Hämatom von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2010
bei Grafit.
Folge 2 der Ben-Danner-Serie.
- Dortmund: Grafit, 2010. 251 Seiten.
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In Kürze:
Lila Ziegler macht mal wieder keine halben Sachen. Nachdem sie zwei Wochen daran gearbeitet hat, ihren Beziehungsschmerz zu betäuben, begibt sie sich in eine Klinik zur Entgiftung. Dort fällt ihr eine Putzfrau auf, deren Arm ein auffälliges Hämatom ziert. Nur ein paar Tage später wird Lila Zeugin, wie die junge Frau an einem Herzinfarkt stirbt. Lilas Neugier ist geweckt: War das wirklich ein natürlicher Tod? Dreist bewirbt sie sich auf die frei gewordene Stelle der Abteilungsleitung in der Putzkolonne und bald bietet sich ihr ein sehr widersprüchliches Bild von der Verstorbenen: liebevolle Mutter oder nymphomanisches Flittchen? Hilfsbereite Kollegin oder karrieresüchtige Zicke? Als Privatdetektiv Ben Danner in der Klinik auftaucht, muss sich Lila endlich ihm und ihrer eigenen Geschichte stellen. Gleichzeitig kristallisiert sich ein handfestes Motiv für einen Mord heraus.
Was ist hier denn los? Zwischen dem Debüt von (damals) Lucie Klassen und der Fortsetzung Hämatom von (heute) Lucie Flebbe liegen gerade mal knappe 2 Jahre. Aber leider liegen zwischen beiden Romanen auch Welten. Was vor zwei Jahren noch unbekümmert, frech und unterhaltsam wirkte und zu Recht mit einem Glauser-Preis für das beste Krimidebüt ausgezeichnet wurde, wirkt im Nachfolger nur noch verkrampft, schnippisch und uninspiriert.
Doch der Reihe nach. Lila Ziegler, Revoluzzerin mit Abitur, die von ihren Eltern zum Jurastudium nach Bielefeld geschickt wurde, aber erst in Bochum aus dem Zug stieg, um sich dort in einen Privatdetektiv zu verlieben, befindet sich in einer Sinnkrise. Ihr umschwärmter Detektiv vergnügt sich wohl mit seiner Ex, weswegen Lila wochenlang auf Extasy durch die Bochumer Clubszene schwärmt und mit allen Männern ins Bett steigt, die nicht bei drei auf den Bäumen sind. Schließlich landet sie im Krankenhaus, um wieder clean zu werden. Sie bemerkt dort bei einer Putzfrau einen Bluterguss am Handgelenk und findet darin einen neuen Lebensinhalt: Sie muss in Erfahrung bringen, wer der Putzfrau dieses Hämatom beigebracht hat.
Ich sag mal eben, wo es lang geht
Kaum will Lila die Putzfrau darauf am kommenden Tag ansprechen, erleidet die Putzfrau einen Herzinfarkt und stirbt. Irgendwas scheint Lila hier in diesem Krankenhaus falsch zu laufen. Kurzerhand verschafft sie sich mit der Schlüsselkarte der toten Putzfrau Zugang zu deren Büro. Die Tote war nämlich Abteilungsleiterin des Reinigungsdienstes. Aus den Zeugnissen anderer Putzfrauen fälscht sich Lila einen Lebenslauf zusammen und bewirbt sich mal eben auf die gerade frei gewordene Stelle. Natürlich ein Glücksfall für die Klinikmanagerin mit dem zweifelhaften Spitznamen »Adolf« und den Chefarzt, der von allen nur »Gott« genannt wird. Lila kriegt den Job und von da an ermittelt sie Undercover im Krankenhaus.
Was sich schon anhört wie ein Krampf, lässt sich auch durch gelegentlichen Wortwitz nicht aufpeppen. Eine mühsam konstruierte Geschichte wird da den Lesern zugemutet. Lila Ziegler als Oberputzfrau, die soeben noch als Drogenabhängige einen Mini-Entzug im gleichen Krankenhaus mitmachen musste – das kann einfach nicht klappen. Das was die Autorin bei ihrem Debüt noch mit Leichtigkeit schaffte, nämlich die Emotionen ihrer Leser zu wecken und sie darüber zu erreichen, geht hier gründlich in die Hose. Alles was die Autorin erreicht ist ein unverständnisvolles Kopfschütteln, wodurch sie ihr Publikum nicht ansprechen kann.
Auch Danner ist keine Rettung
Die Stärken ihres Debüts lässt Lucie Flebbe kümmerlich vermissen. Nicht Lila Ziegler allein war hier die starke, prägende Figur, sondern es war das Wechselspiel mit ihren drei Beschützern Danner, Molle und Staschek auf der einen Seite und ihren jugendlichen Freundinnen auf der anderen Seite. Und es war natürlich die Art, wie eine kesse und selbstbewusste junge Frau Männer um ihren Daumen wickeln konnte. Nichts davon ist übrig geblieben. Danner erhält eine Nebenrolle im letzten Viertel des Buches, kann aber auch nichts mehr in Sachen Unterhaltsamkeit retten. Staschek, Molle und die Mädels werden erst ganz am Ende noch mal so nebenbei erwähnt. Alle anderen Charaktere sind mehr oder weniger Witzfiguren ohne Pointen.
Bleibt zu fürchten, dass Der 13. Brief ein Zufallstreffer war. Der bedingungslose Verzicht auf jegliche Stärken des preisgekrönten Debüts hat jedenfalls eine brutale Konsequenz. So ist Hämatom meilenweit von der Qualität des Vorgängers entfernt, kann seine Leser nicht emotional binden und wirkt lediglich als uninspirierter, unbeholfener Krimi nach, der die zugegeben hohen Erwartungen nicht im Ansatz erfüllen kann.
Thomas Kürten, Mai 2010
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| Moehrchen zu »Lucie Flebbe: Hämatom« | 19.05.2011 |
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| Sarah zu »Lucie Flebbe: Hämatom« | 06.08.2010 |
| koepper zu »Lucie Flebbe: Hämatom« | 11.05.2010 |
| Sonny zu »Lucie Flebbe: Hämatom« | 09.04.2010 |
