SexDotCom von Marcus Starck

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 bei Maas.
Ort & Zeit der Handlung: Australien, 1990 - 2009.

  • Berlin: Maas, 2003. Pulp master, Bd. 17. ISBN: 3929010887. 380 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2005. Gesprochen von Knut Müller. 9 CDs.

'SexDotCom' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein Schweizer Finanzkonsortium will gnadenlos den Dot-Com-Boom der New Economy ausnutzen und zu diesem Zweck gemeinsam mit dem australischen Pornokönig Brad Knight das Internet-Erotik-Unternehmen SexDotCom gründen. Da Brad Knight keinerlei Erfahrung mit börsennotierten Unternehmen hat und ihm außerdem noch Kontakte zu der kriminellen Bikergang Graveyard-Angels nachgesagt werden, holt man gegen seinen Willen den deutschen Manager Andreas Berger ins Boot, der das Unternehmen in einer erfolglosen australischen Minengesellschaft im Zuge eines Backdoorlistings platziert, um mit neuem Geschäftszweck den Aktienkurs in ungeahnte Höhen zu treiben. Brad Knight akzeptiert Berger vorerst als notwendiges Übel, der Konflikt zwischen den beiden ist jedoch vorprogrammiert und eskaliert, als Berger immer mehr die Kontrolle im Unternehmen übernimmt. Brad Knight entscheidet, dass Berger verschwinden muss …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein bemerkenswertes Debüt« 76°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Krimi-Couch-Volltreffer Oktober 2003

Sex and Crime ist eine altbewährte Formel für erfolgreiche Filme wie Kriminalromane. Der gebürtige Österreicher und mittlerweile Wahl-Australier Marcus Starck fügt in seinem Debüt »SexDotCom« eine dritte Komponente hinzu: Geld. Viel Geld. Es geht um Millionen. Denn SexDotCom (gesprochen für die Internetadresse www.sex.com), ein Unternehmen der so genannten New Economy, soll an die Börse gebracht und mit allerlei legalen und illegalen Tricks der Kurs der Aktie in die Höhe getrieben werden. Ohne Interessenskonflikt kaum zu bewerkstelligen, womit wir direkt zu Starcks erstem Handlungsstrang kommen.

Brad Knight und sein Kompagnon Rob Brown betreiben eine wenig lukrative Kette an Sex-Shops down under, das Unternehmen steht kurz vor der Insolvenz. Doch Knight, ein windiger, skrupelloser Geschäftsmann, hat die Idee schlechthin, wie sie schwarze Zahlen schreiben können: Telefon-Sex. Dieses Geschäftsmodell leuchtet auch den Schweizer Investoren der Gekko Venture Capital AG ein, sie wollen »Erotica«, so der Name der Kette, an die Börse bringen und wittern den großen Reibach.

Genau so wie die Finanziers schon die Dollar-Zeichen in den Augen haben, misstrauen Sie aber Knight und Brown, weswegen Andreas Berger, ein junger, dynamischer, kompetenter Manager das Unternehmen zu dem machen soll, was man sich von so vielen in den goldenen Zeiten der New Economy erhoffte: »Erotica« soll an der Börse zum Goldesel mutieren, online soll verdient werden und am besten unter dem plakativen Namen SexDotCom. Man ahnt es, dass Brad Knight, der den Glamour der Branche genießt und keine Sex-Orgie auslässt sowie Kumpel Rob Brown, völlig talentfreier und ein wenig beschränkter Unternehmer, wenig angetan von der Idee sind, einen typischen »Kraut«, effizient aber wenig unterhaltsam, vor die Nase gesetzt bekommen.

Anfangs sieht noch alles danach aus, dass die Gier nach Dollars Knight und Berger wenigstens effizient zusammenarbeiten lässt, doch nachdem die Hiobsbotschaft eintritt, dass die australische Regierung das Geschäft mit dem Sex am Fon de fakto zunichte macht, spitzt sich die Beziehung der beiden Manager zu – Berger schwebt in Lebensgefahr, da Knight nicht nur beste Beziehungen zu einem korrupten Cop sondern auch zur Bikergang »Graveyard Angels« unterhält, die vor nun wirklich gar nichts zurückschreckt …

Durchatmen. Marcus Starck liefert in seinem Debüt SexDotCom Krimistoff der härtesten Sorte. So hart, dass es unvorstellbar scheint, dass sein Roman woanders erscheinen könnte als in der »Pulp Master-Reihe« im Maas-Verlag. Begriffe wie »Facials«, »Snuff-Movies« & Co. sollen an dieser Stelle deswegen auch nicht erklärt werden, wer sich diesbezüglich weiterbilden möchte, wird im Netz dazu genug finden. Nah an der Würg-Grenze sind aber auch die Foltermethoden der Graveyard Angels (Säureduschen), die masochistischen Sex-Vorlieben des besagten Cops (Nadeln in den Genitalien), die Drehs von Hardcore-Gewalt-Pornos und das, was Journalisten auf einer Teen-Sex-Seite im WWW finden.

Nun kann man argumentieren, dass diese explizite Brutalität und Kaltblütigkeit eben zu einem »Pulp«, zu einem Krimi dieses Sub-Genres, dazugehören wie Sozialkritik zu einem Wallander-Roman. Ganz so deutlich soll der Zeigefinger an dieser Stelle dann auch nicht erhoben werden, doch ganz klar gesagt sein: »SexDotCom« verdient eine FSK mindestens ab 16, zart besaitete Gemüter sollten sich dreimal überlegen, ob sie in diesem Roman eine vergnügliche Lektüre vorfinden werden.

Abgesehen davon ist Marcus Starck ein beeindruckendes Debüt gelungen. Einmal im Thema drin, gibt´s kein Entkommen. Schnörkellos, actionreich und mit zahlreichen Perspektivwechseln scheucht Starck den Leser durch die knapp 400 Seiten, gibt fundierte Einblicke ins vermeintliche Glamour-Business Sex-Industrie und die kriminelle Energie, mit denen Top-Manager ihre Geldgeilheit zu befriedigen versuchen.

Wie viel letztendlich von SexDotCom wirklich passiert ist oder geschehen sein könnte, lässt Autor Marcus Starck offen, Herausgeber Frank Nowatzki unterstreicht in seinem Vorwort allerdings, dass es sich nicht um Fakten sondern um Fiktion handelt. Starke Fiktion ohne Zweifel, wenn der Rummel um die Veröffentlichung von SexDotCom in diesem Maße auch nicht ganz einleuchten will. Insider mögen sich angegriffen fühlen, der »normale« Leser wird aber nur schwerlich Querverbindungen zu real existierenden Tatsachen, Personen oder Unternehmen ziehen können.

Fans der härteren Gangart abseits jeglichen Mainstreams sei SexDotCom insofern dringendst ans Herz gelegt, Starcks Erstling ist ein Thriller, der dank starker (männlicher) Charaktere und der Verknüpfung von Wirtschaftskriminalität der neueren Art mit Bandenkriminalität der alten Schule hängen bleibt.

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Mario Zuppa zu »Marcus Starck: SexDotCom« 04.11.2003
Trash or Treasure?

Pulp bedeutet Schundroman, das wissen wir seit Bruce Willis John Travolta in einer kleinen Toilette umgenietet hat. SexDotCom ist ein ehrlicher knallharter Pulp-Thriller, der weit abseits des mainstream orientierten Literaturbetriebes steht. Kein Wunder, dass dieses Buch seinen Weg über die Edition Pulp Master im Berliner Maas Verlag seinen Weg zum Leser findet.

Trash? Auf dem ersten Blick mag es so aussehen. Schon die im Vorwort erzählte Entstehungsgeschichte liest sich wie ein Krimi. Die Geschichte selbst ist eine Mischung aus Geldgier, Sex und Gewalt. Marcus Starck liefert in seinem Debüt "SexDotCom" einen Thriller der härtesten Sorte. Auf Begriffe wie "Facials", "Snuff-Movies" etc. möchte ich nicht näher eingehen. (Wer wissen möchte was das bedeutet soll bitte selbst danach Googlen). Jedoch auch die Foltermethoden der Bikiegang Graveyard Angels, die masochistischen Sexpraktiken eines korrupten Bullen, die Drehs von Hardcore-Gewalt-Pornos und Snuff Shows, das alles ist Trash. Guter Trash, sauguter Trash sogar!

Treasure? Definitiv. Gibt es das alles wirklich? Ist das alles wirklich so passiert? Wahrscheinlich, aber sowohl Autor als auch Verlag betonen immer wieder, dass es kein Schlüsselroman ist. Dass Starck dabei auf eigenen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann gibt dem Buch zwar eine authentische Färbung, nichts desto trotz ist es Fiktion, hoffe ich zumindest. Das Ausmaß mit dem Starck den Blutkreislauf unserer Kultur infiziert hängt unmittelbar von der Bereitschaft des Lesers ab das Buch nicht als Reflektion der Welt wie sie ist zu betrachten, sondern es als ein Fenster in eine andere Realität, wenn auch eine, die uns völlig unverständlich erscheint.

Ich bin davon überzeugt, dass es sich hierbei um einen aussichtsreichsten Anwärter auf den nächsten deutschen Krimipreis handelt. In jedem Fall ein lesenswertes Debüt.

Mario Zuppa
Eric Stefan zu »Marcus Starck: SexDotCom« 21.09.2003
Ich habe den Autor einmal Live erlebt. Es war in München, im Arabella Hotel, soviel ich mich erinnere. Er war damals noch als Vorstand eines Sexunternehmens unterwegs. Zusammen mit Malcolm Day hat er uns auf einem Investorentreffen damals so richtig eingeheizt. Hat er sich jetzt von Saulus zu Paulus gewandelt? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

Aber Schreiben kann er. Ich habe das Buch gelesen, nachdem ich bei wallstreet-online.de darauf aufmerksam gemacht wurde. Es ist ziemlich Dick, fast 400 Seiten, trotzdem schaffte ich es nicht das Buch wieder aus der Hand zu legen. Die Geschichte ist spannend erzählt und hochinteressant. Die Kombination aus High-Tech-Abzockern im Buch Andreas Berger, Bernhard Lingen, Dr. Reiter etc und den "Old-School-Crime" Fuzzis ala Brad Knight, Mullet, Chrome etc. ist etwas neues, noch nicht dagewesenes.

Angeblich hat der Autor ja dem Managerdasein den Rücken gekehrt und will sich nur noch dem Schreiben widmen. Da kann man gespannt sein, ob dieses wirklich gelungene Debüt eine Eintagsfliege ist, oder ob da noch etwas nachkommt. Wünschenswert wäre es mehr von ihm zu lesen!

Eric
Alex Braun zu »Marcus Starck: SexDotCom« 12.09.2003
Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Thriller dieses Kalibers erwartet man eigentlich nicht aus dem deutschen Sprachraum. Doch ganz plötzlich, out of the Blue, ist tatsächlich einer da. Ein Wahnsinnsdebüt.

Häufig kennen nur Insider die dubiosen Machenschaften einiger unsauberer Finanz-Experten, hier aber wird für jedermann anhand atemberaubender Pulp-Fiction erklärt, was aus Ihrem Geld geworden ist, dass Sie an der Börse mit Dot-Com-Unternehmen verzockt haben.

Marcus Starcks fiktive, aber doch so real anmutende Story handelt von einem Internet-Unternehmen der Sexindustrie, dass im Zuge eines so genannten Backdoorlistings an die Börse gebracht wird, um mit dieser Seifenblase den Aktienkurs in die Höhe zu treiben. Dreh- und Angelpunkt des Thrillerdebüts ist der Konflikt zwischen dem deutschen Manager Andreas Berger und dem zwielichtigen Pornokönig Brad Knight, der zwar von börsennotierten Unternehmungen keinen blassen Schimmer hat, dafür aber einen direkten heißen Draht zu der kriminellen Bikergang "Graveyard Angels" und dem korrupten Cop Chuck Despott. Kurz nachdem die ersten Millionen fließen, steht Berger bereits auf der Abschußliste, genauso wie zahllose Kleinanleger und minderjährige Opfer von Hard-Core-Spam.

Marcus Starck soll wohl selbst einst als Vorstand in einem der führenden Unternehmen der Branche tätig gewesen sein und mußte nach seinem Ausstieg sogar Namen und Adresse ändern, stand zeitweilig wohl sogar unter Polizeischutz, weil sich irgendjemand wegen dem Buch auf die Füße getreten fühlte. Kann man irgendwie verstehen. Ich bin jedenfalls nach der Lektüre geläutert und werde von Pennystocks in Zukunft die Finger lassen.
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