Pagat ultimo von Lizl Stein & Georg Koytek

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Leykam.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Conrad-Orsini-Serie.

  • Graz: Leykam, 2012. ISBN: 978-3701178070. 450 Seiten.

'Pagat ultimo' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Anfangs sieht für Kriminalinspektor Orsini alles nach Selbstmord aus: zwei Tote, eine Drogensüchtige und eine Gärtnerin. Beide mit aufgeschnittenen Pulsadern. Oder ist es doch Mord? Oder ist es doch Mord? Zwischen den beiden Fällen gibt es Parallelen. Bald glauben Orsini und seine Kollegin Paula Kisch an einen Täter, doch die Ermittlungen drehen sich im Kreis. Als ein Mitglied der Wiener Symphoniker auf dieselbe Art ermordet wird, ist dem Ermittlerteam klar: in den Wiener Parks ist ein Serienkiller unterwegs.

Das meint Krimi-Couch.de: 75°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Das Krimi-Duo Koytek & Stein, das für den seinen Krimi-Erstling Der Posamentenhändler den Leo-Perutz-Krimipreis 2011 eingeheimst hat, legt nun im Leykam Buchverlag einen weiteren Fall mit dem Wiener Kriminalinspektor Orisini nach, der auf 444 Seiten zum zweiten Mal in die Geheimnisse der Wiener Innenstadt eindringt und dabei den Leser auf eine Führung der besonderen Art durch die geschichtsträchtigen Straßen, Gassen und Parks führt.

Doch diesmal hat der (im Klappentext fälschlich als Privatdetektiv Conrad Orsini bezeichnete) Ermittler weibliche Unterstützung in der Kriminalbeamtin Paula Kisch, die in ihrer Freizeit Kriminalistik studiert.

Und diese Unterstützung braucht Orsini, den die Selbstmorde häufen sich. Am Stadtpark, am Heumarkt, im Resselpark am Karlsplatz …überall finden sich Selbstmorde, die keine sind. Und so müssen sich Kisch und Orsini unter Anderem durch Drogenszene, Stadtgartenamt, Musiktheater und Kanalnetz bewegen, um den Serientäter zu finden, der dafür verantwortlich zeigt.

Bis die eigentlichen Ermittlungsarbeiten in Pagat ultimo so richtig zur Geltung kommen, dauert es reichlich lange und gehört nicht zum Spannendsten, was die Krimi-Szene zur Zeit zu bieten hat. Zwischendurch bietet zwar der noch unerkannt bleibende Täter ein wenig Pseudopsychospielchen an, die den Leser ein wenig neugierig machen, aber so richtig Anbeißen will man als Leser nicht.

Die handelnden Personen »menscheln« ein wenig untereinander, witzeln und streiten sich durch ein Wien, das angeblich den Geist der Stadt und ein ganz besonderes Flair bietet im Buch bietet, aber der Funken springt erst deutlich später über, wenn man endlich in den Untergrund, das Wiener Kanalnetz eintritt. Die als »Dritte Mann-Tour« (http://www.drittemanntour.at/) verkaufte Touristenattraktion nach dem Film von Orson Welles ist hier perfekt als Spannungselement eingebaut und beschert dem Autorenduo Koytek & Stein den letzten Stich. (Pagat ultimo = eine Spielart des Tarock, bei der sich der Rufer verpflichtet, den letzten Stich zu machen).

Und da wird es dann richtig spannend, denn die Wiener Unterwelt ist für die ermittelnden Beamten eine fast tödliche Falle, bei welcher der Leser mit seinen und um seine Sympathieträgern bangt. Denn auch das haben die Autoren geschafft. Orsini und Kisch werden trotz oder wegen ihrer Macken zum sympathischen Gespann, von dem man sich durchaus noch weitere Fälle erwarten möchte, aber das liegt wohl weitgehend an der Kunst der Ärzte und der Motivation von Conrad Orsini …

Fazit: Ein über weite Strecken sehr durchschnittlicher Roman, der aber ab Halbzeit den schwächelnden Beginn vergessen lässt und auf Grund der Örtlichkeiten nicht nur für Wiener zu einem spannenden Spektakel wird und durchaus als Leseempfehlung gelten darf.

Wolfgang Weninger, November 2012

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Crimehands.com zu »Lizl Stein & Georg Koytek: Pagat ultimo« 29.04.2016
„Der letzte Stich“ ist meine Entdeckung des noch ziemlich jungen Jahres. Ein Krimi, der Mitten in Wien spielt lässt ja ohnehin mein Herz höher schlagen und mit diesem Titel haben das Duo Koytek und Stein bei mir volll ins Schwarze getroffen. Das vorliegende Buch ist eine Neuauflage und als Taschenbuch herausgegebene „Pagat ultimo“, das ursprünglich, und nur als Hardcover im Leykam-Verlag erschien. Das Taschenbuch kommt von btb, der zu Bertelsmann gehört.

Die Geschichte dreht sich um Conrad Orsini, der Chefermittler bei der KD1 ist – was KD1 bedeutet, erfährt man allerdings nicht. Klar ist nur, dass Orsini um seinen Job bangt, da eine Reform stattfinden soll. Hier kritisieren Koytek und Stein die Vitamin-B-Politik, die in Österreich nahezu allerorts stattfindet, denn Orsini, der bei seinen Kollegen nicht der aller beliebteste ist, werden wesentlich schlechtere Chancen eingeräumt als Leuten, die in der Gewekschaft vertreten sind. Auch für den Leser macht Orsini, der privat musikalisch in einer Band ist, nicht den aller sympathischsten Eindruck. Allerdings gibt es da wesentlich unsympathischere Subjekte, wie etwa der reaktionäre Kubicek, der seine Kollegen mit diversen Aussagen immer wieder vor den Kopf stößt. Was andererseits einiges Leben in die Dialoge bringt und man als Leser gern über Kubiceks Art lacht. Noch mehr Leben bringt Paula Kisch mit ihrer toughen und schlagfertigen Art in die Gruppe. Dass sie direkt von der Polizeiakademie kommt, merkt man leider gar nicht, denn Anfängerfehler bleiben gänzlich aus. Alle anderen Charaktere bleiben weitestgehend blass.

Was außerordentlich gut umgesetzt wurde, ist die Beschreibung der Lokalkolorit. Angefangen beim geschichtlichen Hintergrund Wiens, der teilweise sehr akkurat ist, bis zum Wiener Dialekt und der typischen Wiener Art, die am ehesten von Kubicek und mit Abstrichen von Orsinis Bürokollegen Kurt Wilasich repräsentiert wird, ist alles dabei, was man von Wien kennt – oder noch nicht kennt. Gerade zu Beginn des Buches lenken die Autoren den Verdacht auf jede Person, das verliert sich allerdings irgendwann, was vielleicht auch besser so ist, da es sonst zu künstlich wirkt. Ebenso auffallend ist die Medienkritik, die Koytek und Stein üben und vor allem den Boulevard trifft – das kennt man schon von Beate Maxian, wird aber nie langweilig. Die Präsenz von Musik ist ebenfalls augenscheinlich, was wohl daher rührt, dass die beiden Autoren an der Wiener Musikuni waren und daher ein breites Wissen darüber mitbringen. Das bringt doch eine gewisse Note in den Plot, die sehr angenehm ist.

Bei den Szenenwechsel übertreibt es das Duo allerdings zeitweise etwas. Mitunter findet der Wechsel mitten im Dialog statt, so dass man bei der Wiederaufnahme dessen auch schon mal zurückblättern muss, damit man den Faden wieder findet. Insbesondere im ersten Drittel passiert das öfter. Auch die Passagen, in denen es um Liebe geht – anscheinend kommt kein Krimi ohne diese aus – meinen es die zwei etwas zu gut und übertreiben es für meine Begriffe etwas. Erst nach einigen Seiten haben sich Koytek und Stein offenbar daran erinnert, dass im Roman ein Serienmörder herumrennt und lenken die Szenerie wieder aufs Wesentliche. Gerade gegen Ende hat das Buch aber auch seine Längen und vor allem der Showdown ist ziemlich diffus und eigentlich gar nicht nachvollziehbar – da hätte man mehr erwarten können.

„Der letzte Stich“ ist dennoch ein verdammt gelungener Krimi mit guter Charakterzeichnung und vortrefflicher Lokalkolorit. Nach Beendigung des weitestgehend kurzweiliger Buch hofft man als Leser doch auf eine Fortsetzung
roko zu »Lizl Stein & Georg Koytek: Pagat ultimo« 12.11.2012
Na ja, gerade auch die erste Halbzeit mit dem langsameren Einstieg ist für Orsini- und Wien-Fans das Interessante!Der Krimi ist meiner Meinung nach komplett durchkomponiert, literarisch wie ein Roman – von außen kreisend führt der Sog immer tiefer hinein – bis man eben in der Unterwelt von Wien landet.
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