Atlas - Alles auf Anfang von Martin Calsow

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Grafit.
Folge 1 der Andreas-Atlas-Serie.

  • Dortmund: Grafit, 2015. ISBN: 978-3-89425-460-5. 256 Seiten.

'Atlas - Alles auf Anfang' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Als seine Tarnung auffliegt, muss sich Undercover-Ermittler Andreas Atlas Hals über Kopf vor den Killerkommandos eines mexikanischen Drogenkartells in Sicherheit bringen. Am geeignetsten erscheint ihm dafür ausgerechnet seine alte Heimat im Teutoburger Wald, wo ihn alle für einen gescheiterten Animateur und Barbesitzer halten und er nicht gerade mit offenen Armen empfangen wird. Atlas hat insgeheim vor, sich mit einem unterschlagenen Millionenvermögen nach Südamerika abzusetzen und dort ein neues Leben anzufangen. Doch dann holt ihn seine Vergangenheit ein: Gesa, die Schwester einer Freundin, verschwand vor vielen Jahren spurlos, die Sache wurde nie geklärt. Als Atlas glaubt, Beweise für einen Mord gefunden zu haben, geraten seine Zukunftspläne ins Wanken. Viel Zeit, sich zu entscheiden, hat er nicht – denn die Mexikaner sind ihm bereits auf den Fersen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Dramatischer Showdown bei der Telgter Wallfahrt« 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Andreas Atlas kehrt nach 26 Jahren in seine Heimat am Teutoburger Wald zurück. Er hat es bis zum verdeckten Ermittler beim Bundeskriminalamt gebracht, aber jetzt muss er abtauchen, damit ihn die Killer der mexikanischen Drogen-Kartelle nicht finden. Kollegen vom BKA helfen ihm dabei, doch Atlas spielt sein eigenes Spiel. Er hat 64 Millionen Euro an Drogengeldern unterschlagen – und will sich damit über die Niederlande absetzen. Weder die Mexikaner, noch das BKA sollen ihn jemals wieder aufspüren können. Seinen Arbeitgeber will er durch seine Rückkehr ins Osnabrücker Land täuschen und in Sicherheit wiegen.

Seine Familie ist wenig begeistert von der Rückkehr des 43-Jährigen, alte Freunde geben sich da schon offener. Als Atlas merkt, dass er immer noch Gefühle für seine Schulfreundin Grete hat, fangen jedoch die Probleme an. Der Heimkehrer ist auch noch der einzige in Gretes Freundeskreis und Familie, der mit ihrem hochgradig autistischen Sohn Lars einigermaßen zurecht kommt. Der Undercover-Bulle wird von seiner Vergangenheit eingeholt, denn ihn packen auch alte Schuldgefühle. Seine Schulkameradin Gesa ist damals spurlos verschwunden, ihr Schicksal wurde nie geklärt. Andreas Atlas beginnt mit den schwierigen Ermittlungen – und wird zu allem Überfluss noch in kriminelle Machenschaften hineingezogen.

Biographische Gemeinsamkeiten mit den Protagonisten

Nach dem grummeligen und höchst eigenwilligen bayerischen LKA-Beamten Max Quercher hat Martin Calsow nun also in einer neuen Reihe einen weiteren Protagonisten ins Rennen geschickt. Im Hinblick auf den jeweiligen Wohnort teilt der Autor mit beiden Figuren biographische Gemeinsamkeiten. Während Quercher in der bayerischen Wahlheimat von Calsow rund um den Tegernsee ermittelt, kehrt der Autor mit Andreas Atlas an den Rand des Teutoburger Waldes zurück, wo er aufgewachsen ist. »Atlas – Alles auf Anfang« ist ein guter Start in die neue Reihe, denn hier werden nicht nur interessante Figuren vorgestellt, sondern der Plot ist auch überzeugend.

Im Prolog schildert Calsow die Vorgänge um das Verschwinden von Gesa, der Schulkameradin von Andreas Atlas.

Der Leser weiss daher von Beginn an, dass das Mädchen getötet wurde -es läuft also auf eine Mordermittlung hinaus. In der Gegenwart kommt der Undercover-Bulle in seiner alten Heimat an, und Calsow schildert überaus authentisch den provinziellen Mief im Teutoburger Wald. In einigen Rückblenden erhält der Leser zudem weitere Einblicke in die schon lange zurückliegenden Ereignisse.

Intensive Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit

Martin Calsow ist Journalist, und auch aus seinen Büchern der Quercher-Reihe ist bekannt, dass er gut und flüssig Geschichten erzählen kann. Da stört aus auch nicht, dass er zu altbekannten Floskeln greift. »Als Adler gestartet und als Suppenhuhn geendet« ist nicht besonders originell, kommt aber immer wieder gut rüber – wenn es passt. Die Geschichte dreht sich in weiten Teilen um eine Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit, und das wird von Calsow authentisch herausgearbeitet.

Andreas Atlas ist ein völlig anderer Protagonist als Max Quercher. Der knorrige Bayer hat mit dem Westfalen kaum Gemeinsamkeiten. Atlas ist durchtrieben und doch eine ziemlich ehrliche Haut. Regeln ignoriert er gerne mal, oder legt sie zu seinen Gunsten aus. Man würde gerne mehr über seine Vergangenheit als verdeckter BK-Ermittler erfahren, aber das ist wahrscheinlich den weiteren Bänden der Reihe vorbehalten.

Ein kleines, aber feines Tableau an Nebenfiguren

Martin Calsow hat ein kleines, aber feines Tableau an Nebenfiguren aufgestellt. Lars, der autistische Sohn von Grete, sorgt für einige witzige Dialoge, und für überraschende Momente, die Atlas den Schweiß auf die Stirn treiben. Grete selbst ist eine bodenständige Frau, aufrecht in ihren Ansichten und Charakterzügen. Sie kämpft um den Erhalt ihrer kleinen Welt, und ihre Gefühle für Andreas Atlas bringen viel Realismus in die Handlung. Die alten Freunde, aber auch die Feinde von Atlas sorgen für zusätzliche Dynamik, die schwer auf einigen Schultern lastende Vergangenheit wird mit der Gegenwart verwoben. Und dann ist da noch ein merkwürdiges Geschwisterpaar, das für bemerkenswerte Überraschungen sorgt.

Der Autor hat einige Wendungen in die Geschichte eingebaut, die den Spannungsbogen hoch halten. Der Druck auf Atlas nimmt durch verschiedene Ereignisse und Faktoren immer mehr zu. Der erfahren Bundespolizist muss ständig improvisieren, zeigt aber auch, dass er ein guter Kriminalist ist.

Ein ebenso überraschendes wie dramatisches Finale

Zuweilen macht der Autor leichte Sprünge in der Handlung, aber die starke Figur Andreas Atlas und der insgesamt gute Plot gleichen das weitgehend aus. Im letzten Drittel gibt Calsow mit seiner Geschichte nochmals richtig Gas, das Finale ist ebenso überraschend wie dramatisch. Bis kurz vor der Enthüllung der Lösung habe ich jedenfalls mit gerätselt, und allenfalls den Hauch einer Vermutung gehabt.

Der Fall wird mit dem Showdown bei der Telgter Wallfahrt gelöst, aber Andreas Atlas bleibt mit einigen Problemen zurück. Und die dürften demnächst noch größer werden, das wird im Epilog deutlich. Der zweite Band ist bereits auf dem Markt – es kann also mit dem Undercover-Bullen munter weiter gehen.

Andreas Kurth, Februar 2017

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Moritz zu »Martin Calsow: Atlas - Alles auf Anfang« 20.02.2017
Na, das ist ja mal eine top-aktuelle Rezension! Das Buch ist vor anderthalb Jahren rausgekommen, inzwischen ist bereits ein zweiter Atlas-Krimi erschienen. Für diesen eher mittelmäßigen Krimi hat Andreas Kurth aber ganz schön lange gebraucht. Was kommt als nächstes? Edgar Wallace wird als überraschende Neuentdeckung gefeiert?
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