Die Männer vom Revier Tief-Ost von Mario Ulbrich

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 bei Chemnitzer Verlag.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Sachsen, 1990 - 2009.

  • Chemnitz: Chemnitzer Verlag, 2004. ISBN: 3937025030. 367 Seiten.

'Die Männer vom Revier Tief-Ost' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Im Polizeirevier Tief-Ost geht wieder einmal alles schief. Die Chaos-Polizisten um Wachtmeister Drombusch – eigentlich meist mit sich selbt und der Tücke des Objekts beschäftigt – beschlagnahmen auf einem Nacktflohmarkt ein geheimnisvolles Gemälde. Doch hinte dem Bild ist auch die sibirische Mafia her. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, an dessen Ende Schmerzen stehen – im Lachmuskel des Lesers.

Das meint Krimi-Couch.de: »Auf die Höhen der Action-Komödie hochgegaukelt«

Krimi-Rezension von Johannes Fischer

Wenn Polizeiobermeister Schröder (kurz POM Schröder) auch nur die Spur einer Ahnung gehabt hätte, welch abenteuerliche und zugleich gefährliche Geschichte sich aus dem Besuch auf dem Nacktflohmarkt entwickelt, er hätte vermutlich kurz vor der Rente seine vorzeitige Entlassung beantragt. Aber POM Schröder konnte es gar nicht ahnen. Zum einen, weil er ist wie er ist. Nämlich ein – scheinbar – phantasieloser und überbequemer Beamte aus dem Revier Tiefost, dem der eigene Kleingarten sehr viel näher ist als das Schicksal der Menschen. Zum anderen, weil er als Beamter in eben diesem Revier seinen Dienst absitzt – in der tiefsten Provinz des deutschen Ostens, die in der DDR-Zeit auch »Tal der Ahnungslosen« genannt wurde, weil es nahe der polnischen Grenze keinen Empfang des deutschen West-Fernsehens gab.

Der Fantasy-Krimi von Mario Ulbrich spielt aber in der Gegenwart. Und der Leser muss nicht einmal zwei Seiten in dem Buch lesen, um zu wissen, welche Art von Krimalgeschichte ihn erwartet: Ein Thriller »zum Totlachen«, wie der Chemnitzer Verlag das 2004 erschienene Erstlingswerk Ulbrichs ankündigt. Vorsicht also, denn das Werk hält, was es verspricht. Wenn Matthew Reilly – eines der literarischen Vorbilder Ulbrichs – der König des Action-Thriller ist, dann ist Ulbrich sein missratener Sohn, ein Kronprinz, der sich die Narrenkappe angezogen und in die Höhen Action-Komödie emporgegaukelt hat.

Keine Seite ohne Witz, das ist garantiert. Eingefleischte Leser, die mal Urlaub von verzwickten Kriminalfällen und psychopathischen Mördern brauchen, werden von den naiven, aber durchaus erfolgreichen Polizisten vom Revier Tief-Ost auf Lachkrampf getrimmt. Der Prolo-Bulle Drombusch, die stets haarscharf daneben liegenden Kripo-Beamtin Margitta Mehlhorn, der schräge Verschwörungstheoretiker Ralf Spinowski, der undurchschaubare Kaffeekassenknacker Schlieder und der Pate der sibirischen Mafia Boris Wladimirow sorgen für alles, was der Leser für ein paar gute Unterhaltungsstunden braucht: Action, Spannung, Fantasy und viele Lachkrämpfe:

Der böse Mann roch wie eine Gyrosküche, kurz bevor sie von Mitarbeitern des Hygieneamtes gestürmt wurde. Wenn der Mann grinste, sah man, dass er seinen Zahnarzt vor vielen Jahren beseitigt haben musste.

Ulbrich, der als Reporter bei der Freien Presse in Chemnitz arbeitet und bereits einige Kurzgeschichten in verschiedenen Satireblättern veröffentlichte, scheut sich in seinem Roman-Erstling nicht, die vielen unausgesprochenen Vorurteile und Klischees der deutschen Gesellschaft auszusprechen, die in der Sprachwelt der politischen Korrektheit nie öffentlich ausgesprochen, wohl aber gedacht werden. Polizisten sind doof, Moslems und Juden suspekt, Osteuropäer dumpf und gewalttätig. Sie alle befinden sich auf der Jagd nach einem Geheimnis, welches sie in jenes Polizeirevier führt, in dem alles geregelt aus dem Ruder läuft. Nichts ist dem Autor heilig. Die Karikaturen von dem Schwarzenberger Künstler Ralf Alex Fichtner (Künstlerkürzel: RAF) geben dem Hohn, den Ulbrich über die deutsche Gegenwart ausgießt, die letzte Würze.

Bei aller Komik ist der Roman gut durchstrukturiert. Manche Gags zünden gleich, andere bereitet Ulbrich sorgsam vor, um sie zehn, zwanzig oder gar fünfzig Seiten später hochgehen zu lassen. Mehrere größere Actionszenen steigern den Unterhaltungswert, allerdings muss der Leser sich auch ein wenig auf die wilden Verschwörungen und aberwitzigen Gestalten, die in einem tiefen Bunker auf ihn warten, einlassen. Realistisch scheint in diesem Buch kaum etwas zu sein. Dennoch wird der Leser das Gefühl nicht los, dass es so ähnlich im tiefen Osten Deutschlands – und womöglich auch weiter westwärts – genau so zugeht.

Ihre Meinung zu »Mario Ulbrich: Die Männer vom Revier Tief-Ost«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Dirk Kolenderski zu »Mario Ulbrich: Die Männer vom Revier Tief-Ost« 09.11.2004
Die Verschwörungs-Komödie, aus der Feder von Mario Ulbrich, gehört für mich zu den Highlights in diesem Jahr und bietet perfektes Lesefutter: Eine Geschichte, die sich flüssig liest. Augenzwinkernde, jedoch nicht alberne, dafür sehr kurzweilige und spannende Unterhaltung, dargeboten in einem lockeren Stil. Ulbrichs Charaktere sind herrlich skurill, sein Humor grandios! Wer bei den Männern des Revier Tief-Ost nicht grinst bzw. in herzhaftes Gelächter ausbricht, kann einfach nicht mehr unter den Lebenden weilen...!
Ihr Kommentar zu Die Männer vom Revier Tief-Ost

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: