Verschlossen und verriegelt von Maj Sjöwall, Per Wahlöö

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1972 unter dem Titel Det slutna rummet, deutsche Ausgabe erstmals 1975 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 1970 - 1989.

  • Stockholm: Norstedt, 1972 unter dem Titel Det slutna rummet. 291 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1975. Übersetzt von Hans-Joachim Maass. ISBN: 3-499-42345-6. 235 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000. Übersetzt von Hans-Joachim Maass. ISBN: 3-499-22958-7. 335 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. Übersetzt von Hans-Joachim Maass. ISBN: 978-3-499-26604-1. 335 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008. Übersetzt von Paul Berf. Vorwort von Håkan Nesser. ISBN: 978-3-499-24448-3. 363 Seiten.

'Verschlossen und verriegelt' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Fünfzehn Monate war Kommissar Martin Beck wegen einer schweren Schussverletzung vom Dienst befreit. Kaum ist er zurück, hat er gleich wieder Gelegenheit, an der Unfähigkeit seiner Kollegen zu verzweifeln. Ein Frührentner hat sich scheinbar in seiner Wohnung erschossen. Doch der Konstapel, der die Wohnung aufgebrochen hat, kann sich nicht an die Waffe erinnern, mit der das geschehen ist. Ein kniffliger Fall für den Kommissar in der Lebenskrise.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Polizeikritik wird zur Groteske« 81°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

»Verschlossen und verriegelt« bietet zwei völlig unabhängige Handlungsstränge, wobei der im Klappentext geschilderte und auch namensgebende Strang im Prinzip nur die zweite Geige spielt.

Kommissar Beck kehrt nach über einjähriger verletzungsbedingter Pause in den Polizeidienst zurück und spielt ausnahmsweise die Rolle eines Solo-Ermittlers. Seine Kollegen haben ihm zur Begrüßung einen kniffligen – eigentlich bereits abgeschlossenen – Fall auf den Schreibtisch gelegt. Dabei geht es um einen älteren Mann, der bereits etwas zwei Monate tot in seiner Wohnung lag, bevor er gefunden wurde. Die Obduktion ergab Tod durch einen Schuß ins Herz. Da die Wohnung von innen verriegelt war, wurde der Fall als Selbstmord deklariert. Das Mysteriöse an der ganze Sache aber war, dass keine Schußwaffe gefunden wurde. Ein schwieriges Rätsel für Martin Beck, der sich nur ganz langsam aufraffen kann, die Sache anzugehen.

Becks Kollegen befassen sich derweil mit einer Serie von Banküberfällen. Beim bisher letzten der Art wurde ein Mann erschossen. Staatsanwalt Olsson ist sich ziemlich sicher, wer hinter den Verbrechen steckt, doch kann er dem Mann nichts nachweisen. Erst als der Ganove Mauritzon irrtümlich festgenommen wird und der Polizei Informationen liefert, kommt man der Bande auf die Spur.

Die in den vorangegangenen Romanen begonnene und immer intensiver werdende Kritik am schwedischen Polizeiapparat treibt das Autorenteam diesmal auf die Spitze, so daß das Ganze schon groteske Züge annimmt. Ich konnte mich köstlich amüsieren bei dem beschriebenen Polizei-Großeinsatz, bei dem zwei mutmaßliche Bankräuber in ihrer Wohnung festgenommen werden sollten und vorher ein detaillierter Einsatzplan erstellt wurde, der jede nur erdenkliche Alternative beinhaltete. Leider hat man dabei eine einzige Möglichkeit außer Acht gelassen. Doch welches Fiasko sich daraus ergeben hat, das muß man einfach gelesen haben.

Eine etwa fünf Seiten lange theoretische Abhandlung über Polizeitaktik, politische Verfahrensweisen und Manipulationen von Statistiken ist für die Beck-Reihe ungewöhnlich. Sie bildet zum geschilderten Einsatz eine sehr nüchtern geschilderte Ergänzung zum Thema.

Auch in Becks Fall kommen die Ermittler nicht gut weg. Bevor die Akte auf seinen Schreibtisch kam, hat sich wohl keiner die Mühe gemacht, überhaupt sinnvolle Ermittlungen einzuleiten, sondern war nur darauf bedacht, seine Arbeit als erledigt abzuhaken.

Wurde der Leser in den bisherigen Romanen weitgehend auf dem gleichen Wissensstand wie die Polizei gehalten, so wird ihm diesmal erstaunlich vieles aus anderer Sicht offenbart, wodurch sich ein ganz anderer Blickwinkel ergibt.

Neues aus dem Privatleben des Ermittlerteams gibt es diesmal nicht viel. Lediglich Martin Beck wird nach seiner Verletzung sehr verändert und nachdenklich dargestellt.

»Verriegelt und verschlossen« bietet außer der gewohnten Qualität nach den beiden vorausgegangenen doch eher nüchternen Büchern wieder schwedischen Humor der etwas skurrilen Art, der zudem in einer Schlußpointe gipfelt.

Ihre Meinung zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Verschlossen und verriegelt«

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James_Blond zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Verschlossen und verriegelt« 22.01.2014
Während des Lesens wusste ich nicht so recht, wie ich dieses Buch einordnen soll. Als Vorlage für eine Slapstick-Komödie ist es jedenfalls hervorragend geeignet. Man erinnere sich nur an die Szene als die Polizei eine leere Wohnung stürmte und danach etliche (Schwer-)Verletzte zu beklagen hatte.

Das Buch ist meiner Wahrnehmung nach deutlich anders gestrickt, als die Vorgängerbände.

Am Ende aber wusste ich wieder warum Maj Sjöwall & Per Wahlöö die Godfather des Schwedenkrimis sind. Einfach hervorragend!! Nach dem Ende schloß sich der Kreis und in der Gesamtschau ist für mich das Buch großartig.
Darix zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Verschlossen und verriegelt« 07.10.2013
Manchmal bereitet es Freude einen "alten Krimi" aus Skandinavien zu lesen um damit besser verstehen zu können mit welchem sozialkritischen Verständnis die Schweden Kriminalromane schreiben.
Kommissar Beck kehrt nach seiner Schussverletzung, in den Dienst zurück. Er beginnt unmotiviert mit den Ermittlungen in einem mysteriösen Selbstmordverdacht/ Todesfall. Beck befindet sich in einer persönlichen Krise, zweifelt an der Sinnhaftigkeit seiner polizeidienstlichen Aufgaben. Sein Privatleben besteht aus dem herausnehmen von überschaubaren Lebensmittelvorräten seines Kühlschrankes. Eine Änderung erfolgt als er im Rahmen der „Selbstmordermittlung“ die selbstbewusste und kritisch hilfsbereite Rhea kennenlernt. Die Parallel verlaufenden Ermittlungen der Bankraube nehmen teilweise kurios komische Auszüge an. Im Finale finden sich beide Handlungsstränge wieder. Bei einer Lösung mit mehrfacher Wendung und doppelten Boden.
Begleitend wird durch Sjöwall/Walhöö auf Missstände in der schwedischen Gesellschaft, vor allem im Polizeiapparat, sehr kritisch wie pointiert hingewiesen. Die sozialkritischen Anmerkungen, dem Umgang in Schweden mit der ärmeren Bevölkerung, dem latent bestehenden Extremismus, bereichern den Krimi. Der Schreibstil ist direkt, hart bis lakonisch. S&W verstehen es mit bemerkenswerter Sozialkritik, das Leben in Schweden während der 70er Jahre darzustellen. Die Lage wird noch nicht so tief depressiv dargestellt wie bei Mankells Wallander und bei Nesbo beschrieben. Manche Satzsequenzen in “Verschlossen und Verriegelt“ sind regelrechte Merksätze und klingen nach.
Ein hervorragender Krimi, der Kommissar Beck Reihe, uneingeschränkt lesenswert.
lesenchris zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Verschlossen und verriegelt« 01.10.2011
Mal wieder ein "alter" Krimi, der jedoch nicht an Aktualität verloren hat. Die Hauptfigur des Kommissars Beck, der ja auch im Fernsehen gut ankommt, hat mich ebenfalls überzeugt. Ein bißchen Melancholiker, Sturkopf und Eigenbrötler, der mit seinen eigenen Methoden auf die Lösung des Falls kommt. Nicht sehr aufregend oder besonders spektakulär, sondern solide und spannend durch die Arbeit des Martin Beck. Sehr überzeugend.
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Kinsey zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Verschlossen und verriegelt« 26.09.2008
Für mich einer der besten aus dem Dekalog! Witzig, grotesk und mit einem ungewöhnlichen, weil „falschen“, aber trotzdem befriedigenden Ende. Die Beschreibung der unfähigen Polizisten mutet beinahe schon parodistisch an, ist zumindest aber überzeichnet.
Die Idee mit dem Selbstmord, der keiner sein kann, hat mich von Anfang an nicht mehr losgelassen – ich wollte unbedingt wissen, wie sich dieses Problem lösen läßt.
Das penetrante Rumreiten auf den sozialen und gesellschaftlichen Problemen wirkt zwar manchmal wie an den Haaren herbeigezogen, ist aber vielleicht ein früher Beleg dafür, daß Krimis sich allmählich zu den „neuen“ Gesellschaftsromanen entwickeln.
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Kasia zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Verschlossen und verriegelt« 09.11.2007
Ich kann die negativen Bewertungen meiner Vorgänger nicht bestättigen.
Zum Glück darf ja jeder hier aber seine Meinung sagen, und so respektiere ich die andere natürlich auch.
Ich fand diesen Band sehr spannend. Schon die Vorstellung, dass ein Mensch erschossen aufgefunden wird, in einem verschlossenen, verriegelten Raum ohne die Tatwaffe zu finden und irgendwelche Spuren finde ich sehr interessant.
Ich finde das Team auch sehr gut in diesem Band und auch Martin, der sich nach dem Unfall erholt und endlich auch jemanden kennenlernt, der ihm positive Kraft und Gefühle gibt.
Die Kritik an der Polizei habe ich wohl so ziemlich überlesen, anscheinend. Es geht in der ganzen Sache nicht nur um die Polizei, sondern auch um die Gesellschaft. Es sind ja nicht die Polizisten, wegen denen sich die Frauen und Männer nicht aus ihren Häusern trauen, sondern die Mitmenschen. Dass der Polizeiberuf scheinbar nicht attraktiv genug war und man auf jeden verfügbaren Bewerber zugreifen musste, ist ja auch nicht nur die Schuld der Polizei.
Die Schludrigkeit der Polizeibeamten in diesem besonderen Fall kann man jedoch stark bemängeln.
Vielleicht bin ich ein zu großer Fan, um eine andere Meinung zu haben. Aber die gesamte Reihe von Sjöwall und Wahlöö gehört zu meinen absoluten Favoriten, die ich auch jederzeit ohne irgendwelche Einschränkungen empfehlen kann und werde.
Volker zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Verschlossen und verriegelt« 07.08.2007
Aus meiner Sicht bislang der schwächste Band der Reihe. Die Sozialkritik, die in den vorigen Romanen geschickt in die Handlung eingewoben war, wird nun mit dem Holzhammer vermittelt und maßlos überzeichnet: Keine Frau kann mehr vor die Tür treten, ohne vergewaltigt zu werden, kein Mann kann zur Abendandacht gehen, ohne ausgeraubt zu werden... Das ist unglaubwürdig und nervt.
Um das Zitat von der KC-Rezension aufzunehmen: "Polizeikritik wird zur Groteske" klingt ja ganz positiv - für mich hat das Autorenpaar hier eine seiner Stärken aufgegeben: den Respekt und die ausgewogene Schilderung der Charaktere. Die Polizisten dienen nur als Schießbudenfiguren und Hassobjekte der Bevölkerung.
Insgesamt schade um die eigentliche Geschichte, die wie gewphnt fesseln kann.
Daniel Lienhard zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Verschlossen und verriegelt« 19.01.2004
Ich kann mich der 1. Meinung gar nicht anschliessen. Ich fand diesen Krimi hervorragend. Nachdem ich die ersten beiden Nummern sehr enttäuscht zu Ende gelesen habe, war ich nun sehr angenehm überrascht. Ich werde nun auch die restlichen Krimies der beiden Autoren lesen.
SilkeS. zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Verschlossen und verriegelt« 28.10.2003
Ich fand diesen Band schrecklich!
Total zusammenhänglos und dann wird das Ermittlertin absolut als lächerlich dargestellt.
Das Ende ist offen, jeder kann selber denken, was er von der Lösung hält.
Das bisher schlechteste aus der ganzen Reihe!
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