Tal des Schweigens von Malla Nunn

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Silent Valley bzw. Blessed are the Dead, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Argument.
Folge 3 der Emmanuel-Cooper-Serie.

  • Sydney: Pan Macmillan Australia, 2012 unter dem Titel Silent Valley bzw. Blessed are the Dead. 320 Seiten.
  • Hamburg : Argument, 2015. Übersetzt von Laudan & Szelinski. ISBN: 978-3867542074. 320 Seiten.

'Tal des Schweigens' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Südafrika 1953: An einem frühen Oktobermorgen erhält Detective Emmanuel Cooper zu ­nachtschlafender Stunde einen Anruf: Sein Chef schickt ihn in die ­Drakensberge, um einen anonym gemeldeten Todesfall zu unter­suchen. Zulu-Detective Shabalala soll ihn als Übersetzer und Fährtenleser begleiten. Vielleicht kann dieser Fall die beiden in Ungnade gefallenen Kriminalermittler rehabi­litieren? Wie aufgebahrt liegt ein junges Mädchen auf dem abgelegenen Felsplateau. Aber woran starb Amahle, die Tochter des Zulu-Chiefs? Wer hat Blumen über sie gestreut und ihren Leichnam vor Raubtieren beschützt? Cooper und Shabalala treffen überall auf Dünkel und Argwohn. Jeder im Tal scheint Dreck am Stecken zu haben. Und je tiefer Emmanuel bohrt, desto grimmiger wird das Schweigen, das ihm ­entgegenschlägt. Bis jemand erneut zu Gewalt greift.

Das meint Krimi-Couch.de: »Dritter Teil der großartigen Cooper-Shabalala-Reihe« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Detective Sergeant Emmanuel Cooper wird von seinem Chef, Colonel van Niekerk, nach Roselet geschickt, ein verschlafenes Städtchen am Fuße der Drakensberge. Auf einem Felsplateau im Kamberg Valley liegt die Leiche der jungen Amahle, Tochter des Zulu-Chiefs Matebula. Die Todesursache ist unklar, doch hat der Mörder den Fundort der Leiche auffällig arrangiert. Blumen bedecken den Körper, der zudem vor Raubtieren geschützt wurde. Der für Roselet zuständige Constable Bagley sagt Cooper seine volle Unterstützung zu, verschwindet jedoch umgehend.

»Die Mutter hatte recht. Der Constable hat nicht nach Amahle gesucht.«
»Nicht eine Sekunde. Gemessen an einem Einbruch im Gemischtwarenladen gerät ein vermisstes schwarzes Mädchen natürlich leicht in Vergessenheit. Ich sag nicht, dass das sos ein darf, aber wir wissen ja, wie die Dinge liegen.«

So bleibt dem erst seit kurzem wieder im Dienst der Kriminalpolizei von Durban beschäftigten Cooper nur die Unterstützung seines Partners Samuel Shabalala. Schon bald stoßen die beiden Ermittler auf alte Zulu-Rituale, offenen Rassismus und vor allem eine Mauer des Schweigens …

Die Apartheid hat das Land fest im Griff

Tal des Schweigens ist der dritte Krimi um die beiden Ermittler Cooper und Shabalala, die zuletzt in Ungnade fielen und aus dem Polizeidienst verbannt wurden. Colonel van Niekerk jedoch weiß das Talent der Beiden zu schätzen und vertraut ihnen den neuesten Fall an, wodurch der neue Teil kongenial an die Vorgänger anknüpft. Die Romane von Malla Nunn leben vor allem durch ihre Protagonisten, die nicht einfach zu greifen sind. Cooper, der in den Slums von Sophiatown aufwuchs und dem seine traumatischen Kriegserlebnisse nachhängen, führt ein ungeordnetes Privatleben, sofern er denn eins hat. Jedenfalls ereilt ihn der Anruf des Colonels in einem denkbar ungünstigen Augenblick, denn dessen Verlobte liegt in Coopers Bett. Wie von früher bekannt führt Cooper erneut Zwiegespräche mit jenem Geist namens »Sergeant Major«, den er seit Kriegsende nicht mehr los wird.

»Seien wir ehrlich. Niemand bei Verstand ermordet ein Mädchen, bleibt dann bei der Toten und folgt auch noch ihrer Leiche, um sich zu vergewissern, dass ihr Kopf bequem liegt.«
»Das ist ein Rätsel.«

Shabalala ist das genaue Gegenteil von Cooper. Ein Zulu-Polizist mit bilderbuchhaften Familienleben, dem er allerdings allzu gerne entflieht, um an Coopers Seite neue Fälle zu lösen. Dabei ist Shabalalas Anwesenheit von großer Bedeutung, denn als weißer Cop hat Cooper kaum Zugang zu den Einheimischen, deren alte Rituale und Mythen zudem manche Überraschung bereithalten. Denn: Nicht alles muss offen gesagt werden, es lebe die Andeutung. Als Gerichtsmediziner, um den Kreis zu schließen, ist erneut Dr. Daniel Zweigman, ein deutscher Jude, der das Konzentrationslager in Buchenwald überlebte, mit von der Partie.

»Nicht so Shabalala. Er sprach nie, solange er sich der Fakten nicht sicher war. Das war erlernte Zurückhaltung. Schwarze Detectives steuerten kaum je spontane Kommentare bei oder beteiligten sich sonst wie an dem wetteifernden Geplänkel über einen toten Körper. Sie waren rangniedere Kollegen, die man nur zu einem Fall hinzuzog, wenn spezielle Kenntnisse im >Eingeborenenkontext< gebraucht wurden.«

Neben den Protagonisten sind die Ingredienzien mit denen Nunn, die in den1970er Jahren nach Australien emigrierte, um der Apartheid in ihrem Land zu entgehen, arbeitet, die Geheimnisse der Zulu-Rituale sowie der allgegenwärtige Rassismus. Selbst Dr. Zweigman bekommt in einem Hotel von Roselet kein Zimmer, da man dort bestimmte »europäische Rassen«, gemeint sind Juden, nicht aufnehmen möchte. Die Rassenschranken sind schockierend; streng geregelt ist, wer mit wem sprechen, wer wem die Hand geben und wer welche Gebäude betreten darf. Und selbstredend sind intime körperliche Kontakte zwischen Weißen und Schwarzen streng verboten.

»Wir müssen den Gärtner finden, bevor Mandla und das Impi ihn erwischen. Sie glauben, dieser Mann ist des Mordes schuldig, und sie werden ihn bestrafen.«
»Was wäre, wenn er eine Buße von zwanzig Kühen bezahlt?«
»Es ist zu spät für den Austausch von Vieh, Sergeant. Nur Blut wäscht Blut ab.«
»Großartig.«

Die Drakensberge sorgen letztlich für eine großartige landschaftliche Kulisse und auch der eigentliche Krimiplot ist vielversprechend. Schweigsame Zeugen und mehrere Tatverdächtige sorgen für Spannung bis (fast) zur letzten Seite, die eine besondere Überraschung für Cooper bereithält.

Wer sich für Südafrika interessiert sollte nicht nur zu den vermeintlichen »Platzhirschen« wie Deon Meyer und Roger Smith greifen, sondern dieser lesenswerten Autorin auf ihrer Reise in das Südafrika des Jahres 1953 eine Chance geben. Besser wäre jedoch, die beiden ersten Romane (Ein schöner Ort zu sterben und Lass die Toten ruhen) vorab zu lesen.

Jörg Kijanski, Mai 2016

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manni zu »Malla Nunn: Tal des Schweigens« 19.12.2016
Die Vorgänger habe ich schon verschlungen, dieser dritte Teil ist ebenfalls sehr gut geschrieben, ruhig und scharf beobachtet. Die Autorin nimmt einen direkt mitten mit ins Geschehen und obwohl ich Südafrika nie in Natur erleben durfte, habe ich die Landschaft und die Umgebung der Handlung plastisch vor mir. Das sind keine Thriller sondern Nunns Kriminalromane erinnern an ein dunkles Kapitel der Apartheit über das wir hier so datailliert auch nicht informiert werden Lesenswert und den vierten Teil habe ich schon geordert. 80°
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