Im Schatten der Pineta von Marco Malvaldi

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel La briscola in cinque, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Italien / Toskana, 1990 - 2009.
Folge 1 der Massimo-Serie.

  • Palermo: Sellerio, 2007 unter dem Titel La briscola in cinque. 163 Seiten.
  • München: Piper, 2011. Übersetzt von Monika Köpfer. ISBN: 978-3-492-26424-2. 192 Seiten.

'Im Schatten der Pineta' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Welch eine Hitze! Die sommerlichen Temperaturen in Pineta, dem toskanischen Städtchen an der ligurischen Küste, sind eigentlich nur an einem Ort zu ertragen – in Massimos Café BarLume. Und hier sitzen sie dann auch, die vier alten Männer, und vertreiben sich die Zeit. Mit Espresso, Sambuca, Kartenspiel – und Dorfklatsch. Und was haben sie nicht alles zu besprechen! Als ganz in der Nähe der Bar ein junges Mädchen ermordet aufgefunden wird, sind selbst die alten Männer sprachlos. Aber nur ganz kurz.

Das meint Krimi-Couch.de: »Krimi ist, wenn man trotzdem lacht. Ein großartiges Debüt.« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Um es gleich vorweg zu nehmen: Marco Malvaldi, Jahrgang 1974, ist eine der Neuentdeckungen des Jahres (Startauflage: 50.000 Exemplare)! Selten kam ein Erstlingswerk so federleicht daher wie Im Schatten der Pineta, wobei sich einem allein der Buchtitel nicht ganz erschließen will, denn Pineta ist eine Stadt. Genauer gesagt ein kleiner Ort in der Toskana, gelegen an der ligurischen Küste. Hier soll es also sein, das neue Zentrum des Verbrechens, denn zwei weitere Krimis um den kauzigen Barbesitzer Massimo sind in Italien bereits erschienen. Doch der Reihe nach.

Mitten in der Nacht taucht in der BarLume ein junger Mann auf, um telefonisch einen Leichenfund zu melden. Da er nach einem ausgiebigen Discobesuch jedoch mit Alkohol und anderen Drogen zugedröhnt ist, glaubt ihm die Polizei natürlich nicht. Massimo, der Inhaber des Cafés BarLume, wittert eine gute Geschichte, denn Klatsch und Tratsch sind das Elixier seiner Kunden. So fährt er mit dem Mann zu einem Parkplatz, wo tatsächlich die Leiche einer jungen Frau in einem Container liegt. Wenig später ist die Polizei zur Stelle, allen voran Commissario Vinicio Fusco, der für seine Arroganz und Unfähigkeit stadtbekannt ist. Der anwesende Gerichtsmediziner Dr. Carli kennt das ermordete Mädchen, da er mit dessen Mutter befreundet ist. Es handelt sich um die 19-jährige Alina Costa, die am Abend ihrer Ermordung mit Bruno, einem ihrer Verehrer, verabredet war. Für Fusco der ideale Täter und auch im Café BarLume sind sich alle Gäste einig. Alle, bis auf Massimo, der fest von der Unschuld des Jungen überzeugt ist…

Gino, Pilade und Ampelio (alle zwischen 74 und 82 Jahre alt) und Restaurantbesitzer Aldo treffen sich nahezu täglich in ihrem heimlichen Wohnzimmer, dem Café BarLume. Dort wird getrunken, Karten gespielt (vor allem Briscola) und getratscht. Ein Mord kommt da natürlich wie gerufen, sehr zum Leidwesen von Ampelios Enkel Massimo.

Ich weiß nur, dass ich mir offensichtlich ein neues Ladenschild zulegen muss. Das Schild mit dem Schriftzug »Bar« muss ich runternehmen und es durch eines ersetzen, auf dem »Kommissariat« steht, damit die Leute endlich wieder hereinkommen, um einen Kaffee zu bestellen, statt mir mit dem Mordfall auf den Wecker zu gehen.

Man hat das Gefühl als würde man am Nebentisch der alten, ständig nörgelnden Herren sitzen, die natürlich nie um einen geistreichen Kommentar verlegen sind. Da zudem einige Zeugen und Beteiligte in dem Café aufkreuzen, um Massimo ins Vertrauen zu ziehen – dem trotteligen Fusco traut eh´ niemand was zu -, wird dieser zum Ermittler wider Willen. Dabei gerät auch schon mal sein Zeitplan durcheinander.

Der Wecker. Ist das der Wecker? Ach du Scheiße! Na gut, ich steh ja schon auf. Also, wo sind meine Pantoffeln? Oh, ihr hübschen Pantöffelchen. Na ja. Du meine Güte, was hab ich wieder für einen Geschmack im Mund. Fühlt sich an, als hätt ich ein Kilo Staub gefressen. Als Erstes einen Kaffee. Nur gut, dass es Kaffee gibt. Das muss ein toller Typ gewesen sein, der den Kaffee erfunden hat. Bestimmt der Cousin von dem Genie, der das Bett erfunden hat.

Im Schatten der Pineta könnte als Theaterstück gespielt werden, denn die Handlung spielt fast ausschließlich in Massimos Café und in Fuscos Büro. Der Krimiplot ist ordentlich, die Atmosphäre zum Greifen nah und das Ganze wird mit einer überaus großen Brise Humor garniert. Die Dialoge sind vom Feinsten und gegen Ende des Romans gibt es sogar noch eine kleine Verbeugung vor Altmeister Leonardo Sciascia. Der Sommer kann also kommen, aber achten Sie auf Ihre Lachmuskulatur.

Jörg Kijanski, Mai 2011

Ihre Meinung zu »Marco Malvaldi: Im Schatten der Pineta«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Liane zu »Marco Malvaldi: Im Schatten der Pineta« 27.09.2016
Bisher war die Meinung/Bewertung von krimi-couch.de für mich immer zutreffend und eine Leseempfehlung. Auf dieses Qualitätsurteil habe ich mich beim Kauf verlassen, zumal es auch auf der Umschlagrückseite als Kurzauszug abgedruckt ist. Meine Enttäuschung ist riesig, nachdem ich mich über 188 Seiten gelangweilt habe. Das ist kein Krimi!Zu 80% besteht das Buch, das ich wohl nur aufgrund seiner Seitenanzahl zu Ende gelesen habe, um das uninteressante Privatleben (und die Gedanken zu allem möglichen) des Barbesitzers und das allgegenwärtige Geschwätz vier alter Chauvinisten, die sich dort permanent aufzuhalten scheinen. Dass solche Greise eine abwertende, schon direkt frauenfeindliche Meinung vertreten, mag dem Alter geschuldet sein. Dass aber der Barbesitzer eine kaum bessere Meinung über Frauen hat und kein Mitgefühl für das jugendliche weibliche Opfer empfindet, wirkt auf mich schlichtweg abstoßend.Aus den erhellenden Gedanken des Barbesitzers jedenfalls wird der Leser ausgeschlossen, um am Ende die Aufklärung nur erzählt zu bekommen, anstatt "live" dabei zu sein.Mein Fazit ist schließlich jedem, der einen Krimi in der Toskana zu lesen wünscht, von diesem Buch abzuraten, denn es hat außer unnötigen Dialogen keine Atmosphäre!
Susi zu »Marco Malvaldi: Im Schatten der Pineta« 04.08.2013
Hat jemand das Buch auch auf Italienisch gelesen? Das tue ich gerade...konnte man denn irgendwie die toskanischen Jokes ( cioé le battute in dialetto) ins Deutsche transportieren. Die sind doch fast das Beste, oder?
Ich habe jetzt jedenfalls wieder ein wenig Lust aus Krimis und! die Toskana!
Che ridere!
Gerd Heger zu »Marco Malvaldi: Im Schatten der Pineta« 05.04.2013
Ist mein erster Krimi, den ich auf Italienisch lese. Mir gefällt der Wortwitz und die Stimung... ;-) Mal sehen, wer der Täter ist.

Natürlich auch gut, dass er schon übersetzt ist, kommt aus demselben Verlag wie Camillieri und hat, gerade wegen der Gemütlichkeit des Plots, doch auch recht viel Ähnlichkeit.

Muss etwas passieren, wenn es so heißt ist? No!
SchwarzeMietzeKatze zu »Marco Malvaldi: Im Schatten der Pineta« 31.07.2012
Sehr charmant, aber leider ohne eine Geschichte.

Der Barbesitzer Massimo im verbalen Ringkampf mit vier älteren Herren glänzt durch sprachliche Gewandheit und einem feinen Witz. Auch wird die Atmosphäre eines kleinen italienischen Küstendorfes wunderbar transportiert und man fühlt sich beim Lesen als wäre man im Urlaub.

Allerdings sucht man einen Krimi hier vergebens. Es gibt zwar eine Leiche, einen Commissario, Verdächtige und Indizien, aber alles läuft auf Sparflamme, als sei es zu warm und man selbst zu träge, um sich mit einer raffinierten Handlung beschäftigen zu wollen. Denn genau dies fehlt mir hier, es gibt keine Geschichte.
Dem Barista Massimo, nebenbei bemerkt ist der Charakter großartig gezeichnet, fliegen die Erkenntnisse nur so zu, er tauscht Neuigkeiten aus und präsentiert uns am Ende in einem Vortrag und ohne das man als Leser an Ereignissen teilhaben durfte, die Auflösung.
Und erinnert mit dieser Art ein bisschen an die Urväter (und Urmütter!) der Kriminalliteratur.

Ich finde es schade, dass so wenig Handlung und Entwicklung in diesem Roman zu finden ist, sind doch die Charaktere und der Stil so voller Potential.
mylo zu »Marco Malvaldi: Im Schatten der Pineta« 19.06.2012
Das ist ein Krimi, den man im Sommer, am besten in der Toskana, bei einem guten Glas Wein einfach genießen kann.
Ein Sprachwitz ganz besonderer Sorte der sich so leicht und beschwingt liest, obwohl die Kriminalgeschichte auch vom Feinsten ist. Ein sehr interessanter Plot wo der von Natur aus unverdächtigste zum Täter wird. Mehr sei nicht verraten, Super, selbst lesen und seine Freude haben.

90 Punkte.
Amanleian zu »Marco Malvaldi: Im Schatten der Pineta« 19.10.2011
Italien at it's best.. Am Ende des Buches wünschte ich mir nichts sehnlicher als am Nachbartisch der alten Herren zu sitzen und deren Gespräche zu verstehen... Ich bin gespannt, ob die Folgebücher halten was dieser Roman verspricht. Das Buch liest man leicht, am Besten in der italienischen Umgebung.
mireille zu »Marco Malvaldi: Im Schatten der Pineta« 12.06.2011
Liest sich super einfach. es ist nicht der Mord der im Mittelpunkt steht sondern die Alten und der Barbesitzer der ein gespür eines Commissario hat.Er gibt sowohl einblick in sein Privat Leben um Ihn besser kennen zu lernen als auch die Freude an seine Bar und an die Auflösung des Falles. Freue mich schon auf das zweite Buch das hoffentlich bald übersetz wird.
Ihr Kommentar zu Im Schatten der Pineta

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: