Die Trauer trägt schwarz von Martha Grimes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel The Blue Last, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 17 der Inspektor-Jury-Serie.

  • New York: Viking, 2001 unter dem Titel The Blue Last. ISBN: 0739421387. 415 Seiten.
  • München: Goldmann, 2003. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 3-442-30975-1. 478 Seiten.
  • Augsburg: Weltbild, 2004. Übersetzt von Cornelia C. Walter. 478 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 3-442-45960-5. 478 Seiten.
  • München: Goldmann, 2008. Übersetzt von Cornelia C. Walter. ISBN: 978-3-442-46902-4. 478 Seiten.

'Die Trauer trägt schwarz' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Weihnachten naht, und in den Straßen von London herrscht geschäftige Betriebsamkeit. Doch Inspektor Jury ist alles andere als festlich gestimmt. Sein alter Freund und Kollege Mickey Haggerty ist schwer erkrankt und braucht dringend seinen Rat in einem lange zurückliegenden Fall. Haggerty hat es sich nämlich in den Kopf gesetzt, eine Tragödie aufzuklären, die sich vor mehr als fünfzig Jahren innerhalb der vermögenden Londoner Brauerei-Familie Tynedale abgespielt hat. Aber noch bevor Jury mit seinen Ermittlungen beginnen kann, ereignet sich ein mysteriöser Mord: Simon Croft, ein enger Freund der Tynedales, wird erschossen aufgefunden. Inspektor Jury fällt es schwer, an einen Zufall zu glauben: Er wird den Verdacht nicht los, dass es einen verborgenen Gegenspieler gibt, der alles daran setzt, die Vergangenheit für immer ruhen zu lassen …

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Da scheiden sich die Geister« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Für diejenigen, die noch nie ein Buch von Martha Grimes gelesen haben

Die Fakten:

  • viele Anspielungen auf frühere Fälle
  • der eigentliche Fall scheint anfangs sehr dünn
  • es gibt Handlungsstränge, die zunächst keinen Sinn ergeben
  • die Personen sind skurril

Wen das nicht schreckt, der kann zur kurzen Inhaltsangabe übergehen:

Superintendent Jurys alter Freund DCI Haggerty ist an Krebs erkrankt und hat sich an einem Fall festgebissen, der ihm Ablenkung von seiner Krankheit bietet. Da er meint, ihn nicht mehr zu Ende bringen zu können, bittet er Jury um Hilfe. Auf einem Baugründstück in seinem Revier sind zwei Skelette gefunden worden, von denen man annimmt, es handle sich um Alexandra Tynedale und um das Kind ihres Kindermädchens, die bei der Bombardierung des Pubs »The Blue Last« im Zweiten Weltkrieg umgekommen sind. Das Kindermädchen Kitty war zu dieser Zeit mit Alexandras Baby spazieren, so dass die kleine Maisie mit dem Leben davon kam. Mickey Haggerty glaubt nun, dass die Babys vertauscht wurden, so dass Maisie gar nicht die Erbin des Tynedale-Brauerei-Erbes ist, sondern Erin, das Kind von Kitty. Als dann auch noch Simon Croft, dessen Familie sehr eng mit den Tynedales verbunden ist, erschossen wird, muss Jury sich mit der Vergangenheit befassen, einer Zeit, die auch für ihn sehr schmerzhaft ist, da er seine Familie ebenfalls im Zweiten Weltkrieg verlor.

Kurz gesagt: wer nicht auf britische Krimis steht, die noch dazu von einer Amerikanerin geschrieben werden und in denen kaum etwas passiert, den kann »Die Trauer trägt schwarz« wohl kaum begeistern. Nicht-Fans von Martha Grimes werden die ganze Handlung wahrscheinlich nur langweilig finden, da sie sich nicht an den Anspielungen auf Personen und Fälle aus früheren Büchern erfreuen können. Wer es mit Jury versuchen will, der sollte vielleicht wirklich ganz vorne anfangen (Inspektor Jury schläft außer Haus wurde vor 22 Jahren geschrieben). Aber vielleicht ist der Fall rückblickend gar nicht so begeisternd? Ich weiß es nicht mehr, aber irgendetwas an dieser Serie hat mich fasziniert.

Für diejenigen, die dieses neue Buch von Martha Grimes schon herbeigesehnt haben

Endlich wieder ein Treffen mit alten Bekannten! In gewohnter Manier schafft es die Autorin, dass ich ganz in die Welt eintauche. Im Vergleich zum Vorgänger liest sich das ganze wesentlich flüssiger und ich habe großen Spaß bei den Anspielungen auf früher. Macht nichts, dass ich mich gar nicht mehr so gut an die Details erinnern kann, schließlich läuft die Serie schon seit gut 20 Jahren. Es gefällt mir, dass Jury mal wieder in London ermitteln darf. Und da sich Jury und Melrose schon so gut kennen (aber komischerweise immer noch siezen), muss der Grund für ein Treffen auch nicht mehr an den Haaren herbeigezogen werden. Gut, der eigentliche Fall ist wirklich dünn (bis auf das Ende), aber das beeinträchtigt mein Lesevergnügen überhaupt nicht. Ich möchte wissen, ob Maisie nun wirklich Alexandras Tochter ist oder nicht und auch der Grund für Simon Crofts Tod interessiert mich.

Dass Melrose und Trueblood im Mittelteil einen Ausflug nach Florenz unternehmen, der gar nicht in Beziehung zu den Ermittlungen steht, stört mich überhaupt nicht. Vielleicht liegt es daran, dass ich im Frühjahr ebenfalls in der Toskana war. Toll, ich erkenne alles wieder und San Gimignano war auch eine der Städte, die mir am besten gefallen hat. Und wenn man es genau bedenkt, dann wird einem deutlich: die beiden fahren nach Florenz, um die Antwort auf eine Frage zu erhalten, aber sie finden sie nicht. Es kann sein, es kann aber auch nicht sein. Und genau so ist es: man wird nicht auf alle Fragen eine Antwort finden. Abgesehen davon liefert Melrose mit seinen neu erworbenen Kenntnissen über Masaccio doch einen wichtigen Hinweis …

Immer wieder musste ich über die Beschreibungen lachen und am nettesten fand ich die Szene, in der er (immerhin ehemaliger Lord Ardry) sein Einstellungsgespräch mit »Mr. Barkins, dem Butler, hinter sich gebracht hatte. Es fiel Melrose schwer, «Mister» zu sagen und ihn nicht einfach mit «Barkins» anzureden.« (S. 253) Und wie er dann den echten Gärtner mit seinem rudimentären Wissen beeindrucken will, einfach amüsant.

Insgesamt wird einem beim Lesen ein gerüttelt Maß an Wissen vermittelt, nicht nur über die Renaissance und deren Künstler, sondern auch über den Zweiten Weltkrieg und die Dechiffrierungsspezialisten. Über den »Blitzkrieg« habe ich mich zusätzlich informiert, weil mich das Thema so gepackt hat.

Was mir negativ aufgefallen ist: Kann es sein, dass Jury wirklich schon um die 60 ist? Wenn er die beschriebene Zeit als kleines Kind selbst erlebt hat und die Handlung wirklich in der Jetzt-Zeit angesiedelt ist (wofür die Erwähnung des Millenium Domes in London spricht), dann wäre dies der Fall. Das passt nicht ins Bild (aber darüber könnte man schon allein eine Abhandlung verfassen). Und das offene Ende missfällt mir persönlich ein wenig, wenn Martha Grimes mit der Wendung auch Pluspunkte gesammelt hat.

Ein Martha Grimes-Fan kommt wahrscheinlich eh nicht drumherum, »Die Trauer trägt schwarz« zu lesen. Ich habe es nicht bereut, aber wie die vielen negativen Bewertungen bei amazon.com zeigen, kann das auch ganz anders ausgehen, da scheiden sich die Geister.

Ihre Meinung zu »Martha Grimes: Die Trauer trägt schwarz«

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Bärchen zu »Martha Grimes: Die Trauer trägt schwarz« 15.11.2010
Liebe Frau Grimes,
bitte schreiben Sie Ihre Bücher zuende! Nach fast 500 Buchseiten finde ich es enttäuschend wenn alle interessanten Fragen offen bleiben. z.B. : Was passiert mit Benny und Gemma? Wer ist Gemma überhaupt? Wie geht es für Lisa weiter?
Stirbt Inspektor Jury auf dem Bootssteg oder wird er gefunden?
marco zu »Martha Grimes: Die Trauer trägt schwarz« 14.05.2009
die zuvor genannten kritik an frau grimes ist berechtigt, man muss die leser schon vorwaren und manchmal gehen mir die immer gleichen bausteine auf die nerven, weshalb ich zum teil große "grimes-pausen" einlege, aber man kann der autorin schriftstellerisches talent nicht absprechen und gerade dieser roman bietet dafür wieder ein schönes beispiel.
hier wird gelungen die winterliche atmosphäre in einer londoner stadtvilla mit park und gewächshaus eingefangen.
zudem bietet der roman wieder einen typischen grimes-plot, der tief, tief in der vergangenheit wurzelt und teilweise recht schwer verständlich ist.
etwas unangenehm stößt auf, wie die autorin das leben eines obdachlosen waisenkindes unter einer themsebrücke idealisiert.
Oolong zu »Martha Grimes: Die Trauer trägt schwarz« 11.06.2008
Die Romane von Martha Grimes werden von Lesern geliebt...

...die bereit sind, sich auf folgende Prämissen einzulassen:

1. Die Romane spielen nicht in England, sondern im Lande Phantasien mit englischen Kulissen, einem zeitlosen Land - Jury und Co werden schon seit 20 Jahren nicht älter.

2. Wer einen klassischen Whodunnit sucht, greife zu den Altmeisterinnen, wer einen realitäsbezogenen britischen Polizeiroman sucht, greife zu Rankin, MacBride und Co. - Mrs. Grimes liebt es,bei der Auflösung ihrer Fälle ungeahnte Kaninchen aus dem Hut zu ziehen - Ärgerpotential!

3.Häufige Exkurse in die Psyche von Tieren und das fast stereotype Auftreten altersweiser, vollständig autonomer Kinder und Jugendlicher muß man aushalten können.

4. Aushalten muß man auch einen enormen Spagat zwischen immer düsteren Fällen und fast klamaukartigen Burlesken in Long Piddelton.

Ganz schön viele Vorbehalte...! ABER - wir lesen die Romane eben nicht wegen ihrer stringenten Fälle, wegen ihrer Realitätsnähe - nein, wir gehören doch längst zur Runde im Jack and Hammer und treffen uns mit unseren alten Freunden auf ein Old Peculier.Nur darum gehts!

Und zu unserer Beruhigung läßt sich sagen, dass der Fall deutlich sauberer und nicht halb so wirr konstruiert ist, wie seine Vorgänger und alle eventuellen Schwächen werden schließlich durch die köstliche Story um den Zier- Eremiten wettgemacht - allein diese sehr britische Szene am Rande lohnt das Buch zu lesen und zu genießen!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
maureen zu »Martha Grimes: Die Trauer trägt schwarz« 28.01.2008
Ich habe die Reihe chronologisch gelesen und habe nun nach eineinhalb Jahren Jury Pause mit diesem Buch weitergemacht.
Mir gefiel es sehr gut!
Besonders die alten Bekannten wiederzutreffen die Dialoge von Plant und vor allem Sparky hatte es mir angetan.
Also ich hab mich köstlich amüsiert, aber für Neueinsteiger ist es auf keinen Fall etwas.
Das ist zu verwirrend.
Anja zu »Martha Grimes: Die Trauer trägt schwarz« 26.11.2007
Also, ich habe das Buch schon 4 oder 5 mal angefangen zulesen... Ich komme oft durcheinander mit den Personen... Das stört mich ein wenig. Diesmal habe ich mir vorgenommen es zu ende zu lesen. Bis jetzt gefällt es mir leider noch nicht so gut.
petra2302 zu »Martha Grimes: Die Trauer trägt schwarz« 18.09.2007
dies ist einer der besseren inspektor jury- krimis. martha grimes beweißt, das auch krimis ohne sexualdelikte und psychopathen spannend sein können. wenn's mal gerade nicht spannend ist, überbrückt britischer humor vom feinsten die buchseiten. empfehlenswert für zartbeseitete, die es nich so brutal wollen.
Marion zu »Martha Grimes: Die Trauer trägt schwarz« 09.07.2007
zwischenzeitig bin ich einfach der meinung, dass diese martha grimes serie wirklich nur noch von eingefleischten jury/plant fans gelesen werden können.

es gibt so viele anspielungen auf frühere fälle, die man gar nicht durchschauen kann, wenn man nicht ein paar - ja eigentlich alle - bücher mit und um jury gelesen hat.

die geschichten leben von den altbekannten charakteren (jury, plant, agathe etc). die krimihandlung ist nicht gerade extrem berauschend (manchmal ist es nicht mal ein krimi im herkömmlichen sinn).

frau grimes kämpft gegen (mit?) den phantomen, die sie erschaffen hat und bleibt unweigerlich in ihrem entworfenen schema gefangen. es ist ihr offensichtlich nicht möglich, sich von ihren selbst ersonnen geistern zu befreien. es stellt sich die frage, ob es nicht gut und richtig wäre, die serie zu beenden - die möglichkeit böte sich hier.
aber natürlich: alle stammleser würden entsetzt aufjaulen!

ich mag die jury-geschichten (vor allem finde ich melrose plant wirkich genial), aber eine weiterentwicklung sehe ich nicht. und ich frage mich, ob humor und das gefühl alte bekannte wieder zu treffen, für den buchkauf genug anreiz bieten. einstweilen erkaufe ich mir noch so manche tage und abende im kreise der "alten freunde" in london und long piddleton. aber lange schon nicht mehr lese ich die bücher sofort oder warte gespannt auf das nächste abenteuer um jury und plant.
John Bull zu »Martha Grimes: Die Trauer trägt schwarz« 13.06.2007
Dieses Buch war das erste, das ich von Martha Grimes gelesen habe, und ich glaube nicht, dass noch viele dazukommen werden. Dieser Krimi war der schlechteste, den ich seit langer Zeit gelesen habe. Der Fall an sich war ja noch ok und die überraschende wenn auch nicht ganz logische Auflösung am Ende durchaus akzeptabel. Was mich aber extrem genervt hat, sind die umfangreichen Beschreibungen der Aktivitäten und Dialoge von Jurys snobistischen Bekannten, die mit dem eigentlichen Fall kaum etwas zu tun haben. Insbesondere der Ausflug nach Florenz, dessen Beschreibung wohl lustig sein soll, auf mich aber nur langweilig und dümmlich wirkt, ist hierbei negativ hervorzuheben. Wer britische Krimis mag, ist bei Elizabeth George u. Deborah Crombie (mit Abstrichen auch P.D. James) weitaus besser aufgehoben. Und wer knisternde Spannung und überraschende Wendungen mag, dem empfehle ich ohnehin Jeffery Deavers.
Gabriele Hennig zu »Martha Grimes: Die Trauer trägt schwarz« 27.05.2007
Also, es gibt einige Bücher von Martha Grime, die sind wirklich Spitze. Dieses jedoch gehört nicht dazu. Es ist ziemlich schlecht. Ich habe nach "... schläft außer Haus" und "... spielt Domino", alle Martha Grimes als gebundene Bücher gekauft - die meisten habe ich hinterher verschenkt.
Eine junge tragische Heldin, die unscheinbar, aber beim zweiten Blick wunderschön ist und unweigerlich am Ende stirbt... naja und dann das Liebesleben von Jury (hahaha) und seinem Adlatus. Und schließlich noch die ewig Verlobte/Endlobte Vivian Rivington, hach, naja.
Jetzt habe ich kein Problem damit, auf die Taschenbuchausgabe zu warten. Dann ist die Enttäuschung nicht so groß.
MissyMarple zu »Martha Grimes: Die Trauer trägt schwarz« 24.03.2007
Ich finde das Buch sehr, sehr gut. Das Ende lässt langweilige Stellen schnell vergessen. Aber: Ist Jury tot? Es stört mich nicht, wenn es so ist. Aber mit der Zeit nerven Grimes offene Enden ein wenig.
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