Sea Detective - Ein Grab in den Wellen von Mark Douglas-Home

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel Sea Detective, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei Rowohlt.
Folge 1 der Cal-McGill-Serie.

  • Dingwall: Sandstone Press, 2011 unter dem Titel Sea Detective. 400 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2017. Übersetzt von Stefan Lux. ISBN: 978-3-499-27246-2. 400 Seiten.

'Sea Detective - Ein Grab in den Wellen' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Cal McGill ist Meeresbiologe. Seine Spezialität: per Computer die Route von Gegenständen im Wasser zu verfolgen, um Umweltsünder zur Strecke zu bringen. Doch bei seinem Einsatz für die Natur überschreitet der Sea Detective bisweilen legale Grenzen: Als er in den Gärten hochrangiger Politiker Weißen Silberwurz pflanzt, um auf den Klimawandel hinzuweisen, nimmt man ihn fest. Detective Helen Jamieson von der Polizei Edinburgh kommt der sympathische junge Mann gerade recht. Denn vor der Küste wurden kurz zuvor zwei abgetrennte Füße entdeckt. Bei ihren Recherchen stoßen Cal und Helen auf ein Netz aus Korruption, Ausbeutung und Menschenhandel. Und auf ein indisches Mädchen, das sie vielleicht noch retten können.

Das meint Krimi-Couch.de: Ein geheimnisvoller Kriegstod und die Jagd nach Kinderschändern 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Caladh »Cal« McGill verfolgt anhand von Meeresströmungen, Winden und Gezeiten die Routen von allen möglichen Gegenständen, beispielsweise wenn Schiffe illegal ihre Ladung ins Meer entsorgen. So will er Umweltsündern das Handwerk legen und da ihm dies nicht reicht, vergräbt er neuerdings ganz besondere Präsente in den Gärten hochrangiger Politiker. Beim schottischen Umweltminister übersieht er jedoch eine Kamera, die Polizei kann ihn ohne große Mühe festnehmen. So lernt ihn die Polizistin Helen Jamieson kennen, die sich bald an Cal wenden wird, als auf den Shetlands zwei abgetrennte Füße an Land gespült werden. Dies ist in etwa die Inhaltsangabe auf dem Buchrücken, die jedoch mit dem eigentlichen Inhalt des Romans nur wenig gemein hat. Warum? Fragen Sie den Verlag.

Die Festnahme Cals dient letztlich nur dem Zweck, dass Jamieson auf ihn aufmerksam wird. Denn bei ihrem später eintretenden Fall (ab Seite 160) kann sie natürlich nicht offiziell einen Politikaktivisten hinzuziehen, den die Polizei erst kürzlich festgenommen hat. Da ihr Vorgesetzter, Detective Inspector David Ryan, zudem die Aufmerksamkeit der Medien auf sich ziehen möchte, nimmt Jamieson privat zu Cal Kontakt auf.

Dieser – Achtung, jetzt kommen wir zum eigentlichen Plot – interessiert sich währenddessen mehr denn je für den ungeklärten Tod seines Großvaters William Sinclair, der auf einer inzwischen verlassenen Insel lebte. Diese gehörte zwei Familienclans, die versuchten, das karge Eiland gänzlich zu kontrollieren. Als William eine Frau vom Festland heiratete statt wie erwartet die Nachbarstochter, wurde er zum Außenseiter. Auf einem Kriegseinsatz ging er über Bord eines Schiffes, doch so wie es seit Jahrzehnten erzählt wird, kann es nicht gewesen sein.

Vor drei Jahren wurden die damals dreizehnjährige Preeti und die ein Jahr ältere Basanti aus ihren indischen Dörfern verschleppt. Sie waren die schönsten Mädchen ihres Stammes, somit war klar, dass sie in die dhanda, das Sexgeschäft, gehen mussten. Nicht nur ihre Jungfräulichkeit wurde verkauft, sie wurden zudem auf eine lange Reise ins Ausland geschickt, wo sie sich aus den Augen verloren. Nach einem Leben als Zwangsprostituierte in einem verschlossenen Raum, gelingt Basanti nun die Flucht&

Spannender Plot mit Serienpotential

Die Arbeit des Meeresbiologen ist interessant beschrieben und auch für Laien durchaus verständlich. Die Suche nach dem Großvater, wann und wo dieser verstorben sein könnte, nimmt einen Großteil der Handlung ein, ist jedoch spannend, denn es ergeben sich immer mehr Unstimmigkeiten und moralische Abgründe. Nicht nur damals, selbst heute noch sagen nicht alle Beteiligten die ganze Wahrheit. Daher enttäuscht die Auflösung ein wenig, denn »plötzlich« ist alles klar (da jemand redet und handelt).

Der zweite große Erzählstrang beschäftigt sich mit dem Schicksal der beiden indischen Mädchen, von denen Preeti schon sehr früh den Tod finden wird. Ausführlich und bedrückend schildert der Autor, wieso ein Menschenleben in Indien, vor allem, wenn es sich um ein junges Mädchen handelt, nicht viel bedeutet. Vorsichtig formuliert. So gilt es in manchen Stämmen als ehrsamer, wenn (minderjährige) Mädchen in der Prostitution (zum Wohle der Familie versteht sich) arbeiten als daheim in der Hausarbeit. Diese können die weniger ansehnlichen Töchter verrichten. Harter Stoff, der nicht wirklich dadurch entschärft wird, dass der Autor die Details der sexuellen Misshandlungen nicht darstellt. Die Phantasie des Lesers reicht aus, um das unvorstellbare Leid der Betroffenen wenigstens ansatzweise begreifen zu können.

Interessante Figuren, die man gerne näher kennen lernen möchte

Noch ein paar Anmerkungen zu den Figuren, von denen die meisten leider recht Klischeebeladen sind: Cal, der eigenbrötlerische Protagonist, entspricht dem typischen Weltverbesserer, dem Recht und Gesetz im Zweifel egal sind, schließlich geht es um ein hehres Ziel. Dabei zeigt sich ein Egoismus, der auch seinem Privatleben nicht immer förderlich war, wie seine von ihm getrennt lebende Frau Rachel zu berichten weiß. Selbstredend war aus Cals Sicht sie an fast allem Schuld. Jamieson ist eine hochintelligente Polizistin, hat mehrere Abschlüsse und so passt ihr mitunter geradezu devotes Verhalten gegenüber ihrem Chef Ryan nicht so wirklich zu ihr. Dieser ist ein Macho alter Schule, vor dessen Nachstellungen keine unterstellte Kollegin sicher ist; außer natürlich Jamieson, die gemeinhin als »fett« bezeichnet wird. Ryan ist das karrieregeile Arschloch, das seinem Erfolg alles unterordnet. Wäre er doch wenigstens kompetent.

Kurzum, die behandelten Themen (Arbeit eines Meeresbiologen, Kindesmissbrauch und Menschenhandel sowie indische »Wertvorstellungen«, Aufklärung eines Jahrzehnte alten »Vorfalls«) sind gut, wenngleich mainstream-mäßig umgesetzt. So liest sich »Ein Grab in den Wellen« als Pageturner sehr zügig, und man darf gespannt sein, ob und wie sich die einzelnen Figuren weiterentwickeln.

Jörg Kijanski, Oktober 2017

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walli007 zu »Mark Douglas-Home: Sea Detective - Ein Grab in den Wellen« 01.10.2017
Herr der Strömungen

Erwischt! Cal McGill wurde geschnappt und überführt, er hat eine Pflanze im Garten eines Politikers eingepflanzt. Die Detective Ryan möchte ihn am Liebsten als Terroristen verhaften, doch der Politiker nimmt es sportlich und erstattet keine Anzeige. Ryans Partnerin Helen Jamieson hat ein besseres Auge für Menschen als Ihr Chef. Sie behält im Hinterkopf, dass Cal vieles über die Meeresströmungen weiß. Als an den schottischen Küsten Leichenteile angespült werden, deren Auffinden Rätsel aufgibt, bittet sie Cal um Hilfe. Dieser ist zwar sehr mit der Vergangenheit seiner eigenen Familie beschäftigt, beginnt aber dennoch für die Polizistin zu ermitteln.

Ein wenig speziell ist er schon dieser Cal McGill, Ozeanograph, Umweltaktivist, hoch gebildet, doch schwierig im Zwischenmenschlichen. Sein Großvater, den er nie kennengelernt hat, ist sein Vorbild. Dessen Verschwinden auf See hat Cal dazu gebracht, sich mit den Meeren, den Wellen, den Strömungen zu beschäftigen. Als Umweltaktivist ist er nicht gerade der Liebling der Polizei, umso ungewöhnlicher ist es, dass er ihnen hilft. Sein Kontakt mit der Polizistin Helen bringt beide voran. Gegenseitig helfen sich in unterschiedlichen schwierigen Situationen. Nur seiner Ex-Frau Rachel kann sich Cal nicht öffnen.

Verschiedene Handlungsstränge, die nicht direkt ineinander greifen, sich aber doch gegenseitig befördern und vorantreiben. Die raue schottische Landschaft, die Inselwelt vor der Küste, das Stadtleben in Edinburgh bilden einen intensiven Rahmen für Cals Geschichte, die seines Großvaters, die eine ganz andere ist als Cal immer gedacht hat. Packend welche innovativen Schritte Cal unternimmt, um der Polizei zu helfen. Und nicht zu vergessen eine Zeichnung, deren Entsprechung in der Realität es zu finden gilt. Cal sieht auch hier einen Ansatz, wie er an diese Frage herangehen kann. Das alles fügt sich zu einer wohlgeformten Gesamtheit. Mit jeder Seite, die man umblättert, mit jeder Frage, die sich stellt, mit jeder Antwort, die man findet, packt einen einen die Geschichte mehr.

Ein toller Start einer neuen Reihe um einen außergewöhnlichen Ermittler und gleichzeitig sympathischen und vielschichtigen Menschen.
Elli zu »Mark Douglas-Home: Sea Detective - Ein Grab in den Wellen« 10.09.2017
Spannender Krimi über Menschenhandel und indische Sitten und um geheime Familien Geschichte in der einsamen schottischen Landschaft. Zwei Erzählstänge, die jeder für sich eine gute Geschichte ergeben und sich in diesem Buch um einander drehen und damit die Charaktäre des leicht nurdigen, aber sympatischen Cal und der klugen, aber etwas gehemmten Helen beleuchten. Beide "Helden" sind auf Ihre Weise interessant und ich bin gespannt, wie sich diese Charaktäre im nächsten Buch "Der Sog der Tiefe" entwickeln, denn dass diese Zwei noch weiter zusammenarbeiten werden, scheint mir auf der Hand zu liegen.Unbedingt zu empfehlen!
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