Der Kalenderblattmörder von Marek Krajewski

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Koniec świata w Breslau, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Polen / Breslau, 1910 - 1929.
Folge 2 der Eberhard-Mock-Serie.

  • Warschau: Wydawn, 2003 unter dem Titel Koniec świata w Breslau. 334 Seiten.
  • München: dtv, 2006. Übersetzt von Paulina Schulz. ISBN: 978-3423245395. 334 Seiten.
  • München: dtv, 2008. Übersetzt von Paulina Schulz. ISBN: 978-3423210928. 334 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, 2008. Gesprochen von Hans-Werner Meyer. gekürzt. ISBN: 978-3-455-30568-5. 2 CDs.

'Der Kalenderblattmörder' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Breslau 1927. Ein Musiker wird bei lebendigem Leibe eingemauert, ein Schlosserlehrling in Stücke gehackt, ein Stadtrat mit einer Klaviersaite an einem Fuß am Kronleuchter aufgehängt und erstochen. Bei jedem der Opfer findet man ein abgerissenes Kalenderblatt. Kriminalrat Eberhard Mock wird mit den Ermittlungen beauftragt. Er gilt als »Jagdhund« mit unfehlbarem Instinkt, welcher allerdings hin und wieder von seinem Hang zum Alkohol getrübt wird. Obendrein wird Mock ausgerechnet jetzt von seiner Frau verlassen und sein Neffe, für den er sich verantwortlich fühlt, gerät auf die schiefe Bahn. Am liebsten würde sich Mock ganz dem Studium der lateinischen Literatur widmen …Doch statt dessen muß er in den Stadtarchiven jahrhundertealte Dokumente studieren, die ihn auf die Spur des Mörders führen sollen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Durch Breslau braust der Meuchelmord« 93°Treffer

Krimi-Rezension von Bernd Neumann

Krimi-Couch-Volltreffer August 2006

Kriminelles aus Polen? Da fallt uns spontan als hartnäckige Klischees zumeist nur die Assoziation zu Autoschieberbanden, Zigarettenschwarzmarkt und organisiertem Etikettenschwindel bei Markenklamotten ein.
Kriminalliteratur aus Polen? Schon mal gelesen? Achselzuckend dürfte die Mehrheit der Krimifans jetzt ziemlich ratlos sein.

Und Hand aufs Herz: Außer dem Altmeister des utopischen Romans Stanislaw Lem und dem Guru der Literaturkritiker, dem gefürchteten und zugleich geschätzten Marcel Reich-Ranicki fallen wohl nur den Wenigsten und nur nach langem Nachdenken noch weitere Schöngeister ein, die innerhalb der aktiven schreibenden Zunft in Polen von internationaler Bedeutung sind und über die Landesgrenzen hinaus für Furore gesorgt haben.

Deshalb wird es allerhöchste Zeit, dass wir uns jetzt und an dieser passenden Stelle dem Namen Marek Krajewski (geboren 1966) mit der ihm gebührenden neuen Aufmerksamkeit widmen!

Aber Vorsicht!: Wer Hardcore-Krimiliebhaber ist, sich also mit Vorliebe bei leicht angesträubtem Nackenhaar bis zum frühen Morgengrauen von Seite zu Seite thrillt, wird nur mühsam Zugang zu Krajewski finden. Aber für die Fangemeinde des literarisch anspruchsvollen Kriminalromans mit Vorliebe zum authentischem Touch und der Liebe zur detailvollen, prallen Schilderung aus längst vergangenen Zeiten sind die aufgeschriebenen Begebenheiten im schaurigen Breslau ein garantiertes Lesevergnügen!

Dabei ist Marek Krajewski für den vielseitigen und aufmerksamen Leser in der deutschsprachigen Krimilandschaft durchaus kein Unbekannter: Sein Erstling Tod in Breslau erschien hierzulande bereits 2004 als Taschenbuch. Und was sehr aufschlussreich ist: Man schaue sich vom »Tod in Breslau« die dazu bisher geäußerten Leserkurzrezensionen auf unserem Internetportal ein wenig genauer an: Das lässt erahnen, welche unbeachtete Krimiperle in den diffusen Tiefen und zur Wahrnehmungslosigkeit überschattet von all den klangvollen Bestsellerautor/Innen hier vor sich hin schimmert – und deshalb leider auch noch vor sich hin schlummert!

Krajewski und sein altphilogogisches Potential

Marek Krajewski ist studierter Altphilologe und doziert an der Universität seiner Heimatstadt Wroclaw. Als Literatur- und Sprachwissenschaftler muss er wohl schon aus Gründen des Berufsethos ein Pedant mit der Liebe zur eindeutigen, unmissverständlichen Schilderung der Wahrheit sein. Krajewski also ein langweilender Erbsenzähler, ein nervender Korinthenkacker, der Spitzweg unter den Krimiautoren?

Weit gefehlt! Der neugierige, also von der Gier auf Neues angefixte Krimileser wird seine Freude haben an den überaus authentisch wirkenden Schilderungen der in seinen Romanen auftretenden Menschen und den äußeren Umständen, mit denen sie mehr oder weniger klarkommen müssen. Das erinnert stark an die Romane von Charles Dickens.

Die beschriebene Atmosphäre wird dem Leser durch diese penible Exaktheit so plastisch geschildert, dass er – mit etwas Fantasie begabt – mühelos in die Welt des Breslaus zwischen den Weltkriegen eintaucht und vom Handlungsstrudel unwiderstehlich mitgerissen werden wird.

Krajewski versteht es, beim Leser wirklich alle Sinne zu sensibilisieren. Man wird immer mehr vereinnahmt von der stürmischen Atmosphäre in dieser Stadt mitten in der wilden, scheinbar tabulosen Hoffnungs-, Umbruch- und Lebenszeit nach dem Ersten Weltkrieg. Und weil so Vieles haargenau geschildert wird, hat man ständig den Eindruck, der ganze Plot beruht fast ausschließlich auf geschichtsträchtiger Wahrheit und ist nicht das Fantasieprodukt eines fabulierenden Dichters!

Krajewski wird dabei zum altphilologischen Jäger und Sammler, der erfolgreich »Heimatkunde« betreibt und auf hohem literarischen Niveau der Stadt Breslau ein eindrucksvolles Denkmal setzt. Welch´ liebevolle Sisyphusarbeit, welch´ enormer Zeitaufwand, all diese vielen, scheinbar nebensächlichen Details aufzustöbern und zu einem stimmungsvollen und noch dazu schlüssigen Sittenbild zu vereinen!

Krajewski schreibt glaubhaft über die gesellschaftlichen Geschehnisse seines Kriminalromans. Alle beschriebenen zügellosen und lasterhaften Ereignisse (ungehemmte, drogengeschwängerte Sexualorgien stehen in der Breslauer Welt der Mondänen, Schönen und Reichen ebenso auf der Tagesordnung wie grenzenlose, hasardeurhafte Spielsucht und befremdliche okkultistische Treffen) vermitteln aufgrund der sehr genauen Beschreibung und plastischen Einordnung in Raum und Zeit einen hohen Echtheitsfaktor.

Und das ist ein kleiner, aber sehr feiner Unterschied zu den vielen Thrillern, bei denen häufig auf »Teufel komm raus« mit absonderlichsten Techniken blindlings gemordet wird.

Der Leser sitzt fröstelnd (gespannt und spannend beobachtend) im dunklen Fiaker und wird gnadenlos vom harten Breslauer Kopfsteinpflaster durch gerüttelt. Mittendrin statt nur dabei, einfach nur genial!

Breslau – das schlesische Berlin der Goldenen Zwanziger?

Breslau (das heutige Wroclaw) gehörte als wichtige Stadt Schlesiens im Jahre 1927 zum deutschen Territorium.
Und dieses Breslau kennt der Autor (berufsbedingt?) wie seine Westentasche, was es ihm zu einer Herzenssache macht, uns ein spannendes Sitten- und Unsittenbild dieser Metropole und seiner Menschen zu vermitteln.

Hauptfigur des Romans ist Herr Kriminalrat Eberhard Mock. Mock ist ein stämmiger, dunkelhaariger Vierundvierzigjähriger, der opulentes Essen und Trinken, Zigarren und antike Schriften zu seinen Leidenschaften zählt. Er ist verheiratet mit der fünfundzwanzigjährigen Sophie, die er wegen ihrer grünen Augen, langen blonden Haare, aber besonders wegen der üppigen Brüste unbedingt haben wollte. Sophie ist seine Gattin, seine Trophäe, die er gern als Platzhirsch stolz der Öffentlichkeit präsentiert. Sophie ist ein Objekt der Begierde:

» Sophie nahm eine Zigarette, in Gedanken versunken, und hob langsam den Blick. Die grüne Flamme ihrer Augen leckte über über die Gesichter der sie umgebenden Männer. Arme in Smokings schnellten nach vorn, unter den schneeweißen Manschetten blitzten manikürte Hände auf, die Feuerzeuge hielten.« 

Zum seinem Leidwesen ist die Ehe kinderlos, obwohl er Sophie so gern täglich beglücken würde. Aber eigentlich ist er auch ein heimlicher Schisser, der an seinen Sprüchen zweifelt und tief im Innersten Angst davor hat, sein machohaftes Getue unter Beweis stehen zu müssen und dabei als Mittvierziger kläglich zu versagen. So kommt in den entscheidenden Momenten von Sophies Willigkeit dann häufig ein dringender dienstlicher Anruf dazwischen, dem Eberhard Mock, schnell die Hose hoch ziehend und in seinen startbereiten Adler springend, auch prompt in vorgetäuschter Diensteifrigkeit selbst Nachts unverzüglich nachkommt. Das ist schließlich eine Frage der Berufsehre, auch wenn seine steile Karriere auf nicht ganz koschere Art und Weise abgelaufen ist.

Das führt zu Spannungen, Vorwürfen und Misshandlungen, da ziert schon mal ein zusätzliches Veilchen die schönen Augen von Sophie, da vergewaltigt Mock auch schon sein vollbusiges Objekt der Begierde, wenn es ihn animalisch übermannt. Reue und immense Blumengebinde, versehen mit markigen Bekenntnissen wie »Nie wieder!« sollen Sophie dann wieder wohl gesonnen stimmen. Die Ehe bröckelt mehr und mehr. Das treibt den jähzornigen Mock immer häufiger in die ortsansässigen Wirtshäuser und Bordelle, zugleich quält ihn aber auch (durchaus berechtigte!) Eifersucht. Er ist schließlich und letztendlich auch nur ein Mann, wenn auch ein stark gefühlskalter und berechnender. Kajewski schafft es bei Mock und den anderen Hauptakteuren seines Romans, hervorragende plastische Figuren darzustellen. Charisma pur, wenn auch meistens negativ besetzt.

Übrigens greift der egoistische Karrieremensch Eberhard Mock auch schon mal zu eigenwilligen Kompetenzüberschreitungen, um z.B. seine Frau Sophie oder seinen Neffen und Möchtegernsohn Erwin Mock beschatten zu lassen. Wozu hat man schließlich untergebene Mitarbeiter, die man dank seiner Stellung innerhalb der Hierarchie im Breslauer Polizeiapparat schon mal von laufenden Fällen für private Beschattungen unauffällig abzweigen kann?

Mock und die halbherzige Suche nach dem Serienmörder

Und im Fall des »Kalenderblattmörders« hätte die Breslauer Polizei eigentlich alle Hände voll zu tun. Schließlich treibt hier ein brutaler Serienmörder sein die Bevölkerung verunsicherndes und die Boulevardpresse hellhörig werdendes Unwesen.

Die ausgewählten Opfer lassen jedoch kein vordergründiges Opferprofil und StandardMordsystem erkennen, was für Serienmörder typisch wäre. Bemerkenswert ist nur, dass die Vorgehensweise immer äußerst brutal ist und an jedem Toten ein Kalenderblatt auf das Datum der Mordtat hinweisen soll.

Es dauert schon geraume Zeit, bis Eberhard Mock und seine Breslauer Polizeimitarbeiter auf die Spur kommen, dass die Aktivitäten des Kalenderblattmörders Bezüge aufweisen zu vergleichbaren Taten in der längst archivierten Geschichte Breslaus.

Als das verruchte und wilde Berlin sowie Wiesbaden mit seinem damals bis weit über die deutschen Grenzen bekannten Spielkasino weitere Tatorte der Verbrechen werden und eine stadtbekannte Breslauer Persönlichkeit nebst Gespielin in einem Bordell brutal hingerichtet werden, steht Mock unter ungewohntem Zugzwang. Der Serienmörder muss unter dem zunehmenden Druck der Öffentlichkeit und mit Einsatz aller Spezialisten schnellstens gefunden werden, bevor es zu weiteren Katastrophen und Imageverlusten der Breslauer Polizeispitze kommt.

Mitunter – wenn´s zügig gehen muss bei den Ermittlungen und Erfolge gefragt sind – griffen Eberhard Mock und seine nicht zimperlichen Breslauer Kriminalkollegen erfahrungsgemäß dann auch schon mal zur härteren, nicht ganz legitimen Gangart: Mit Schlagringeinsatz und die eigene Kleidung schützender Gummischürze konnten wichtige Verhöre schon mal ein wenig beschleunigt werden …

Dass Mocks verschollener Neffe Erwin und sein eigene Ehefrau Sophie plötzlich in die Fälle verwickelt zu sein scheinen, macht die Sachlage für den Kriminalrat nicht gerade einfacher. Die Jagd nach dem »Kalenderblattmörder« muss endlich erfolgreich abgehakt werden …

Mit »Der Kalenderblattmörder« hat uns Marek Krajewski als Professor für Altphilologie an der Uni Wrozlaw einen Kriminalroman geschenkt, in dem pulsierendes Leben und eine ungeheure kriminelle und amoralische Energie steckt.

In intensiver, wortgewaltiger und detailgetreuer Sprache wird die spannende Atmosphäre einer ganzen Stadt und ihrer Menschen verewigt.

Die Handlung des Kriminalromans ist verdichtet von Sonntag, den 27. November 1927 (Mitternacht) bis Freitag, den 27. Dezember 1927, neun Uhr morgens. Die jeweils exakte Zeit- und Ortsangabe wird als Entree für sämtliche, übrigens übersichtlich kurze Kapitel beibehalten. Das lässt für den aufmerksamen Leser durchaus Pausen zu, um (quasi zwischendurch...) wichtige Alltagsarbeiten nicht zu vernachlässigen und danach ohne Spickzettel wieder mitten im Roman zu sein: Keine Zeitsprünge, nur wenige Wechsel der Orte und Handlungsebenen.

Eine fast protokollarische Schilderung, die beim Leser Glaubwürdigkeit suggeriert. Ein Meisterwerk, Herr Krajewski, danke.

Der Roman wurde in Polen 2004 zum »Krimi des Jahres« ausgezeichnet, die deutsche Erstveröffentlichung katapultierte sich aus dem Stand in die Top 10 der »Krimi-Weltbestenliste 0606«, nachzulesen unter ARTE.

Das einzig Bedauerliche: Der Fall ist eine Art Beichte, die der lungenkrebskranke Eberhard Mock vom Sonntag, den 20. November 1960, zehn Uhr abends bis Montag, den 21. November 1960, fünf Uhr früh (sic!!!) seinem aus früheren Zeiten vertrauten Kollegen Herbert Anwaldt macht.

Ist mit dem Ableben von Eberhard Mock das Ende einer beeindruckenden Krimiserie aus dem Breslau zwischen den zwei Weltkriegen besiegelt? Es wäre ein Verlust für die europäische Krimilandschaft, was die Leser des »Kalenderblattmörders« sicherlich bestätigen werden.

Bernd Neumann, August 2006

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wernher zu »Marek Krajewski: Der Kalenderblattmörder« 14.11.2008
Ich muss einer KC-Couch-Leserin danken, die mich auf Marek Krajewski aufmerksam gemacht hat. Der Kalenderblattmörder ist der erste Krimi, den ich von ihm gelesen habe. Ich kann Herrn Neumann nur zustimmen: dieser Krimi ist ein Geschenk. Schon beim Lesen wurde mir klar, dass ich auf der KC Kommentare finden würde, die besonders solche Vokabeln wie: langweilig, öde und mies finden würde. Wenn ich auf die Ratschläge der Kommentatoren gehört hätte, wär mir schon mancher wirklich guter Krimi durch die Lappen gegangen. Gerade auch an der Sprache scheiden sich die Geister. Was mancher als aufgesetzt betrachtet, sehe ich eher als sprachliche Kunst. Wenn nämlich ein Kommentator schreibt:
"Pünktlich bei den zwei Schlägen der Turmuhr an der Universitätskirche hörte von Stetten, wie Mock das Papier aus der erschöpften Schreibmaschine befreite." Fossum oder Mankell hätten geschrieben: "Zwei Stunden später zog Mock das Papier aus der Schreibmaschine", hat er wohl nicht recht verstanden, was da steht. Es ist auch keineswegs peinlich, was Neumann schreibt in seiner Rezension, peinlich ist eher die Äußerung, Krajewski sei literarisch nicht in der Lage, seinen Protagonisten zu entlarven.
Es ist völllig in Ordnung, wenn ein Kommentator schreibt, er fand das Buch langweilig. Wer lieber auf bewährte Strickmuster zurückgreift, darf das gerne tun, aber es ist des Guten einfach zu viel, wenn mit geradezu haarsträubender Begründung ein Buch als mies bezeichnet wird. Wie recht Andre Gide doch hatte, als er schrieb: "Lesen gleicht dem Aufenthalt in spanischen Dorfgasthäusern; man findet nur das vor, was man selbst mitbringt."
Der Langeweile zum Trotz: 100 Punkte
6 von 6 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
dfranke zu »Marek Krajewski: Der Kalenderblattmörder« 02.03.2008
Mir persönlich hat das Buch nicht gefallen. Ich kann mich der positiven Kritik der KC nicht anschließen. Ich hatte mich auf einen interessanten Fall gefreut, denn der Plot klang durchaus spannend. Doch hier wird kein Mörder gesucht, sondern das Privatleben der Hauptperson, Eberhard Mock, beleuchtet. Und dies ist nicht gerade appetitlich: Sauferei und Völlerei mit ihren Nebenwirkungen, Mißhandlung und Vergewaltigung der Ehefrau. Auch beruflich ist der Ehrenkodex nicht gerade hoch. Wie in der Kritik erwähnt werden Untergebene mit privaten Ermittlungen beauftragt oder Verhöre mit Mißhandlungen durchgeführt. Das ist kein Buch für mich und meines Erachtens nach auch kein Krimi! Da konnten auch die Schilderungen über das Breslau in der damaligen Zeit, die durchaus interessant waren, nicht trösten. Ich werde es nicht weiterempfehlen.
1 von 8 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Swen Piper zu »Marek Krajewski: Der Kalenderblattmörder« 21.02.2008
Die Ausgangssituation ließ einiges erwarten: Weimarer Republik, Breslau 1927, ein Serienmörder geht um, geschrieben von Marek Krajewski einen Altphilologen aus Wroclaw, dem einstigen Breslau. Die gute Kritik von Bernd Neumann auf der Krimi-Couch hatte mich zudem neugierig gemacht. Tatsächlich Krajewski zeichnet durchaus lesenswerte Psychogramme und es gelingt ihm auch phasenweise die morbide Stimmung der zu Ende gehenden Weimarer Republik zu skizzieren und trotzdem ist dies ein mieses Buch. Zu abstoßend ist der ermittelnde Kriminalbeamte Mock, der seine Ehefrau schlägt und vergewaltigt, seine Untergebenen wie Marionetten behandelt und Folter für eine adäquate Verhörmethode hält. Kurz um, er ist ein Schwein und ein faschistoides dazu. So weit so gut (schlecht) könnte man meinen, aber was das Buch problematisch macht ist die Tatsache, dass es Krajewski nicht gelingt seine Protagonisten zu entlarven oder sich wenigsten von ihm zu distanzieren, ihn in Frage zu stellen. Ob er dies nicht möchte oder ob ihm einfach dazu die literarischen Fähigkeiten fehlen, sei dahingestellt. Das ganze Buch als eine Art Beichte zu konzipieren ist jedenfalls ein gescheiterter, geradezu lächerlicher Versuch die Person Mock und sein Handeln zu relativieren. Peinlich - es muss in diesem Zusammenhang einfach erlaubt sein dies zu erwähnen lieber Herr Chefredakteur der Krimi-Couch – ist die Kritik von Herrn Bernd Neumann, der in keiner Weise in Lage ist den Inhalt es Buches adäquat einzuordnen oder zu reflektieren.
1 von 8 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stephanie zu »Marek Krajewski: Der Kalenderblattmörder« 08.11.2006
Die Personen der Handlung werden sorgsam ausgestaltet und es kommt viel Atmospäre des damaligen Breslau rüber.
Oft ist es so, dass einem Personen in Büchern gerade wegen ihren Fehlern und Abgründen als Menschen sympathisch werden oder man mehr über sie erfahren möchte. Das ist hier nicht der Fall. Vielleicht ist es ja auch nicht die Absicht von Krajewski Sympathie für seine Hauptfigur Kriminalrat Mock zu erwecken. Ich konnte diesen Mock nicht leiden. Korrupt, egoistisch, brutal und gleichzeitig ein Waschlappen wenns um seine eigenen Gefühle geht. Die Fälle löst er mit viel Unterstützung von Fortuna, eher beiläufig. Mehr beschäftigt ihn sein eigenes Wohl. Nein, ich möchte nicht mehr über diesen Menschen erfahren.
Bis auf die Stelle im Casino kam bei mir keine rechte Spannung auf. Ein Buch muß ja auch nicht unbedingt spannend sein, aber dann sollte es in einer anderen Kategorie laufen und nicht als Krimi.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Marc zu »Marek Krajewski: Der Kalenderblattmörder« 08.10.2006
Ziemlich gespannt war ich. In fünf Buchbesprechungen wurde der Kalenderblattmörder empfohlen. Und dann so was. Die Kategorie "Krimi" ist falsch gewählt. Der Roman beschreibt die vielen negativen Eigenschaften des Herrn Mock und die Eheprobleme. Dieses Buch kann man getrost vergessen. Ein ziemlich zäher Kaugummi...... Und was ist an dieser Erzählung bitte "dicht"? Lediglich die beschriebenen Personen sind so zu bezeichnen.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Daniel zu »Marek Krajewski: Der Kalenderblattmörder« 11.09.2006
Dieses Buch hat mir leider nicht sonderlich gut
gefallen. Der eigentliche Kriminalfall findet leider nur auf ca.
100 Seiten statt, der Rest des Buches betrifft das Privatleben des
Herrn Mock mit all seinen Macken und Problemen, was ziemlich
öde ist. Zudem ist das Ende auch nicht besonders gut.
Fazit: " Durch Breslau braust ziemlich die Langeweile " und von mir gibts
leider nur 50 %, denn das einzig Interessante ist, wie es in Breslau
zu der Zeit so zugegangen ist.
Grüsse Daniel
Andrea zu »Marek Krajewski: Der Kalenderblattmörder« 31.08.2006
Durch einen Lesekreis, der jeden Monat den Volltreffer liest, bin ich an dieses Buch gekommen.

Ich habe es 100 Seiten vor Schluss entnervt in die Ecke geworfen. Einfach nur schrecklich langweilig, man findet überhaupt nicht in die Geschichte ein. Und die "Arbeit" des Ermittlers dreht sich wohl ehr um sein Privatleben...

Dieser Volltreffer ist für mich der Flop überhaupt. Schade
3 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Peter zu »Marek Krajewski: Der Kalenderblattmörder« 30.08.2006
Ich habe den Krimi aufgrund der positiven Reaktionen gekauft, ihn aber dann nach Seite 80 weggelegt. Ich konnte mich leider nicht auf die Geschichte einlassen, weil mir der Sprachstil zu aufgesetzt schien. Beispiel: "Pünktlich bei den zwei Schlägen der Turmuhr an der Universitätskirche hörte von Stetten, wie Mock das Papier aus der erschöpften Schreibmaschine befreite." Fossum oder Mankell hätten geschrieben: "Zwei Stunden später zog Mock das Papier aus der Schreibmaschine" - damit wäre alles gesagt gewesen, was für die Geschichte nötig gewesen wäre. Zugegeben: Geschmackssache, aber darüber darf man ja streiten.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
wolfgang reuter zu »Marek Krajewski: Der Kalenderblattmörder« 17.08.2006
Ich möchte mich der Meinung von Lars anschließen, B. Neumanns Rezension zeigt ausschließlich seine bei ihm gewohnte Begeisterung für die Sache, und hat mich schließlich zum Lesen überredet. Und tatsächlich ist das einer der besten Krimis, die ich seit längerem gelesen habe.

M.S´s Kritik am sog. "Schreibstil" halte ich weniger für ein Produkt seiner tiefen Sorge um die deutsche Sprache, sondern eher für einen persönlichen Angriff. Und soetwas hat hier nun wirklich nichts verloren.
Lars@Krimi-Couch zu »Marek Krajewski: Der Kalenderblattmörder« 16.08.2006
Lieber M. Suckow! Wie wäre es, wenn Sie - wie über dem Eingabefeld deutlich steht - Ihre Meinung zum Buch und nicht zur Sprachkompetenz Bernd Neumanns abgäben? Über Kritik am Schreibstil lässt sich sicherlich vortrefflich diskutieren, aber bitte nicht an dieser Stelle. Nebenbei: Die Verwendung eines Wortes wie "verquast" halte ich persönlich schon wieder selbst für - ... verquast.
Mit freundlichen Grüßen L. Schafft
(Chefredakteur)
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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