Null-Null-Siebzig von Marlies Ferber

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 1 der James-Gerald-Serie.

  • München: dtv, 2012. 272 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Der Audioverlag, 2012. Gesprochen von Walter Kreye. ISBN: 3862311139. 4 CDs.

'Null-Null-Siebzig' ist erschienen als HörbuchE-Book

In Kürze:

Ex-Agent James Gerald (70) zieht vorübergehend in das Seniorenheim Eaglehurst in Hastings, um den Tod seines Freundes und Kollegen William Morat aufzuklären. Kurz nach James’ Ankunft kommen zwei weitere Heimbewohner zu Tode. Bald kommt er mit Hilfe seiner früheren Kollegin Sheila Humphrey einem dunklen Geheimnis auf die Spur …

Das meint Krimi-Couch.de: »Fans von Miss Marple dürfen bedenkenlos zugreifen.« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

James Gerald war bis vor wenigen Jahren noch Agent des Secret Intelligence Service und lebt seitdem im wohlverdienten Ruhestand. Da bittet ihn sein früherer  Kollege William Morat um Hilfe, doch bevor James reagieren kann, stirbt William in der Seniorenresidenz Eaglehurst unter denkwürdigen Umständen. Offiziell soll er an einer Überdosis seiner Medikamente gestorben sein, aber James glaubt nicht an einen derartigen »Unfall« und so quartiert er sich kurzerhand in Eaglehurst ein. Dort angekommen erhält er gleich einen Einblick in die Höhepunkte des Seniorenlebens, denn ein Bingo-Nachmittag steht auf dem Programm. Kaum hat dieser begonnen stirbt Thomas Maddison während des Spiels; nach Untersuchung des Gerichtsmediziners ebenfalls an einer Medikamentenüberdosis.

Mit Hilfe seiner ehemaligen Mitarbeiterin Sheila Humphrey, die trotz ihrer stattlichen 67 Jahre nach wie vor bevorzugt Miniröcke trägt, versucht James den rätselhaften Vorfällen auf die Spur zu kommen. Dabei muss er sich nicht nur die Bedeutung einiger Limericks entschlüsseln, sondern stößt zudem auf einige schrullige Senioren und deren mitunter skurrile Angewohnheiten. Schnell gibt es erste Verdächtige und neue Hinweise und als dann auch noch die erst fünfzehnjährige Tochter der Chefin in James´ Zimmer angegriffen wird, drohen sich die Ereignisse gänzlich zu überschlagen…

Der Start in eine hoffentlich lang anhaltende Serie unter dem Titel Null-Null-Siebzig ist mit dem vorliegenden Titel Operation Eaglehurst äußerst gelungen. Da in dem vorliegenden Band fast ausschließlich Senioren mitwirken sind gewisse »Eigenschaften« der Figuren unvermeidbar. So hatte es den Protagonisten James, einen inzwischen 70-jährigen Ex-Agenten des SIS, durch eine schwere Bronchitis erwischt, die ihn zu einem unfreiwilligen Krankenhausaufenthalt führte. So konnte er nicht rechtzeitig seinem Freund William zur Hilfe eilen und muss nun, angeschlagen und zeitweise im Rollator sitzend, dessen vermeintlichen Mörder finden. Aber James (nicht Bond) Gerald hat nicht irgendeinen Rollator, sondern einem mit eingebauten Reizgasdrüsen. Ein gealterter 007, daher 0070? Ja und nein, denn eigentlich ist James eher das männliche Pendant zu Miss Marple. Er mischt sich ungefragt in andere Leute Angelegenheiten ein, begleitet von der spritzigen Sheila, mit der er gerne einmal angebändelt hätte. So erinnern die Beiden an ein altes, sich ständig streitendes Ehepaar, was mitunter zu herrlichen Dialogen führt.

»Wenn … Sie umbringen wollte, würde er Ihnen in die Augen sehen wollen, während er Ihnen die Kehle durchschneidet.«
»Ach, James«, sagte Sheila. »Sie haben keine gute Meinung von den Menschen.«
»Das hat mir oft das Leben gerettet.«

Britischer Humor, treffsichere Dialoge und ein spannender Plot mit unverkennbaren Anleihen bei Miss Marple und (ein wenig) 007 lassen die Herzen »britischer Krimifreunde« höher schlagen. Da darf selbst ein Inspektor Ruthersford (mit »s«) nicht fehlen. Selbst die Nebenfiguren sind  glänzend gezeichnet und runden den mehr als positiven Gesamteindruck ab. Auch eine ordentliche Brise schwarzer Humor fehlt nicht wie der folgende (allerdings sehr bekannte) Limerick belegt:

»There was a young girl from Riga,
who smiled as she rode on a tiger.
They came back from the ride,
with the lady inside
and a smile on the face of the tiger.”

Im Ergebnis lässt sich freudig festhalten, dass «0070» ein weiterer Beleg dafür ist, dass es (auch) in Deutschland hervorragende Autorinnen und Autoren im Krimigenre gibt, was ja immer wieder mal in Abrede gestellt wird. Den Zweiflern antworte ich mich mit den Worten von Albert Einstein: «Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."

Jörg Kijanski, April 2012

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Jane Doe zu »Marlies Ferber: Null-Null-Siebzig« 22.06.2014
War ganz lustig zu lesen, allerdings fand ich wirklich ärgerlich, dass über die Hälfte des Buchs bei einem "Gedicht" von einem Limerick gesprochen wurde - jeder, der sich mit Limericks auskennt, weiß, dass dieser keiner ist. So clever, wie 0070 und seine Helferin sind, hätten sie diesen Fehler nie begangen... Das war einfach ärgerlich. Und auch wenn es dann irgendwann aufgeklärt wurde - als falsche Spur war dies einfach zu platt und billig und hat damit einfach nicht funktioniert. Da hätte sich die Autorin eben einen Limerick überlegen müssen und nicht einen 4-Zeiler, der sich noch nicht einmal reimt. Ansonsten nette Unterhaltung.
evmarie gilles zu »Marlies Ferber: Null-Null-Siebzig« 20.06.2013
hab mich selten so amüsiert, bin einfach nur begeistert.hoffentlich liest man noch mehr von null-null-siebzig. unglaublich wie marlies ferber die englischen charaktere beschreibt. und nur durch zufall bin ich auf diese zwei tollen krimis gestossen. james und sheila ein liebenswertes paar. weiter so.
Krimitante zu »Marlies Ferber: Null-Null-Siebzig« 18.05.2012
ein spassiges lesevergnügen ist dieser krimi der altmodischen art. schrullige, liebevoll gezeichnete charaktere, witzige dialoge, schneller handlungswechsel. wer darüber hinfort schaut, dass der fall haarsträubend konstruiert ist und sich auf den reinen unterhaltungsfaktor dieses buches konzentriert, wird hier bestens bedient. klar ist auch die story an sich völlig unglaubwürdig, aber auch darüber sieht man gerne hinweg, weil man sich einfach zu gut amüsiert. ich jedenfalls freue mich auf die fortsetztung dieses buches, weil sie ein paar vergnügliche stunden bedeutet.
tassieteufel zu »Marlies Ferber: Null-Null-Siebzig« 16.04.2012
James Gerald, 70 Jahre alt, Ex-agent und nach einer schweren Bronchitis noch reichlich klapperig auf den Beinen, zieht vorrübergehend in die Seniorenresidenz Eaglehurst in Hastings. Doch nicht sein angeschlagener Zustand ist der Grund dafür, vielmehr ist es der rätselhafte Tod seines alten Freundes William Morat, der vor kurzem sehr plötzlich in Eaglehurts verstarb u. dessen Tod James nun aufklären will. Unterstützt von einem Rollator mit einigen Spezialeffekten und seiner alten Kollegin Sheila Humphrey kommt James schon bald einer üblen Sache auf die Spur.
Amüsant und unterhaltsam ist dieser Erstling von Marlies Ferber und spätestens seit Miss Marple weiß man als Krimifan, das rüstige Rentner durchaus in der Lage sind, den ein oder anderen Mordfall aufzuklären und so gelingt es dann auch dem alten Ex-Agenten auf ganz souveräne Weise und trotz gesundheitlicher Probleme, einen Fall aufzuklären, der bisher nichtmal als Mord angesehen wurde.
Der Krimifall ist sehr geschickt konstruiert, verdächtig ist am Anfang so ziemlich jeder u. für James ist es gar nicht so leicht, zwischen Teestunde, Limerickdichten und Homöopathiestunden, auf die richtige Spur zu kommen. Nachdem der geschwätzige Inspektor Ruthersford im Heim ausgeplaudert hat, das James früher Geheimagent war,hat dieser schnell seinen Spitznamen weg Null-Null-Siebzig. Doch das nimmt er gelassen, schwieriger ist da schon, das er und Sheila angegriffen werden und nur Dank des aufgepeppten Rollators kommen sie aus der Situation halbwegs glimpflich heraus.
Atemlose Spannung darf man nicht erwarten, aber durch geschickte Wendungen und immer neue Verdächtige bleibt stets das Interesse des Lesers erhalten und man will wissen wie es weiter geht.
Der Schreibstil der Autorin ist locker und leicht, es gibt eine ganze Reihe witziger Szenen im Buch, bei denen man unweigerlich schmunzeln muß, meine Lieblingsszene dabei ist bei McDonalds, da hab ich mich köstlich amüsiert.
Die Charaktere sind liebevoll gezeichnet und das bis hin zu den Nebenfiguren, so das es nicht schwer fällt, sich die Personen vorzustellen und man schon gespannt auf ein weiteres Abenteuer von James und Sheila sein darf.

Fazit: amüsant-humorvolle Unterhaltung mit netten Figuren und einem geschickt konstruierten Fall! Auch wer noch nicht das Rentenalter erreicht hat, kann hier kurzweilige Lesestunden genießen.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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