unbedingt spannender macht. Insgesamt ist Das Phantom eine Empfehlung für all jene, die was «für zwischendurch», also beispielsweise eine dreistündige Bahnfahrt suchen. Allzu viel Tiefgang oder gar erhöhte Spannung sollte man im vorliegenden Fall nicht erwarten und bei der «Ergreifung des Flüchtigen" (Lochte) merkt man dann plötzlich wieder, dass sich dieses Buch gut als Filmvorlage eignen würde. Aber es war ja andersrum.

Jörg Kijanski, Dezember 2010

Ihre Meinung zu »Martin Schüller: Tatort - Das Phantom«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Ihr Kommentar zu Tatort - Das Phantom

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: