Schnitt von Marc Raabe

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Ullstein.

  • Berlin: Ullstein, 2012. ISBN: 978-3-548-28435-4. 447 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2012. Gesprochen von Sascha Rotermund. ISBN: 3899033612. 5 CDs.

'Schnitt' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein kleiner Junge beobachtet einen grausamen Mord. Und er vergisst. Dreißig Jahre lang. Bis seine Freundin in die Hände eines gefährlichen Psychopathen gerät. Nur wenn er sich erinnert,kann er sie retten. Doch das ist sein eigenes Todesurteil.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn das Gehirn den Menschen schützt« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Elf Jahre alt ist Gabriel Naumann, als seine behütete Kindheit in einem Alptraum endet. In dieser Schreckensnacht werden seine Eltern getötet und das Haus der Familie brennt auf die Grundmauern nieder. Nur Gabriel und sein Bruder Daniel überleben – schwer traumatisiert. Der jüngere Bruder war in seinem Zimmer eingeschlossen, und wird von Gabriel gerettet, aber dieser kann sich absolut nicht an die Ereignisse des Abends erinnern. Beide Brüder landen in einem Heim, für Gabriel folgt ein Aufenthalt in der geschlossenen Anstalt. Er wird mit Elektroschocks gequält, und eine Drogenkarriere schließt sich an. 29 Jahre nach der schicksalhaften Nacht ist er clean, arbeitet seit vielen Jahren für eine Sicherheitsfirma – und kann sich noch immer nicht erinnern.Eines Abends wird er während der Arbeit von seiner schwangeren Freundin Liz angerufen, die überfallen wurde. Gabriel rast zum Ort des Geschehens, aber Liz ist nicht da. Damit beginnt für ihn ein absoluter Alptraum, denn sie ist entführt worden und keiner glaubt ihm. Die Suche nach seiner Freundin führt Gabriel in die finsteren Tiefen seiner Vergangenheit.

Marc Raabe hat mit diesem fulminanten Psychothriller seinen beachtenswerten ersten Roman vorgelegt – und gleich einen Treffer gelandet. Schon mit dem Prolog macht der Autor deutlich, dass es hier richtig zur Sache geht. Dabei wird erst anschließend deutlich, wo das Problem liegt. Der Protagonist kann sich an die dramatische Nacht nicht erinnern, und der Leser muss oder darf mit ihm rätseln. Im weiteren Verlauf setzt der Autor weniger auf rasante Action, als vielmehr auf meisterhaft inszenierte psychologische Spielchen.

Die primäre Perspektive ist die des Hauptprotagonisten Gabriel, aber es gibt auch immer wieder Einblendungen, in denen Liz die psychischen und körperlichen Leiden während ihrer Gefangenschaft schildert. Neben diesen beiden spielt auch der jüngere Bruder Daniel eine wichtige Rolle. Durch die Orts- und Perspektivwechsel, die zuweilen wie schnelle Umschnitte beim Film erfolgen, hält der Autor den Spannungsbogen konstant hoch. Der Leser ist stets eng am Geschehen, Marc Raabe vermeidet allzu weitschweifige Nebenhandlungen – wenn es Ablenkungen gibt, tragen sie im Nachhinein zum Fortgang der Geschichte bei.

Gabriel Naumann ist eine zunächst eher zwiespältige Hauptfigur. Im Laufe der Handlung erfährt der Leser jedoch mehr über seinen Leidensweg, der intensiv und nachvollziehbar geschildert wird. Trotz aller Regelverletzungen fiebert man dabei mit, zumal die Blenden zur gefangenen Liz dafür sorgen, dass zusätzliche Dramatik entsteht. Besonders bemerkenswert ist bei diesem gelungenen Thriller, dass Marc Raabe durch falsche Fährten und immer wieder neue Fakten dafür sorgt, dass Protagonisten und Leser gleichermaßen über die Antworten auf viele Fragen bis zum dramatischen Finale nahezu vollständig im Unklaren bleiben. Selbst routinierte Leser von Spannungsliteratur aller Art dürften hier erst am Ende den Gesamtzusammenhang in all seinen Einzelheiten erfassen.

Die psychologischen Aspekte sind in dem als »Psycho-Thriller« deklarierten Roman zuweilen unterschwellig zu spüren, zuweilen werden auch einfach brutale Fakten geschildert. Die drastische Intensität einiger Szenen sorgt in jedem Fall dafür, dass dieses Buch definitiv keine »Gute-Nacht-Lektüre« ist. Man muss also schon etwas Nerven haben, aber das setze ich voraus, wenn man als Leser zu einem »Psycho-Thriller« greift. Ein Detail, das mir besonders gefallen hat, kann ich hier nur andeuten, um nicht zu viel zu verraten. Das familiäre Umfeld des Entführers hat Marc Raabe ausgezeichnet konstruiert – da läuft es einem am Ende kalt den Rücken hinunter.

Das Debüt des Autors ist also wirklich gelungen, Marc Raabe hat hier gezeigt, dass er ein sehr guter Geschichten-Erzähler ist. Seine Protagonisten kann er ruhig noch etwas genauer zeichnen, insbesondere Daniel hätte noch etwas mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt. Aber das sind keine Minuspunkte, doch nach so einem Debüt hofft man schon noch darauf, dass es genauso gut oder gar ein wenig besser weiter geht. Auf das zweite Buch von Marc Raabe freue ich mich auf jeden Fall jetzt schon.

Andreas Kurth, Mai 2012

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Thrillerfan zu »Marc Raabe: Schnitt« 01.10.2016
Irgendwie konnte mich die Darstellung der Vorgängeund deren Zusammenhänge nicht fesseln.
Ich gebe es zu, das Buch habe ich nicht zu Ende gelesen.
Aber natürlich ist das mein persönlicher Eindruck. Die Geschmäcker sind ja auch unterschiedlich.
Jedenfalls wird Raabe mit seinen weiteren Romanen nicht in meinem Regal landen.
Orla2013 zu »Marc Raabe: Schnitt« 02.07.2014
Die Geschichte ist so spannend wie sie abstrus ist. Der Autor trägt ziemlich dick auf und auf mich wirkt die Geschichte je länger sie dauert, um so un wahrscheinlicher. Ich schätze das nicht besonders, denn auch bei Krimis möchte ich das Gefühl haben "es könnte möglich sein". Das trifft hier für mich nicht zu. Dennoch war das Buch sehr spannend und nich hab's zuende gelesen.
Margit Raven zu »Marc Raabe: Schnitt« 22.04.2014
Marc Raabe ist hier ein ganz außergewöhnlicher Psycho Thriller gelungen, der mich von Anfang bis zum Schluss gefesselt hat. Und das ist die Kunst, die einen guten Autor ausmacht. Der Leser geht nicht nur mit dem Protagonisten eine Verbindung ein, sondern auch mit den Nebenfiguren wie Liz und Daniel. Und diese Verbindung ist so stark, dass man die Geschichte am Ende mit etwas Wehmut verlässt. Der Schluss musste bei all dem faszinierenden Grauen einfach ein Happy End sein. Das bisschen Klischee nahm man dabei gerne in Kauf, so dass der Druck auf die Tränendrüsen geradezu wohltuend wirkte .Fazit: Eine intelligent aufgebaute Handlung. Die Sprache besitzt die Qualität, die einen Roman literarisch wertvoll machen. Ich bin gespannt auf Raabes zweiten Thriller.
meni77 zu »Marc Raabe: Schnitt« 09.02.2014
Ich muss mich der Mehrheit anschließen, ich finde das Buch beginnt gar nicht so schlecht, lässt jedoch je länger man liest stetig an Niveau nach. Die Gewaltszenen finde ich zwar nicht übertrieben (bin härteres gewohnt:), jedoch bewirken sie wie bereits erwähnt auch keine Spannung. Bei einem Debüt sollte man vielleicht nicht zu kritisch sein, seine Erzählform habe ich als ganz angenehm und einfach empfunden. Werde dem Autor mit Sicherheit noch eine weitere Chance geben, vergebe 70 Grad
chatty1968 zu »Marc Raabe: Schnitt« 04.06.2013
*COVER*

Durch die Biene, die im Blut sitzt, sowie das auftauchende Messer, ist sofort klar, dass man sich im Genre der besonderen Thriller aufhält.

Auch die farbliche Gestaltung: rot, weiß, schwarz ist schon sehr Thriller-like.



*STORY*

Der 11jährige Gabriel wird im Keller seines Elternhauses Zeuge einer grausamen Tat, diese führt ihn in die Psychiatrie.

29 Jahre später:

Gabriel arbeitet bei einer Sicherheitsfirma, als eines abends dort ein Alarm eingeht. Da Gabriel schon sehr lange bei der Firma arbeitet und bei seinem Chef auch eine Vertrauensstellung genießt, wundert er sich sehr darüber, dass sein Kollege vom Innendienst, zur Überprüfung des Alarms fahren soll. Entgegen den Anweisungen des Chefs, übernimmt Gabriel den Fall selbst. Im Haus angekommen, übermannt ihn ein seltsames Gefühl und im Keller ergreift ihn wieder die Erinnerung.

Die Erinnerung an eine schreckliche Tat.



*FAZIT*

Eines vorweg: Ich liebe Thriller, aber hier habe ich mich tatsächlich etwas schwer getan. Der Autor war stats bemüht, die Charakteren und Ereignisses ausführlich darzustellen. Aber wie wir aus der Zeugnissprache wissen: "war stets bemühlt" heisst, hat aber leider nicht geklappt. Und so auch bei diesem Buch.

Auch bei der Spannung ist es ein stetes Auf und Ab.

Als Debüt nicht schlecht, aber mit ganz viel Potential nach oben.
JaneM. zu »Marc Raabe: Schnitt« 28.05.2013
Nein, keine weitere Zusammenfassung von mir- es ist bereits alles gesagt.
Insgesamt ist "Schnitt" ein guter Thriller- nicht nur für ein Debüt. Das Thema ist gut, der abwechselungsreiche Wechsel zwischen den Erzählperspektiven ist gelungen, nichts wird zu ausufernd oder zu oberflächlich abgehandelt, keine blöden Nebenschauplätze (die letztendlich unwesentlich sind). Es ist ein härteres Werk, das sich jedoch nicht platt in Brutalitätsschilderungen ergeht. Die Tatsache, dass die Charaktere widersprüchlich sind; Ecken haben, finde ich eher ansprechend. Gabriel ist beziehungsgestört, Daniel ein Weichei und Problemmeider- wie im richtigen Leben eben. Lediglich Liz bietet sich dem Leser als Identifikationsfigur an.
Dennoch ist die grobe Lösung recht bald deutlich. Die beschriebenen vielen falschen Fährten konnte ich nicht in dem Maße erkennen. Auch die Antwort auf die Kernfrage "Was ist so wichtig an dem verschwundenen Film?" kann früh vermutet werden. Sicher, am Ende fügen viele Details das Bild als Ganzes zusammen. Großartig überraschend ist es aber nicht.
Dennoch, ein guter, lesenswerter Thriller.
Beim folgenden Werk "Der Schock" bin ich auf jeden Fall dabei.
wendelin zu »Marc Raabe: Schnitt« 15.03.2013
*Gutes Debüt mit einigen Schwächen*


Als Kind hatte Gabriel Naumann ein traumatisches Erlebnis, das ihn in die Psychiatrie brachte und das bis heute verhindert, dass er sich an die Nacht des 13. Oktobers erinnert. Jetzt 29 Jahre danach, holt ihn die Vergangenheit ein. Er kann seine schwangere Freundin nur retten, wenn es ihm gelingt sich zu erinnern.

Dieser Roman ist eine Mischung aus Psycho-, Horror- und Action-Thriller. Rasant und temporeich taumeln Gabriel und seine Freundin Liz durch die Handlung, die auch an Brutalität kaum zu überbieten ist. Wer schwache Nerven hat, sollte den Roman nicht als Bettlektüre lesen.

Die Figuren sind nicht vollständig herausgearbeitet. Daniel z.B. bleibt nur schwach ausgeleuchtet, ebenso der Bösewicht. Gabriels Leid hingegen ist schmerzlich gut nachvollziehbar. Nervig empfand ich die ständigen Gespräche, die Gabriel mit seinem Alter Ego führt. Obwohl es eigentlich ein Pageturner ist, musste ich öfter eine Lesepause einlegen, weil mir vom Tempo der Geschichte schwindlig wurde.

*Fazit: Als Debütroman nicht schlecht. Weniger „Action“ und mehr „Psycho“ hätten allerdings gut getan.*
Umarie zu »Marc Raabe: Schnitt« 14.02.2013
Halt stopp, dieser Erstling ist wirklich kein Treffer. Die Geschichte ist gut, aber die Umsetzung ist tatsächlich wie schlechtes Fernsehen.
Ich bin froh, dafür kein Geld ausgegeben zu haben, dies hat für mich die Stadtbücherei erledigt. Wahrscheinlich aufgrund irreführender Rezensionen - lieber Herr Kurtz ;-))
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manni zu »Marc Raabe: Schnitt« 05.12.2012
Leider habe ich mir das Buch per Internet bestellt, konnte also nicht , wie in der Buchhandlung, erst einige Seiten anlesen. Egal, die ersten 60 Seiten lesen sich wie ein Script zu einer dämlichen Krimi-Doku-Soap, geschrieben auf Bildzeitungniveau. Die pepige Aufmachung läßt viel erwarten, der Frust dann um so größer. Das hat nichts im Entferntesten mit Literatur zu tun, solch vermeintliche Psychothriller werden zur Zeit wie Dutzendware in den Buchhandlungen den ahnungslosen Kunden aufgenötigt. Eine traurige Entwicklung. Mal wieder ein Fehlkauf für die Tonne. 0°
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Kerstin Thieme zu »Marc Raabe: Schnitt« 16.11.2012
Gnadenlos spannendes Psychothriller-Debüt

[Inhaltsangabe gestrichen. D. Redaktion]

Meine Meinung:

Der in Köln lebende Marc Raabe legt hier mit „Schnitt“ seinen ersten Psychothriller vor und ihm gelingt damit ein sensationelles Debüt. Seine Erfahrungen im Bereich der Fernsehproduktion kann er dabei gekonnt einbringen. Überhaupt läuft der ganze Roman sehr bildhaft wie ein wahnsinnig spannender Film vor dem Auge des Lesers ab und es ist unmöglich das Buch wegzulegen, ist man einmal in der Handlung gefangen. Mit Berlin ist auch ein Schauplatz gewählt, der viel Wiedererkennungswert hat.

Relativ kurze Kapitel, die abwechselnd Einblick in die Situation von Gabriel, Daniel oder Liz bieten und oft mit einem Cliffhanger enden, verschaffen dem Roman ein gehöriges Tempo. Besonders gefallen hat mir, dass der Leser anfangs völlig im Dunklen tappt, was genau Gabriel nun eigentlich gesehen und erlebt hat. Diese Frage löst sich erst ganz zum Schluss. Auch bleibt lange ungewiss, inwieweit Gabriel, der ständig mit einer inneren Stimme in Person von Luke Skywalker, seinem Kindheitsheld, Zwiesprache hält, überhaupt zurechnungsfähig ist.

Polizeiarbeit wird im Roman allenfalls als stümperhaft beschrieben, was aber nicht schlimm ist, denn die Hauptfiguren, vor allem Liz, sind taff genug, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Die Grausamkeiten sind teilweise recht anschaulich beschrieben, weshalb der Leser hier nicht gar zu empfindsam sein sollte.

Insgesamt kann ich diesen Psychothriller nur wärmstens empfehlen. Endlich hatte ich mal wieder ein Buch in der Hand, dass mich von der ersten bis zur letzten Seite fesseln konnte.

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