Backstage von Marion Schwarzwälder

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1990 - 2009.
Folge 1 der Oshinski-&-März-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2004. ISBN: 3-499-23640-0. 316 Seiten.

'Backstage' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In der Garderobe des Rockstars Tom Braun wird dessen Jugendfreund Fred erstochen aufgefunden. Melissa März, die Leibwächterin Brauns, selbst ehemalige Musikerin, fühlt sich für den Mord verantwortlich und will unbedingt den Täter finden. Dabei hilft ihr Paula Oshinski, Freifrau und Privatdetektivin mit unkonventionellen Ermittlungsmethoden. Verdächtig sind zunächst Brauns Ehefrau und sein Manager. Doch bald kommen Oshinski und März auf eine neue Spur. Vor zwanzig Jahren waren Tom und Fred in den gewaltsamen Tod einer jungen Frau verstrickt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Das Gesamtpaket überzeugt nicht« 58°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Melissa März, ehemalige Background-Sängerin aus dem Osten der Republik und nun Partnerin in einer Privatdetektei, wurde als Bodyguard von Rockstar Tom Braun für seinen Berlin-Aufenthalt engagiert. Als sie ihn am Flughafen abholt, teilt ihr Toms Ehefrau Lilli mit, dass ihre Dienste angeblich nicht mehr benötigt werden, denn Fred Panitz ist wieder aufgetaucht, ein alter Freund aus Jugendtagen, der mit Tom damals eine Band gegründet hatte. Panitz ist bei einer Immobilienfirma beschäftigt, auf deren Angebot Braun durch Zufall bei seiner Suche nach einer Bleibe in der Hauptstadt gestoßen ist.

Die geplante Pressekonferenz wurde vom Olympiastadion ins Haus der Kulturen umgeleitet, wo Tom Braun zunächst alle aus seiner Garderobe schickt, Lilli, seinen Manager Reimann, Panitz und auch Melissa. Als sie wieder zurückkommt, findet sie einen toten Körper in der Nachbar-Garderobe, den von Fred. Sie fühlt sich für seinen Tod verantwortlich und stürzt sich mit ihrer Partnerin in der Agentur, Freifrau Paula von Oshinski, in die Ermittlungen. Der Tote scheint nicht nur im Immobiliengewerbe tätig gewesen zu sein, sondern auch mit rezeptpflichtigen Medikamenten gehandelt zu haben.

Gegensätze, die anziehen

Die Figuren Paula und Melissa ziehen mit ihren Gegensätzen an. Paula als Wessi mit großer Wohnung und Boss der Agentur und Melissa als Ossi mit bescheidener Hütte und trotz Partnerstatus eindeutig an zweiter Stelle. Und auch der Schauplatz Berlin sowie das Musikbusiness als Kulisse finden Anklang bei mir, auch wenn oder vielleicht gerade weil alles recht bodenständig bleibt und nichts Glamouröses dabei ist.

Doch dies ist leider nicht genug, um Begeisterung für Marion Schwarzwälders Roman »Backtage« hervorzurufen. Story und Spannung sind mittelmäßig und überzeugen nicht vollends. Zudem ist mir wohl der tiefere Sinn entgangen, warum die Autorin die Amerikanerin Gladys mit ihrem geheimen Auftrag in die Geschichte eingebaut hat.

Sprachlich zu knapp

Eines hat mich jedoch mit fortschreitender Lektüre zunehmend gestört: der Satzbau. Was manch einer als rasante Schreibe ohne überflüssige, schmückende Beiwörter bezeichnet oder als aktuelle Sprache, das ist für mich teilweise abgehackt, es sind zu viele Einschübe, die mit Komma abgetrennt werden, und es fehlen elementare Verben zur Vervollständigung – sein und haben. All das unterbricht den Lesefluss. Ein paar Beispiele:

» …vielleicht mit Ausnahme von Frau Teichert, die in sie drang, wiederzukommen. Tamara hatte sich, wie versprochen, zurückgehalten und die Chauffeuse gespielt, hörte zu, als Paula sie während der Rückfahrt …informierte. (S.191) +++ «Der Mund trocken,, Magengrummeln, in der Stille ein Fortissimo. ...Im Gipsraum hatte sie gehört, wie jemand von der toten Frau sprach. Melissa, bestätigend, nickte." (S. 205) +++ Tamara, den Kofferraum beladen, wartete im Auto, am Seitenausgang. (S. 211)

Der Ansatz war gut, aber das Gesamtpaket kann bei diesem Krimi leider nicht überzeugen. Pluspunkte wie Ambiente, Schauplätze und Figurenzeichnung sollten mit ein bisschen mehr Spannung gepaart werden und es hätte auch nicht geschadet, einige zusätzliche Wörter zu spendieren.

Ihre Meinung zu »Marion Schwarzwälder: Backstage«

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Frank zu »Marion Schwarzwälder: Backstage« 19.08.2010
Der Kritik von Sabine Reiss und Heinz kann ich nur zustimmen. Insgesamt handelt es sich um einen sehr schlechten (Schreib-)Stil, der dazu noch mit einer gewissen "Ich-weiß-was"-Arroganz gefüllt wird; ich meine damit vor allem die völlig überflüssigen und deplazierten Einschübe amerikanischer Idioms.

Der Satzbau, sofern man von einem solchen sprechen könnte, läßt in der Tat kein flüssiges Lesen zu, sondern stellt eine mehr oder weniger zufällige, wenig plausible Aneinanderreihung von Wörtern dar. Offensichtlich ist das vergebliche und krampfhafte Bemühen der überforderten Autorin zu erkennen, intellektuell zu wirken.

Während der gesamten Story(s) verliert diese zunehmend die Glaubwürdigkeit, und nicht nur die Story, sondern auch die Personen.

Schade um das Geld für den Kauf des Buches.
U. Catarina Lichter zu »Marion Schwarzwälder: Backstage« 25.04.2005
Dass Marion Schwarzwälder nicht in den Top Ten der Bestsellerlisten zu finden ist, gibt mir Rätsel auf. „Backstage“ und ihr neuer Roman „Zero“ gehören zu den besten Krimis, die seit langer Zeit gelesen habe. Der Stil der Autorin, präzise und schnell und doch nicht oberflächlich. Sie bringt ohne Umschweife alles auf den Punkt, ohne in ins Banale abzudriften. Mit überraschenden Wendungen in der Geschichte versteht sie es, den LeserIn in Atem zu halten, zu überraschen. Sie weiß, wie man auf einen ausgelügelten Plot hin erzählt. Wie nebenbei setzt sie Akzente, gibt politische Statments ab, ohne dogmatisch zu werden. Berliner Luft kann man dabei so selbstverständlich einatmen, wie man Einblick in das immer härter werdende Musikgeschäft oder in politische Machenschaften der Stadt bekommt.
Ihre Stärke, dass Innenleben und Gefühle der Protagonistinnen sichtbar zu machen, haucht der Geschichte Leben ein. Aus Figuren werden auch ohne ausladende Beschreibungen Charaktere. Dabei bilden die beiden Hauptdarstellerinnen ein gutes Gespann: Die adelige „Wessi“, Paula von Oshinski, und die Ex-DDRlerin und Musikerin Melissa März. Seit Jahren Freundinnen, ermitteln die beiden Frauen in ihrer eigenen Detektei. Im Laufe des Geschehens wird das weibliche Duo noch ergänzt durch Tamara, die nach ihrer Ausbildung nicht in den Polizeidienst übernommen wird und durch ihre amerikanische Kollegin Gladys, die in der Bundeshauptstadt auf Urlaub ist. Vier starke Frauen, denen Schwächen zugestanden werden, Selbstzweifel und Eifersucht nicht ausgeschlossen. Die jedoch das leben, was letztendlich gute Frauenfreundschaft ausmacht: Sich aufeinander zu verlassen ohne laute Ankündigungen und füreinander dazusein, wenn es darauf ankommt. Kurz um: „Backstage“ und „Zero“ sind so gechrieben, wie es sich für gute Großstadtkrimis gehört: Kurzweilig,spannend und schnell - und suchterregend!
Heinz zu »Marion Schwarzwälder: Backstage« 30.08.2004
Nachdem der Klappentext die Autorin in den höchsten Tönen lobte, hatte ich große Erwartungen, die dann aber mit jeder Seite mehr bitter enttäuscht wurden. Wenn ich einen Krimi kaufe, dann deshalb, weil ich mich unterhalten will. Die pseudoliterarische Attitüde der Autorin, die gelegentlich sogar etwas kritisch wird, nimmt leider jede Spannung weg. Warum das Weglassen von Verben, Hilfsverben oder des Subjekts einen guten Stil kennzeichnen soll, ist mir ein Rätsel. Wortschöpfungen wie "Weiberchen" sind auch nicht gerade originell. Wer soviel Wert auf literarischen Anspruch legt, hat natürlich keine Zeit, sich um die Figuren zu kümmern, denn die wirken wie Abziehbilder und sind psychologisch unglaubwürdig. Und damit ist die Lust am Lesen endgültig weg.
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