Heimweh von Marc Raabe

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland, Berlin, Garmisch-Patenkirchen, 2010 - heute.

  • Berlin: Ullstein, 2015. ISBN: 978-3-548-28690-7. 432 Seiten.

'Heimweh' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Jesse Berg ist ein erfolgreicher Kinderarzt. Frisch geschieden, kümmert er sich liebevoll um seine kleine Tochter Isa. Über seine Vergangenheit spricht er nicht. Bis plötzlich seine Exfrau ermordet und seine Tochter entführt wird. Der Täter hinterlässt für Berg eine Nachricht: Sie gehört dir nicht. Du musst sie vergessen. Berg ist klar, dass er selbst das Ziel des Anschlags ist. Eine langvergessene Schuld drängt ans Licht. Um Isa zu finden, muss er das tun, was er nie wollte: zurück in seine Vergangenheit. Zurück ins Heim. Dort hat er gelernt, sich zu wehren, und dort wäre er beinahe getötet worden. Berg nimmt die Kampfansage an. Denn für Isa würde er alles tun. Auch ein zweites Mal durch die Hölle gehen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Realität kann schlimmer sein als jeder Traum« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Im Prolog ereignet sich eine nächtliche Entführung, deren Ausgang irgendwie ungewiss bleibt. Den in Berlin lebenden Kinderarzt Jesse Berg suchen 32 Jahre später nahezu jede Nacht Albträume heim. Er hat körperliche Merkmale, die darauf hindeuten, dass er eine der Personen aus dem Prolog ist. Der größte Alptraum, der für einen Vater denkbar ist, beginnt jedoch, als er seine Ex-Frau Sandra tot auffindet, und seine kleine Tochter Isa verschwunden ist – offenbar wurde das Mädchen entführt.

In seiner Verzweiflung ruft er ihr Handy an und bekommt die verstörende Auskunft, er solle sie vergessen. Vor allem soll er die Polizei nicht informieren. Sandras Freundin Jule findet Jesse bei der Leiche und will die Polizei rufen, weil sie ihn für den Mörder hält. In seiner Verzweiflung bringt er Jule in seine Gewalt und fährt mit ihr nach Garmisch-Partenkirchen. Im Kinderheim Adlershof, wo er seine Jugend verbrachte, will er Antworten finden – und vor allem seine entführte Tochter.

Der Leser wird von rasanten Ereignissen gefesselt

Die Fahrt nach Bayern ist der Weg zurück zu schlimmen Erinnerungen. Marc Raabe lässt seinen Protagonisten tief in die eigene Vergangenheit eintauchen. Und vor allem die Leser bekommen bei regelmäßigen Rückblicken einen verstörenden Eindruck von der quälenden Atmosphäre, die Ende der 70er Jahre im Adlershof geherrscht haben muss.

Schon durch den unheimlichen Prolog wird man als Leser gefesselt, und die rasanten Ereignisse bis zum Aufbruch nach Adlershof sorgen schnell dafür, dass man diesen Psycho-Thriller kaum noch aus der Hand legen möchte.

Für mich knüpft Marc Raabe nahtlos an seine zwei ersten Bücher – Schnitt und Der Schock – an. Beide Thriller haben in der Summe durchweg hohe Beurteilungen beim Publikum bekommen – nach meiner Auffassung völlig zu Recht. Vermutlich wird es aber auch hier wieder geteilte Meinungen bei den Lesern geben, das gehört dazu, doch ich bin mir sicher, auch Raabes dritter Thriller wird seine Fans finden. Er hat hier einen guten Plot lesbar und fesselnd umgesetzt, gelegentliche Längen seien dem Autor angesichts des hervorragenden Gesamteindrucks verziehen.

Rückblicke in düstere Jugendzeit fallen ausführlich aus

Die Rückblenden in Jesses Kinderzeit sind ausführlich gestaltet, manchem Leser mögen sie als zu lange Abschweifungen vorkommen. Ich finde jedoch, die Figur des Haupt-Protagonisten Jesse wird so nicht nur deutlich gezeichnet, sondern auch die damalige Stimmung authentisch wiedergegeben. Das scheint ein besonderes Anliegen von Marc Raabe zu sein, und er nutzt diese Rückblicke auch, um nach und nach immer mehr Licht ins Dunkel der Ereignisse und unterschiedlichen Motivlagen zu bringen. Vor allem verdeutlichen die Schilderungen seiner Jugendzeit, warum die aktuellen Alpträume Jesse so sehr quälen.

Marc Raabe versteht es aber auch wieder sehr gut, falsche Fährte zu legen, und dem Leser voreilige Schlussfolgerungen auf dem Silbertablett zu servieren. Manches kann schon bald wieder verworfen werden, anderes wird erst im dynamischen Finale endgültig aufgelöst.

Gesamtbild wird dem Leser nur stückweise und langsam enthüllt

Während Jesse Berg vor allem mit sich selbst beschäftigt ist, und die Suche nach seiner Tochter bei aller Dringlichkeit fast zur Nebensache gerät, hat der Autor dem ehemaligen Heimleiter Artur Messner eine andere Rolle zugewiesen. Er nimmt neben Jesse Berg und den Rückblicken in die Vergangenheit die dritte Perspektive in dem Buch ein. Artur ist bei der Erinnerung an sein Leben und vor allem angesichts der dramatischen Ereignisse, in die er ungewollt verwickelt wird, durchaus reuevoll, nachdenklich und schließlich voller Empathie für Jesses entführte Tochter. Ich will hier nicht zu viel verraten, aber Artur Messner ist neben Jesse Berg die zweite hoch interessante Figur in diesem Thriller – füllt allerdings wie gesagt eine ganz andere Rolle aus.

Eine gut komponierte Geschichte mit großem Spannungsbogen

Die Geschichte insgesamt ist wirklich gut komponiert, für mich waren die einzelnen Nuancen auch durchaus neu, obwohl es bereits viele Thriller gibt, die in irgend einer Form in Kinderheimen spielen oder damit zu tun haben. Wie aus seinen ersten Büchern gewohnt sorgt Marc Raabe dafür, dass sich das Gesamtbild mit allen Zusammenhängen dem Leser nur stückweise und langsam enthüllt. Er baut dadurch einen Spannungsbogen auf, der nur durch die Rückblicke leicht unterbrochen, oder manchmal auch angeheizt wird. Man fragt sich mehrfach, was ist jetzt real und was soll ein Traum von Jesse sein. Die Auflösung der Rätsel wird im Schlussabschnitt Schlaglicht-artig klar – und man ist überrascht. Ein lesenswerter Thriller mit viel Hintergrund und nachdenkenswerten Aspekten.

Andreas Kurth, Februar 2016

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Littletortoise zu »Marc Raabe: Heimweh« 21.03.2016
Inhalt:
Jesse ist Arzt, als seine Frau ermordet und seine Tochter entführt wird, muss er sich seiner Vergangenheit stellen.

mein Eindruck:
Dies war mein erstes Buch von Marc Raabe. Und er hat es wirklich geschafft, mich an dieses Buch zu fesseln. Der Spannungsbogen wurde perfekt das ganze Bücher über aufrecht erhalten. Er springt zwischen verschiedenen Zeiten und Standorten und jedes Mal, wenn es spannend wird, endet das Kapitel, sodass man einfach nicht anders kann, als weiter zu lesen.
Man erhält einen guten Eindruck der Charaktere doch bezüglich Jesse wurde ich ganz schön hinters Licht geführt.
Das Ende war für mich nochmal eine überraschende Wende, was für mich einen guten Thriller ausmacht.
Gut Gefallen hat mir auch der Zwiespalt von Jules und ihr innerer Konflikt, ob sie Jesse nun trauen kann oder nicht.
Alle Verwirrungen sind am Ende klar.
Einerseits wirken die Erzählungen blutig und brutal, aber nie so detailliert, dass es nicht auszuhalten wäre. Auf jeden Fall entsteht so ein reges, rotes Kopfkino.

Fazit:
Für jeden Thrillerfan zu empflehlen.
nati zu »Marc Raabe: Heimweh« 14.02.2016
Heimweh
Jesse Berg wuchs in dem Kinderheim Adlershof in Garmisch auf. Mit dreizehn hatte er einen mysteriösen Unfall. Seit diesem Vorfall kann er sich nicht mehr an das Leben vorher erinnern. So teilt sich sein Leben in vor und nach dem Unfall. Sein fehlendes Erinnerungsvermögen füllt er mit bruchstückhaften Informationen, die ihm die anderen Heimkinder und der Leiter des Heimes Artur Messner geben. Doch entsprachen sie der Wahrheit oder hat man ihm etwas verschwiegen?

Nun ist Jesse Berg ein angesehener Kinderarzt, frisch geschieden von Sandra, die zusammen mit Jesse im Kinderheim aufwuchs. Liebevoll kümmert er sich um ihre gemeinsame Tochter Isa. Nach einem anstrengenden Tag in der Klinik verspätet sich Jesse um wie verabredet Isa abzuholen. Er findet seine Ex-Frau Sandra ermordet in ihrer Wohnung auf und Isa ist verschwunden. Der Täter hat für Jesse eine Nachricht hinterlassen: „Sie gehört dir nicht. Du musst sie vergessen“. Jesse wird klar, dass der Schlüssel zur Aufklärung im Kinderheim Adlershof liegt. Gemeinsam mit Sandras Freundin Jule fährt er nach Garmisch, um sich der Vergangenheit zu stellen.

Nach dem Lesen muss ich feststellen, dass der Titel sehr passend gewählt wurde. Das Buch ist in viele kurze Kapitel unterteilt und weist drei unterschiedliche Erzählstränge auf. Die Rückblenden in die Vergangenheit, die neben der Überschrift durch kursive Schrift gekennzeichnet sind, erzählen über Jesses Aufenthalt Anfang der achtziger Jahre im Kinderheim Adlershof. Im Heute gibt es einen Erzählstrang über den ehemaligen Heimleiter Artur Messner und die Suche von Jesse nach seiner Tochter Isa. Viele Kapitel enden mit einem Cliffhanger, so dass man ständig das Gefühl hat, weiterlesen zu müssen. Der Spannungsbogen war bis zum Schluss vorhanden. Bei dem Buch von Marc Raabe handelt es sich um einen Psychothriller, aber der Schwerpunkt liegt mehr auf der psychologischen Ausrichtung. Lange habe ich gerätselt und kam dem Täter nicht auf die Spur. Zum Schluss werden alle losen Enden zusammengefügt und man hat das Gefühl, dass es nur so gewesen sein konnte. Für mich war es ein sehr lesenswerter Psychothriller.
claudi-1963 zu »Marc Raabe: Heimweh« 27.01.2016
Jesse Berg ist ein erfolgreicher Kinderarzt. Frisch geschieden, kümmert er sich liebevoll um seine kleine Tochter Isa. Über seine Vergangenheit spricht er nicht. Bis plötzlich seine Exfrau ermordet und seine Tochter entführt wird. Der Täter hinterlässt für Berg eine Nachricht: Sie gehört dir nicht. Du musst sie vergessen. Berg ist klar, dass er selbst das Ziel des Anschlags ist. Eine langvergessene Schuld drängt ans Licht. Um Isa zu finden, muss er das tun, was er nie wollte: zurück in seine Vergangenheit. Zurück ins Heim. Dort hat er gelernt, sich zu wehren, und dort wäre er beinahe getötet worden. Berg nimmt die Kampfansage an. Denn für Isa würde er alles tun. Auch ein zweites Mal durch die Hölle gehen.

Zusammen mit Jule einer Freundin seiner Frau geht er nach Adlershof um dort seine Suche nach Isa zu beginnen. Was wie ein Alptraum beginnt wird schließlich zur Hölle für Jesse, Jule und Isa.

Meine Meinung:
Also ich muss sagen nach dem ich den Prolog gelesen hatte, war ich sehr neugierig auf das Buch, vor allem weil ich den Autor nicht kannte.
Doch leider plätscherte die Story meines Erachtens nach zu sehr dahin und manchmal war mir das Buch dann fast zu langatmig vom Inhalt.
Klar kam so der eine oder andere Vorfall aber eine richtige Spannung wie es für ein Psychothriller üblich ist wollte nicht aufkommen. Erst so aber der Mitte des Buches wurde es dann so richtig interessant bis es manchmal sogar fast etwas verwirrend wurde.
Das Ende war dann das spannendste vom ganzen Buch und ich bin froh das der Autor im Epilog doch das eine oder andere noch aufklärt und es so ein schönes Ende gibt.
Gut fand ich die kurzen Kapitel und das die Passagen aus der Vergangenheit in einem anderen Schriftbild gehalten sind. Im großen und ganzen ist es ein interessantes Buch aber für mich kein herrausragender Psychothriller, weil er einfach vom Inhalt her strichweise zu lang war.
Deshalb bekommt der Roman auch nur gute 4 von 5 Sternen.
Darts zu »Marc Raabe: Heimweh« 21.09.2015
Rückentext:

Jesse Berg ist ein erfolgreicher Kinderarzt. Frisch geschieden, kümmert er sich liebevoll um seine Kleine Tochter Isa(belle). Über die Vergangenheit spricht er nicht. Bis plötzlich seine Exfrau ermordet und seine Tochter entführt wird. Der Täter hinterlässt Berg eine Nachricht: Sie gehört Dir nicht. Du musst sie vergessen.
Um Isa zu finden, kehrt Berg zurück ins Heim Adlershof, hinter dessen Mauern ein düsteres Geheimnis begraben ist. Ein Geheimnis, das ihn in seiner Jugend beinahe das Leben gekostet hätte. Doch für Isa würde er alles tun. Auch ein zweites Mal durch die Hölle gehen.

Der Autor:

Marc Raabe, 1968 geboren, ist Geschäftsführer und Gesellschafter einer Fernsehproduktion. Seine beiden Romane 'Schnitt' und 'Schock' waren viele Wochen in den Bestsellerlisten.Marc Raabe ist mit einer Psychologin verheiratet und lebt mit seiner amilie in Köln.

Meine Meinung:
Das Buch ist sehr spannend geschrieben. Der Thriller findet in zwei Erzählebenen statt. Einmal in Vergangenheit, als Jesse Berg im Heim Adlershof gelebt hat. Wie er dorthin gekommen ist, wer seine Zimmergenossen waren, nur über seinen Unfall läßt uns der Autor erst einmal im Unklaren. Dieser Unfall bewirkte bei Jesse ein krasse Charakterumwandlung. Auf einmal mag Sandra ihn.
In der Gegenwart ist Jesse Berg mittlerweile geschieden von Sandra, kümmert sich aber rührend um Isa, die gemeinsame Tochter. Leider plagen ihn immer wieder Alpträume; er träumt von einem Insektenmann. Einer Gestalt, die eine Gasmaske trägt. Kann sich aber nicht erinnern, was es damit auf sich hat; genauso wenig weiß er von der Zeit vor seinem Unfall.
Eines Tages wird seine Exfrau Sandra ermordet und Isa entführt. Er soll keine Polizei einschalten, also macht er sich, zusammen mit Jule(einer Bekannten, Beruf Psychologin) auf den Weg von Berlin ins verschneite Bayern - zum Adlerhof. Dort trifft er komischerweise alle seine früheren Zimmergenossen wieder. Aber es geschehen noch weitere Morde.
Auch Isa begleiten wir in ihrer Gefangenschaft, welche sie zusammen mit dem früheren Heimleiter Artur Messner begeht. Dieser befreit sein Gewissen und erklärt Isa zum Ende hin, was früher mit ihrem Vater geschehen ist.
Zum Schluß klärt sich alles logisch auf.
Ein spannender Psychothriller, der in Deutschland spielt.
Kerstin zu »Marc Raabe: Heimweh« 30.08.2015
„Heimweh“ von Marc Raabe, ein Psychothriller der erst zum Schluss richtig Spannung aufnimmt.
Der Familienvater und Arzt Jesse Berg kommt nach Hause und findet seine Frau tot in der Wohnung und seine Tochter wurde entführt. Ziemlich schnell stellt sich heraus, dass es irgendetwas mit seiner Vergangenheit zu tun hat. Jedoch kann Jesse sich sehr schlecht an diese erinnern. Er und seine Frau Sandra sind in einem Heim aufgewachsen. Jesse hat jedoch nach einem vertuschten Unfall jegliche Erinnerung an die Zeit vor seinem Unfall vergessen. Was das Ganze auf sich hat und was tatsächlich passiert ist, welche Art von Unfall und wie die Vergangenheit ausgesehen hat. Jedoch muss Jesse dafür in sein damaliges Heim zurückkehren. Dort trifft er nicht auf Hilfe sondern auf alt bekannte Freunde, die jedoch weiterhin sich über die gemeinsame Vergangenheit ausschweigen. Auch wird Jesses Suche von mehreren Toten begleitet.
Die Geschichte spielt in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Wir erfahren was in der Kindheit von Jesse dort vorgefallen ist. Wie er ins Heim gekommen ist und was er alles durch gemacht und wie er dort seine Frau Sandra kennengelernt hat. Nach und nach setzen sich durch die verschiedenen Szenen in der Vergangenheit und in der Gegenwart die einzelnen Puzzlesteine zusammen. Sehr früh kann man erahnen, was sich der Autor dabei gedacht hat, aber was genau geschehen ist bzw. wie es soweit kommt, erfährt der Leser wirklich erst auf den letzten 100 Seiten, die die spannendsten im ganzen Buch sind. Vorher muss man leider sagen, plätschert die Handlung etwas vor sich hin.
Schreibstil, Thema und der Aufbau sind sehr gut gewählt. Durch die relativen kurze Kapitel liest es sich auch ganz schnell nur leider fehlt es zwischendurch ein bisschen an Spannung bis am Schluss der große „Show down“ ist. Der das Buch dann doch um einiges überzeugender macht.
Dies war mein erstes Buch von Marc Raabe und ich denke, bei einem weiteren spannenden Klappentext würde ich auch wieder zu einem Buch von ihm greifen.
Patno zu »Marc Raabe: Heimweh« 25.06.2015
Wer kennt nicht dieses Gefühl der seelischen Einsamkeit. Tragen wir nicht alle die Angst vor dem Verlust unserer vertrauten Umgebung in uns?
"Heimweh" ist der dritte Psychothriller aus der Feder von Marc Raabe, erschienen im Juni 2015 im Ullstein Verlag.

"Du hast sie nicht verdient" - steht in großen roten Druckbuchstaben an der Wand über dem Bett im Kinderzimmer. Jesse ist fassungslos, seine über alles geliebte Tochter wurde entführt und nebenan im Zimmer liegt die Leiche seiner Exfrau Sandra. Guter Rat ist teuer, zumal plötzlich Sandras Freundin Jule in der Tür steht und Jesse sofort verdächtigt. Nur mit Mühe kann er sie überzeugen, dass er nicht der Täter ist. Die Spur führt in die Vergangenheit, in ein Heim nach Adlershof, in welchem Jesse seine Jugend verbracht hatte. Hinter den alten Mauern lungern düstere Geheimnisse. Wunden werden erneut aufgerissen, bringen aber auch Licht ins Dunkel.
Sie gehört dir nicht. Du musst sie vergessen. Diese Nachricht treibt Jesse voran. Er will um jeden Preis seine kleine Tochter Isa finden und notfalls dafür durch die Hölle gehen.

Mit seinem mitreißenden Schreibstil und einer interessanten Wortwahl hat mich Marc Raabe von Anfang an gefesselt. Ich war irgendwie mittendrin und erlebte in einem Handlungsstrang das Hier und Jetzt und in einem anderen die Ereignisse der Vergangenheit, lernte auch die Protagonisten näher kennen und fühlte mit ihnen. In einigen Szenen stockte mir der Atem.
Der Autor bedient sich kurzer Kapitel mit Zeitangaben, die dem Geschehen das rasante Tempo bescheren. Die Kapitel mit Rückblenden sind zum besseren Verständnis in einer anderen Schriftart geschrieben.
Gelegentlich beschlich mich eine Ahnung, wer wohl der Täter sein könnte. Dann gab es wieder eine interessante Wendung im Handlungsverlauf. Schlussendlich fügten sich aber die verschiedenen Puzzleteile ineinander.

Was macht einen guten Thriller aus? Zunächst einmal ist das für mich eine interessante Story mit authentischen Charakteren, die spannungsreich inszeniert ist. Aber was ist das Besondere an "Heimweh"? Der Autor gewährt Einblicke in die Abgründe der menschlichen Seele, bringt interessante Protagonisten ein, lässt ein kleines Mädchen als Heldin in einem Psychothriller agieren, schafft emotionale Nähe, sorgt für Überraschungsmomente und trotzdem kommt auch der Thrill nicht zu kurz. Am Ende ist das Rätsel vollständig gelöst. Zurück bleibt ein zufriedener Leser, vermutlich mit der Lust nach mehr Lesestoff von Marc Raabe.

Fazit: "Heimweh" ist ein Thriller der "Champions League" Spannender gehts nicht! Ein Lese-Highlight nicht nur für eingefleischte Fans dieses Genre.
Ines-R zu »Marc Raabe: Heimweh« 25.06.2015
Zitat:
Isabelle lächelte tapfer. Dann schniefte sie erneut. "Ich musste Papa sagen, dass er nicht die Polizei rufen darf. Aber ich hab's nicht Mama gesagt. Mama musste ich es nicht sagen." In ihren Augen glomm Hoffnung. "Bestimmt ruft Mama die Polizei.“

Klappentext
Jesse Berg ist ein erfolgreicher Kinderarzt. Frisch geschieden, kümmert er sich liebevoll um seine kleine Tochter Isa. Über seine Vergangenheit spricht er nicht. Bis plötzlich seine Exfrau ermordet und seine Tochter entführt wird. Der Täter hinterlässt für Berg eine Nachricht: Sie gehört dir nicht. Du musst sie vergessen.
Um Isa zu finden, kehrt Berg zurück ins Heim Adlershof, hinter dessen Mauern ein düsteres Geheimnis begraben ist. Ein Geheimnis, das ihn in seiner Jugend beinahe das Leben gekostet hatte. Doch für Isa würde er alles tun. Auch ein zweites Mal durch die Hölle gehen.

Meine Meinung
Dieser Psychothriller erzählt eine wirklich außergewöhnliche Geschichte in einem absolut spannenden Stil, von der ersten bis zur letzten Seite. Bis beinahe zum Schluss rätselt man, wer denn nun der Täter ist, denn die geschickt eingebauten Hinweise führen einen des Öfteren in die Irre und verleiten zu immer neuen Spekulationen. Trotzdem ist die Geschichte in sich schlüssig und gegen Ende erhält der Leser dann endlich das eindrucksvolle Gesamtbild.
Es gibt zwei Erzählstränge: Einer spielt im Jahre 1979 und 1981 und erzählt die Vorkommnisse aus der Kindheit von Jesse Berg, der zweite lässt den Leser die aktuellen Geschehnisse aus unterschiedlichen Perspektiven erleben. Beide zusammen ergänzen sich zu einer der spannendsten und rätselhaftesten Geschichten, die ich bisher gelesen habe. Häppchenweise erfährt der Leser immer mehr aus der Vergangenheit, kombiniert die alten mit den aktuellen Erlebnissen, versucht den geheimnisvollen Täter zu entlarven. Teilweise greifen die beiden Stränge sogar inhaltlich perfekt ineinander. Gerade fragte der Leser sich, was da früher passiert sein könnte, und im nächsten Kapitel erfährt er es dann. So ist der Lesespaß vollkommen.
Der Roman ist in viele, relativ kurze Kapitel unterteilt, die einen an mehrere Schauplätze führen. Die Kapitel, die von Jesse erzählen, sind jeweils mit Ort, Datum und Uhrzeit überschrieben, während die von der entführten Isa nur das Datum enthalten. An einigen Stellen hätte ich auch da zu gerne die Uhrzeit gewusst, nur um feststellen zu können, ob die Retter vielleicht schon in der Nähe sein könnten. Das war also sehr geschickt vom Autor Marc Raabe, denn so wird die Spannung auch da permanent aufrecht erhalten.
Sehr schön fand ich auch die tolle Darstellung der einzelnen Charaktere, egal, ob gute oder böse (wenn man sie überhaupt so exakt einordnen kann). Als Leser schließt man so einige in sein Herz und bangt mit ihnen bzw. um sie. Und für Bangen sorgt der Autor den ganzen Roman über. Immer wieder gibt es sehr spannende Momente, manchmal auch ein wenig gruselige. Und während man Seite um Seite verschlingt, erfährt man mehr und mehr über das Geheimnis des Kinderheims Adlershorst, über die Vergangenheit der Heimkinder, die jetzt als Erwachsene auf die eine oder andere Weise involviert sind und auch so einiges über ehemalige Lehrer bzw. den Schulleiter.

Mein Fazit
Wer Spannung und kniffelige Zusammenhänge liebt, ist bei Marc Raabe genau richtig. Hier ist nichts vorhersehbar, die Hinweise sind nahezu perfekt getarnt in den einzelnen Kapiteln untergebracht und lassen den Leser bis fast zum Schluss über den Täter und so einige weitere Zusammenhänge im Unklaren. Und doch erhält man am Ende eine schlüssige Geschichte.
Garantierter Lesegenuss bis zur letzten Seite!

Meine Bewertung
5 von 5 Sternen
Melody zu »Marc Raabe: Heimweh« 22.06.2015
Jesse Berg ist ein erfolgreicher Kinderarzt. Frisch geschieden, kümmert er sich liebevoll um seine kleine Tochter Isa. Über seine Vergangenheit spricht er nicht. Bis plötzlich seine Exfrau ermordet und seine Tochter entführt wird. Der Täter hinterlässt für Berg eine Nachricht: Sie gehört dir nicht. Du musst sie vergessen. Berg ist klar, dass er selbst das Ziel des Anschlags ist. Eine langvergessene Schuld drängt ans Licht. Um Isa zu finden, muss er das tun, was er nie wollte: zurück in seine Vergangenheit. Zurück ins Heim. Dort hat er gelernt, sich zu wehren, und dort wäre er beinahe getötet worden. Berg nimmt die Kampfansage an. Denn für Isa würde er alles tun. Auch ein zweites Mal durch die Hölle gehen.

Mir fehlen im Moment noch die Worte zu dem Buch. Es ist einfach nur von der ersten Seite an packend. Ich konnte und wollte es gar nicht mehr aus der Hand legen.
Das Ende der Geschichte war allerdings unerwartet. Ich hätte viel erwartet aber dieses Ende war eine gelungene Überraschung. Nichts deutete auf die Entstehung hin. Sehr gut gemacht.
Meine Leseempfehlung für das Jahr 2015
c-bird zu »Marc Raabe: Heimweh« 21.06.2015
Perfekte Spannung!

Mit dreizehn Jahren hat Jesse Berg einen mysteriösen Unfall. Ein Erlebnis, das so intensiv ist, dass er sich nicht an die Zeit davor erinnern kann, die ganze Kindheit verloren. Doch nun, 32 Jahre später ist Jesse ein erfolgreicher Kinderarzt. Getrennt von seiner Ex-Frau Sandra kümmert er sich liebevoll um die gemeinsame Tochter Isa. Doch als Jesse eines Tages verspätet zu einem Termin kommt, findet er Sandra grausam ermordet vor. Zudem ist Isa entführt, der Täter hat eine Nachricht für Jesse hinterlassen: „DU HAST SIE NICHT VERDIENT.“
Eine Spur führt in das Heim Adlerhorst, der Ort, an dem Jesse seine Kindheit verbrachte. Gemeinsam mit Jule, der besten Freundin Sandras begibt Jesse sich dort hin und muss sich seiner Vergangenheit stellen…

Nach „Schnitt“ und „Der Schock“ hat Marc Raabe hier seinen dritten Psychothriller vorgelegt. Und erneut ist es ihm gelungen mich zu beeindrucken. Ein rasanter Start und schon ist man mitten im Geschehen. Die Beschreibungen der Protagonisten und der einzelnen Szenen sind klar umrissen, man bekommt das Gefühl direkt mit dabei zu sein. Unglaublich geschickt erzählt dabei Marc Raabe auf zwei Zeitebenen was damals, Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre und heute geschehen ist. Das Tempo ist rasant und viele der angenehm kurzen Kapitel enden mit einem Cliffhanger. Die Spannung liegt äußerst hoch und man ist wie ans Buch gefesselt. Doch je tiefer man in die Geschichte eindringt, desto rätselhafter wird es. Was ist die Wahrheit? Wer lügt? Sich widersprechende Aussagen lassen einen miträtseln. Immer mehr Fragen tun sich auf, bis auf den letzten Seiten der große Showdown beginnt. Auch hier wieder ein sehr überraschendes, aber durchaus logisches und stimmiges Ende.

Super gut konstruiert, Marc Raabe weiß wie man den Leser an der Nase herumführt.
Ich jedenfalls habe ich sehr gerne herumführen lassen und fiebere schon jetzt dem nächsten Buch entgegen!
Bluesprite zu »Marc Raabe: Heimweh« 19.06.2015
Die Spannung lässt einen von der ersten Seite an in die Geschichte ein-, und erst auf der letzten Seite wieder auftauchen. Der flotte und angenehme Schreibstil tut sein Übriges, um das Buch nicht mehr aus der Hand legen zu wollen. Man wird in das Geschehen regelrecht hineingesogen.

Die Geschichte verläuft in mehreren Handlungssträngen, durchzogen von Rückblenden in die Vergangenheit. Jeder einzelne Handlungsstrang beinhaltet einen Cliffhanger und die Spannung bleibt dadurch konstant hoch.
Als Leser versucht man automatisch die Geschehnisse zu einem logischen Ganzen zu verbinden. Man spekuliert von Anfang an mit, wird quasi zu einem außenstehenden Ermittler und kaum denkt man, man hätte die Lösung gefunden, wird man eines Besseren belehrt.
Die gut ausgearbeiteten Charaktere tragen dabei wesentlich dazu bei. Man fühlt und leidet mit ihnen, zweifelt an ihnen und dann beginnt man wieder zu spekulieren, denn nichts ist wie es scheint.

Das Finale ist genial. Es wird nicht nur auf 2 Seiten schnell, schnell abgehandelt. Die Spannung steigt ins unermeßliche und endet in einem großen Knall.
Alle Fragen fügen sich zu logischen und zufriedenstellenden Antworten. Ein Ende das ohne Pomp und Kitsch auskommt - so mag ich das.

Fazit:
Dieses Buch hat alles was ein Thriller braucht und ausmacht. Spannung von Anfang bis Ende, mit einem Verwirrspiel, welches einem an sich selbst zweifeln lässt und einem tollen Finale.
Das war mein erstes Buch von Marc Raabe und mit diesem einen Buch schafft es der Autor auf die Liste meiner Lieblingsautoren. Wird daher nicht mein Letztes von ihm sein.

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