Olympisches Feuer von Liza Marklund

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Sprängaren, deutsche Ausgabe erstmals 2000 bei Hoffmann & Campe.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden / Stockholm, 1990 - 2009.
Folge 1 der Annika-Bengtzon-Serie.

  • Stockholm: Ordupplaget, 1998 unter dem Titel Sprängaren. 376 Seiten.
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2000. Übersetzt von Dagmar Mißfeldt. ISBN: 3-455-04775-0. 399 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2001. Übersetzt von Dagmar Mißfeldt. 399 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2003. Übersetzt von Dagmar Mißfeldt. ISBN: 3-499-26449-8. 398 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, 2000. Gesprochen von Ulrike Kriener. 3 CDs.

'Olympisches Feuer' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein Bombenattentat auf das Olympia-Stadion in Stockholm, wenige Monate vor Eröffnung der Spiele, erschüttert die schwedische Öffentlichkeit. In den Trümmern findet die Polizei den zerfetzten Leichnam Christina Furhages, der Leiterin des Olympia-Komitees. Annika Bengtzon, Redaktionsleiterin der Stockholmer ´Abendpresse´, recherchiert die Hintergründe des Anschlags. Bald muss sie jedoch feststellen, dass sie mit ihrer Berichterstattung gefährlichen Boden betritt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mal was Neues: Eine Zeitungsredakteurin als Protagonistin eines Kriminalromans« 81°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Stockholm hat den Zuschlag erhalten, die Olympischen Spiele im Jahr 2004 ausrichten zu dürfen. Die Organisation und die Bauarbeiten laufen auf Hochtouren.

Die Chefin der Polizeiredaktion der Stockholmer Abendpresse, Annika Bengtzon, wird am 18. Dezember nachts um 3.22 Uhr vom Nachtchef der Zeitung aus dem Schlaf geklingelt. Bei einem Bombenanschlag wurde die Tribüne des neuerbauten Victoriastadions zerstört. Sofort fährt sie zusammen mit einem Fotografen zum Tatort. In einem langen 20-Stunden-Arbeitstag recherchiert sie die Hintergründe des Attentats, bei dem ein Mensch getötet wurde. Durch einen Verbindungsmann bei der Polizei erhält Annika die Information, dass sämtliche Alarmsysteme im Stadion ausgeschaltet waren und keine Tür aufgebrochen wurde. Also kam als Täter nur ein Insider in Frage. Da sie ihren Informanten nicht preisgeben darf, muß sie zunächst ihre Theorie intern gegen Kollegen durchsetzen, die von einem Terroranschlag ausgehen.

Erst am nächsten Tag stellt sich heraus, dass es sich bei der Leiche um Christina Furhage, die Chefin der Olympia-Organisation handelt, die bei allen überaus geschätz und beliebt war. Annika findet heraus, dass diese bereits früher Drohungen erhalten hatte und unter einer geheimen Adresse lebte. Sie hält das Geschehen für einen gezielten Mordanschlag.

Zwei Tage nach dem ersten Anschlag geschieht ein weiteres Bombenattentat in einer kleinen Trainingshalle. Dabei wird der Vorarbeiter der Baustelle getötet. Nun scheint Annikas Ansicht eines gezielten Mordes widerlegt. Doch sie recherchiert weiter und sucht nach Verbindungen zwischen den beiden Toten.

Mal was Neues: Eine Zeitungsredakteurin als Protagonistin eines Kriminalromans. Gar kein so dummer Einfall. Denn die Journalisten sind oft genau so hautnah am Geschehen dran wie die ermittelnden Polizisten. Es muß ja nicht immer ein Hobbydetektiv sein, der klüger als die Polizei ist und jeden Fall im Handumdrehen aufklärt. Annika Bengtzon fungiert hier nicht als Detektivin, sondern wirklich nur als Journalistin, die jede sich bietende Möglichkeit nutzt, um an Informationen zu kommen, die sie für ihre Arbeit verwerten kann.

Überaus realistisch wird dabei das Geschehen in der Zeitungsredaktion geschildert. Machtkämpfe unter den Mitarbeitern und Mobbing sind an der Tagesordnung und eine Frau als Vorgesetzte können die meisten der männlichen Kollegen nicht gut ertragen und so wird intrigiert, was das Zeug hät. Einzig nicht ganz so realistisch wirkt der immer verständnisvolle Chefredakteur, der ganz auf der Seite von Annika Bengtzon steht und jeden Angriff gegen sie sofort niederschmettert.

Dramaturgisch hat Liza Marklund ihren Roman sehr gut aufgebaut, auch wenn er zunächst doch recht zäh beginnt, bis sich ein gewisser Lesefluß einstellt. Die Sprache wirkt ein wenig holprig, die erste Hälfte der etwa 400 Seiten reisst den Leser noch nicht so mit, doch danach wird es schwierig, das Buch noch aus der Hand zu legen, so sehr ist man in das Geschehen integriert. Die Autorin versteht es, die schriftstellerischen Stilmittel eines guten Spannungsaufbaus sinnvoll einzusetzen. Ein Mitratekrimi ist es jedoch nicht unbedingt, denn der Täter ist schon relativ bald seinem Erscheinen dem Leser bekannt.

Die Darstellung der handelnden Personen hat Liza Marklund sehr genau gestaltet. Nicht nur die Protagonistin wird im Verlaufe des Buches immer vertrauter, sondern auch die anderen Redaktionsmitglieder glaubt man schon bald gut zu kennen. Ungewöhnlich auch, wieviel Gefühle die Personen zeigen dürfen. So vergießt sogar mancher Mann im Roman schon mal Tränen, sei es aus Trauer um eine geliebte Person oder auch nur deshalb, weil er in Zukunft ohne den Dienstwagen auskommen muß. Liebe, Hass, Trauer, Eifersucht, Wut oder Macht. Alle diese Gefühle kommen nicht zu kurz.

Doch nicht nur die Charaktere der lebenden Personen entwickeln sich, sondern auch die Toten sind nicht so, wie man zunächst glaubt. Nach und nach erfährt nicht nur Annika, sondern auch der Leser immer mehr und das Bild der Figuren ändert sich teilweise grundlegend.

Einziges größeres Manko für mich die zur Dramaturgie wohl wichtige persönliche Einbeziehung der Protagonistin in das Verbrechen, die nicht sehr glaubhaft wirkt.

Die schwedischen Kriminalromane haben schon ihren besonderen Flair. Gesellschaftskritik in Krimis kennt man ja auch schon von Mankell. Liza Marklund ist hier ein realistischer Roman geglückt, der zudem auch sehr spannend ist. Trotz einiger Schwächen ist mir das Buch knappe fünf Sterne wert. Aber warum müssen schwedische Krimis fast immer im Winter spielen? Da friert man ja selber schon beim Lesen.

Das meinen andere:

»´Olympisches Feuer´ ist einer der besten schwedischen Kriminalromane seit langer Zeit und darüber hinaus eine glaubwürdige Schilderung des intensiven Daseins einer Mutter von kleinen Kindern mit einem anstrengenden Beruf in der Großstadt.« (Dagens Nyheter)

Ihre Meinung zu »Liza Marklund: Olympisches Feuer«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

-rpr- zu »Liza Marklund: Olympisches Feuer« 05.04.2012
Ein schwedischer Krimi ohne depressiven Kommisar mit Eheproblemen und gescheiterter Ehe - sondern mit einer Journalistin - recherchieren statt ermitteln.

Liza Marklund kann schreiben und hat, da selbst Journalistin, eine Ahnung worüber sie schreibt.

Ein Sprengstoffanschlag auf das im Bau befindliche Stockholmer Olympia Stadion (in der Realität hatte sich Schweden ja 1997 ohne Erfolg, für die Spiele beworben), eine Tote - Annika Bengtzon, leitende Redakteurin des Kriminalressorts bei Stockholms größter Abendzeitung und Hauptperson des Romans, mitten im Geschehen.
Überdurchschnittlich viele und sehr verschiedene Frauen kommen im Roman vor, das macht ihn aber nicht zum Frauenbuch, ist aber etwas, was ihn von den meisten Krimis und Thrillern unterscheidet.
Die Rolle von Macht, das Verfügen über sie, ihre Anwendung und Auswirkung zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch. Macht, die nicht nur die Chefs von großen Firmen und Organisationen, sondern auch der kleine mobbende Mann von nebenan, haben.

Nach dem Doku-Thriller "Mia. Ein Leben im Versteck" ist dies Marklunds erster Krimi (chronologisch der vierte in der Annika Bengtzon Reihe) und er ist ihr wirklich gelungen. Ein guter Plot, Fiktion (was ja ein Krimi ist) nahe an der Realität, interessante Personen und im letzten Viertel des Buches Thrillerelemente machen Lust auf mehr.
Dass der Chefredakteur, als einzige Person mehr eher einer Wunschphantasie statt der Wirklichkeit, entsprungen scheint, führt zu keiner Abwertung. Ein bißchen träumin darf auch eine Autorin.
"... aber wenn ich ihn nur lange genug beschwöre, existiert er vielleicht irgendwann wirklich." (Liza Marklund in einem Interview)
Anfangsverdacht zu »Liza Marklund: Olympisches Feuer« 04.08.2010
Eigentlich ein ausgezeichneter Kriminalroman in vielerlei Hinsicht.
Stimmung, Arbeitswelt, Charaktere.
Ein Gesellschaftsroman. Und ich folgte dem Verlauf gerne.
Zudem als Mann lese ich natürlich gern eine Geschichte aus Sicht einer Individualistin.
Und dann kommt der Täter und seine Taten.
Unglaubwürdig. Leider.
Mußte es ein Krimi sein, könnte man Frau Marklund fragen.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
fresno89 zu »Liza Marklund: Olympisches Feuer« 12.04.2010
Ob Debüt, oder eben auch nicht, es war für mich ein schwerer Kampf durch die Lektüre.
Über den Inhalt ist ja bereits genug geschrieben worden, so daß ich hier nicht weiter darauf eingehe.
Die Idee zum Inhalt dieses Buches finde ich gut, aber ich finde, daraus hätte man für einen Krimi mehr machen müssen. Mir schien, daß das eigentliche Thema des Buches, die Anschläge auf olympische Einrichtungen, nur nebensächlich verarbeitet wurde. Nun gut, ich weiß jetzt einiges über die Verlagsarbeit eines schwedischen Zeitungsverlages, aber nur deswegen habe ich mir das Buch nicht gekauft. Wenn ich, wie andere Kommentatoren auch, die erste Hälfte des Buches sehr langweilig fand, so konnte ich in der zweiten Hälfte auch nur eine geringfügige Steigerung an Spannung feststellen. Ich werde mich bestimmt noch an eins der Werke von Liza Marklund heranwagen, um vielleicht mal erahnen zu können, warum dieser Hype um diese Person gemacht wird.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
gatophilie zu »Liza Marklund: Olympisches Feuer« 18.02.2009
Die erste Hälfte zieht sich, ist eben der typische "Krimi mit Journalistin in der Hauptrolle". Es geht nicht wirklich was weiterr und überhaupt nerven die Klischees ein wenig.
Dann aber die zweite Hälfte. Die Spannung steigt, man will das Buch gar nicht mehr weglegen, ganz egal, dass es schon halb 2 ist, man noch einige Seiten übrig hat und man am nächsten Tag ausgeschlafen sein sollte... Man hat Angstum Annika, obwohl klar ist, dass alles gut ausgehen wird, man sieht alles vor sich wie eine eigene Erinnerung, man zittert mit Annikas Mann und will ihre Kinder trösten-- und trotz der ziemlich dramatischen Situation wirkt das Buch nie übertrieben. Auch hatte ich kein einziges Mal das Bedürfnis, Protagonistin und Autorin zu fragen, wie um alles in der Welt das denn gehen sollte, wie man in dem Moment an so etwas denken kann, wie man so viel Kraft übrig haben kann. Wie bei vielen vergleichbar aufgebauten Krimis.
Fazit: Ich mag das Buch. =)
mylo zu »Liza Marklund: Olympisches Feuer« 03.04.2008
Marklund liest sich zunächst einmal gut und ist eine interessante Lektüre. Zugegeben es gibt spannenderes, aber die Figuren haben mir gefallen, der Spagat zwischen Beruf und Familie kam glaubwürdig rüber und es gab einen interessanten Einblick in den Ablauf einer Zeitung.
Wie gesagt nicht der spannendste Krimi, aber 75 Punkte gebe ich.
Thomas zu »Liza Marklund: Olympisches Feuer« 06.07.2007
Das war jetzt nach "Studio 6" mein zweiter Marklund-Roman und ich habe wieder 85 Punkte vergeben. Es macht wirklich Spaß der Journalistin Annika zu folgen und die Fälle sind auch sehr spannend. Allerdings fand ich hier - wie auch bei Studio 6 - das Ende etwas unvermittelt. Eine Psychopatin, die Gebäude liebt. Da kommt man nun wirklich nicht drauf und es scheint sehr an den Haaren herbeigezogen und konstruiert. Trotzdem: die Machtkämpfe in der Redaktion, die Schwierigkeiten im Familienleben. Dies alles schilderd Marklund sehr gut un mitreißend, so dass ich jetzt gleich mit der Lektüre von "Paradies" beginnen werde...
Steffen zu »Liza Marklund: Olympisches Feuer« 15.02.2006
Selten habe ich mich bei einem Krimi so gelangweilt!! Lebende Charaktere sind ja manchmal langweilig, aber warum muss Frau
Marklund dann noch einen ganzen Haufen noch langweiligerer erfinden?
Obendrein ein Plot, der holzschnittartiger und unglaubwürdiger nicht sein kann.
Die Jerry Cotton Hefte sind dagegen
ja Gold, da weiß der Leser was einen
erwartet. Aber diese gehypte Schwedin sollte sonstwas machen, nur bitte, bitte keine Krimis mehr schreiben.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Bettenburg zu »Liza Marklund: Olympisches Feuer« 30.11.2004
Interessant fand ich besonders die etwas exotische Perspektive einer Zeitungskrimreporterin bei einer Tageszeitung. Hinzu kommt die glaubhafte Vermittlung der alltäglichen Sorgen einer gestressten berufstätigen Mutter mit Familie und neuem Job. Die Handlung selbst fand ich eher durchschnittlich, steigerungsfähig.
Merlin zu »Liza Marklund: Olympisches Feuer« 20.10.2004
marklund schreibt nicht so düster wie mankell (den ich auch sehr schätze, aber nicht sooo oft lesen kann), aber dieser kalte winter.... als ob es in schweden ständig winter wäre. als hintergrund für die story ist die jahreszeit aber treffend. denn es geht nicht nur umd die körperlich fühlbare kälte dieser jahreszeit. denn die familie furhage ist nicht wirklich so, wie sie zu sein scheint.
tolles buch, sehr gut zu lesen. ist zu empfehlen.
Harald Schrapers zu »Liza Marklund: Olympisches Feuer« 14.02.2004
Ein toller Buch - wenn die Krimi-Couch mich nicht auf die falsche Fährte gelockt hätte. Leider wird auf der "Marklund"-Startseite behauptet, dass Olympisches Feuer der erst Roman sei - was ja nicht stimmt. Bei anderen Autoren ist Krimi-Couch sorgfältiger und vermerkt die Unterschiede zwischen der Handlung und dem Erscheinungsdatum eines Buches. Hoffentlich wird das mal korrigiert.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 17.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Olympisches Feuer

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: