Die Mädchenwiese von Martin Krist

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Spreewald, 2010 - heute.

  • Berlin: Ullstein, 2012. ISBN: 978-3-548-28353-1. 416 Seiten.

'Die Mädchenwiese' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Die alte Frau sieht alles kommen. Sie findet die toten Mädchen. Sie kennt ihren Mörder. Aber sie wird schweigen. Der kleine Junge bangt um seine verschwundene Schwester, denn er hat etwas gesehen. Er will reden, doch niemand hört ihm zu. Seit Alex Lindner vor Jahren seinen Dienst als Kommissar quittiert hat, lebt er zurückgezogen in der Provinz. Als er das grausam ermordete Mädchen sieht, weiß er: Der Mann, den er damals vergeblich jagte, ist zurück. Diesmal muss er ihn fangen, denn der Blutzoll wird steigen.

Das meint Krimi-Couch.de: »And I kissed her goodbye, said, «All beauty must die»" 83°

Krimi-Rezension von Jochen König

Neuer Verlag, neuer Name, neues Thema. Obwohl Marcel Feiges (alias Martin Krist) Serienfigur Paul Kalkbrenner einen Cameo-Auftritt bekommt, greift er nicht einmal ansatzweise in die laufende Handlung ein.

Die eine der Hauptfiguren, den ehemaligen Kommissar und jetzigen Dorfwirt in Finkenwerda, Alex Lindner in die Bredouille gebracht hat. Denn sein Interesse am Fall der verschwundenen Lisa Theis stößt auf wenig Gegenliebe. Anstatt sich die Kenntnisse des Ex-Polizisten zu Nutzen zu machen, setzt der ermittelnde Beamte Frank Theis, Lisas Onkel, Lindner lieber auf die Liste der Verdächtigen. Dabei wollte Alex doch nur helfen, denn die Begleitumstände von Lisas Verschwinden, erinnern ihn an jenen Fall, der ihn seine Karriere kostete und beinahe als Alkoholiker versacken ließ. Doch Theis möchte nichts hören von der Rückkehr der «Bestie», die wenige Jahre zuvor Teenager entführte, folterte, vergewaltigte und tötete.

Doch der Leser weiß es besser. Begleitet Kirst doch die Sechzehnjährige in ihr Verlies, in dem sie erwacht, nachdem ein schönes, verlogenes Versprechen sie nach Berlin führte, an der Seite eines Mannes, der versprach, sie aus den beengten Verhältnissen Finkenwerdas und aus der wenig geliebten Gegenwart der überforderten und nach einer unerfreulichen Trennung alleinerziehenden Mutter Laura zu befreien. In betörenden Worten ist der Mann, der sich Berthold nennt, geübt. Ist Lisa doch nicht sein erstes Opfer. Und sie soll auch nicht das letzte und einzige sein wie sie bald von ihrer Mitgefangenen Silke erfahren wird.

Daheim sorgt sich derweil der kleine Bruder Sam, den jeder für einen Weichling hält. Er versucht Hinweise zu geben, ohne ein gegebenes Versprechen zu brechen, doch wie so oft hört ihm niemand zu. Als wächst er über sich hinaus, besiegt seine Angst und wird selbst dann kaum wahrgenommen. Bis es fast zu spät ist.

Auf den ersten Blick ist Die Mädchenwiese ein weiterer Serienkiller-Thriller, in dem es um einen sadistischen Mörder mit perfidem Plan geht, der seine üblen Gelüste mit Wonne ausführt, bedingt durch andauernde Traumatisierung in seiner Kindheit, und der verzweifelt einen Verbündeten sucht, den er in Alex Lindner glaubt gefunden zu haben. Was er auf seltsame Art zeigt. Nothing to write home about könnte man sagen, wenn nicht bereits zu Beginn Erzählperspektiven und Brüche zeigen würden, dass es um etwas anderes geht.

Denn parallel zu den gegenwärtigen Geschehnissen entrollt Krist die Biographie der «bösen Hexe" Berta Kutscher, die anscheinend untrennbar in die Mordserie verwickelt ist. Beginnend in den 50ern entwickelt sich die Geschichte eines, nach kurzer glücklicher Kinderzeit, missbrauchten Mädchens, das zum Wohl der, nach dem Tod des Vaters, psychisch und physisch angeschlagenen Mutter schweigt, als ihr Onkel sie fast täglich vergewaltigt, die weiter schweigt als sie nahezu bruchlos in eine Ehehölle gerät. Und wenn Die Mädchenwiese eins belegt, dann dass aus Schweigen Monster geboren werden und sich nahezu unbehelligt entwickeln können. Nebenbei entwirft Krist das Panorama eines kleinbürgerlichen Lebens in einem verschlafenen Dorf in der ehemaligen DDR. In dem sich das Grauen ausmehrt, vergraben wird, und letztlich mit Wucht nach der Maueröffnung wieder an die Oberfläche drängt. Im Verbrechen sind sich zwei Staaten mit ganz unterschiedlichen politischen Systemen sehr ähnlich.

Die Mädchenwiese ist weit mehr ein Roman über das Versagen von Kommunikation, ihren Zusammenbruch oder die alltägliche Abwesenheit als ein standardisierter Thriller. Verständnislose Unachtsamkeit führt zu Schweigen, und Schweigen wird zur Schwäche, an der sich skrupellose Geister aufrichten und mit Schrecken regieren können.

Krist geht sparsam mit expliziten, graphischen Gewaltdarstellungen um, die gerade deshalb mit betäubender Wucht über den Leser hereinbrechen. Sie verstärken die beklemmende Atmosphäre vieler Passagen, in denen sich die Protagonisten ihre eigene Hilflosigkeit eingestehen. Hölle, das sind die anderen, schrieb Jean Paul Sartre, doch der Weg in diese Hölle führt über das eigene Selbst.

Fast zwangsläufig schwächelt der Roman in der Offenbarung des Täters. Zwar wirkt sein Verhalten plausibel und im Kontext des Textes konsequent, doch werden ähnlich viele Fragen aufgeworfen wie beantwortet. Hauptproblem: Lässt sich eine Fassade tatsächlich bruchlos über mehrere Jahrzehnte aufrechterhalten, selbst wenn in nächster Nähe fieberhaft ermittelt wird? Die Auflösung ist immerhin so intelligent in Szene gesetzt, dass die offenen Fragen kein nagendes Gefühl hinterlassen.

Dafür gelingt Martin Krist auch ein kleines Kunststück: Mit Sam, dem jüngeren Bruder Lisas, erschafft er eine glaubwürdige Kinderfigur, voller Ängste und der Sehnsucht danach, diese zu überwinden. Kein frecher Naseweis, kein altkluger Besserwisser wie er so viele Bücher und Filme vergällt, sondern ein Underachiever, den seine Umwelt, bis hin zur eigenen Mutter, als Loser wahrnimmt, doch dessen helles Köpfchen so lange auf abenteuerliche Reisen geht bis der Körper folgt. Krist schildert den Jungen unprätentiös, mit Ernst und Interesse, und vermeidet so, dass er zum nervigen Nebenkriegsschauplatz wird. Gut, Sam haut das ein oder andere Mal zu viel ab, ohne dass es jemand bemerkt, und ein, zwei Aktionen/Gedankengänge sind fast schon zu durchdacht für einen angsterfüllten Grundschüler. Doch Sam ist ein stimmiger Charakter, der trotz seiner Phobien in der Lage ist, den Leser an die Hand zu nehmen und zur Mädchenwiese zu führen. Eine schwere Mission, gekonnt durchgeführt.

Jochen König, September 2012

Ihre Meinung zu »Martin Krist: Die Mädchenwiese«

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kianan zu »Martin Krist: Die Mädchenwiese« 01.10.2013
Insgesamt zwar keine neue Geschichte, aber toll und spannend geschrieben und nicht leicht zu durchschauen. Die Beziehungsgeflechte von Lauras Familie (Sohn Sam, Tochter Lisa, getrennter Mann Rob, Schwager und Schwägerin Renate, Alex der Kneipenbesitzer mit seinen Freunden Paul Norman und Ben, die schrullige Frau Kirchberger und die des Dorfes) sehr gut und spannend beschrieben bzw. aufgebaut. Ich wollter das Buch nicht zur Seite legen. Sehr gelungenes Buch! Aus meiner Sicht nur zu empfehlen!!!
kuba1971 zu »Martin Krist: Die Mädchenwiese« 15.05.2013
Ich bin begeistert. Das Buch ist wirklich hervorragend. Grauenvolle Mädchenmorde im Spreewald, eine geheimnisvolle und alte Frau, die offensichtlich etwas weiß aber nicht spricht. Die Story ist düster und beklemmend. Allein die schlimme Lebensgeschichte der Berta hat mich unglaublich gefesselt. Die Auflösung ist nicht der Superknüller und teilweise etwas vorhersehbar, aber das spielt auch keine Rolle, denn was mich hier beeindruckt hat, ist der extrem filigrane Schreibstil des Autors. Unterschiedliche Handlungsstränge verlaufen parallel und werden am Ende schlüssig miteinander verknüpft. Immer wieder wechselt der Schreiber die Perspektive und sorgt dadurch für eine gewisse Dynamik, die den gesamten Roman durchzieht. Mein Fazit: Unter den Thrillern eins der besten Bücher, die ich bisher verschlungen habe. Übrigens: Wer "Die Mädchenwiese" gelesen hat, wird so schnell keinen Wald mehr betreten.

kuba1971
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frostkoeddel zu »Martin Krist: Die Mädchenwiese« 06.05.2013
Beginnt der Thriller (und diesen darf man getrost wirklich so nennen) recht harmlos, wird es in späteren Passagen doch recht fies. Ich würde sagen, nichts für schwache Nerven.
Ich habe das Buch verschlungen, benötigte 7 Std. Musste es überall mit hin nehmen, Küche, Bad, Arzttermin. Denn wie schon Kerstin Thieme gesagt hat, ist es durch den Erzählstil des Autors nicht möglich, das Buch aus der Hand zu legen. Besonders an meinen Nerven gezerrt hat die Geschichte der Berta, die in der Ich-Form scheinbar direkt mit dem Leser spricht-denkt man.
Am Ende wurde ich dann doch überrascht.
Alles in Allem ein sehr gelungenes Buch, wenn auch ein bedrückendes Thema (Mädchenmorde), für mich eins der besten Bücher, die ich gelesen habe, es gibt 90°
Kerstin Thieme zu »Martin Krist: Die Mädchenwiese« 16.02.2013
Nur dadurch lebt der Mensch ...

Im idyllischen Finkenwerda im Spreewald schleicht eine verrückt vor sich hinbrabbelnde Alte in den Wald und findet eine Mädchenleiche. Sie weiß genau, wer dafür verantwortlich ist und versucht die Tat zu verbergen, indem sie den geschändeten Körper versteckt. Lisa, ein 16-jähriges Mädchen, ist genervt von der Einöde und schleicht sich aus dem Haus, um das Wochenende mit ihrem neuen Freund zu verbringen. Sie kehrt nicht zurück.

Alex Lindner beging als Kommissar einen schwerwiegenden Fehler auf der Jagd nach der „Bestie“, verfiel dem Alkohol und wurde suspendiert. Inzwischen hat er die Kneipe seiner Eltern in Finkenwerda übernommen. Er ist es, der als erstes einen Zusammenhang herstellt, als mehrere junge Mädchen vermisst werden. Offenbar ist die Bestie zurück und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Die Wahrheit ist jedoch schrecklicher, als er sie sich hätte vorstellen können.

Meine Meinung:

Bei einem neuen Verlag mit neuem Namen startet ein bekannter in Berlin lebender Schriftsteller mit dem Thriller „Die Mädchenwiese“ durch. Er hat erst kürzlich eine interessante Biografie über die Lebensgeschichte von Kurt Cobain veröffentlicht und so kommt seine Vorliebe für Nirwana auch in diesem Buch zum Tragen.

Der Roman verspricht auf seiner Rückseite Hochspannung bis zur letzten Seite und das kann man durchaus wörtlich nehmen. Für mich persönlich ist „Die Mädchenwiese“ einer der besten Thriller, die ich in diesem Jahr gelesen habe, und das waren nicht wenige.

Aufgrund des Aufbaus ist es fast unmöglich, das Buch zwischendurch wegzulegen, will man doch bei jedem Handlungsstrang, der nicht selten mit einem Cliffhanger endet, unbedingt wissen, wie es weiter geht. An den Wechsel der Handlungsebene zwischen relativ kurzen Abschnitten gewöhnt man sich schnell, jedoch wäre eine etwas deutlichere Kennzeichnung (Sternchen dazwischen oder ähnliches) günstig gewesen, zumal oftmals auch ein Seitenwechsel vorliegt und hier die Unterscheidung nicht einfach ist.

Die Kapitel erzählen abwechselnd das aktuelle Geschehen sowie die Lebensgeschichte der Berta Kutscher. Letztere ist nicht minder spannend und schockiert durch ihre Brutalität. Ein wenig irritiert war ich davon, dass Berta stets als gebrechliche Greisin dargestellt wird, obwohl sie in Bezug auf die Chronologie der Geschichte gerade mal in den 50-igern sein dürfte.

Insgesamt fließt das Blut nicht gerade in Strömen im Roman, jedoch sind einige Szenen der Gewalt und Folterung so plastisch beschrieben, dass dem Leser der Atem stockt. Zu empfindlich sollte man hier also nicht sein. Dennoch gehören sie einfach dazu und wirken nicht extra plakativ hervorgehoben.

Das Finale treibt den Puls gehörig nach oben, vorher gelegte falsche Spuren machen die Identität des Täters zu einer Überraschung und es wird mal wieder deutlich, dass viel Leid verhindert werden könnte, wenn man sich einfach mal die Zeit nehmen würde, jemandem richtig zuzuhören. Für mich war „Die Mädchenwiese“ ein Pageturner im besten Wortsinne, den ich jedem Thrillerliebhaber nur wärmstens empfehlen kann.
rwe25 zu »Martin Krist: Die Mädchenwiese« 01.09.2012
Lisa, eine etwas aufmüpfige 16-Jährige, verschwindet an einem Wochenende spurlos. Erst sieht es so aus, als wäre sie einfach von Zuhause abgehauen, doch sowohl ihr kleiner Bruder Sam als auch ihre Mutter Laura glauben nicht daran. Auch der neue Kneipeninhaber der "Elster", Alex Lindner, vermutet ein Verbrechen, denn Lisas Verschwinden erinnert ihn stark an einen drei Jahre zurückliegenden Fall, als er noch Kriminalkommissar in Berlin war. Damals schaffte er es nicht, die "Bestie", wie der Serienmörder von den Medien genannt wurde, zu schnappen. Stattdessen flüchtete er in die Provinz und in den Alkohol. Damals verschwanden junge, dunkelhaarige, hübsche Mädchen, so wie Lisa, spurlos. Einige Tage später fand man ihre grausam zugerichteten Leichen. Nun scheint die "Bestie" zurück. Doch sowohl Alex als auch Lisas kleinem Bruder Sam, der durchaus wichtige Beobachtungen machen konnte, scheint niemand Glauben zu schenken.

Parallel begleitet die Geschichte die alte Berta, im Dorf als Hexe und wundersame Eigenbrötlerin abgestempelt. Wie es scheint, steht sie in einer bislang unerklärlichen Verbindung mit den Verbrechen. Sie weiß von den toten Mädchen im Wald, sagt aber nichts und kann es wohl auch nicht verhindern, und vergräbt stattdessen die Leichen. Nur nach und nach entwirren sich beide Handlungsstränge und steuern auf ein spannendes Finale hin.

„Die Mädchenwiese“ ist schon vom Titel her ein eher ungewöhnlicher Thriller. Die scheinbare Idylle, auch verstärkt durch das Cover, trügt – man ahnt schon, dass etwas Schreckliches passiert sein muss. Die Geschichte beginnt äußerst spannend und kann den Spannungsbogen gut durch das gesamte Buch halten. Als Leser erfährt man immer nur so viel, dass das Interesse an der weiteren Handlung aufrechterhalten wird und man unbedingt weiterlesen will. Auch die Hoffnung, Lisa noch lebend zu finden, bleibt bestehen, denn die Geschichte wird teilweise auch aus ihrer Sicht geschildert. Dass nicht jeder gehört wird, der vermeintlich wichtige Informationen zur Lösung des Falles beitragen kann, scheint ein weit verbreitetes Phänomen unserer Zeit zu sein. Nicht nur in Filmen ("Tatort" u.Ä.) kann man das in letzter Zeit vermehrt beobachten, auch in Büchern kommt das immer häufiger vor. Mich macht das teilweise sehr wütend, wenn ich sehe, wie Leute nicht miteinander reden können oder sich nicht richtig zuhören. So ergeht es auch Lisas kleinem Bruder Sam, dem nicht viel zugetraut und der als Weichei gehänselt wird und den man einfach nicht ausreden lässt, der sich jedoch auch nicht durchzusetzen weiß. Auch Alex, dem ehemaligen Kommissar, hört man nicht zu, sondern verdächtigt ihn zwischenzeitlich sogar als Täter, weil der Polizei sein Interesse an dem Fall zu auffällig und dadurch verdächtigt erscheint.

Dieser Thriller ist als Erstlingswerk von Martin Krist sehr lesenswert und kann durchaus mit US-amerikanischen und skandinavischen Thrillern mithalten. Mir hat die Geschichte (vielleicht bis auf die Auflösung bzw. die Verbindung von Alex zum Täter und den Taten) sehr gut gefallen, und ich bin jetzt schon auf weitere Bücher von Martin Krist gespannt. Vielleicht gibt es sogar einen weiteren Fall für Alex Lindner, der mir sehr sympathisch war.
Moehrchen zu »Martin Krist: Die Mädchenwiese« 21.08.2012
Ich komme wieder...

Finkenwerda im Spreewald - die 16jährige Lisa verschwindet nach einem vermeintlichen Wochenendbesuch bei ihrer Freundin. Schnell wird klar, dass sie nie bei dieser Freundin war. Sam, der kleine Bruder von Lisa, weiß mehr. Er hat einiges gesehen aber niemand will ihm zuhören. Der ehemalige Kommissar Alex Lindner und jetzige Kneipenwirt in Finkenwerda fühlt sich an einen alten Fall erinnert, an dem er damals zerbrochen ist, und macht sich wieder auf die Suche nach dem Täter...

Das Buch besitzt zwei Haupthandlungsstränge. Die Handlung springt jedes Kapitel hin und her. Im einem erzählt eine Ich-Erzählerin ihre Lebensgeschichte, im anderen wird erzählt, wie das Verschwinden von Lisa entdeckt wird und was darauf alles passiert. Schnell hatte ich einen Verdacht, wie die beiden Handlungsstränge zusammen hängen könnten, erhielt dann aber erst am Ende Klarheit.

Die Lebensgeschichte verlangt einem einiges ab. Sie ist ziemlich bedrückend und manchmal mag man fast nicht weiter lesen, weil man einfach nicht wissen möchte, was die Ich-Erzählerin noch so alles erleiden musste. Da kommen einem die Kapitel, die in der Gegenwart spielen, schon fast als Erholung vor. Mir persönlich hat die Lebensgeschichte zu viel Raum eingenommen auf Kosten der sonstigen Handlung, die dadurch etwas in den Hintergrund rückt. Viele handelnde Personen bleiben eher blass und sind dadurch eher nur Randfiguren, da hätte man viel mehr herausholen können. Schade eigentlich, denn so wird einfach eine Geschichte erzählt ohne auf die Personen einzugehen.

Ich hätte mir gewünscht mehr über die Ermittlungen zu erfahren, denn eigentlich bekommt man gar nichts mit, außer dass Lisas Onkel - der Polizist ist - die Suche anleiert, aber ab da scheinen andere die Arbeit der Polizei besser zu machen. Dafür kann man viel über die Ängste von Lisas Mutter lesen und wie ihr Bruder sich auf die Suche nach ihr macht, denn Lisa hat ihm ja versprochen, dass sie wieder kommt.

Ich muss zugeben, dass ich bis zum Schluss keinen Verdacht hatte, wer der Täter sein könnte. Der Autor konnte mich mit dem Täter überraschen. Die Auflösung war durchaus nachvollziehbar aber leider nicht besonders ausführlich. Bitte nicht falsch verstehen, man erfährt alles aber irgendwie hat mich der Schluss einfach unbefriedigt zurück gelassen. Es scheint so, als ob der Autor schnell fertig werden musste und deshalb hat er die Auflösung relativ kurz gehalten.

Kein - wie ich finde - locker, leichter Krimi aber dafür spannend auch durch die beiden Haupthandlungsstränge, die einem einfach neugierig machen, wie das ganze denn nun ausgehen wird. Abzug gibt es für die Unausgewogenheit der Handlungsstränge.
Derek-raymond zu »Martin Krist: Die Mädchenwiese« 19.08.2012
Ein Roman von Hundert aus diesem Untergenre...
Hübsche, junge Mädchen verschwinden, Folterszenen, sogenannte Hochspannung usw...
Mittelmässige Qualität in der Art von Sebastian Fitzek, Veit Etzold und Andreas Franz.
Ullstein setzt viel Geld für dieses Buch ein. Das billigste Ebook forever, Pseudonymfaktor in puncto Marcel Feige... Belanglos...
nina2401 zu »Martin Krist: Die Mädchenwiese« 19.08.2012
Die scheinbare Idylle in dem kleinen Spreewalddorf Finkenwerda findet ein jähes Ende, als die 16-jährige Lisa plötzlich verschwindet. Aus dem Wochenendtrip nach Berlin wird ein Trip durch die Hölle. Bewahrheitet sich der Verdacht von Ex-Kommissar Alex Lindner? Ist die Bestie zurück?

Der Aufkleber auf dem Cover verspricht Gänsehaut auch bei 35 Grad und dem kann ich nicht widersprechen. Schon der Prolog lässt mich frösteln und das liegt nicht nur an den gruseligen Szenen im Wald. Anfangs nimmt der Autor mich an die Hand und führt mich langsam in die Geschichte ein. Ich lerne die einzelnen Figuren kennen, die sehr authentisch dargestellt werden. Ein bisschen „Dorfidylle“, ein bisschen alltägliches Geplänkel … und die ganze Zeit hatte ich das Gefühl, das ist nur die Ruhe vor dem Sturm …

Nicht nur die Mutter von Lisa wird sehr glaubhaft gezeichnet. Ich kann als Leser ihre Ängste so gut nachempfinden und das lässt mich manchmal mehr schaudern als elkige Trash-Szenen, auf die Martin Krist erfreulicherweise verzichtet hat. Auch ihr irrationales Verhalten hat genau den Punkt getroffen. Ich fand alle Charaktere sehr glaubhaft, den etwas sonderbaren kleinen Sam, den Ex-Kommissar Alex Lindner und seine Kumpel, um nur einige zu nennen.

Lebendige Dialoge wechseln sich ab mit geheimnisvollen Passagen. Ein Strang spielt in der Vergangenheit und spült immer weiter die Wahrheit an die Oberfläche. Die Übergänge sind teilweise so exzellent wie ich sie seit dem Film „Highlander“ liebe. Auch überschneiden sich Handlungsstränge bzw. Perspektiven. Dieses Stilmittel kannte ich bisher nur aus Filmen und finde es genial. Falsche Fährten, brillant aufgebaute kurze Kapitel und sehr viele Cliffhanger haben mich immer weiter durch das Buch gejagt. Zum Ende hin war der Nervenkitzel kaum noch auszuhalten.

Und dann dieses Lied aus der Dreigroschenoper … „Nur dadurch lebt der Mensch, dass er so gründlich vergessen kann, dass er ein Mensch doch ist“ … zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und hat daher eine sehr besondere gruselige Hauptrolle bekommen.

Martin Krist hat mich mit der atemberaubenden und intelligent aufgebauten Story überzeugt und mich mit seinem brillanten Schreibstil extrem gefesselt. Dieses Buch hat gute Chancen, mein Thrillerhighlight in diesem Jahr zu werden.
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