Margery Allingham

Margery Louise Allingham wurde 1904 in London geboren. Die Schriftstellerei wurde ihr quasi in die Wiege gelegt; in ihrer Familie ersetzte sie die Hausmusik. Kaum verwunderlich, dass Margery beschloss, ihr Hobby zum Beruf zu machen – ohnehin eine der Anfang des 20. Jahrhunderts gar nicht so zahlreichen Möglichkeiten für eine Frau, selbstständig Geld zu verdienen. Sie hegte eine tiefe Liebe zum (noch stummen) Kino und erzählte viele Filmgeschichten für einschlägige Fanmagazine nach. So wirken auch ihre frühen eigenen Werke recht »filmisch«. Allingham veröffentlichte 1923 als Romanerstling »Blackkerchief Dick«, eine Romanze. In diesem Genre verfasste sich auch eine Reihe von Kurzgeschichten für Magazine. (Diese wurde erst 1995 unter dem Titel »The Darings of Red Rose« gesammelt.)

In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre entdeckte Allingham den Kriminalroman. 1928 erschien »The White Cottage Mystery« (dt. »Ein böser Nachbar«). Die Leserschaft reagiert positiv. Allingham, ein Profi und als freiberufliche Schriftstellerin finanziell an möglichst hohen Verkaufszahlen interessiert, blieb dem Genre treu. Sie erfasste rasch, dass sie ihr Publikum noch fester an sich binden konnte, wenn sie ihm eine Identifikationsfigur in Gestalt eines Serienhelden lieferte.

1929 erschien Albert Campion auf der Bildfläche. Allingham schuf ihn (übrigens in enger, lebenslanger Zusammenarbeit mit ihrem Ehegatten Philip Youngman Carter) als freundlichen, intelligenten, jungen Mann mit adligem Hintergrund – ein Gentleman-Detektiv à la Sherlock Holmes. Campion mutet naiv an, einerseits ein Kunstgriff, der ihn »harmlos« und seine kriminalistischen Großtaten eindrucksvoller wirken lässt. Andererseits ist der frühe Campion tatsächlich ein noch junger, oft unerfahrener Mann. Allingham stattet ihn mit einer Biografie aus, weist ihm als Geburtsdatum den 15. Mai 1900 zu und lässt ihn recht chronologisch altern. Mit den Jahren wird Albert Campion klüger (und ein wenig zynisch). Auch seine Fälle werden »moderner«; zwar bleiben sie »Whodunits«, aber sie orientieren sich sacht an der Zeitgeschichte und tun nicht so, als sei das viktorianische England nie vergangen.

Allinghams Thriller wurden von der Kritik und den Lesern gleichermaßen ob ihrer sauber gedrechselten, verwickelten Plots, der einprägsamen Figurenzeichnung und ihres Stils geschätzt. Zusammen mit Agatha Christie oder Dorothy L. Sayers gehörte sie zur Prominenz der britischen Kriminalschriftstellerinnen. (In Deutschland genoss sie seltsamerweise nie den Ruhm, der ihr zukommt; nur sporadisch wurden ihre Bücher übersetzt, erst relativ spät nahm sich in den 1980er Jahren der Diogenes-Verlag des Allinghamschen Œvres an, aber dann immerhin qualitätvoll übersetzt und ungekürzt.)

In den 1960er Jahren erkrankte Margery Allingham an Krebs. Sie erlag ihrer Krankheit am 30. Juni 1966. Dies war allerdings nicht das Ende von Albert Campion. Youngman Carter setzte die Reihe fort, er starb allerdings selbst bereits dreieinhalb Jahre später. Trotzdem blieb Albert Campion präsent; Allinghams Bücher werden ständig neu aufgelegt. Ende der 1980er Jahre gelang Campion der Sprung ins Fernsehen. In acht spielfilmlangen Episoden verkörperte ihn Peter Davison mit großem Erfolg.

Es gibt eine "Margery Allingham Society – natürlich mit eigener Website, die stets sehr aktuell gehalten wird: http://www.margeryallingham.org.uk.

Krimis von Margery Allingham

Seiten-Funktionen: