Tödlicher Strand von Lorenzo Silva

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel El lejano pais de los estanques, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Mallorca, 1990 - 2009.
Folge 1 der Bevilacqua-&-Chamorro-Serie.

  • Barcelona: Destino, 1998 unter dem Titel El lejano pais de los estanques. 256 Seiten.
  • München: Goldmann, 2004. Übersetzt von Claudia Wuttke. ISBN: 3-442-45629-0. 256 Seiten.

'Tödlicher Strand' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Im Ferienparadies Mallorca wird eine Touristin ermordet aufgefunden. Die örtliche Polizei steht vor einem Rätsel, und es bleibt ihr nichts anderes übrig, als Verstärkung aus Madrid anzufordern. Sargento Vila und seine Kollegin Chamorro versuchen, über den unorthodoxen Lebenswandel des Opfers mögliche Verdächtige zu finden, doch die einzig heiße Spur scheint im Sand zu verlaufen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Einer der modernsten ´Who-Dunits´, die das Genre zu bieten hat« 76°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Selten so eine schöne Leiche gesehen! So schön, dass dem Polizisten Perelló am Tatort ein »Wow, sind das Möpse!« herausrutscht und sein baskischer Kollege Satrústegui ihn daran erinnern muss, es mit einem Mordopfer zu tun zu haben. Die Tote baumelt nackt an einem Strick, die Handgelenke gefesselt und eigenartigerweise auch noch mit zwei Schussverletzungen – am Hals und an der Schläfe. Vertrackte Geschichte, aber irgendwie auch sonnenklar. Eva Heinrich, so der Name der toten Österreicherin, war zu einem frivolen Urlaub auf Mallorca. Das Appartement, in dem sie nun aufgeknüpft hängt, gehört einer Schweizerin namens Regina Bolzano. Und von der fehlt jede Spur …

Auf Mallorca kommt man nicht weiter

Doch auf Mallorca kommt man nicht weiter, weder finden die Polizisten Regina Bolzano noch eine Erklärung für das Aufhängen und die Einschusslöcher im Kopfbereich. Madrid schaltet sich ein und damit Sargento Bevilacqua. Von einer Undercover-Untersuchung als Tourist auf den Balearen hält er allerdings nicht viel. Als ihm dann auch noch das unerfahrene »hässliche Entlein« Chamorro anstatt der erfahrenen und hübschen Salgado als Übergangs-Braut zugeteilt wird, ist es aus mit Sommer, Sonne, Sonnenschein. Die Pflicht ruft, mehr nicht. Und schon sitzen die beiden Ermittler von der Guardia Civil im Flieger in das »entfernte Land der Teiche« (so der ungefähr übersetzte Originaltitel), das man hierzulande wohl besser als 17. Bundesland kennt.

Vor Ort angekommen beginnt das Vergnügen für unsere jungen Polizisten – und für den Leser. Denn spätestens dort zeigt sich eine besondere Stärke von Autor Lorenzo Silva: Er kann wunderbare Charaktere zeichnen! Bevilacqua, der Ich-Erzähler, ist Mitte dreißig, studierter Psychologe und Moralist. Das Aufklären von Verbrechen aller Art hält er für seine ganz persönliche Aufgabe, die es pflichtbewusst zu meistern gilt.

Eintauchen ins mallorquinische Nachtleben

Diese ganz eigene Moral muss »Vila«, wie er aufgrund des spanisch-untypischen Namen genannt wird, auch schnell beweisen. Beim Eintauchen ins mallorquinische Nachtleben entpuppt sich Kollegen Chamorro als hübscher Schmetterling. Spätestens, als die junge Polizistin auf Anweisung Vilas sich zu später Stunde potentiellen Tätern in eindeutigerweise nähert, ist aber auch »Schmetterling« eine Untertreibung. Virginia Chamorro ist in Bars, Kneipen und Diskotheken schlicht der heißeste Feger! Wenn sie sich nach getaner Arbeit aber auch wieder in den schüchternen, untergebenen Lehrling zurückverwandelt.

So kämpft Sargento Bevilacqua nicht nur mit störrischen einheimischen Polizisten, ihm nachstellenden Touristinen und DJs, die in der französischen Fremdenlegion gedient haben, sondern auch mit seinen eigenen Hormonen. Kollegin Chamorro hingegen muss das ein oder andere Mal über den eigenen Schatten springen, wenn sie sich aus ermittlungstechnischen Gründen nicht nur mit angetrunkenen Italienern unterhalten, sondern Vila auch noch zum FKK-Strand begleiten muss.

Motivsuche erschwert – Opfer bi-sexuell

Vila und Chamorro durchforsten so das Nightlife der Touristen und das Leben der Toten – die, um die Motivsuche richtig zu erschweren – Vorlieben sowohl fürs männliche als auch weibliche Geschlecht hatte. Ohne eine Seite zu langweilen kommen die beiden wenig weiter, bis Vila meint, die gestellte Falle zuschnappen zu lassen – um feststellen zu müssen, dass er gründlich falsch lag. Und wie er falsch lag! Denn Autor Lorenzo Silva hat sich nicht nur eine absolut vergnügliches, sondern auch komplett überraschendes (aber trotzdem logisches) Finale einfallen lassen.

Unter diesen Gesichtspunkten ist Tödlicher Strand einer der modernsten »Who-Dunits«, die das Genre zu bieten hat. Überhaupt: Wann hat ein Mitte Dreißig-Jähriger Polizist zuletzt mit einem 24-jährigen weiblichen Kompagnon so blendend unterhalten? Dazu muss angemerkt sein, dass man diese Lockerheit in der Figurenkonstellation, in der Sprache und insgesamt im Thema, so von der iberischen Halbinsel im Kriminalroman nun wirklich nicht kennt. Völlig frei von politischem Ballast hat Lorenzo Silva einen Auftakt zu einer Krimi-Serie hingelegt, den Kritiker als »trivial« mies machen mögen, im Vergleich zum mittlerweile gestorbenen Vazquez Montalban oder Andreu Martín wie eine Frischzellenkur fürs spanische Krimi-Genre wirkt.

Pflichtlektüre für den Sommer

Nicht nur eine Lektüre für die Mietliege am mediterranen Sommerstrand – Lorenzo Silvas Erstling um Bevilacqua und Chamorro sollte auch auf heimischen Balkonen für ein paar vergnügliche Stunden sorgen – die Pflichtlektüre dieses Sommers!

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CRI zu »Lorenzo Silva: Tödlicher Strand« 06.03.2007
Mir hat dieser Buch Spaß gemacht. El País hat ja sicher die span. Ausgabe (die ich gelesen habe) besprochen, da steht nichts von "Mallorca-Krimi". Richtig ist, dass das Buch mit der Insel nicht viel mehr als die Erwähnung der geographischen Bezeichnungen "Mallorca" und "Palma" zu tun hat und daher die Handlung auch an jedem anderen, von Touristen frequentierten Ort spielen könnte. Mir gefielen vor allem die spitzen Bemerkungen (teils auch nur in seinen Gedanken) des Kommissars. Vielleicht nicht mein absoluter Lieblingskrimi, aber ich werde sicher noch das ein oder andere Buch aus der Reihe lesen.
kue zu »Lorenzo Silva: Tödlicher Strand« 17.08.2004
Der tödliche Strand hat mir mordsmäßig Spaß bereitet. Ein mitreißender Erzählstil, gute Ideen und die intelligente Verwendung von Kontrapunkten sorgten immer wieder für ein kopfschüttelndes Schmunzeln. Herrlich, wie der Kommissar Bevilacqua von der Psychoanalyse eines Mörders auf eine schlechte Gazpacho umschwenkt...

Will mehr von Silva lesen!
Dietrich Ebeling zu »Lorenzo Silva: Tödlicher Strand« 25.07.2004
Selten ein so schlechtes Buch gelesen: Konfuse, langweilige Geschichte, Figuren leblos, Hintergrund (der Verlag wirb auf dem Cover mit Mallorca-Krimi) nicht vorhanden. Habe das Buch gekauft, weil von ElPais gelobt; man sollte vorsichtig mit solchen 'Besprechungen' sein.
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