Verloren im Labyrinth von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1988
unter dem Titel El laberinto griego,
deutsche Ausgabe erstmals 1993
bei Rotbuch.
154 Seiten.
ISBN-10: 3-492-24057-7, ISBN-13: 978-3-492-24057-4.
Übersetzt von Bernhard Straub.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Barcelona, 1970 - 1989.
'Verloren im Labyrinth' ist erschienen als
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In Kürze:
Das Leben ist für Pepe Carvalho die ewig gleiche Tretmühle. Ständig kommen Klienten und verlangen, dass der alternde Privatdetektiv etwas Verlorenes wiederfindet. Der Unternehmer Luis Brando möchte, dass er sein 17jähriges Töchterchen 'Beba’ überwacht, die ins Drogenmilieu Barcelonas abgleitet. Während die betörende Mademoiselle Claire und ihr zynischer Begleiter einen griechischen Künstler suchen, der in der katalanischen Metropole abgetaucht ist. Deprimiert macht sich der melancholische Privatdetektiv Pepe Carvalho am Ende seiner zwei Aufträge auf die Suche nach dem eigenen Ich, denn: 'Manche Frauen sind so verschlingend wie ein Gully.'
Barcelona 1990, kurz vor der Olympiade. Die Stadt befindet sich in einem vorolympischen Umbauwahn, traditionelle Altstadtviertel wie das Barrio Chino, das Rotlichtviertel am Hafen, werden abgerissen und wieder aufgebaut, Barcelona macht «sich schön», wie es damals hieß.
In dieser Zeit erreichen den Privatdetektiven Pepe Carvalho gleich zwei Aufträge:
Der bekannte Verlagsdirektor Luis Brando möchte seine Tochter überwachen lassen, die ihm nichts als Ärger macht.
Die Französin Mademoiselle Claire Delmas sucht gemeinsam mit Monsieur Georges Lebrun den Mann ihres Lebens, einen griechischen Künstler namens Alekos. Der hat Claire verlassen und ist im homosexuellen Drogenmilieu Barcelonas untergetaucht.
Beide wollen den Griechen «tot oder lebendig».
Lebrun, ein feinsinniger Schwachkopf,
ist stellvertretender Generaldirektor der ORTF mit dem Auftrag, pädagogische Videos über den Olympischen Geist zu produzieren. Claire ist die Frau, in die sich Carvalho sofort verliebt.
Die Suche führt Carvalho in ein Industrieviertel, in verlassene Lagerhallen, in das
Atelier eines Modefotografen in einer alten Negligée – Fabrik, in eine Ballettschule von Obdachlosen, in künstlerische Orgien melancholischer Altsiebziger und ihre Ruinen der Erinnerung …
Die Beziehung zwischen Claire, Lebrun und Alekos ist Carvalho rätselhaft, bald taucht auch noch Mitja auf, ein Freund von Alekos – oder Lebrun? Oder beiden? Wer will hier eigentlich wen finden? Und warum?
Der Weg zur Wahrheit ist ein Labyrinth . . .
Dieses Buch ist 1991 erschienen, die Olympischen Spiele werfen ihre Schatten voraus. Barcelona wird völlig umgekrempelt, jeder möchte seinen Teil an diesem Kuchen haben. Montalban war bekanntermaßen sehr skeptisch gegenüber dieser «Erneuerung», da für ihn – wie auch für sein alter ego Pepe Carvalho – seine Heimatstadt viel von ihrer Ursprünglichkeit und ihrem Charakter einbüßen würde.
Montalban ist im Barrio Chino geboren, er musste miterleben, wie dieses Immigantenviertel unter Vertreibung der ursprünglichen sozialen Schichten in ein Viertel des gutsituierten katalanischen Bürgertums, in ein Neureichenviertel verwandelt wurde. Bürgermeister Maragall nannte das sogar «Sozialhygiene».
«Verloren im Labyrinth» ist ein Kriminalroman, doch man bekommt den Eindruck, dass die Geschichte um die beiden Nachforschungen nur Mittel zum Zweck sind.
Montalban zeichnet ein altertümliches industrielles Bühnenbild, welches dem unerbittlichen Ansturm der Bulldozer entgegensieht. Eine «Stadt, die dabei ist, zerstört zu werden». «Auf der Bühne fehlte nur noch ein alter Geiger und eine dicke Hure von Fellini, dachte Carvalho».
Er erweckt noch einmal die todgeweihten alten Viertel zum Leben, melancholisch, rückwärtsgewandt.
Seine Hauptfigur Pepe Carvalho (Über ihn s. «Undercover in Madrid») ist nicht nur Detektiv, sondern auch Gourmet. Nehmen seine nervösen Spannungen zu, so neigt er schon mal zu anfallsartigem, ekstatischen Kochen, zu außergewöhnlichen und totalen kulinarischen Exzessen. Meist mitten in der Nacht, gemeinsam mit seinem Nachbarn Fuster.
Als Privatdetektiv interessiert ihn nur die Aufdeckung der Wahrheit, er gibt niemals einen Fall auf, bevor er nicht gelöst ist. Danach ist es ihm egal, was mit den Schuldigen geschieht, «Das ist nicht mehr mein Job».
Montalban zu lesen, ist auch hier wie immer ein wunderbares rhetorisches Vergnügen. Er schreibt mit einem umfangreichen, phantasievollen Vokabular.
Er war einer der genauesten Chronisten und sensibelsten Zeitzeugen der Veränderungen und Widersprüche in der gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Realität Spaniens.
Dieses Buch ist 1991 in der großangelegten «Pepe Carvalho» – Reihe unmittelbar vor «Krieg um Olympia" (1993) erschienen, welches leider zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht auf Deutsch erschienen ist.
Aber so habe ich – und hoffentlich noch viele andere – etwas, worauf wir uns freuen können.
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| Anna-Marie zu »Manuel Vázquez Montalbán: Verloren im Labyrinth« | 19.10.2004 |
|---|---|
| Caltha zu »Manuel Vázquez Montalbán: Verloren im Labyrinth« | 25.11.2003 |
