Eine Frau für den Barista von Marco Malvaldi

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Il telefono senza fili, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Piper.
Folge 5 der Massimo-Serie.

  • Palermo: Sellerio Editore, 2014 unter dem Titel Il telefono senza fili. 208 Seiten.
  • München: Piper, 2016. Übersetzt von Luis Ruby . 208 Seiten.

'Eine Frau für den Barista' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Alice Martelli. So heißt die neue Kommissarin in Pineta. Da sie von Klatsch als Ermittlungsmethode nicht wenig hält, macht sie bald die Bekanntschaft der BarLume und ihrer eigentümlichen Stammgäste. Die vier Senioren erläutern ihr auch umgehend ihre Theorie zum Verschwinden von Vanessa Benedetti. Sie sind sich sicher, dass ihr Ehemann sie zum Schweigen gebracht hat. Trotz der Affenhitze gelingt es den vier Alten – selbstverständlich wie immer mit der Unterstützung von Massimo, ihrem Barista, – am Ende jede Unklarheit zu beseitigen. Mithilfe messerscharfer Witze und tödlicher Wortgefechte.

Das meint Krimi-Couch.de: »Unterhaltsamer Fall mit bissigen Dialogen« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Vanessa Benedetti ist verschwunden. Dabei hatte sie doch gerade erst große Mengen Fleisch für einen Grillabend mit ihren Hotelgästen eingekauft. Da in der gleichen Nacht angeblich der Wagen ihres Mannes mit geöffnetem Kofferraumdeckel an einem Entwässerungsgraben gesehen wird, brodelt die Gerüchteküche in dem kleinen toskanischen Örtchen namens Pineta. Allen voran in der BarLume zerreißen sich die rüstigen Rentner Gino, Pilade, Aldo und Ampelio den Mund und versuchen auf ihre Weise, den mysteriösen Fall zu lösen.

»Hast du keine Lust mehr auf Fußball? Du wirst alt.«
»Was heißt alt werden, war er jemals jung?«
»Ach, ihr könnt mich mal kreuzweise. Es ist einfach alles viel zu viel. Die Liga von Samstag bis Montag, dienstags und mittwochs Champions League, am Donnerstag EUFA Cup...«
»Der heißt jetzt Europa League.«
»Na super. Ich bleibe bei UEFA Cup. Für den Freitag haben sie noch nichts gefunden, aber halb so schlimm, am Samstag geht’s ja wieder von vorne los …Herr im Himmel, Fußballfan sein ist schlimmer als ein Vollzeitjob!«
»Was verstehst du denn vom Arbeiten?«

Massimo, Besitzer der BarLume, gerät somit erneut in aktuelle Ermittlungen, die eigentlich gar keine sind. Eine Vermisstenanzeige liegt nicht vor und so kann die neue Kommissarin Alice Martelli auch keine polizeiliche Suchaktion starten. Dann kommt plötzlich Schwung in die Geschichte, denn der beliebte Kartenleger, Atlas der Leuchtende, deutet in einer Fernsehsendung an, dass er weiß, wo sich Vanessa aufhält. Nur einen Tag später ist er tot. Erschossen. Mord oder Selbstmord? Und wo ist Vanessa?

Amüsant zu lesen, wenngleich mit leichten Abnutzungserscheinungen

Marco Malvaldi setzt seine beliebte Barista-Massimo-Reihe fort und legt mit Eine Frau für den Barista den bereits fünften Fall vor. Wie schon die Vorgänger spielt die Handlung zu gefühlten neunzig Prozent in den Räumen der BarLume und bezieht ihren besonderen Charme aus den giftig-galligen Sprüchen des rüstigen Rentnerquartetts. Zu seinem Leidwesen muss sich Ampelio dabei auch noch den einen oder anderen Spruch von Massimo, seinem Neffen, reindrücken lassen. Aldo hat derweil eingesehen, dass sein Restaurant nicht funktioniert und wagt einen Neustart mit einem Weinlokal, welches sich schon bald großer Beliebtheit im Ort erfreut. Massimo steigt als Partner ein und auch die hübsche Tiziana ist wieder mit dabei. Diese fühlt sich von ihrem Ex-Mann Marchino verfolgt, der allabendlich das Weinlokal besucht.

»Massimo, der gerade aufstehen wollte, erstarrte für einen Moment, die Hände auf den Armlehnen und die Oberarme so angespannt wie Kleopas auf Caravaggios Abendmahl in Emmaus. Sollte der geneigte Leser dieses Bild nie gesehen haben, so tut es mir leid für ihn: Vielleicht sollte er mal anfangen, sich ein wenig Bildung anzueignen, anstatt seine Zeit mit Krimis zu verschwenden.«

Die Geschichte gründet sich auf Dorftratsch, an dessen Verbreitung sich die Rentner nur allzu gerne beteiligen und an dem offenbar auch die neue Kommissarin Alice Martelli ihren Gefallen findet. Oder sollte sie sich eher für den Barista interessieren, wie der Buchtitel suggeriert? Da die meisten sogenannten Informationen vom Hörensagen stammen, erweisen sich einzelne Spuren und Verdachtsmomente später als Irrtümer, was manchen Krimifreund ein wenig enttäuschen könnte, da er sich recht simpel aufs Glatteis geführt fühlt. Allerdings darf man hier ohnehin keinen stringent entwickelten Plot klassischer Prägung erwarten, da es mehr um die verbalen Scharmützel geht. Diese werden nach wie vor in aller Schärfe geführt, wobei sich hier und da erste Abnutzungserscheinungen zeigen, vor allem wenn auf die körperlichen Gebrechlichkeiten der Alten gezielt wird. Dennoch, wer gerne Krimis liest, bei denen man an zahlreichen Stellen durchaus schmunzeln kann, ist bei dieser Serie noch immer richtig.

Jörg Kijanski, September 2016

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