Blutzeichen von Mark Billingham

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel The Burning Girl, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 4 der Tom-Thorne-Serie.

  • London: Little, Brown, 2004 unter dem Titel The Burning Girl. 384 Seiten.
  • München: Goldmann, 2005. Übersetzt von Isabella Bruckmaier. ISBN: 3-442-45913-3. 384 Seiten.

'Blutzeichen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ein erbitterter Revierkampf in Londons Unterwelt hält Detective Tom Thorne und sein Team in Atem: Das blutige X auf dem Rücken seiner Opfer ist die makabere Visitenkarte eines Killers, der offenbar im Auftrag eines mächtigen Gangstersyndikats arbeitet. Alle Spuren scheinen zu einem Mann zu führen: dem skrupellosen Gangsterboss Billy Ryan. Doch bald muss Thorne feststellen, wie leicht man sich im Netz des organisierten Verbrechens verstrickt …

Leseprobe

Das meint Krimi-Couch.de: »Lassen Sie sich kein X für U vormachen – hier ist Überblick gefragt« 45°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Mickey Clayton ist innerhalb von nur sechs Wochen das bereits vierte hochrangige Opfer aus dem Umfeld des Gangsterbosses Billy Ryan, dem offensichtlich eine konkurrierende Familie das Geschäft wegnehmen will. Dabei wurden alle Opfer mit einem Kopfschuss getötet, nachdem der Auftragsmörder ihnen zuvor ein »X« in den Oberkörper geritzt hat. Von der Polizei wird der Täter daher nur der »X-Man« genannt.

Vor 20 Jahren wurde ein Schulmädchen mit Benzin angezündet und lebensgefährlich verletzt. Es handelte sich jedoch um eine Verwechslung, denn das eigentliche Opfer sollte deren Freundin, die Tochter des damaligen Gangsterbosses Kelly sein. Gordon Rooker gestand damals die Tat und sitzt seitdem ein, doch Ex-Polizistin Carol Chamberlain erhält neuerdings Anrufe von einem Unbekannten der vorgibt, der wahre Täter zu sein. Sie bittet ihren Freund Tom Thorne um Hilfe, der eigentlich den »X-Man« jagen soll.

Nachdem bei einem Anschlag auf eine Videothek der Besitzer und dessen Frau sterben, ergibt sich für die Ermittler sehr schnell, dass die Zarif-Familie dem Ryan-Clan den Krieg erklärt hat. Da kommt es Thorne, der zwischen alle Fronten zu geraten droht, gerade recht, dass Rooker anbietet als Kronzeuge gegen Ryan auszusagen und nunmehr vorgibt, nicht der damalige Täter gewesen zu sein. Die Situation scheint gänzlich außer Kontrolle zu geraten als ein Undercover-Agent ermordet und ein weiteres Mädchen angezündet wird …

»Außer Kontrolle« ist auch eine gute Charakterisierung des vorliegenden Romans, denn erst nach rund 100 Seiten erlebt der Leser erstmals so etwas ähnliches wie eine gründliche Zeugenbefragung, die man bei den ganzen Ereignissen eigentlich schon etwas früher erwartet hatte. Doch weit gefehlt: Billingham lässt seinem Helden kaum Zeit, seine eigentliche Arbeit zu tun. Die Ereignisse wollen alle vorgestellt werden und anschließend erfolgen zumeist Brainstormings unter den Polizisten. Die Befragungen der Gangster-Bosse reduzieren sich im Wesentlichen auf Provokation und Small-Talk nach dem Motto »Mal sehen was als nächstes passiert, vielleicht kriegen wir sie ja dann«. Andere Zeugen werden daher von vornherein großzügig ausgespart.

Wenig ausgereift ebenso die Konflikte Thornes mit seinem Vorgesetzten Tughan sowie die vermeintlichen Differenzen der beiden ermittelnden Einheiten. Lediglich bei den privaten Problemen Thornes mit seinem unter Alzheimer leidenden Vater und den Rivalitäten zwischen den Familien Zarif und Ryan um die Vorherrschaft im Bezirk vermag der Roman zu überzeugen.

Billingham hat leider völlig überzogen und bringt auf gerade einmal 412 Seiten neben den eingangs dargestellten (sowie diversen folgenden) Verbrechen auch noch ausführlich die Themen Brandopfer und Menschenschmuggel unter. Abgesehen von den zahlreichen Klischees vermag bei all dem Durcheinander auch keine wirkliche Spannung aufzukommen, da man ja versucht ist, den Überblick zu halten. Den hat der Autor scheinbar selber ein wenig verloren, zumindest geriet der »X-Man« bereits nach den Anfangsseiten des Buches in Vergessenheit …

Ihre Meinung zu »Mark Billingham: Blutzeichen«

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uknig zu »Mark Billingham: Blutzeichen« 18.05.2015
Wenigstens ist es nicht langweilig. Aber in Sachen Story ist Blutzeichen von Mark Billingham doch ein ziemliches Wirrwarr. Ritualmorde, alte Vergehen, Menschenhandel, Unterweltkrieg – irgendwann sucht der Leser den roten Faden und findet die Zusammenhänge nicht. Die Geschichte ist hoffnungslos überfrachtet. Etwas fokussierter wäre deutlich besser gewesen.
Aber immerhin ist Blutzeichen ganz gut geschrieben und manchmal tauchen Spuren von Humor und Sarkasmus auf. Aber das rettet die enttäuschende Geschichte nicht.
Stefan83 zu »Mark Billingham: Blutzeichen« 30.10.2009
Den berüchtigten "schlechten Tag" muss wohl Mark Billingham gehabt haben, als das Skript für diesen vierten Teil aus der Reihe um Detective Tom Thorne im Geiste gestalt annahm, denn "Blutzeichen" kann leider in keiner Weise an die guten Vorgänger anknüpfen.

Ungewöhnliche Längen ziehen sich durch das ganze Buch, das mit einem Themengemisch aus Drogenhandel, Menschenhandel, Bandenkrieg und Serienkillerjagd völlig überfrachtet zu sein scheint und in dem man bis zum Schluss den roten Faden wohl vergeblich sucht. Schon zu Beginn fühlt sich der Leser ins kalte Wasser geworfen, wird er mit Fakten konfrontiert dessen Hintergründe er nicht kennt und der Plot mit Handlungssträngen verknüpft (Thornes Feindschaft mit dem Vorgesetzten Tughan), die in den letzten drei Bänden keinerlei Bedeutung mehr gehabt haben. Was man nach knapp fünfzig Seiten schließlich entnehmen kann, ist folgende Grundstory:

In London tobt ein erbitterter Bandenkrieg und Gangsterboss Billy Ryan ist offensichtlich das beliebteste Ziel. Innerhalb von nur sechs Wochen sind bereits vier hochrangige Opfer aus seinem Umfeld von einem unbekannten Auftragsmörder getötet worden, der ihnen vor Abschluss seiner "Arbeit" noch ein blutiges "X" in den Oberkörper geritzt hat. Daraufhin ist die Serious Crime Group von Thorne mit der SO7, spezialisiert auf organisierte Verbrechen, zusammengelegt worden, um den so genannten "X-Man" zu fassen. Diese Jagd gerät aber allzu bald in den Hintergrund, als Carol Chamberlain, ehemalige Beamte vom Morddezernat und gute Freundin Thornes, Anrufe von einem Unbekannten erhält, der sich brüstet vor 20 Jahren ein Schulmädchen mit Benzin angezündet und lebensgefährlich verletzt zu haben. Dabei kam es zu einer Verwechslung, da das eigentliche Opfer die Tochter des früheren Gangsterbosses Kelly sein sollte. Der Täter Gordon Rooker, der damals die Tat gestanden hatte, widerruft nun seine Aussage und bietet Informationen im Austausch von Polizeischutz an. Von nun an ermittelt Thorne gleich an mehreren Fronten, wobei er stets auch noch sein Privatleben meistern muss, dass nach der Alzheimer-Diagnose seines Vaters und dem Einzug des schwulen Pathologenfreunds Hendricks in seine Wohnung nicht einfacher geworden ist...

Puh. Alles behalten? Leider ist das nur die Spitze eines völlig überfrachteten Eisbergs von Buch, das alles auf einmal will und irgendwie völlig außer Kontrolle geraten zu sein scheint. Billingham muss wohl im absoluten Schreibwahn gewesen sein, denn anders lässt sich diese Vielfalt an einzelnen Handlungssträngen, die zumeist ins totale Nix führen, nicht erklären. Von der sonst so fesselnden Ermittlungsarbeit, dem ständig packender werdenden Plot, ist nun rein gar nichts zu sehen. Stattdessen wird fleißig mit dem Auto der Großraum London erkundet und in gemütlichen Treffen im Polizeirevier eine neue Richtung der Ermittlungen diskutiert, um dann mit offensichtlichen Provokationen die Bösen aus der Reserve zu locken. Gründliche Zeugenbefragungen, Spurensuche oder forensische Untersuchungen? Fehlanzeige. Thorne stolpert ziellos durch den Plot, bedroht hier und vögelt da, ohne dem Kern des Ganzen (wo immer der auch ist) näher zu kommen.

Erstaunlich also, dass sich "Blutzeichen" dennoch einigermaßen flüssig lesen lässt, was wohl der Tatsache geschuldet ist, dass Billinghams Humor wenigstens noch zündet. Teilweise jedoch auch sehr doppeldeutig, denn wenn der Autor seinen Helden sich nach einem einfachen Psychopathen sehnen lässt, kann man als Leser nicht anders als zuzustimmen. So ertrinkt letztendlich alles in klischeehaften Ansätzen, in denen Spannung nicht aufkommen kann, da man ja schließlich krampfhaft bemüht ist, in all dem Durcheinander den Überblick zu bewahren. Warum also dieses Buch lesen? Für alle Neueinsteiger stellt sich diese Frage nicht. Diese sollten tatsächlich lieber mit dem ersten Band beginnen. Treue Fans der Serie müssen hier etwas Arbeit leisten, werden aber zumindest insofern belohnt, da Thornes Probleme mit dem leidenden Vater (das hat schon fast wallandrische Züge) sehr eindringlich daherkommen und das Buch zudem mit 412 Seiten auch das bis dato Kürzeste ist.

Insgesamt bleibt "Blutzeichen" ein mittelmäßiges und unausgegorenes Psychothriller-Krimi-Gemisch ohne klare Linie, das man nach Beendigung der Lektüre auch ganz schnell wieder vergessen hat. Ohne Frage der bisher schlechteste Teil der Reihe.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimi-Tina zu »Mark Billingham: Blutzeichen« 20.07.2009
Abgebrochen nach 160 Seiten. Ich habe die Vorgänger gemocht, aber dieses Buch ging gar nicht.
Ein kruder Plot, in den alles hineingemixt ist was man gerade finden konnte, ein Serienkiller, der zugleich Auftragsmörder ist, noch ein Auftragsmörder, Bandenkriege, Drogenhandel, Menschenhandel. Das alles ist aber irgendwie viel weniger wichtig als die Feindschaft zwischen Tom Thorne und seinem de facto Vorgesetzten Tughan. Deren Ursache völlig unklar ist, zumindest wenn man den ersten Band der Serie nicht gelesen hat. Was dazu führt, dass man sich als Leser nun dafür nicht besonders interessiert.
Den vielfältigen Strängen hingegen wird kaum nachgegangen. Es wird viel Auto gefahren und man sitzt in diversen Lokalitäten herum und tauscht kaum verhüllte Feindseligkeiten mit dem örtlichen organisierten Verbrechen aus. Zwischendrin giftet man sich in Besprechungsrunden an. Von Ermittlungsarbeit ist kaum eine Spur zu sehen.
Anstatt weiter zu kommentieren ein Zitat: „Ich glaube, meinte Holland, dass wir viel zu viel Zeit damit verschwenden, mit diesen Arschlöchern zu reden, ihnen Fragen zu stellen und dabei zuhören, wie uns erzählen, sie wüssten rein gar nichts“.
Dem ist nichts weiter hinzuzufügen.
sue82 zu »Mark Billingham: Blutzeichen« 03.02.2009
Leider ist dieser Teil um Tom Thorne nur schlechtes Mittelmass. Die Story an für sich ist zu langweilig und kommt nicht in Schwung, dazu noch sehr verwirrend und absolut unspannend. Einzig das Ende tröstet dann etwas über das Buch hinweg, da Tom Thorne durch sein eigenmächtiges Verhalten eine Entscheidung treffen muss.
Fazit: Eindeutig ein sehr schwaches Buch, das kann der Autor besser. 60°
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