Die Terroristen von Maj Sjöwall, Per Wahlöö

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1975 unter dem Titel Terroristerna, deutsche Ausgabe erstmals 1977 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 1970 - 1989.

  • Stockholm: Norstedt, 1975 unter dem Titel Terroristerna. 348 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1977. Übersetzt von Eckehard Schultz. ISBN: 3-499-42412-6. 316 Seiten.
  • Berlin: Volk und Welt, 1986. Übersetzt von Eckehard Schultz. ISBN: 3353000348. 412 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000. Übersetzt von Eckehard Schultz. ISBN: 3-499-22960-9. 477 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2006. Übersetzt von Eckehard Schultz. 477 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008. Übersetzt von Susanne Dahm. Vorwort von Anne Holt. ISBN: 978-3-499-24450-6. 494 Seiten.

'Die Terroristen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In Die Terroristen begegnet Kommissar Beck der organisierten Kriminalität in Form der internationalen Terrorgruppe ULAG, die in Stockholm einen Anschlag auf einen US-amerikanischen Senator plant, der Schweden besucht. Beck soll das Attentat verhindern. Dies gelingt durch eine geschickte Manipulation in den Medien: Zwar geht die Bombe hoch, aber die Polizei hat die Terroristen über die Ankunftszeit und die Fahrtroute des Senators getäuscht. Parallel zum Antiterroreinsatz beginnt der Prozess gegen die Bankräuberin Rebecka Lind, die in höchster persönlicher Verzweiflung versucht, Geld zu erbeuten. Sie will den Vater ihres Kindes, einen amerikanischen Soldaten, dem sie als Deserteur Unterschlupf gewährt hatte, in die USA folgen. Weil sie weder privat noch über die Bank an einen Kredit gelangt, greift sie zum Messer, stürmt eine Bank und wird gefasst. Ihrem Freund wird unterdessen in den USA der Prozess gemacht; er sieht schliesslich nur noch im Selbstmord einen Ausweg. Weil sie von den Behörden keine Hilfe erhält, erschiesst Rebecka den Regierungspräsidenten. Das unerwartete Attentat nimmt am zweiten Tag des Staatsbesuchs des amerikanischen Senators seinen Lauf, als dieser gerade zusammen mit dem schwedischen Regierungspräsidenten in einer Kirche einen Kranz niederlegen will.

Das meint Krimi-Couch.de: »Zum Abschluß ein Querschnitt über die gesamte Reihe« 82°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Im Todesjahr von Per Wahlöö erschien mit »Die Terroristen« nicht nur der zehnte und letzte, sondern auch der von der Seitenzahl umfangreichste Band der Kommissar Beck-Reihe. Zum Abschluß haben die Autoren nochmal gleich drei Handlungsstränge in dieses Buch hineingepackt.

Haupterzählteil und namensgebend für den Roman ist ein Staatsbesuch eines nicht gerade beliebten US-Senators. Die Schutzmaßnahmen sind so umfangreich und ausgedehnt wie nie zuvor. Gunvald Larsson reist anläßlich eines Präsidentenbesuches auf Einladung der dortigen Polizei nach Spanien, denn dort hat man große Erfahrung mit dem Personenschutz. Doch Larsson erlebt in Spanien ein Fiasko. Die Limousine des Staatsgastes wird in die Luft gesprengt und es gibt zahlreiche Tote. Der Kopf des Präsidenten landet Larsson genau vor den Füßen. Der Fehlschlag für die Spanier jedoch gibt der schwedischen Polizei wertvolle Hinweise, wo der Schutz verbessert werden kann und wie die Terroristen vorgehen. Martin Beck wird die Leitung für die Maßnahmen zum Schutz des Senators übertragen, was nicht ganz ohne Kompetenzstreitigkeiten abgeht. Doch zuvor hat dieser noch einen Mordfall zu lösen.

Der Filmproduzent Valter Petrus wurde in der Wohnung seiner Freundin erschlagen. Als Becks Team eintrifft, ist vom dortigen Revier mit Åsa Torell bereits eine alte Bekannte vor Ort. Gemeinsam mit Benny Skacke übernimmt sie die Hauptarbeit in diesem Fall. Sie finden heraus, dass Petrus mit übelsten Methoden Pornofilme der untersten Schublade drehte. Die »Schauspielerinnen« besorgte er sich, indem er ihnen zuerst große Versprechungen und sie dann rauschgiftabhängig machte.

Der dritte Handlungsstrang schließlich sorgt gleich zu Beginn für einen weiteren humoristischen Höhepunkt der Serie. Bei der Gerichtsverhandlung gegen eine angebliche Bankräuberin, die aber nur durch ihre Naivität in diesen Verdacht geraten ist, trifft Staatsanwalt Bulldozer Olsson auf den skurrilen Advokat Braxén, und dieser macht die Verhandlung zu einer Farce. Doch nicht nur in dieser Szene zeigt das Autorenteam seine beißende Ironie.

Ausführliche Charakterisierungen der Figuren – wie ich finde, teilweise ausführlicher als zuvor gewohnt – sorgen dafür, dass sich das Buch auch problemlos und besser als die anderen Bücher der Reihe als Stand-alone-Krimi lesen lässt. Man lernt hier alle handelnden Personen sehr genau kennen und bekommt als Kenner der Reihe nochmals eine Zusammenfassung und Auffrischung geliefert. Gunvald Larsson ist erneut eine tragende Rolle zugedacht worden und auch Kollberg, der neben Beck die Hauptfigur der Serie war, wurde ein Kurzauftritt gegönnt.

Wie gewohnt überzeugt der Roman durch detailgenaue Darstellung der Polizeiarbeit und der Fortführung der Themen aus den vergangenen Bänden, insbesondere der Kritik am Polizeiapparat. Durch die verschiedenen Handlungsstränge zeigen Maj Sjöwall und Per Wahlöö nochmals einen Querschnitt über verschiedene Themen der gesamten Reihe. Sozialkritik zeigt sich wie so oft dadurch, dass Täter als Opfer dargestellt werden und die eigentlichen Verbrecher selten zur Rechenschaft gezogen werden.

Ich würde »Die Terroristen« fast als das beste Buch der Reihe bezeichnen, wenn da nicht einige langatmige Abschnitte wären und das eigentliche Geschehen oftmals zu schnell abgehandelt würde.

Aus unserem heutigen Kenntnisstand heraus erinnert die Handlung sehr an das Attentat auf den schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme; der Roman erschien jedoch bereits mehr als zehn Jahre vor diesem Ereignis.

Ihre Meinung zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen«

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Clemens zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen« 31.07.2015
Der Krimi ist mir zufällig in die Hände gefallen und da ich früher gerne Sjöwall/Wahlöö gelesen habe, dachte ich er wäre sicher nicht verkehrt.
Interessant ist der Zeitsprung zurück, qualmende Staatsanwälte, Verhöre ohne Protokoll nach einem Mord am Ministerpräsidenten, alles recht betulich einerseits, das Ganze liest sich aber wie eine Mischung aus einer Vorlage wie zu einer Comedysendung und einer aus heutigen Sicht seltsam anmutenden Kritik an allem was den Staat ausmacht, Politkern und der modernen Zeit. Na, ja, halt dem damiligen Zeitgeist geschuldet. Gibt sich als Thriller, ist es aber nicht, eher eine nette Märchenstunde, die am Ende leidlich spannend wird.
Robert Straub zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen« 11.09.2014
Wie die Vorgängerromane werden Polizei, Verbrechen, Politik grob vereinfachend und holzschnittartig dargestellt:
Die Politik und die Exekutive agieren faschistoid und grotesk, die Linke wird als Bewahrerin des Friedens und Lichtbringerin dargestellt.
Auch die ehemals sozialistischen Staaten werden als vorbildhaft und diesseitiges Paradies gezeichnet.
Kennt man den Terror, den sowohl diese Staaten als auch verschiedene linke Gruppierungen mit sich gebracht haben, kann man nur den Kopf über diese Schwarzweissmalerei schütteln.
Anfangsverdacht zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen« 24.04.2013
Zum Abschluß ein ambitionierter Gesellschaftroman über die Polizei ausgeführt.
Ich mag vieles an diesem Buch. Und einiges nervt bis läßt klarwerden, warum das mit vermeintlich linker Gesellschaftskritik dann heute doch nicht mehr weit her ist. Da ist doch viel bla bla bei der Kritik dabei und wenn ein in Frage stellender Mensch dann diesen Menschenfreund Mao an der Wand hat, ja, wo ist der dann gelandet?
Und wie sähen das die Autoren heute?
Rhea, Rebacka, der Verteidiger, Gunnvald das sind gelungene Porträts unterschiedlichster Menschen.
Jossele zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen« 05.01.2012
Für mich ein würdiger Abschluss der Reihe um Kommissar Beck und seine Kollegen. Lediglich die Episode um den Mord an Walter Petrus, dem Pornoproduzenten kommt ein wenig uninspiriert und im Zusammenhang des Buches überflüssig daher. Ansonsten sehr spannend geschrieben, gespickt mit pointierter Gesellschaftskritik, wie man es von den beiden Autoren gewohnt ist.
lenzi zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen« 30.06.2009
Für mich ist der zehnte Band der spannenste der Reihe. Die ersten vier Bücher habe ich bereits als DDR Ausgaben lesen können, bevor ich mir dann nach der Wende auch die noch fehlenden zulegte. Die zehn Romane sollten im Bücherschrank eines jedem Krimifans stehen!
Ein Fehler ist mir in der Rezension aufgefallen; Stig Larsson reist nicht nach Spanien sondern in ein spanischsprachiges Land in Lateinamerika.
lefteri zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen« 24.05.2009
Ich habe die 10 Bände das erste Mal noch während sie herauskamen verschlungen. Sie kamen mir dann nacheinander anlässlich meiner vielen Umzüge abhanden, und ich habe mir die Anfang der 90er herausgekommene Sammlung dann nocheinmal zugelegt, natürlich nicht ohne sie nochmal durchzukauen, und jetzt bin ich grad das dritte Mal dabei. Dies vor allem, nachdem ich inzwischen neunmal in Schweden war, und mir v.a. die örtlichen Verhältnisse vertrauter sind.

Vieles an der Sozialkritik der Autoren teile ich, wobei ich die kritisierten Zustände in Deutschland als noch weitaus schlimmer einschätze. Genail finde ich nicht nur, dass Sjöwall/Wahlöö das Attentat an Olof Palme inclusive einiger Begleitumstände "vorausgesehen" haben, sondern auch das am letzten vom spanischen Diktator Franco eingesetzten Ministerpräsidenten Carrero Blanco, das ein Jahr später passierte, genau wie im Buch geschildert mit Hilfe einer gesprengten Gasleitung und der Folge, dass das Auto mehrere Stockwerke hoch in die Luft flog.
Kinsey zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen« 26.09.2008
Ein würdiges Finale für eine der besten Krimireihen! Aber auch gut als einzelner Roman zu lesen, weil alle Personen noch einmal ausführlich beschrieben sind und es kaum Rückgriffe auf die früheren Romane gibt. Am meisten erstaunt hat mich die Aktualität, wenn man bedenkt, daß der Roman schon mehr als dreißig Jahre auf dem Buckel hat. – Für alle Jüngeren: Terrorismus ist nicht erst seit 9/11 ein Thema! – Wie immer liegt der Schwerpunkt auf der Arbeit der Ermittler, aber auch die Sicht- und Vorgehensweise der Terroristen wird beleuchtet. Das Ende ist versöhnlich und nicht so pessimistisch wie zu erwarten wäre, wenn man alle Teile des Dekalogs gelesen hat.
Mich nervt eigentlich nur das ständige Rumgenörgel an den politischen, sozialen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen in Schweden – mir kommt das immer vor wie Jammern auf hohem Niveau.
Christian Dornstedt zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen« 23.06.2008
Hallo, das Buch mag zwar vielen Lesern gefallen. Wenn es in der Schule als Prüfungsthema genommen wird, die Lehrer (Deutsch) keine ordentliche Vorbereitung liefern, weil ein halbes Jahr disktutiert wird, ob dieses Buch genommen wird, dann ist dieses Buch zu schade.

Ich habe dieses Buche aus den oben genannten Gründen gehaßt!!!

Wenn man die Filme sieht, dann kann man dieses Buch wieder "ansatzweise" verstehen.
tedesca zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen« 12.06.2008
Ein gelungenes Finale der zehnteiligen Krimireihe! Mit Wehmut musste ich es schließen in dem Wissen, dass nun nichts mehr nachkommen wird. Eine Empfehlung für alle, die gerne sozial und politisch engagierte Krimis lesen und sich mit Themen befassen, die nie ihre Wichtigkeit verlieren
Maria zu »Maj Sjöwall, Per Wahlöö: Die Terroristen« 12.03.2008
Schrecklich, wenn man einen Krimi liest, den man einfach nicht merh aus der Hand legen kann! Das war das erste Buch aus dieser Reihe, das ich gelesen habe und bin absolut begeistert! Die Art und Weise wie die einzelnen Karaktere beschrieben werden, und die unterschiedlichen Handlungsstraenge, die dann zu einem verschmelzein ist wirklich hervoragend. Vor allendingen richtung Schluss, wenn man meint, es ist eigentlich schon alles gelaufen, kommt eine Zweite Spannungskurve, die sich bis zum Schulss durchzieht! Ich bin wirlich begeistert und kann dieses Buch nur empfehlen!

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