Engelsgleich von Martin Krist

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.
Folge 4 der Kommissar-Kalkbrenner-Serie.

  • Berlin: Ullstein, 2014. ISBN: 978-3-548-28639-6. 576 Seiten.

'Engelsgleich' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Ein verschwundenes Mädchen. Eine verzweifelte Mutter. Eine grauenhafte Entdeckung.
In Berlin wird Hauptkommissar Paul Kalkbrenner zu einem Tatort gerufen. Auf einem Fabrikgelände wurde der verstümmelte Leichnam einer jungen Frau entdeckt. Unweit davon befinden sich stinkende Kloakebecken. Fassungslos müssen Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth zusehen, wie eine Leiche nach der anderen aus den Gruben geholt wird. Ist unter ihnen auch die verschwundene Merle, die von ihrer Pflegemutter Juliane Kluge verzweifelt gesucht wird?

Das meint Krimi-Couch.de: »Rasanter Plot macht atemlos« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Ein junger Mann und seine Begleiterin wollen wieder nach Hause, und geraten durch Zufall in eine frühere Fabrikhalle in Berlin-Schulzendorf. Verbrecher sind gerade dabei, eine Zwangsprostituierte zu bestrafen. Der Mann kann mit der Unbekannten zunächst fliehen, die junge Frau wird von den Verbrechern getötet. Für Hauptkommissar Paul Kalkbrenner und seine Kollegin Sera Muth entpuppt sich dieser Mord als wirklich harter Fall, denn in Becken mit chemischer Flüssigkeit auf dem gleichen Gelände werden während der Spurensicherung 13 Kinderleichen gefunden. Ein weiterer Fall, auf den die Ermittler erst im Zuge ihrer Recherchen stoßen, betrifft die vermisste Merle, ein junges Mädchen, die schon bald nach ihrem Verschwinden nur noch von ihrer Pflegemutter Juliane Kluge gesucht wird. Und dann ist da noch Markus, der offenbar mit Unterstützung eines Kollegen in die Szene der Menschenhändler und Drogendealer beiderseits der tschechischen Grenze eindringt. Die drei Handlungsstränge werden erst im Laufe der Zeit miteinander verwoben – und im dynamischen Finale aufgelöst.

Ein Cliff-Hanger nach dem anderen

Martin Krist mutet seinen Lesern in Engelsgleich drei parallele Handlungsstränge zu. Das sorgt zunächst für reichlich Verwirrung, aber die Spannung wird dadurch von Beginn an enorm hoch gehalten. Drei Protagonisten, drei im Grunde eigene Geschichten – es gibt hier keine Ruhepausen, dieses Buch legt man eher nicht zur Seite. Der Autor legt ein enormes Tempo an den Tag. Wer als Leser die so genannten Cliff-Hanger nicht mag, sollte diesen Thriller gar nicht erst zur Hand nehmen, denn das Buch ist ein einziger Cliff-Hanger – um es mal übertrieben auszudrücken. Nahezu ständig springt Martin Krist zu einem der anderen Handlungsstränge, eigentlich immer dann, wenn es einen spannenden Moment gibt. Es gelingt ihm in meinen Augen ganz hervorragend, den Leser auf diese Weise ständig unter Strom zu setzen.

Die Verzweiflung einer Mutter

Die Suche nach Merle, der schwierigen Pflegetochter von Juliane Kluge und ihrer Lebensgefährtin Yvonne, wird schnell zur fixen Idee. Zeitweise arbeitet Juliane mit Merles leiblichem Vater zusammen, aber die Polizei stellt die Suche ein, ihre Beziehung zerbricht. Weil Juliane nicht akzeptieren will, dass Merle einfach nur abgehauen ist, was sie bei früheren Pflegefamilien häufiger getan hat, richtet sie ihr ganzes Leben auf die Suche nach ihrer Pflegetochter aus. Der Autor zeigt hier eindrucksvoll die Verzweiflung einer Mutter – und da macht es auch keinen Unterschied, dass es sich „nur" um eine Pflegetochter handelt. Paul Kalkbrenner begegnet der jungen Frau erst nach langen Recherchen in dem mysteriösen Fall um die Industrie-Brache in Schulzendorf. Die rechtsmedizinische Untersuchung macht schnell deutlich, dass es hier um besonders brutale Fälle von Kindesmissbrauch geht – die menschlichen Abgründe jagen Ermittlern und Lesern einige kalte Schauer über den Rücken.

Wildes Grenzgebiet von Deutschland und Tschechien

Die langwierigen und komplizierten Ermittlungen der Berliner Polizisten werden im Buch immer wieder von den Geschehnissen um den zunächst mysteriösen Markus abgelöst. Der Autor versucht die Rolle dieses Mannes ein wenig im Dunkeln zu halten, was jedoch nur scheinbar gelingt. Dem Leser wird schnell deutlich, was da im wilden Grenzgebiet von Deutschland und Tschechien tatsächlich abläuft. Die Verbindung der beiden – oder genauer gesagt der drei – Handlungsebenen wird erst geknüpft, als sich die verschiedenen Protagonisten endlich begegnen. Bis dahin hält Martin Krist seine Leser mit schnellen Szenenwechseln, schier unendlich vielen Cliff-Hangern und ständig unterbrochenen Dialogen in Atem. Der Autor scheint bei diesem Buch irgendwie Gefallen daran gefunden zu haben, seinen Charaktere nicht vernünftig ausreden zu lassen. Ob ich das wirklich nervig finde, vermag ich gar nicht zu sagen, aber aufgefallen ist es mir recht schnell.

Ein Thriller im besten Sinne des Wortes

Man muss bei diesem Buch angesichts der Erzählweise etwas Geduld aufbringen, oder es am Wochenende lesen, damit man kaum Unterbrechungen hat. Denn die sind angesichts der immer weiter ansteigenden Spannung nur schwer auszuhalten. Martin Krist – alias Marcel Feige – ist hier ein Thriller gelungen, der diese Bezeichnung in meinen Augen wirklich verdient. Der rasante Plot wirkt ausgezeichnet recherchiert, und mit den drei Fällen, die im dynamischen Finale verknüpft werden, hat der Autor eine Geschichte erzählt, die es in vielerlei Hinsicht in sich hat. Menschliche Dramen, gefährliche Ermittlungen, Hartnäckigkeit, Gerechtigkeitssinn, Perversion, Skrupellosigkeit – hier wird dem Leser eine breite Palette präsentiert. Das Buch ist nichts für schwache Nerven, aber wer sich von einem echten Thriller faszinieren lassen möchte, ist bei Martin Krist gut aufgehoben.

Andreas Kurth, Februar 2015

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leseratte1310 zu »Martin Krist: Engelsgleich« 13.03.2015
Eine tote junge Frau wurde verstümmelt auf einem Fabrikgelände in Berlin gefunden. Aus hier ist Paul Kalkbrenner mit seiner Kollegin Sera Muth vor Ort. Bald schon werden weitere verstümmelte Leichen aus den Becken auf dem Gelände mit Kloake geholt.
Juliane Kluge ist auf der Suche nach ihrer Pflegetochter Merle, die verschwunden ist.
Der undurchsichtige Markus will nicht nur kleine Mengen Drogen verticken, er will das große Geschäft und muss den Boss überzeugen, dass er der richtige Mann ist.
Da verschiedene Handlungsstränge nebeneinander herlaufen, bleiben die Zusammenhänge lange im Dunkeln. Immer wieder habe ich gedacht, die Lösung des Falles zu kennen, wurde aber durch neue Wendungen auch immer wieder unsicher, ob ich richtig liege.
Kalkbrenner geht wie immer sehr beharrlich vor, auch wenn es dadurch im privaten Bereich schwierig wird. Seine Probleme mit dem Kollegen Sebastian Berger sind immer noch nicht gelöst. Aber nicht nur er, sondern auch andere haben private Probleme, wie Markus, der Familie und seine Geschäfte in Einklang bringen will. Juli vergisst über der Suche nach Merle ihre Angehörigen.
Viele Problematiken werden in diesem Buch behandelt: Drogen, Prostitution, Homosexualität und wieder einmal der Sex mit Kindern – alles brisant und topaktuell. Besonders wenn es um die Kinder als Opfer geht, dann geht einem das Thema wirklich unter die Haut. Der Spannungsbogen bleibt die ganze Zeit erhalten, so dass es schwerfällt, das Buch aus der Hand zu legen. Zum Schluss bleiben einige Fragen offen, die wahrscheinlich in einem weiteren Band geklärt werden.
Ein sehr realitätsnaher und bewegender Thriller, der äußerst spannend ist.
Anja S. zu »Martin Krist: Engelsgleich« 07.03.2015
Engelsgleich war mein erster Krimi von Martin Krist, und er hat mir durchaus gut gefallen, wenngleich die verschiedenen Handlungsstränge Konzentration erfordern. Nur Teiles des Endes fand ich zu unrealistisch. Es ist schwierig, genauer zu beschreiben, was ich unrealisitsch fand ohne die Auflösung zu verraten, ich sage daher nur, dass Merles und Julis Schicksal nicht so konsequent entwickelt wurden wie der Rest der Figuren. aber ich werder mir natürlich noch weitere Bücher von Herrn Krist besorgen.
c-bird zu »Martin Krist: Engelsgleich« 25.02.2015
Martin Krist bleibt seiner Linie treu
Es ist immer wieder faszinierend, wie Martin Krist es schafft Handlungsstränge, die scheinbar nicht das Geringste miteinander gemein haben, zu verflechten und das Ganze dann zu einer genial konstruierten Handlung zusammenzufügen. In dieser Disziplin ist er einer der Besten in Deutschland.

Es beginnt mit dem Verschwinden Merles. Die Jugendliche, die bei ihren Pflegeeltern lebt war auf dem Weg zu ihrer Freundin, kam dort aber nie an.

Kommissar Paul Kalkbrenner macht währenddessen eine grauenhafte Entdeckung. Auf einem stillgelegten Fabrikgelände wird die Leiche einer jungen Frau gefunden, auf grausame Weise verstümmelt. Auf dem Gelände befinden sich dunkle, stinkende Kloakebecken. Als die Polizei diese näher untersucht, werden zu Kalkbrenners Entsetzen weitere Leichen geborgen. Elf Kinder, acht Jungen und drei Mädchen, allesamt vor ihrem Tode auf schlimme Weise gefoltert. Ist dies die Tat eines Serienkillers?

Und dann gibt es noch Markus. Er träumt von seinem ganz großen Durchbruch. Doch momentan ist er nur der kleine Drogenkurier.
Das Buch ist unglaublich spannend geschrieben. Die liegt nicht nur an dem permanenten Wechsel zwischen den Erzählsträngen, sondern auch an den vielen guten Dialogen. Dadurch wirkt die Geschichte viel lebendiger. Dass die Erzählstränge auf verschiedenen Zeitebenen spielen, merkt man als Leser erst spät. Trotz seiner fast 600 Seiten ist das Buch durchweg spannend und hat einige Wendungen parat. Wie schon in Drecksspiel werden auch hier wieder die dunklen Seiten Berlins zu Tage befördet. Stellenweise ist das Buch nichts für Zartbesaitete.

Witzig fand ich auch die Namensgleichheit zu den Berliner Brüdern Kalkbrenner aus der Musikszene. Kommissar Paul Kalkbrenners Vater heißt nämlich ganz zufällig Fritz, ist aber bereits verstorben.

Rasanter Erzählstil, Spannung von Anfang bis Ende. Meine absolute Empfehlung für jeden Thrillerfan. Und die Vorgängerbände mit Paul Kalkbrenner muss ich mir unbedingt noch besorgen.
Baerbel82 zu »Martin Krist: Engelsgleich« 24.02.2015
Cool, krass, Krist

„Engelsgleich“ ist bereits der vierte Fall für den Berliner Kriminalhauptkommissar Paul Kalkbrenner und zugleich das Prequel zu „Drecksspiel“. Der neue Thriller von Martin Krist ist nicht mein erster Krist, aber der härteste und beste bisher. Doch worum geht es?
Hauptschauplatz ist Berlin. „Engelsgleich“ startet mit einem krassen Prolog. Anschließend gilt es, gleich drei spannende Handlungsstränge zu verfolgen:
Juli liebt Yvonne und ihre Pflegekinder Toby, Elsa und Merle. Eines Tages ist Merle verschwunden und Juli begibt sich auf eine gefährliche Suche.
In einem anderen Handlungsstrang treffen wir erneut auf Markus, den Mann aus dem Prolog. Er dealt mit Drogen und will nach „oben“. Unterstützt wird er von seinen Freunden Horst und Richard.
Last but not least lernen wir Paul Kalkbrenner kennen. Er untersucht gerade den mutmaßlichen Selbstmord von Patrik Cerny, als er zu einem weiteren Tatort gerufen wird. Eine junge Frau wurde auf einem verlassenen Fabrikgelände tot aufgefunden. Nach und nach werden weitere Leichen geborgen. Es handelt sich um Kinder und alle wurden vor ihrem Tod brutal misshandelt und gefoltert.
Was haben all diese Handlungsstränge miteinander zu tun?
Gekonnt springt Martin Krist durch Zeit und Raum. Viele Ortswechsel und schnelle Schnitte, sorgen für Dynamik. Es geht um Prostitution und Drogen, Menschenhandel und Gewalt. Organisierte Kriminalität in ihrer schlimmsten Form. Ein äußerst erschreckendes, doch realistisches Szenario, das sich der Autor ausgedacht hat, gut recherchiert und packend in Szene gesetzt. Auch wenn der Leser der Polizei immer einen Schritt voraus ist, wird dennoch Spannung aufgebaut. Die Suche nach Merle wird in der Ich-Perspektive aus Sicht von Juli erzählt. Das schafft Nähe.
Die Figurenzeichnung ist - wie immer - ausgezeichnet gelungen. Neben Kalkbrenner sind zwei weitere Charaktere besonders hervorzuheben: Juli und Markus. Mit Juli bin ich nicht wirklich warm geworden: mit ihr konnte ich mich nicht identifizieren, ihr Handeln oft nicht nachvollziehen. Aber Markus war mir sofort sympathisch: stets ein cooler Spruch auf und eine Kippe an den Lippen. Gefreut habe ich mich über ein Wiedersehen mit Kriminalkommissarin Sera Muth aus „Kalte Haut“. Schön, dass es auch wieder einen „Soundtrack“ zum Roman gibt.
Martin Krist ist ein Pseudonym des Schriftstellers Marcel Feige, der seine Krimis und Thriller inzwischen ausnahmslos als Martin Krist veröffentlicht. Auch die ersten drei Fälle aus der Kommissar Kalkbrenner-Reihe.
Dass der Autor im Finale nochmal richtig Gas gibt, steigert das Lesevergnügen. Denn einige Überraschungen gegen Ende des Thrillers hält Martin Krist für seine Leser noch bereit. Ein Buch mit Herzblut. Ein Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann.

Fazit: Ein knallharter Thriller mit einem intensiven Spannungsbogen und einem überraschenden Ende. Ein echtes Highlight!
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