Zeit der Finsternis von Malla Nunn

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 unter dem Titel Present Darkness, deutsche Ausgabe erstmals 2016 bei Argument.
Folge 4 der Emmanuel-Cooper-Serie.

  • Sydney: Panmacmillan, 2014 unter dem Titel Present Darkness. 304 Seiten.
  • Hamburg: Argument, 2016. Übersetzt von Laudan, Szelinski. ISBN: 978-3867542173. 304 Seiten.

'Zeit der Finsternis' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Im zutiefst korrupten Apartheidstaat Südafrika geht das Jahr 1953 zu Ende. Fünf Tage vor Weihnachten wird im Johannesburger Villenviertel ein weißes Ehepaar überfallen und bewusstlos geprügelt. Dann verschwinden die Täter mit dem neuen Automobil der Familie Brewer. Die fünfzehnjährige Tochter Cassie hatte sich versteckt und blieb unversehrt. Der Vater erliegt noch in derselben Nacht seinen Verletzungen. Detective Sergeant Emmanuel Cooper hat sich nach Johannesburg versetzen lassen, um hier mit seiner heimlichen Familie ein Doppelleben zu führen, von dem keiner seiner Kollegen etwas ahnen darf, schon gar nicht sein argwöhnischer Vorgesetzter Lieutenant Walter Mason. Andernfalls droht Cooper Berufsverbot und Gefängnis, ganz zu schweigen von den Repressalien, die seine farbige Frau und ihre kleine Tochter zu erwarten hätten: Die Rassentrennungsgesetze sind gnadenlos. Er muss also extrem behutsam lavieren. Die traumatisierte Cassie Brewer sagt aus, für die Bluttat seien zwei Zulu-Jungs verantwortlich, die auf die Förderschule in Sophiatown gehen und von ihrem Vater zum Dinner eingeladen wurden. Zu Coopers Entsetzen ist einer davon Aaron Shabalala, der jüngste Sohn seines besten Freundes und Ermittlungskollegen Detective Constable Samuel Shabalala. Undenkbar! Als das vermisste Auto­mobil fast unversehrt im Slum von Sophiatown gefunden wird, im Kofferraum zusätzliches Belastungsmaterial gegen Aaron Shabalala, schwant Cooper, dass jemand den Jungen als Sündenbock benutzt. Dann zieht Lieutenant Mason ihn von der Ermittlung ab, schickt ihn vorzeitig in Urlaub. Cooper kann jetzt nur noch inoffiziell weitermachen, ein gewagtes Spiel, zumal offenbar jemand Mächtiges die Fäden in der Hand hält. Aber das ist er Shabalala schuldig und seinem eigenen Gewissen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Nur in der Dunkelheit sind alle gleich« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Dezember 1953. In einem weißen Villenviertel von Johannesburg wird ein Ehepaar scheinbar grundlos überfallen und zusammengeschlagen. Lediglich ein höchst auffälliges Auto wird gestohlen. Noch in der darauffolgenden Nacht stirbt der Mann, es gilt folglich einen Mord aufzuklären und dies nur wenige Tage vor Weihnachten. Die fünfzehnjährige Tochter Cassie hat sich während des Überfalls versteckt, will aber die Täter an ihren Stimmen erkannt haben. Es seien zwei schwarze Schüler ihres liberal eingestellten Vaters gewesen, die noch am selben Abend zum Essen eingeladen waren. Einer von ihnen: Aaron Shabalala.

»Kein Sohn von Shabalala könnte eine so brutale Attacke ausführen.«
»Ich weiß nicht. Ich war in diesem Alter ziemlich wild und habe mir jede Menge Ärger eingehandelt.«
»Saufen und mit Mädchen in gestohlenen Autos herumfahren. nichts, was mit Blut und gebrochenen Knochen zu tun hatte, da bin ich sicher.«
»Nein. Das kam erst später«

Detective Sergeant Emmanuel Cooper hat sich von Durban für einige Zeit nach Johannesburg versetzen lassen, um sein geheimes Doppelleben vorübergehend fortführen zu können. Die aktuellen Ermittlungen führen ihn nach Sophiatown, ein schwarzes Viertel, in dem er selber als Kind und Jugendlicher aufwuchs. Die Beweise für Aarons Schuld scheinen erdrückend, zumal er – im Gegenteil zu seinem angeblichen Kompagnon – kein Alibi vorweisen kann. Und die Aussage einer Weißen reicht für eine Verurteilung allemal. Cooper muss viel riskieren, um sein Geheimnis zu wahren und um Aaron zu retten, den Sohn seines Constables aus Durban.

Das Grauen der Apartheid erreicht neue Dimensionen

Malla Nunn, in Südafrika geboren und aufgewachsen, wanderte nach Australien aus, um dem System ihrer Heimat zu entkommen. Gleichwohl lässt ihr Südafrika keine Ruhe und so setzt sie sich ebenso kritisch wie literarisch brillant mit dem Apartheid-System auseinander. Zeit der Finsternis ist bereits der vierte Roman einer beeindruckenden Serie mit den unterschiedlichen »Helden« Emmanuel Cooper, Zulu-Constable Shabalala und nicht zuletzt dem jüdischen Arzt, Dr. Zweigman, der einst im Konzentrationslager Buchenwald arbeitete. Gerade Zweigman, der seine Familie damals verlor, weiß was Verlust bedeutet. Nun ist es Shabalala, der um seinen Sohn kämpfen muss. Doch auch Cooper, der kurz nach Aarons Verhaftung beurlaubt wird, da sich seine Abordnung nach Johannesburg dem Ende nähert, ist gefragter denn je.

»Mason hatte Beweise. Er selbst hatte nur Verdachtsmomente. Die Beweise gewannen, selbst wenn sie gefälscht waren.«

Cooper hat eine Beziehung zu der dunkelhäutigen Davida und ist seit wenigen Monaten Vater der gemeinsamen Tochter Rebekah. Doch sexuelle Kontakte zwischen den Rassen sind gesetzlich verboten, bis zu sechs Jahre Haft drohen wegen »unmoralischer Handlungen«. Überhaupt haben die Rassengesetze noch einmal angezogen, an Verschärfung deutlich gewonnen. So gibt es jetzt sogenannte Segregationsgesetze, nach denen das Land in »weiße« und »nichtweiße« Lebensräume aufgeteilt wird.

Eine irre, eine dunkle Zeit. Hier die reichen Villenviertel, dort das arme Sophiatown, wo der Jazz Südafrikas entstand und das etliche Jahre später (1963) abgerissen wurde. Zurzeit der Handlung gelten hier noch eigene Gesetze, die Eingeborenen-Polizei drückt manche Augen zu. Es regiert eine Art Mafia, angeführt von Coopers bestem Freund aus Kindertagen.

Wer sich für Südafrika, ein Land in dem Kapstadt nach wie vor mit die weltweit höchsten Mordraten aufweist, interessiert, dem seien die Romane von Malla Nunn ausdrücklich empfohlen. Aber auch, wer sich mit der aktuellen politischen Lage auseinandersetzt, vermag an diesem Rückblick in die 1950er Jahre einmal mehr erkennen, dass »Rassentrennung« oder Diskriminierung in jeglicher Form nicht die Lösung sein kann.

Jörg Kijanski, März 2017

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