Blackout von Marc Elsberg

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Blanvalet.

  • München: Blanvalet, 2012. ISBN: 978-3-7645-0445-8. 799 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2012. Gesprochen von Steffen Groth. ISBN: 3837112810. 8 CDs.

'Blackout' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

An einem kalten Februartag brechen in Europa alle Stromnetze zusammen. Der totale Blackout. Der italienische Informatiker Piero Manzano vermutet einen Hackerangriff und versucht, zu den Behörden durchzudringen – erfolglos. Als Europol-Kommissar Bollard ihm endlich zuhört, werden dubiose E-Mails auf seinem Computer gefunden. Selbst unter Verdacht wird Manzano eins klar: Ihr Gegner ist ebenso raffiniert wie gnadenlos. Unterdessen liegt Europa im Dunkeln, und die Menschen stehen vor ihrer größten Herausforderung: Überleben.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Strom kommt doch aus der Steckdose« 89°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Eigentlich ist es eine katastrophale Entwicklung. Schon vor vierzig Jahren haben die sogenannten »Alternativ«-Wissenschaftler (u.a. vom Öko-Institut Freiburg) festgestellt und wurden deshalb belächelt, dass die fossilen Energieressourcen endlich sind, dass sich zukünftige Energieversorgung auf regenerative Träger und Energieeinsparung stützen muss, dass die Gewinnung von Atomstrom unkalkulierbare Risiken in sich birgt, dass Erzeugung, Verteilung und Verbrauch von Energie in möglichst dezentralen Einheiten stattfinden muss. Ein Themenkreis, der jahrzehntelang in der Politik nur stiefmütterlich, wenn überhaupt ernsthaft diskutiert wurde. Was seit den 1970er Jahren bekannt war, wird heute teilweise umgesetzt. Erst der Super-GAU von Fukushima im Frühjahr 2011 erhöhte den öffentlichen Druck so stark, dass es zu einem Umlenken, (Umdenken darf bezweifelt werden) der politischen Entscheidungsträger kam. Energiewende heißt jetzt das Zauberwort, doch wird der Wechsel leider in die Hände derer gegeben, die hauptsächlich für die jahrzehntelange Fehlentwicklung verantwortlich waren – den Energie-Großkonzernen, die ausschließlich dem Götzen der Gewinnmaximierung huldigen und schon geifernd ihre Finger nach staatlichen Subventionen für fragwürdige Großprojekte (Wind- und Solar-Parks) und Infrastrukturmaßnahmen ausstrecken.

Genug der Vorrede. In Marc Elsbergs Debütroman Blackout geht es um Stromerzeugung und Verteilung, genauer um die Verletzbarkeit des europaweiten Verbundnetzes und der verschiedenen Kraftwerke durch terroristische Anschläge. Der Autor zeigt, wie durch eigentlich simple Manipulationen Europa mit einem fast flächendeckenden Stromausfall lahmgelegt werden kann. Was nun wirklich bei einem länger andauernden Blackout passiert, kann keiner vorhersehen. Elsbergs Szenario macht einen realistischen Eindruck, was sich beim Leser mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend äußern könnte. Unser Leben lang sind wir daran gewöhnt, dass der Strom immer aus der Steckdose kommt oder andere wichtige Funktionen erfüllt. Man stelle sich bloß für den Privathaushalt vor: nicht kühlende Kühlschränke, auftauende Gefriertruhen, kein Frischwasser, nicht funktionierende Toiletten – abertausende von Städtern, die ihre Notdurft in den Parkanlagen verrichten müssten. Eine Horrorvorstellung im Kleinen, die im Konzert mit kollabierenden Netzen und marodierenden Atommeilern das Chaos perfekt machen. Die Katastrophe beginnt in Italien.

Piero Manzani, ein ehemaliger gefürchteter Hacker, lebt nun als IT-Berater in Mailand. Auf seinem Heimweg durch die allabendliche Mailänder Rushhour wird er an einer ausgefallenen Ampel in einen Crash verwickelt. Nicht nur das Ampelsystem ist von einem plötzlichen Stromausfall betroffen, sondern ganz Mailand sitzt im Dunkeln. Nach einem kurzen Abstecher zu einem Krankenhaus, das auch nur notdürftig durch eigene Generatoren mit Energie versorgt wird, checkt Manzani die Stromversorgung in seiner Wohnung. Das im Sicherungskasten eingebaute »Smart Meter« (moderner Mikroprozessor gesteuerter Stromzähler) war ihm als Computerfachmann schon immer suspekt. Jetzt zeigt das Display seltsame Zahlenkombinationen an, die in Manzani den Verdacht aufkommen lassen, dass das Gerät von außen manipuliert wird und es zu willkürlichem An- und Ausschalten des Zählers kommt. Träfe das auf ganz Italien zu, erkläre das den Zusammenbruch des Stromnetzes. Seine Hypothese will er am nächsten Morgen an offiziellen Stellen los werden, bei der Polizei stößt er auf Unverständnis, beim örtlichen Energieversorger wird seine Theorie skeptisch betrachtet. Obwohl Kommunikations- und Informationssysteme nur zeitweise funktionieren und nur bruchstückhaft Nachrichten versenden können, wird Manzani das ganze Ausmaß des Breakdowns bewusst. Nicht nur Italien ist betroffen, sondern mittlerweile hat sich die Störung auf alle europäischen Staaten ausgeweitet. Während einer Unterhaltung mit seinem Nachbarn Bondoni, dessen Tochter bei einer europäischen Behörde in Brüssel arbeitet, kommt Manzani die Idee, übergeordnete europäische Institutionen zu kontaktieren. Bondonis Tochter verbringt zwar gerade ihren Urlaub in den österreichischen Bergen, doch Manzani hofft durch ihre Vermittlung direkt die richtige Anlaufstelle für sein Anliegen zu finden. Gemeinsam mit seinem Nachbarn begibt er sich auf die erste Etappe einer beschwerlichen Reise.

Während Manzano und Bondoni gen Brüssel streben, ist in den Macht- und Schaltzentralen Europas die Hölle los. Krisenstäbe tagen, Katastrophenschutzmaßnahmen sind eingeleitet. In den Kraftwerken versuchen Techniker den unerklärlichen Fehlermeldungen auf die Spur zu kommen. Die Europäische Anti- Terrorzentrale und Interpol suchen fieberhaft nach potenziellen Drahtziehern. Als in Nordamerika ebenfalls die Lichter ausgehen, schielen die Fahnder verstärkt in Richtung Moskau und Peking.

Piero Manzano, zwischenzeitlich in Brüssel angekommen, gerät, wie es Überbringern schlechter Nachrichten des öfteren so geht, selber unter Verdacht. Doch er ist nicht untätig gewesen. Wann immer er Zugang zum Internet hatte, hat er dort nach verdächtigen Webseiten und kryptischen Chats Ausschau gehalten. Nicht ohne Erfolg. Trotz aller Bemühungen, der Lage Herr zu werden, verrinnt die Zeit zu schnell. Die Westliche Welt droht in einen finalen Abgrund zu stürzen.

Man kann Marc Elsbergs Debütroman nur als rundum gelungen bezeichnen. Mit schnellen Schnitten wechseln die Schauplätze innerhalb Europas, zeigen sowohl das physische und psychische Leiden der Bevölkerung, die kurzfristig bessere Stellung der Privilegierten, aber auch die krampfhaften Versuche, die komplexe Maschinerie wieder in den Griff zu bekommen. Der Leser wird daran erinnert, dass er in einer komplizierten Kunstwelt lebt und dass die Wand zum absoluten Chaos nur hauchdünn ist.

Elsberg hat die Handlung hochspannend mit realitätsnahen Charakteren inszeniert, ohne dabei auf Superhelden oder Superbösewichte zurückgreifen zu müssen. Als Laie kann man nicht immer die (computer-)technischen oder logistischen Abläufe nachprüfen, aber sie machen einen plausiblen Eindruck. Wer hinter den Anschlägen steckt, wird natürlich nicht verraten. Entgegen der Erwartung des Rezensenten sind die Motive der Hintermänner durchaus nachvollziehbar, wenngleich die Wahl der Mittel indiskutabel ist. Unrecht lässt sich nicht mit Unrecht ausgleichen.

Blackout ist ein Werk, das nachhaltig in Erinnerung bleiben wird und das uns mahnen kann, dass der Wohlstand des einen immer auf Kosten eines anderen beruht.

Jürgen Priester, Juni 2012

Ihre Meinung zu »Marc Elsberg: Blackout«

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Heiner Berstermann zu »Marc Elsberg: Blackout« 19.05.2016
Ich lese gerne und viel, manche Bücher verschlinge ich in kurzer Zeit. Und es kommt selten vor, dass ich mich zwingen muss, ein Buch zu Ende zu lesen. So ging es mir aber bei Blackout. Die letzten 100 Seiten habe ich nur noch überflogen, weil das Buch mich überhaupt nicht fesselte. Eine Unzahl von Schauplätzen mit ständig wechselnden Akteuren führte dazu, dass man kaum einen durchgängigen Faden fand oder halten konnte. Es machte einfach keinen Spaß, das Buch zu lesen, da half auch das interessante Thema nicht.
Ulrich Schwendke zu »Marc Elsberg: Blackout« 06.01.2015
"Blackout - Morgen ist es zu spät" sollte man gelesen haben - ein herausragendes Werk! Übrigens auch optimal redigiert. Manchmal jedoch wird der Realitätssinn des Lesers arg strapaziert, Beispiel: Am Bahnhof von Aachen findet der Held der Geschichte, Manzano, zusammen mit seiner Gefährtin Shannon ein Schienenfahrzeug, das bestiegen und zum Laufen gebracht wird. Während der Reise nach Brüssel droht der Diesel zur Neige zu gehen, aber ein Zug in die gleiche Richtung kommt daher. Nach Weichenmanöver auf Seite 579 der Satz: "Dort hatten Shannon und Manzano das Schienengefährt kurzerhand an den Zug angedockt." Kurzerhand - sagenhaft!
James_Blond zu »Marc Elsberg: Blackout« 28.07.2014
zum Thema "Fahrstuhl" (s.u.): Marc Elsberg ist Österreicher. In Österreich ist die Bezeichnung Fahrstuhl für Aufzug bzw. Lift üblich.

Es ist für mich als "gelernten Österreicher" schön wenn ich in Büchern von österr. Schriftstellern noch das eine oder andere typisch österr. Wort finde. Ansonsten wird eh alles durch bundesdeutsche Ausdrücke niedergebügelt (Jungs statt Burschen, Tomaten statt Paradeiser, Kartoffel statt Erdäpfel, hoch gehen statt hinauf gehen, Quatsch statt Blödsinn, Quark statt Topfen, Januar statt Jänner, Möhren statt Karotten, Knipser statt Torjäger, eine Zwei statt einen Zweier .).
Nikolas Ritscher zu »Marc Elsberg: Blackout« 28.07.2014
Vom fachlichen Wissen her ist es ein tolles Buch. Auch wenn Marc Elsberg im Nachwort geschrieben hat, dass er aus verschiedenen Gründen nicht alle Informationen mitnehmen konnte, wirkte es auf mich, als Laie, sehr authentisch. Also vom informativen Aspekt her sehr schön zu lesen. Was mir nicht unbedingt gefällt, sind die vielen Wiederholungen wie zum Beispiel "Stiernacken" oder "binnen"! Das Buch ist aber sehr spannend, von daher kann man darüber hinweg sehen. Das Buch bietet auch viel Fläche für gute Diskussionen. Für mich ist es ein rundum gelungener Thriller, der gut zu lesen ist.
K.Singer zu »Marc Elsberg: Blackout« 20.06.2014
Ich bin selbst Techniker, habe das erste Viertel des Buches mit großem Interesse gelesen, hab aber nach einer Lesepause den Faden verloren und nur noch den Schluss gelesen, was natürlich nicht funktioniert hat.
Hatte vorher den Krimi "Tod einer Guten Freundin" von Klaus Struck gelesen. Hier wird das Thema zwar nicht so komplex und nur auf Marokko bezogen behandelt, ist aber für "normale" Krimifans besser nachzuvollziehen und nur ein Schwerpunkt der Handlung.
enderle zu »Marc Elsberg: Blackout« 09.06.2014
Der Denkanstoß über die Abhängigkeit unserer Bevölkerung ist, meiner Meinung nach, sehr gelungen. Wer sich über Kleinigkeiten wie einen "Fahrstuhl" aufregt, hat den Sinn des Buches nicht verstanden. Wobei anzumerken wäre, daß die Bezeichnung Fahrstuhl aber durchaus eine übliche Bezeichung für einen Aufzug ist und auch selbst im Duden so aufgeführt ist.
Ich wünsche viel Spaß beim Lesen
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
ja zu »Marc Elsberg: Blackout« 06.06.2014
dass den Leser absolut anspricht. Wie würde es uns gehen, wenn von einem Tag auf den anderen die Stromversorgung unterbrochen wäre? Das Buch istAbend über die Diwie FAHRSTÜHLE moniert oder den ständigen Ortswechsel als belastend findet, der/die sollte besser den Fernseher anschalten und das nge nachdenken. Was würde ich bei einem Stromausfall tun, wie schütze ich meine Familie... Dieses Buch ist natürlich kein literarisches Schwergewicht - aber darum eine spannende Darstellung eines Cyber-Terrorismus Angriffs auf ganz Europa. Über weite Strecken wird aus der Sicht derjenigen erzählt, die diese Katastrophe zu bewältigen haben. Das Buch ist definitiv lesenswert
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Dirk Schmitz zu »Marc Elsberg: Blackout« 25.05.2014
Aufgrund von Rezensionen habe ich mir Marc Elsbergs Buch geholt. Ich interessiere mich für das Thema, nicht unbedingt für Endzeitthriller. Ich habe mich bei einem Buch noch nie mehr gegruselt. Die Katastrophe wird recht konsequent zu Ende erzählt und im Unterschied zu Horrorthrillern fand ich Elsbergs Schilderungen nicht fiktional. Jedes Kapitel gab mir eher das Gefühl, dass die Wirklichkeit schlimmer werden würde. Tatsächlich schreibt Elsberg im Nachwort, dass er, um den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten, Kompromisse machen musste. In Wirklichkeit bräche die Infrastruktur wohl schneller zusammen. Schockierend.
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rolandreis zu »Marc Elsberg: Blackout« 14.05.2014
Marc Elsberg erschafft in seinem beachtlichen Debüt ein Szenario, dass den Leser absolut anspricht. Wie würde es uns gehen, wenn von einem Tag auf den anderen die Stromversorgung unterbrochen wäre? Das Buch ist eine spannende Darstellung eines Cyber-Terrorismus Angriffs auf ganz Europa. Über weite Strecken wird aus der Sicht derjenigen erzählt, die diese Katastrophe zu bewältigen haben. Das Buch ist definitiv lesenswert. Es ist aber auch kein leichtes Buch. Ich würde das Buch auf jeden Fall allen empfehlen, die mal was ganz anderes lesen wollen als einen typischen Thriller.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Nico zu »Marc Elsberg: Blackout« 29.04.2014
Dieses Buch ist einfach zu lesen. Spannung kommt auf und ich muss selbst am Abend über die Dinge nachdenken. Was würde ich bei einem Stromausfall tun, wie schütze ich meine Familie... Dieses Buch ist natürlich kein literarisches Schwergewicht - aber darum geht es gar nicht - es ist eine Fiktion die wahr werden könnte und es soll zum nachdenken über unsere Welt anregen - Denkanstöße, weil wir doch so sorglos mit allen Dingen umgehen bzw. vernetzen.
Wer aber schon nach 140 Seiten aufgibt und sich ärgern muss, wer Worte wie FAHRSTÜHLE moniert oder den ständigen Ortswechsel als belastend findet, der/die sollte besser den Fernseher anschalten und das Lesen entweder lassen oder es auf klassische Bahnhofsromane beschränken...
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