Das Gift der Lüge von Lisa Unger

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Beautiful lies, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Page & Turner.

  • New York: Shaye Areheart Books, 2006 unter dem Titel Beautiful lies. 374 Seiten.
  • München: Page & Turner, 2007. Übersetzt von Eva Bonné. ISBN: 978-3-442-20308-6. 414 Seiten.
  • München: Goldmann, 2009. Übersetzt von Eva Bonné. ISBN: 978-3-442-46863-8. 414 Seiten.

'Das Gift der Lüge' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Was, wenn deine Familiengeschichte eine Lüge ist? Was, wenn deine Herkunft eine Lüge ist? Was, wenn dein ganzes Leben vom Gift der Lüge durchsetzt ist? Mitten im quirligen Manhattan genießt die selbstbewusste Ridley Jones ihr Leben als freiberufliche Journalistin. Und seit sie sich Hals über Kopf in den neuen Nachbarn Jake verliebt hat, scheint das Glück perfekt. Doch es zerbirst in tausend Stücke, als sie eines Tages in ihrer Post einen Brief findet, der ein Foto enthält sowie eine Notiz mit der Frage: »Sind Sie meine Tochter?«. Da Ridley der jungen Frau auf dem Bild erschreckend ähnlich sieht, beginnt sie, ihrer Familie quälende Fragen nach ihrer wirklichen Herkunft zu stellen. Dabei stößt sie auf ein Netz von Lügen, in dem jeder, dem Ridley je vertraut hat, gefangen zu sein scheint: Ihre Eltern, ihr Bruder, selbst Jake – alle haben etwas zu verbergen. Und Ridley ahnt nicht, dass sie einer weit reichenden Verschwörung auf der Spur ist, deren Hintermänner ihr nach dem Leben trachten …

Das meint Krimi-Couch.de: »Kurzweiliger Lesespaß« 60°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Für ein paar Tage steht die Journalistin Ridley Jones im Mittelpunkt des Medieninteresses, da sie auf einer belebten Straße ein kleines Kind vor einem herannahenden LKW gerettet hat. Wenige Tage nach Erscheinen einer Fotoserie in der New York Post und einem Bericht im Fernsehen findet Ridley in ihrer Post einen handschriftlich an sie adressierten Umschlag. Darin enthalten ist ein Foto eines alten Zeitungsausschnittes, auf dem eine Familie zu sehen ist. Die Mutter sieht Ridley zum verwechseln ähnlich und so lautet denn auch die Frage auf dem beigefügten Zettel (versehen mit einer Telefonnummer): »Sind sie meine Tochter?«

Nachdem ihre Eltern Ridley davon überzeugen können, dass dies wohl nur die Phantastereien eines Mannes sind, der ihr Bild im Fernsehen gesehen hat, wirft Ridley Foto und Zettel in den Müll. Am nächsten Morgen findet sie jedoch einen weiteren Umschlag. Dieser enthält die Überschrift eines Zeitungsartikels aus dem Jahr 1972 (»Junge Mutter ermordet aufgefunden; Kleinkind verschwunden«) und einen Zettel mit den Worten »Sie haben gelogen.«. Ridley sieht sich das Bild erneut an und entdeckt bei der Frau ein Muttermal, welches sie selber an der gleichen Stelle trägt. Mit Hilfe ihres erst wenige Tage zuvor eingezogenen Nachbarn Jake will Ridley die Wahrheit herausfinden. Doch wem kann sie in diesem Fall überhaupt noch trauen? Selbst Jake, mit dem sie ein intimes Verhältnis anfängt, scheint nicht der zu sein, der er vorgibt.

Ist Ridley in Wirklichkeit die kleine Jessie, deren Mutter vor über 30 Jahren von ihrem gewalttätigen Freund Christian Luna ermordet wurde? Aber wenn Luna seine Freundin umgebracht und deren Tochter entführt haben sollte, so müsste er doch wissen, was aus Jessie geworden ist? Ridley kann den ersten Zettel aus dem Müll retten und entschließt sich Luna anzurufen. Sie vereinbaren ein Treffen in der Bronx, bei dem sich Jake vorsichtshalber im Hintergrund hält. Luna schildert seine Version der damaligen Ereignisse und noch während Ridley versucht, dessen Aussagen zu verarbeiten fällt ein tödlicher Schuss …

»Es gibt viele Dinge, die du über mich wissen solltest«, sagte er leise und zum zweiten Mal, seit wir uns kannten. Diesmal war ich bereit, ihm zuzuhören.
»Ich weiß«, erwiderte ich. »Lass uns bei deinem Namen anfangen.«

Der noch junge Verlag »Page&Turner« hat mit seinem Namen die Messlatte für seine Bücher selber sehr hoch gelegt, denn natürlich erwartet der Leser (hier vor allem die Leserin) einen ebensolchen Roman. Von einem echten Pageturner kann man angesichts eines etwas eigenwilligen Beginns jedoch nicht sprechen, zumindest nicht im ersten Drittel des Buches. Doch dazu später mehr.

Für die Journalistin Ridley Jones beginnt ein Alptraum, den sich wohl niemand vorstellen kann. Über dreißig Jahre wuchs sie wohlbehütet in ihrem vermeintlichen Elternhaus auf, hatte seit Kindheit an einen »besten Freund« (spätere Hochzeit nicht ausgeschlossen) und einen Bruder, den sie verehrte. Doch ihr Bruder gerät auf die schiefe Bahn und fristet seit Jahren ein Dasein als Junkie. Ridley selber zog vor einiger Zeit aus, um als freie Journalistin ihren Weg in die Selbständigkeit zu finden und nun das. Aus heiterem Himmel ein Brief, der alles in Frage zu stellen scheint, zumal Ridley ihrer vermeintlichen Mutter kein bisschen ähnlich sieht (ganz im Gegensatz zu der Frau auf dem Zeitungsfoto). Ihr vertrautes Umfeld ist Ridley keine Hilfe, denn hier stößt sie überall auf eine Mauer des Schweigens. Alles Unsinn, sie müsse nur in der Schoss ihrer Familie zurückkehren und alles wird gut – so wie früher. Aber wer oder was ist ihre Familie? Wurde ihre leibliche Mutter wirklich ermordet und wenn ja, von wem und warum? Und fast noch wichtiger: Wem kann sie überhaupt noch trauen??

Guter Plot mit einigen Schwächen

Die Grundidee des Plots ist möglicherweise nicht neu, wird aber zumal für einen Debütroman gut umgesetzt. Einige Klischees, einige vorhersehbare Ereignisse und einige Zufälle wollen wir mal außen vor lassen (Debütbonus). Ein bisschen konstruiert darf es ja auch durchaus sein, zumal wenn dadurch die Spannung erhalten oder sogar noch erhöht wird. Dies gelingt Lisa Unger allerdings erst im Laufe des zweiten Drittels, da sie sich anfangs ein ums andere Mal mit Belanglosigkeiten aufhält. Ridley erzählt ihre Geschichte rückblickend, was ein wenig Spannung aus der Sache nimmt, und bezieht zudem durch (störende) Fragen den Leser immer wieder mit ein. Eine wegweisende Frage hinsichtlich der Beurteilung des Romans findet sich bereits auf Seite 32:

»Jetzt fragen Sie sich sicher: Müssen wir das alles wissen? All die Einzelheiten, wie sie ihre Wohnung verlässt?«

Nein, Frau Unger, dass müssen wir ganz sicher nicht! Dennoch bleibt festzuhalten, dass es durchaus spannend ist, Ridley bei ihrer Odyssee zu folgen und manchmal fällt man auf die ein oder andere Finte herein. Dass die Ich-Erzählerin Ridley bei ihrem Denken und Verhalten der berühmt-berüchtigten »weiblichen Logik« folgt, soll hier abschließend nicht verheimlicht, aber nicht ausschließlich negativ verstanden werden. Gleichwohl ist ihr Verhalten Jake gegenüber, nachdem er bezüglich seiner Identität bereits gelogen hat, alles andere als nachvollziehbar.

Für Leserinnen (und sicher auch einige Leser) ist »Das Gift der Lüge« ein kurzweiliger Lesespaß mit einer etwas anderen Story.

Jörg Kijanski, Juli 2007

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Domina-call-on-me.04514988322 zu »Lisa Unger: Das Gift der Lüge« 17.12.2009
Meine Meinung über diesen Roman ist sehr gespalten. einerseits ist die Grundlage eine gute Idee. Es ist gut strukturiert und hat Stil. Was mich nur sehr stört ist, dass es so vorrausschaubar ist. Man kann sich während des lesens eine vorstellung machen wie es abläuft und diese trifft auch ein. Das finde cih ist das negative denn es folgen keinerlei überraschungen auf die man sich nicht vorbereitet hätte.
So viel von mir.
Anja S. zu »Lisa Unger: Das Gift der Lüge« 06.03.2009
Dieser Debuetkrimi ist spannend geschrieben, leicht zu lesen, mit einem etwas eigenwilligen Schreibstil, bei dem die Ich-Erzaehlerin ihre Handlungsweise hinterfragt bzw. direkt den Leser anspricht. Leider ist die wohl nicht vermeidbare Liebegeschichte mit recht viel Herzio und Schmerzio geschrieben, was mir gelegentlich etwas auf die Nerven ging.
Cloody_Hoody zu »Lisa Unger: Das Gift der Lüge« 22.02.2009
Ich fande das Buch klasse!! Von Anfang an war es sehr spannend. Man sich gut in die Figur der Ridley Jomes hineinversetzen und malt sich aus, was passieren könnte. Ich wurde nicht enttäuscht bei diesem, denn alle Fragen, die ich mir während des lesens gestellt habe, wurden beantwortet.
Tolles Buch!!!
ullala zu »Lisa Unger: Das Gift der Lüge« 21.02.2008
Mir gefiel dieses Buch auf Anhieb sehr gut. die oben erwähnten Zwischenfragen könnte Frau Unger getrost weglassen.
fand das Buch sehr spannend-freue mich schon auf den zweiten Teil:"Der Fluch der Wahrheit." Habe die ersten dreissig Seiten schon im Internet gelesen...
Besonders diese Textstelle gefiel mir besonders gut: "Lernt man einen anderen Menschen besser kennen, beginnen seine körperlichen Eigenschaften in den Hintergrund zu treten. Man spürt seine Energie, erkennt den Duft seiner Haut wieder. Man sieht nur noch sein Wesen, nicht mehr die äussere Hülle. Deswegen ist es unmöglich, sich in Schönheit zu verlieben. Man kann sie begehren, von ihr bezaubert sein, sie besitzen wollen. Man kann sie mit Blicken und dem Körper lieben, nicht aber mit dem Herzen. Aus diesem Grund werden alle körperlichen Mängel unwichtig, sie verschwinden, sobald man sich auf einen anderen Menschen wirklich einlässt.
(...)
Vielleicht ist Liebe nicht mehr als das: einander zu erkennen. Durch alle Äusserlichkeiten hindurch."
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