Quintett in Buenos Aires von Manuel Vazquez Montalban

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Quinteto de Buenos Aires, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Argentinien / Buenos Aires, 1990 - 2009.

  • Barcelona: Planeta, 1997 unter dem Titel Quinteto de Buenos Aires. 523 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2001. Übersetzt von Theres Moser. 536 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2002. Übersetzt von Theres Moser. 536 Seiten.

'Quintett in Buenos Aires' ist erschienen als

In Kürze:

Manuel Vazquez Montalban schickt seinen Meisterdetektiv auf die Suche nach einem verschwundenen Mädchen in Argentiniens Metropole. Mit gewohnt sprödem Charme und Ironie begibt sich Pepe Cavalho in das Dickicht der Großstradt und verstrickt sich in kriminelle – und gastronomische – Abenteuer.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kriminal-Tango« 82°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Pepe Carvalho, der resignierte Rebell aus der Feder des spanischen Autors Manuel Vazquez-Montalban, durfte wenige Jahre vor dem plötzlichen Tod seines Masterminds und Schöpfers eine Reise in die Argentinische Hauptstadt Buenos Aires unternehmen. Keine Frage, dass diese Reise weniger den Charakter eines Urlaubs hatte als vielmehr vor dem Hintergrund einer tiefgründigen Ermittlung zu sehen war. Und so fand sich Carvalho auf einer Odyssee zwischen Tango und Peron, Korruption und Mord wieder.

Denk ich an Argentinien, denk ich an Tango. Ist das nur ein Klischee oder mehr als das? Für Vazquez-Montalban scheint die Antwort eindeutig, Tango ist ein Lebensgefühl, Tango ist Argentinien, Tango ist sein Roman »Quintett in Buenos Aires«. Der Spanier, der sich mitunter von einer poetischen Ader treiben ließ, hat den Tanz und die Musik wortgewaltig und redegewandt in Buch- und Krimiform gebracht.

Ein Quintett der Verschwundenen und Vergessenen

Das »Quintett in Buenos Aires« ist nicht nur das typische Tango-Quintett (2 Gitarren, Akkordeon, Violine, Gesang) sondern auch ein Quintett der Verschwundenen und Vergessenen, symbolisiert durch einen modernen Robinson Crusoe, oder aber auch ein Quintett von Profitlern und Egoisten, die geschehenes Unrecht verschweigen oder gar verleugnen. Krönung ist schließlich das Küchenquintett im Gourmetclub, dass dem Dessert »Tango Orange« ein wenig rote Sauce verpasst. Das Motiv der Fünfergruppe zieht sich aber auch bis in den konzeptionellen Aufbau des Romans, der in fünf Kapitel gegliedert ist.

Aufgescheucht durch seinen Onkel verschwindet Carvalho aus Spanien, um seinen Vetter Raul zu suchen, der seinerseits in seine Argentinische Heimat zurückgekehrt ist, um seine im Säuglingsalter verschleppte, verschwundene Tochter zu finden. Schnell merkt er, dass die Rückkehr des Vetters einigen alten Weggefährten überhaupt nicht in den Kram passt. Pepe lernt Alma kennen, die Schwester von Rauls ermordeter Gattin Berta. Sie führt ihn anfangs durch die Stadt, in einen Tango-Club, aber auch sie scheint nicht mit offenen Karten zu spielen.

Neue Argentinität

Neue Argentinität – so nennt sich eine Stiftung, die sich auf den Forschungserlösen aus einer wissenschaftlichen Studie über die Ernährung von Ratten gegründet hat. Verfasst wurde diese Studie zu Zeiten der Militärjunta von Raul, die Trauben geerntet haben Günstlinge des damaligen Regimes. Im Umfeld der Stiftung setzt Carvalho mit seinen Nachforschungen an.

Zwar will Raul keine späte Rache für den geistigen Diebstahl nehmen, aber seine pure Anwesenheit in Argentinien versetzt etliche Leute in Nervosität. Er bleibt untergetaucht, gejagt von Polizei und einer ominösen Motorradgang. Sehr rasch bemerkt Carvalho, dass es für das Leben seines Vetters sicherer ist, wenn dieser in seinen diversen Unterschlupfen verborgen bleiben kann. Da dem Spanier inzwischen so langsam aber sicher das Geld ausgeht, gründet er zusammen mit einem Argentinier ein Detektivbüro in Buenos Aires und begibt sich auf die Suche nach Verschwundenen bzw. hilft einem Untergetauchten dessen Unschuld an einem Verbrechen zu beweisen.

Herzschmerz und Leidenschaft

Das Thema des Verschwindens und Untertauchens, Versteckens und Entdeckens. Vazquez-Montalban variiert es pausenlos, spielt dieses Lied auf seiner literarischen Klaviatur ebenso virtuos wie einst Glen Gould Bach’s Goldberg-Variationen auf dem Piano interpretierte. Hervorragend passen Herzschmerz und Leidenschaft des Tangos, den der Autor ein ums andere mal von einer betörenden Sängerin in einer verrauchten Tango-Bar darbieten lässt, dabei in sein Konzept. Immer wieder passen die Texte dieser Sängerin zur jeweils vorangegangenen Handlung.

Wenn man Vazquez-Montalban etwas vorhalten kann, dann wohl am ehesten, dass er diesen Tango zu lange tanzen lässt. Denn irgendwann lässt die Konzentration nach und die Füße schmerzen, dann wünscht man sich das Ende (oder wenigstens eine Pause) herbei, aber das Quintett spielt unermüdlich weiter. Die vielen auftretenden Personen und ihre weit gefächerten Verstrickungen untereinander können für Verwirrung sorgen. Ebenso scheint Carvalho sich mitunter in Nebenhandlungen zu vertändeln, die für den Spannungsbogen (der ohnehin auf keinem überstrapaziert hohen Niveau liegt) zu sehr bremsend wirken.

Ein Sittengemälde des Argentiniens der späten 90er Jahre

Unterhalten kann der Autor mit dem eigenwilligen Charakter seines Helden Pepe Carvalho, dessen rebellischer Schöngeist sich in seiner Hingabe zu gutem Essen und der Gewohnheit, Bücher zu verbrennen ausdrückt, ebenso wie mit der Schilderung einer wohl nur oberflächlich geläuterten argentinischen Gesellschaft nach jahrelanger offener und geheimer Regentschaft des Militärs. Der Roman ist ein Sittengemälde des Argentiniens der späten 90er Jahre. Die Verwendung surrealistischer Elemente oder Figuren (wie Robinson und Freitag oder dem schönen, schwulen Boxer) sei Vazquez-Montalban dabei gestattet, wenngleich ihr Auftritt zunächst für Befremden sorgen mag.

Die Romane des Spaniers sind sicherlich alles andere als leichte Lektüre. Sie sind literarisch anspruchsvoll und somit sicherlich nicht einfach zugänglich. Man braucht auch keine Angst haben, vor lauter Spannung anschließend nicht schlafen zu können, denn mit seinem dramaturgischen Aufbau nimmt der Autor viele Zusammenhänge bereits früh vorweg. Wenn man sich mit so einigen Eigenarten des Autors, wie dem sich immer wieder ähnelnden Einstieg in eine Szene anhand der Beschreibung der Kulisse oder dem Erzähltempus Präsens, angefreundet hat, mag man auch »Quintett in Buenos Aires« genießen können. Allerdings ohne es anschließend im Stile eines Pepe Carvalho zwangsweise verbrennen zu müssen.

Ihre Meinung zu »Manuel Vazquez Montalban: Quintett in Buenos Aires«

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Till zu »Manuel Vazquez Montalban: Quintett in Buenos Aires« 03.11.2009
Also ich war begeistert von dem Buch!Es hätte von mir aus auch noch länger gehen können, was mit Sicherheit auch damit zu tun hat, dass ich selber 1 Jahr in Buenos Aires gelebt habe. Vor allem gefällt mir, dass der Author, auch im Nachhinein betrachtet, ein sehr gutes Gefühl für die damaligen Entwicklungen in Argentinien beweist. Dies wird vor allem durch die immer wieder auftauchenden Anspielungen auf die damalige wirtschaftliche und politische Entwicklung und Ausrichtung deutlich. Die Spannung ist natürlich nicht besonders hoch, was mir aber absolut nicht gefehlt hat, dadurch dass das Buch so schön geschrieben ist und Cavalho für sich einfach eine interessante Figur ist.
Costa P. zu »Manuel Vazquez Montalban: Quintett in Buenos Aires« 07.02.2007
ALSO ICH HABE DAS BUCH IN ARGENTINIEN B:A: GELESEN UND HABE DABEI EINEN SOLIDEN KRIMI ERWARTET! LEIDER MUSSTE ICH FESTSTELLEN DASS ES MEHR UM DIE VERGANGENHEITSBEWÄLTIGUNG DES LANDES GING ALS IRGENDEINE KRIMISPANNUNG AUFZUBAUEN DIE ICH VERMISSTE! LITERARISCH MAG DAS BUCH WERTVOLL SEIN, ABER IN DER KRIMI-SPARTE IST ES FEHL AM PLATZ!ES ENTHÄLT EINE TANGO-DRAMATIK DIE FÜR UNS EUROPÄER NICHT IMMER NACHZUVOLLZIEHEN IST!
Susanne Bachmann zu »Manuel Vazquez Montalban: Quintett in Buenos Aires« 26.09.2005
Eines der wunderbarsten Bücher, die ich gelesen habe, was sicher daran liegt, dass mir das Buch in so vieler Hinsicht aus der Seele spricht.

Wer Buenos Aires kennt und liebt, der wird dieses Buch lieben und Seite für Seite vertrauten Gefühlen und Erfahrungen begegnen.

Zugegebenermaßen hält sich der Krimi - zu dem Zeitpunkt, zu dem das Buch spielt - zurück, wenn man einmal von der herrlich skurrilen Szene im Gourmet Club absieht. Man sollte jedoch nicht vergessen, dass sich das wahre Verbrechen ja bereits vor zwanzig Jahren während der Guerra Sucia abgespielt hat. So gesehen ist das Buch natürlich für die meisten Protagonisten Vergangenheitsbewältigung.

Auch mein Lieblinssatz stammt aus dem Gourmet Club, nämlich die Antwort Carvalhos auf die Frage, was er von Argentinien denke. Sie lautet nämlich: "Ich glaube, dass es nicht existiert."

Herrlich und mit sehr viel Wahrheit behaftet :o)

Wer kann, sollte unbedingt das spanische Original lesen!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Sijandi zu »Manuel Vazquez Montalban: Quintett in Buenos Aires« 12.06.2005
auch ich zähle mich zu den Pepe Carvalho-Fans.
Das Besondere an diesem roman, die nicht verarbeitete Zeit der Militärjunta finde ich sehr subtil und somit für mich erschreckend alltäglich dargestellt. Wer diesen Roman als "Krimi" gekauft hat, mag möglicherweise über die vielen Nebenschauplätze verärgert sein. Ich wiederum finde, das gerade sie dem Roman die Besondere Würze geben.
Anja S. zu »Manuel Vazquez Montalban: Quintett in Buenos Aires« 14.03.2005
Ein schwierig zu lesendes, maessig spannendes Buch, eigentlich auch kein Krimi. Aber mit skurilen Personen und witzigen Einfaellen, klugen Beobachtungen ueber das Militaer und die Macht in Argentinien. Ganz bestimmt nicht geeignet fuer einen Transatlantikflug, aber fuer Leser, die anspruchsvolle Buecher moegen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
seligman zu »Manuel Vazquez Montalban: Quintett in Buenos Aires« 29.07.2003
Nach den ersten Seiten war ich drauf und dran, das Buch wegzulegen oder zu "verbrennen", wie es Pepe Carvalho zu machen pflegt. Doch mit der Zeit wurde ich immer mehr gefesselt. Vielleicht liegt es daran, dass ich fünf Jahre ( zur Zeit, als der Roman spielt) in Uruguay gelebt habe und die Örtlichkeiten kenne. Mit sehr viel Einfühlungsvermögen wird die Stimmung einfangen, die damals in der Bevölkerung war, absolut brisant. Allerdings muss man sich durch das Gewirr der vielen Personen und Namen hindurcharbeiten.
Also, ein Krimi für "alle" ist das nicht! Etwas literarisches Gefühl gehört hier dazu.
Philipp Grella zu »Manuel Vazquez Montalban: Quintett in Buenos Aires« 25.04.2003
Total langweilig für einen Krimi - ist eher was für Frauen, die auf ne Mischung aus Rosamund Pilcher und Groschen-Roman-Krimis stehen!
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Dr.Wolfgang Reuter zu »Manuel Vazquez Montalban: Quintett in Buenos Aires« 18.02.2003
Dieses Buch ist nur am Rande ein Krimi, und wird daher sehr kontroverse Reaktionen hervorrufen. Für mich ist es eines der schönsten Bücher, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Der "Tango" färbt alle Charaktere, Schicksale und Handlungen, wer dafür offen ist, wird richtiggehend "hineingezogen" in die unglaublich dichte Atmosphäre, die Montalban erzeugt, überschwenglich, verspielt, exaltiert, rücksichtslos gegenüber einer eventuellen Müdigkeit des Lesers, faszinierend in seiner erfinderischen, emotionellen und psychologischen Bandbreite.Eine gelegentliche, minimale Nähe zum Kitsch adelt diesen und wirkt immer glaubhaft. Was geht in so einem Schriftstellergehirn nur vor?
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